Sein Sohn

Buchseite und Rezensionen zu 'Sein Sohn' von Charles Lewinsky
4.6
4.6 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sein Sohn"

Louis Chabos wächst in einem Kinderheim in Mailand auf. Nachdem er in Napoleons Russlandfeldzug den Krieg kennengelernt hat, möchte er nur noch eins: endlich zu einem menschenwürdigen Leben finden und Teil einer Familie werden. In Graubünden erlangt er ein kleines Stück des erhofften Glücks. Doch das verspielt er, als die Sehnsucht nach dem unbekannten Vater ihn nach Paris ruft und er zwischen Prunk und Schmutz seine Bestimmung sucht.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:384
Verlag: Diogenes
EAN:9783257072105

Rezensionen zu "Sein Sohn"

  1. 5
    25. Sep 2022 

    Das Auf und Ab des Louis Chabon

    Dass Charles Lewinsky ein versierter Geschichtenerzähler ist, beweist er erneut mit seinem aktuellen Roman „ Sein Sohn“. Obwohl dieser nicht den Umfang von „ Melnitz“ oder „ Der Halbbart“ hat, die zwei erfolgreichsten Bücher des Autors, so erzählt er doch ein pralles Menschenleben von der Geburt bis zum Tod.
    Die Figur des Louis Chabon ist historisch verbürgt, wie wir in einer kurzen Anmerkung am Ende des Buches erfahren. Allerdings weiß man außer seiner Abstammung kaum etwas von ihm. Charles Lewinsky blieb also genug Freiraum, um seine Phantasie spielen zu lassen.
    Im Dezember 1794 kommt Louis als Sohn einer Köchin zur Welt. Kurz darauf wird er in einem Waisenhaus in Mailand abgegeben; sein Kostgeld war schon für 18 Jahre im Voraus bezahlt. Louis ist ein schwächliches Kind, das unter den Schikanen der größeren Jungs zu leiden hat. Aber er hat Glück und kommt mit zwölf Jahren in Dienst zu einem alten Marchese. Der bringt ihm zuerst Manieren bei und vermittelt ihm später eine Portion Selbstbewusstsein.
    Doch nach dem Tod seines Gönners muss Louis seinen eigenen Weg finden. Es folgen harte Zeiten, in denen Louis auf der Straße lebt und sogar ins Gefängnis kommt.
    Schließlich meldet er sich freiwillig zur Armee und zieht mit Napoleons Truppen nach Russland. An Seele und Leib versehrt kehrt er zurück.
    Trotz allem ist das Glück erneut auf seiner Seite, denn er trifft Menschen, die es gut mit ihm meinen. In Graubünden, wohin ihn die Suche nach seinen Eltern getrieben hat, wird er endlich sesshaft. Als angesehener Bürger lebt er einige Jahre glücklich mit seiner Frau , der gemeinsamen Tochter Mia und Laurin, einem Findelkind.
    Doch dann findet sich ein Hinweis, dass sein Vater Frankreichs „ Bürgerkönig“ Louis Philippe ist. Jener war auf seiner Flucht vor den Wirren der Französischen Revolution für kurze Zeit unter dem Namen Chabon als Französischlehrer in Reichenau und hat eine junge Köchin geschwängert.
    Als der König auf Louis Briefe nicht reagiert, beschließt dieser, selbst nach Paris zu reisen, in der Hoffnung, seinen Vater zu treffen. Doch in Paris wütet die Cholera.

    Mit viel Tempo erzählt Charles Lewinsky seine Geschichte, das muss er, wenn er auf nicht mal 400 Seiten ein ganzes, äußerst ereignisreiches Leben unterbringen will. Denn die Lebensgeschichte des Louis Chabon bietet Stoff und Dramatik genug, die Figuren hätten das Potential für mehr.
    Aber Charles Lewinsky erzählt zwar streng chronologisch ( wenn man vom Eingangskapitel absieht, das mit dem Schlusskapitel eine Klammer bildet ), doch er beschränkt sich auf einzelne Episoden, greift in kurzen Kapiteln schlaglichtartig Schlüsselszenen auf.
    Die Geburt des Jungen ist eine Lehrstunde der Gynäkologie, Anschauungsunterricht für angehende Ärzte. Was es heißt, im 18. Jahrhundert in einem Waisenhaus aufzuwachsen, wird danach auf wenigen Seiten geschildert. Und dann gelingt es dem Autor, mit kurzen Szenen die Schrecken und die Unsinnigkeiten eines Krieges ausdrucksvoll darzustellen. Drastisch beschreibt Lewinsky, welche furchtbaren Auswirkungen das „ Jahr ohne Sommer“ für die einfache Bevölkerung hatte und was sich in den Straßen von Paris während der Cholera abspielte. Bei all dem geschichtlichen Hintergrund lassen sich immer mal wieder Bezüge zur Gegenwart herstellen, ohne dass der Autor darauf explizit verweisen muss.
    Neben dem anschaulichen Gesellschaftsportrait ist „ Sein Sohn“ aber v.a. ein Entwicklungsroman. Als Leser begleitet man den Protagonisten auf seinem Weg. Man leidet mit ihm, will ihn bewahren vor falschen Entscheidungen. Gerade zum Ende hin, als die Vatersuche für ihn zu einer fixen Idee wird und Louis sein ganzes Glück aufs Spiel setzt. Andererseits kann man verstehen, dass die Kenntnis der eigenen Wurzeln wichtig für ihn sind. Zur wirklichen tragischen Figur wird Louis am Schluss. Das Bewusstsein seiner Selbst kommt im Grunde zu spät. „ Louis war kein Kind mehr. Er war Louis Chabons. Der Mann von Seraina. Der Vater von Laurin und Mia. Er brauchte diesen König nicht.“
    Auch die zahlreichen, z.T. skurrilen Nebenfiguren, die manchmal nur einen kurzen, aber prägnanten Auftritt haben, bleiben im Gedächtnis.
    Lewinsky erzählt sinnlich und in einer schönen Sprache. Pointierte Dialoge, Sätze voller Weisheit und Humor tragen außerdem zur Lesefreude bei.
    „ Sein Sohn“ ist ein packendes und berührendes Porträt eines Menschen und einer ganzen Epoche, spannend und unterhaltsam, ein absolutes Lesevergnügen für jeden.

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  1. Das außergewöhnliche Leben des Louis Chabos

    Von Stefan Zweig ist der Spruch ‚Wer seine Wurzeln nicht kennt, kennt keinen Halt‘ überliefert. Somit ist es für jeden Menschen fast zwingend notwendig, nach den eigenen Wurzeln zu suchen. (Und ich verrate wahrscheinlich nichts Neues, wenn ich erzähle, dass sich das im Alter noch steigert - nicht umsonst betreiben so viele ältere Herrschaften Ahnenforschung, wir übrigens auch!)

    Doch jetzt zum Protagonisten ‚Louis Chabos‘: nach einer schweren Geburt am 16.12.1794, in einem Waisenhaus in Mailand aufgewachsen (die Gebühr wurde für ihn 18 Jahre im Voraus bezahlt), hat er mit den verschiedenen Personen, auf die er nach seinem 12. Geburtstag trifft, großes Glück: sie helfen ihm und jeder bringt ihn auf seine eigene Art einen Entwicklungsschritt weiter - Louis kommt aber auch einfach mit seiner sympathischen Art gut an!

    Aber nicht nur seine spannende, abwechslungsreiche Lebensgeschichte fand ich sehr gut erzählt, sogar richtig süffig, sondern mich begeisterten auch die ganzen beeindruckenden Charaktere der Nebenrollen, der geschichtliche Hintergrund und auch die vielen lebensklugen Sätze, die sich dafür eignen, an die Wand gehängt zu werden. So erlebt der Lesende nicht nur verschiedene Handlungsorte im 19. Jahrhundert wie z.B. das Waisenhaus in Mailand, den französischen Rückzug in Russland, sondern auch – durch die Suche nach den Eltern bedingt - das ländliche Leben in Graubünden (inklusive dem – damals schon - traditionellen Gebäck ‚Totenbeinli‘, das beim Leichenschmaus gereicht wird) und natürlich Paris, wo die Cholera wütete.

    In kurzen, knappen Kapiteln eingeteilt, las sich das Buch wie in einem Rausch. Mit den letzten drei Seiten schließt sich auch der Kreis zu den ersten drei - ein genialer Schachzug! Und dieses Werk wäre nicht von Charles Lewinsky, wenn der aufmerksame Leser nicht zwischen den Zeilen lesen und auch Parallelen zur jetzigen Zeit entdecken könnte. Es regt außerdem an, sich näher mit den geschichtlichen Ereignissen zu beschäftigen.

    Das Buch ‚Sein Sohn‘ war einfach ein Genuss und ich bedauerte sehr, als ich es schließen musste. (Es hätte ruhig noch ein paar Hundert Seiten mehr haben dürfen!) 5 begeisterte Sterne vergebe ich und empfehle es allen, die Freude an interessanten und spannenden Geschichten mit historischem Hintergrund haben!

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  1. Ein echter Lewinsky

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    Cover des Buches Sein Sohn (ISBN: 9783257072105)Christian1977s avatar
    Rezension zu Sein Sohn von Charles Lewinsky
    Ein echter Lewinsky
    von Christian1977 vor 11 Stunden

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    Christian1977s avatar
    Christian1977vor 11 Stunden
    Mailand, zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Im Waisenhaus Martinitt fristet der kleine Louis Chabos ein unglückliches Dasein. Von den größeren Jungen wird er drangsaliert, und auch von den Erwachsenen erfährt er keine Liebe. Als ihn die Mutter Oberin an seinem zwölften Geburtstag zu sich ruft, ahnt er noch nicht, dass sich sein Leben in den nächsten Wochen und Monaten komplett ändern wird. Denn nun, da er "erwachsen" ist, ist es Zeit für seinen ersten Job. Beim alten Marchese wird er fortan als Diener eine neue Moral und die Werte des Lebens kennenlernen. Und erfährt erstmals so etwas wie Respekt und Zuneigung...

    Der Schweizer Schriftsteller Charles Lewinsky sagte auf einer Lesung zu seinem damaligen Roman "Der Stotterer" einmal, sein Ziel sei es, mit jedem seiner Bücher eine ganz neue Geschichte zu erzählen. Bei Diogenes ist nun sein aktueller Roman "Sein Sohn" erschienen - und erneut gelingt es Lewinsky, aus einer minimalen historischen Information eine ganze Lebensgeschichte zu entwickeln.

    "Sein Sohn" ist eine Mischung aus historischem Coming-of-Age- und klassischem Abenteuerroman, die sich weniger durch sprachliche oder literarische Extravaganzen als durch die Kunst des Erzählens selbst auszeichnet. Denn dass Lewinksy ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, stellt er mit diesem Werk einmal mehr eindrücklich unter Beweis.

    Hervorzuheben ist dabei, wie es Lewinsky gelingt, die Leserschaft an den Protagonisten Louis Chabos zu binden, diesem Jungen und Mann, auf der Suche nach sich selbst und nach seinen Eltern. Denn obwohl die Sätze kurz und knapp sind, die Sprache des auktorialen Erzählers eher distanziert ist, leidet und hofft man als Leser:in mit diesem Louis. Trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse, die ihm in den Weg gelegt werden, hat man das Gefühl, dass Louis nie verloren ist, dass es immer eine helfende Hand gibt, die ihm aus dem Schlamassel befreit.

    So folgt man Louis Chabos auf seinem gesamten Lebensweg, den Lewinksy episodenhaft erzählt. Besonders gelungen ist der Beginn, wo sich Louis' Geburt direkt an eine einleitende Beerdigunsszene anschließt. Selten lagen in der Literatur Tod und Geburt so nah beieinander.

    Ständig tauchen im Anschluss neue Nebenfiguren auf, die für Louis' Werdegang mal mehr, mal weniger wichtig sind. Gerade in Louis' Kindheit fühlte ich mich dadurch häufig an die Serie "Sans Famille" nach dem Roman von Hector Malot erinnert. Und so schnell, wie die Charaktere auftauchten, sind sie auch schon wieder verschwunden, denn Lewinsky legt ein fast schon abenteuerlich schnelles Erzähltempo vor. Dies ist sogleich Vor- und Nachteil des Buches. Einerseits sorgt das temporeiche Erzählen für kurzweilige und spannende Unterhaltung, doch andererseits fehlt den Nebenfiguren dadurch auch ein wenig Tiefe. Man ist geneigt, sie recht schnell wieder zu vergessen. Sprachlich gestaltet sich der Roman in diesen Phasen relativ einseitig. Kurze pointierte Hauptsätze wechseln sich vor allem mit Dialogen ab.

    An zwei Stellen experimentiert Lewinsky mehr mit der Sprache und entwickelt sogleich etwas Rauschhaftes. In einer Nahtoderfahrung Louis' verschwimmen plötzlich die Grenzen des linearen Erzählens und all seine Erinnerungen wirbeln nicht nur den Helden durcheinander, sondern auch die Leser:innen, die blitzlichtartig gewisse Dialoge und besonders wichtige Stellen noch einmal und dadurch Louis' Rausch selbst miterleben. Eine sehr gelungene Extravaganz, von denen ich mir durchaus mehr gewünscht hätte.

    Dennoch ist "Sein Sohn" alles andere als eine Enttäuschung. Die Geschichte ist spannend genug, um die knapp 400 Seiten zu tragen, vermutlich hätte sie selbst die doppelte Seitenanzahl gut ausgefüllt. Denn ein echter Lewinsky langweilt eben nie - und erzählt jedes Mal etwas ganz Neues.

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  1. 4
    20. Sep 2022 

    Von Söhnen und Vätern in Zeiten der Cholera

    Wenn man zu einem Buch von Charles Lewinsky greift ist es, wie wenn man einen guten Wein aus einer Winzerei bezieht, deren Qualität man kennt und lieben gelernt hat. Natürlich können sich die Weine aus verschiedenen Anbaujahren in ihrer Qualität leicht unterscheiden, trotzdem wird man keine schlechten Erfahrungen machen. Man weiß halt, worauf man sich einlässt.

    In seinem neusten Buch legt Lewinsky nach altem Rezept einen historischen Roman vor, der sich diesmal in der Zeit von Napoleons Herrschaft bis zu der von Louis-Philippe I., König von Frankreich, und dem Cholera Ausbruch in Europa. Wir begleiten von Geburt bis zum Tode den Protagonisten Louis Chabos; als Waisenkind in Mailand aufgewachsen, als Soldat mit der Armee Napoleons bis nach Russland marschiert, dann in der noch jungen Schweiz als Winzer und Weinhändler sesshaft und glücklich geworden und doch bis zuletzt gefährlich-wahnhaft auf der Suche nach seinen Eltern gewesen.

    Wie immer süffig und flott erzählt Lewinsky die Geschichte des Waisenjungen Louis, der bei viel erlebtem Elend doch immer wieder mit seiner freundlichen Art nette Menschen trifft, die ihm irgendwie weiterhelfen auf seinem Lebensweg durch Europa. So muss man selten richtige Angst um Louis haben und kann sich ganz auf die unterhaltsame Lektüre konzentrieren. Leicht erzählt uns Lewinsky von historischen Zusammenhängen, die durch die Romanform für die heutigen Leser:innen greifbarer denn je werden. Im Gegensatz zu einem Geschichtsbuch fiebert man oft richtiggehend mit Louis mit und hofft nur das Beste für ihn. Da man „einen Lewinsky“ liest, kann man sich während der Lektüre relativ sicher darauf verlassen, dass sich der Protagonist schon irgendwie durchwursteln und damit sehr charakteristisch ausgearbeitete Nebencharaktere treffen wird. Das macht auch dieses Buch zu Unterhaltungsliteratur mit historischem Hintergrund erster Güte.

    Sehr gut haben mir Querverweise auf der Metaebene innerhalb des Romans sehr gut gefallen. Hier erwähnt der Biograf eines Medizinprofessors, in dessen Biografie sollte die komplizierte Geburt von Louis ein extra Kapitel erhalten. Wir wissen zu diesem Zeitpunkt schon: Lewinsky hat das für ihn schon zu Beginn des Romans übernommen. Auch schließt sich mit dem letzten Kapitel des Romans der Kreis und man kann gleich noch einmal das erste Kapitel lesen. Sehr schön gemacht.

    Allein ein wenig gestört hat mich das mitunter doch sehr gehetzte Springen von einer Lebenssituation Louis‘ zur nächsten. Da hätte sich der Autor gern etwas mehr Zeit lassen und an der ein oder anderen Stelle etwas mehr in die Tiefe schreiben können. Da man diesen knapp 370 Seiten langen Roman im Handumdrehen weggelesen hat, hätte es auch nicht gestört, wenn ihn der Autor 200 Seiten länger oder gar doppelt so lang gemacht hätte. Er kann so flüssig schreiben, dass nie Langeweile aufkommt, ob nun über 370 oder 700 Seiten.

    Somit empfand ich die Lektüre des Romans wirklich als sehr unterhaltsam und trotzdem mit einem gewissen literarischen Anspruch. Im Vergleich zu den beiden Vorgängern „Der Stotterer“ und „Der Halbbart“ musste ich ob der rasanten Geschwindigkeit des Romans einen kleinen Abstrich machen, komme aber immer noch auf glatte 4 Sterne. Wieder einmal eine sehr lesenswerte Lektüre vom Autor Charles Lewinsky. Damit kann man eigentlich nichts falsch machen.

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  1. Die Geister, die ich rief

    Klappentext:
    „Louis Chabos wächst in einem Kinderheim in Mailand auf. Nachdem er in Napoleons Russlandfeldzug den Krieg kennengelernt hat, möchte er nur noch eins: endlich zu einem menschenwürdigen Leben finden und Teil einer Familie werden. In Graubünden erlangt er ein kleines Stück des erhofften Glücks. Doch das verspielt er, als die Sehnsucht nach dem unbekannten Vater ihn nach Paris ruft und er zwischen Prunk und Schmutz seine Bestimmung sucht.“

    Da ist er wieder - Charles Lewinsky ist, nach „Der Halbbart“, mit einem neuem Werk präsent. „Sein Sohn“ hat ebenfalls so einen gewissen „Zauber“ inne wie sein letztes Buch. Auch hier erleben wir anhand einer Kinderseele namens Louis einerseits ein Menschenschicksal aber eben auch eine geschichtliche Entwicklung aber und nun kommt das ABER, Lewinsky führt nicht den gleichen Stiefel hier weiter sondern sein Protagonist Louis Chabos darf natürlich seine eigene Geschichten durchlaufen. Diese ist sprachgewaltig, besonders und erfährt immer wieder Schnelligkeit aber auch das Gegenteil. Lewinsky lässt seine Figur all das durchleben was wir Menschen auch manches Mal verlangen aber was ist, wenn man es hat nach dem man giert? Wie verändern wir uns und wie entwicklen wir uns dadurch und machen unsere Erfahrungen? Louis scheint DIE Chance zu erhalten die man ihm gönnt aber er hat auch die Verpflichtung diese gekonnt und ein wenig wehmütig zu nutzen. Louis schöpft aber aus den Vollen und alles kommt anders. Sie wollen wissen was und warum? Lesen Sie dieses Werk! Es ist wahrlich eine Bereicherung und Lewinsky schafft es immer wieder den Leser zu fesseln. Er tut dies nicht nur mit seinen Worten sondern auch mit den Bilder die er mit Worten erzeugt und dem unweigerlichen Kopfkino. Er schreibt immens viel zwischen den Zeilen und man muss hier feinfühlig lesen, aufmerksam und die Worte genau interpretieren. Lewinsky bietet ebenfalls wieder Raum für eigene Gedanken. Die sind auch nötig denn Louis bringt einen manches Mal um den Verstand! Der Wechsel zwischen Reich und Arm, Gut und Böse ist so extrem gekonnt und hier und da auch scharfzüngig beschrieben, dass man nur sagen kann, Lewinsky hat einfach ein perfektes Gespür, seine Umgebung genau zu beobachten und diese aus der Zeit zu reißen und in fast lyrische Worte zu verpacken. Er vermag immer den richtigen Ton zu treffen und die Situationen bestens zu stricken und dennoch macht Louis hier was er will. Lewinsky zeichnet das Auf und Ab des Lebens in unverblümter Sprache, er zeichnet Emotionen wie kaum ein Anderer - 5 von 5 Sterne für dieses Werk!

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