Sizilien: Eine Geschichte von den Anfängen bis heute

Rezensionen zu "Sizilien: Eine Geschichte von den Anfängen bis heute"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 27. Feb 2020 

    Gute Übersicht

    Ein Althistoriker, Michael Sommer, und ein Renaissance-Experte, Volker Reinhardt, tun sich zusammen, um eine Geschichte der Insel Sizilien von den Anfängen bis heute zu schreiben. Das merkt man insofern, als dass die Fachgebiete dieser beiden Autoren etwas breiteren Raum einnehmen als andere Epochen, doch dies tut dem Buch keinen Schaden. Der Leser erfährt in der Übersicht vieles über Historie der Insel, die aufgrund ihrer Lage zwischen Europa und Afrika dafür prädestiniert war, die Rolle eine "golbal Players" zu spielen, was sie in der Zeit der griechischen Kolonisation auch tat, mit den Tyrannen der Stadt Syrakus stand sie sogar kurz davor, tatsächlich zu einem Imperium zu werden. Doch schnell wurde aus dem Player ein Spielball der Mächtigen, beginnend mit den Punischen Kriegen, die bekanntlich von Sizilien ihren Ausgang nahmen. Es folgten die Auseinandersetzungen der Völkerwanderungszeit (Vandalen, Goten) mit den Byzantinern, die diese Insel für die nächsten zweihundert Jahre prägten. Als nächste hinterließen im Mittelalter die Araber und die Normannen ihre Spuren, danach wurde die Insel zum Spielball zwischen Spaniern, Franzosen und Habsburgern. Bei so vielen Auseinandersetzungen verwundert es kaum, dass die Insel und ihre Bewohner ins Abseits gerieten mit Spuren bis heute, gilt doch der Süden Italien als das Armenhaus des Landes. Wie es dazu kommen konnte, erklären die beiden Autoren plausibel. Die Egoismen der mächtigen siziilianischen Adelfamilien verhinderten jeglichen Fortschritt, er andernorts in Europa vonstatten ging. Und nicht nur das, in ihren gegenseitigen Auseinandersetzungen warben die Adeligen um bewaffnete Banden, Keimzelle der späteren Mafia.

    Wer sich für die Geschichte der Insel Sizilien, die mir vor allem durch die Romane des jüngst verstorbenen Andrea Camilleri und deren Verfilmungen interessant geworden ist, interessiert, der ist mit diesem leider nicht ganz billigen Buch ersteinmal gut bedient. Eine Bibliographie bietet dann die Möglichkeit, einzelne Schwerpunkte zu vertiefen.