Schwarzrock

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarzrock' von Moore, Brian
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schwarzrock"

Père Laforgue kommt als Jesuit in die Neue Welt, um unter Lebensgefahr »Wilde« zu missionieren. Doch je länger er deren Leben teilt, desto mehr beginnt er sie zu begreifen. Die gemeinsame Fahrt den Fluss hinauf gen Norden, durch Feindesland, dem Winterlager entgegen, wird zur Bewährungsprobe. Mit genau recherchierten Details lässt Brian Moore das frühe 17. Jahrhundert plastisch werden. Ein atemlos spannender Abenteuerroman, basierend auf Augenzeugenberichten.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:272
Verlag:
EAN:9783257071450

Rezensionen zu "Schwarzrock"

  1. Eindrucksvoller Roman

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Okt 2020 

    Eindrucksvoller Roman

    Schwarzrock von Brian Moore

    Pére Laforgue, ein französischer Jesuit, hat sich einer schwierigen Aufgabe gewidmet. Er will die indigenen Völker Kanadas missionieren. Daher reist er zu den großen Seen nach Nordamerika. Sein Ziel ist es, den dort ansässigen Patres zu Hilfe zu kommen, da eine schlimme Krankheit grasiert. Begleitet wird er auf diesem beschwerlichen Weg von Daniel, einem jungen Franzosen und einigen Algonkin.
    Moore beschreibt in diesem Roman, der bereits 1985 erstmalig erschien, wie die Ureinwohner lebten. Mir wurde schnell klar, dass diese Menschen eigentlich keine Hilfe brauchen. Dennoch war dies der Grundsatz der Arbeit der Jesuiten. Sie waren blind, könnten nicht erkennen, dass nicht jeder an Gott glauben muss um ein gutes Leben führen zu können.

    Laforgue ist zu Beginn der Reise sehr kränklich, die Fahrt auf dem Fluss sehr kräftezehrend. Ihm ist klar, dass er von den Algonkin zurückgelassen wird, sollte er eine Last werden. Dies ist eins der vielen Beispiele für die andersartige Lebensweise. Für uns eine grausame Vorstellung, für das Volk ging es damals ums Überleben. Es lauerten viele Gefahren auf sie, nicht nur wilde Tiere auch verfeindete Stämme konnten gefährlich werden. Auch die Krankheiten der Patres wurden vielen von ihnen zum Verhängnis. Da sie das erste mal mit Ihnen in Kontakt kamen, und daher keine Abwehrkräfte hatten.
    Bei den Algonkin wird geteilt, jeder bekommt zu essen nach der Jagd. Ein Grundsatz der bewundernswert ist, da so weniger Neid untereinander aufkommt. Die westliche Welt ist von Macht und Besitztümern geprägt, was nicht nur Vorteile mit sich bringt.

    Der Roman zeigt im weiteren Verlauf ganz deutlich, dass auch Pére Laforgue nicht mehr von allem was er tut gänzlich überzeugt ist. Was sicher auch daran liegt, dass er miterlebt wie Daniel und eine junge Algonkin sich verlieben und der Junge bereit ist ihr Leben zu teilen. Viele Ereignisse reihen sich aneinander bis der Peré endlich am Ziel ankommt. Viele Erlebnisse die ihn nachdenklich gestimmt haben. Einiges hat ihn in seinem Glauben gestärkt, aber einiges sähte auch Zweifel in ihm. Und genau dieser Umstand machte den Roman so realistisch für mich, er stellt nämlich beide Seiten dar.

    Der Roman ist sehr vielschichtig, er bietet neben einer abenteuerlichen Reise auch sehr viele gut recherchierte Hintergrundinformationen zu dieser Zeit und den Völkern. Ein Roman, dem man durchaus Beachtung schenken sollte meiner Meinung nach!

  1. Missionieren

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 12. Okt 2020 

    Bereits 1987 erschien Brian Moores (1921-1999) Roman „Schwarzrock“ zum ersten Mal in deutscher Sprache. Dieses Jahr hat der Diogenes Verlag das Buch mit einem Nachwort von Julian Barnes neu aufgelegt.

    Moore beschreibt die gefahrvolle Reise eines französischen Jesuitenpaters im frühen 17 Jahrhundert in den Norden zu den großen Seen. In einer abgelegenen Missionsstation soll er den Patres zur Hilfe kommen oder sie ihm schlimmsten Fall ersetzen. Pater Laforgue ist ein eifriger Diener Gottes, er träumte schon früh vom christlichen Helden- und Märtyrertum. Zusammen mit einem jungen Franzosen, der die Sprache der Stämme der Algonkin, Huronen und Irokesen spricht und einigen Algonkin Indianern, die ihn mit ihren Kanus zu seinem Ziel bringen sollen, bricht er zu Beginn des Winters auf. Die Reise ist strapaziös und gefährlich. Er wird mit Krankheit, Verrat, Lügen und Tod konfrontiert.

    Brian Moore hat für seinen Roman aus dem Bericht des amerikanischen Historikers Francis Parkman „The Jesuits in North America in the Seventeenth Century“ geschöpft. Die Briefe der französischen Jesuiten und ihre Aufzeichnungen sind frühe Dokumente über die Ureinwohner Nordamerikas. Das verleiht dem Buch auch Authentizität und räumt auf mit dem Klischee der Wild West Romantik. Pater Laforgue ekelt sich vor dem Schmutz, dem Gestank der ungewaschenen Leiber, der zügellosen Sexualität und der unflätigen Sprache der „Wilden“. Aber das beflügelt ihn auch zu seiner Aufgabe, zu missionieren, zu bekehren und Seelen zu retten.
    Die Konfrontation der Kulturen ist voller Konflikte. Die eingeborenen Indianerstämme verachten die Weißen und ganz besonders die „Schwarzröcke“ genannten Missionare. Sie machen sich über sie lustig, halten ihre religiösen Bräuche für faulen Zauber und betrügen sie, wo sie ihren Vorteil sehen.

    Moore schildert diese Begebenheiten völlig wertfrei, aber ich hatte immer das Gefühl, dass zwischen den Zeilen seine Sympathie, zumindest sein Verständnis auf den Seiten der indianischen Stämme ist. Auch Laforgue wird am Ziel seiner Reise einen anderen Blick bekommen und zweifeln, aber seine Aufgabe annehmen.

    Der Roman hat in vielen Passagen etwas Abenteuerliches, aber nichts von einer falschen Romantik des „edlen Wilden“. Es ist auch Blick auf eine Kultur, die von der ersten Begegnung an mit den weißen Pelzhändlern und Missionaren zum Untergang verurteilt wurde. Es lohnt sich diesen Roman wieder zu entdecken.

  1. Die Missionierung der kanadischen Ureinwohner

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Okt 2020 

    "So werden die Normannen uns vielleicht am Ende vernichten. Nicht durch Krieg, sondern durch einen Zauber, der uns so macht, wie sie selbst sind." (Buchauszug)
    Der französische Jesuit Père Laforgue reist nach seiner Ausbildung zum Missionar in die Neue Welt. Im kanadischen Quebec wird er zusammen mit seinem jungen Begleiter Daniel Davost und einer Gruppe Algonkins in den Norden zur Jesuitenmission reisen. Was kurz vor dem Wintereinbruch keine einfache Reise werden wird. Den nicht nur Hunger, Krankheit stellen Laforgue vor eine Herausforderung. Sondern die unkultivierte Art der Wilden wird für Laforgue zur großen Herausforderung und besonders nachdem sich Daniel in eines der Mädchen der Wilden verliebt. Hin- und hergerissen dieses sündigen Verhaltens stellt er sogar seinen eigenen Glauben infrage. Nicht nur die Gefangennahme durch feindliche Irokesen, die sie mit Folter und Kannibalismus bedrohen, werden zur großen Gefahr, sondern auch eine Krankheit in der Jesuitenmission.

    Meine Meinung:
    Diese Geschichte spielt im französischen Kanada im frühen 17. Jahrhunderts. Jesuiten, auch Schwarzröcke von den Wilden genannt, kommen in die Neue Welt, um ihnen das Evangelium zu lehren und ihre zivilisierte Lebensweise nahezubringen. Diese Erzählung basiert teils auf reale Berichte von Jesuiten. Sie zeigen die Schwierigkeiten ihrer Reise mit einer Gruppe Algonkins, ihre Gefangennahme durch verfeindete Irokesen, die einige töten und verletzen. Die Flucht von ihnen mit dem Algonkin Chomina und seiner Tochter Annuka bis zur Ankunft in der fernen Missionsstation, wo viele der Wilden an Fieber gestorben sind. Neben der abenteuerlichen Erzählung ihrer Reise geht es hauptsächlich um kulturellen Konflikte und das gegenseitige Unverständnis zwischen den Geistlichen und denen, die hier als „Wilde“ bezeichnen werden. Die Missionare waren überzeugt, dass ihre Religion, Alphabetisierung und ihre Zivilisation ihnen Überlegenheit gegenüber den Ureinwohnern verschafften, die eher als sündig und rückständig betrachtet wurden. Laforgue der bisher an Privatsphäre und Einsamkeit gewöhnt war, die für die spirituelle Entwicklung des katholischen Zölibats unverzichtbar ist, wird dann in eine Gesellschaft katapultiert, in der es praktisch keine Privatsphäre mehr gibt. Umso entsetzter ist es für ihn zusehen, dass jemand dies alles der Liebe wegen hinwirft und sich den Wilden anschließen möchte. Es kommt sogar zu einer voyeuristischen Beteiligung, als er beim Liebesspiel zusieht und über sich selbst entsetzt ist. Brian Moore verschleiert und beschönigt hier nichts, im Gegenteil für mich war es fast unmöglich, einige Szenen mir bildlich vorzustellen. Dabei scherzen und reden die Wilden meist in einer extrem provokant derben Sprache untereinander, haben ein ausschweifendes Sexualverständnis und selbst das Essen ist nicht gerade kultiviert. Der Autor leistet dabei eine wirklich gute Arbeit, weil er dadurch die Wilden so darstellt, wie sie wahrscheinlich wirklich waren. Gleichzeitig sollte man sie nicht verurteilen, den sie kannten ja nicht anderes. Und selbst Laforgue muss feststellen, das nicht jedes Verständnis der Wilden schlecht ist und er selbst sogar seinen eigenen Glauben hinterfragen muss. Gleichzeitig hatten die Franzosen den Nordamerikanern natürlich eine Menge wunderbare neue Waren zu bieten, die sie nicht kannten und durch die Versuchung dieser Waren haben die Indianer den Schwarzröcken wie Laforgue dann ihr Land und ihre Lebensweise geöffnet. Der Film zu diesem Buch ist übrigens ebenfalls sehenswert.Trotz meiner Vorbehalte gegenüber seiner derben Sprache ist dies eine interessante Geschichte zum Nachdenken über religiöse Traditionen und die Kultur von Naturvölkern, die mich überzeugen konnte und der ich 4 von 5 Sterne gebe.