Seide: Roman

Rezensionen zu "Seide: Roman"

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    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Mai 2017 

    Reich wird man erst durch Dinge die man nicht begehrt. 'Ghandi'

    1861, Hervé Joncour, verheiratet mit Helène, reist zum ersten Mal nach Japan um dort Seidenraupeneier zu kaufen. Dort verfällt er regelrecht der Gefährtin seines Geschäftspartners Hara Kei, einer jungen ätherischen Erscheinung, ohne jedoch ein Wort mit ihr zu wechseln. Bei seiner zweiten Reise wird er am letzten Abend von ihr gewaschen, doch ohne dass er sie zu Gesicht bekommt und ein Wort gewechselt wird. Auf einem Stück Papier das sie ihm zusteckt, steht: 'Kommen Sie zurück oder ich sterbe'. Als er ein drittes Mal nach Japan aufbricht, lässt sie ihm eine Geliebte zukommen als wäre diese eine Art Ersatz. Statt, wie man meinen könnte, dass all diese Erlebnisse ihn von seiner Frau entfernen, tritt das Gegenteil ein: Ihre Stimme macht ihn glücklich, er macht zum ersten Mal gemeinsam mit ihr eine Reise, gesteht ihr seine Liebe.

    Man könnte es nur als eine schlichte, jedoch wunderschöne und poetische Liebesgeschichte lesen. Doch zuviel im Text weist daraufhin, dass hier auch beschrieben wird, wie zum einen eines der größten Hindernisse in der buddhistischen Lehre überwunden wird: das Verlangen, Begehren. Und wie zum andern die fortgesetzte, vollständige und bewusste Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments erreicht wird, eines der Ziele im Zen-Buddhismus.
    - Beispielsweise die immerwiederkehrenden fast wortwörtlichen Wiederholungen seiner An- und Abreise, das sich Anblicken der Beiden - Wiederholungen sind eine Übungsweise der Zen-Meditation um den Kopf freizubekommen. Den Kopf, der stets denkt und ein neues Ziel im Blick hat, dass es zu erlangen gilt und dabei das Wesentliche übersieht.
    - Auch der Kauf der 30 Morgen Land und die anschließende Umwandlung in einen Park ist ein Weg des Zen: Zengarten, die Kunst der Gartengestaltung.
    - Als Hervé seiner Frau Helène erklärt, was eine Volière ist - Vögel hineinzusetzen um sie anschließend fliegen zu lassen: das Aufgeben des Begehrens.
    - Die Langsamkeit, die Aufmerksamkeit, die Stille, von denen seine Aufenthalte in Japan stets geprägt sind. All dies sind Merkmale der Zen-Praxis.

    Ein kleines Buch, das neben einer wunderschönen Liebesgeschichte noch einiges mehr zu bieten hat.