Schwarzer Donnerstag: Kriminalroman aus der Weimarer Republik

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarzer Donnerstag: Kriminalroman aus der Weimarer Republik' von Gunnar Kunz
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Inhaltsangabe zu "Schwarzer Donnerstag: Kriminalroman aus der Weimarer Republik"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:212
EAN:9783749487028

Rezensionen zu "Schwarzer Donnerstag: Kriminalroman aus der Weimarer Republik"

  1. Unterweltkrieg oder Familientragödie?

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Okt 2020 

    Im April 1929 wird die Leiche des Rauschgifthändlers und Zuhälters Rasmus Gehler aufgefunden. Kommissar Gregor Lilienthal, der noch an den moralischen Folgen seines letzten Falles zu knapsen hat, kommt bei den Ermittlungen nicht so recht voran, da es beinahe zu viele Spuren gibt, die in verschiedene Richtungen führen. War der Mord das Ergebnis eines Verteilungskampfes im Drogenmilieu? Oder hat ein Kleinkrimineller, dem Gehler übel mitgespielt hatte, seine private rache an ihm genommen? Und welche Rolle spielt ein Bankierssohn, der als Kunde Gehlers eine morbide Neigung zu Selbstmorden verspürt? Die Ermittlungen führen Lilienthal ins verschiedenste Kreise Berlins, einerseits in die der Reichstagsabgeordneten, andererseits die der Unterwelt, im eigentlichen und im übertragenen Sinne. Doch es ist wie schon in den Vorgängerromanen wieder einmal die tatkräftige Unterstützung seiner Ehefrau Diana und seines Bruders Hendrik, die ihm gut ein halbes Jahr später eine tragische Familiengeschichte aufdecken lässt, was dann auch zur Überführung des Täters führt.

    Wie immer bei Gunnar Kunz ist diese Kriminalhandlung gekonnt in die tatsächliche Zeitgeschichte eingebettet. Der Berliner Blutmai spielt zwar keine Rolle für den Fall, doch die beiden Brüder geraten mitten in diese Auseinandersetzungen hinein, wenn auch, im falle Hendriks, eher zufällig. Und auch die Auseinandersetzungen um die Annhame des Youngplans zur Reparationsfrage, die einerseits zur Festigung des nationalistischen Lagers führte und andererseits diesem gewaltig in die Hände spielte, kommen nicht zu kurz. Das die Lösung des Falles dann mit dem Auslöser der weltwirtschaftskrise, deren Vorboten im Roman bereits deutlich werden, zusammenfällt, ist dann keine Überraschung mehr. Kunz ist es gut gelungen, den scheinbar unaufhaltsamen Aufstieg des Nationalismus, insbesondere des Nationalsozialismus gegen Ende der 20er Jahre zu beschreiben, von dem beide Brüder konkret betroffen sind, Gregor durch die Zusammenarbeit mit Arthur Nebe (im Dritten Reich Chef des Reichskriminalpolizeiamtes), Hendrik durch die Anfeindungen nationalistischer Studenten, denen er als Universitätsprofessor mit sozialdemokratischen Neigungen ausgesetzt ist. Es fragt sich, ob es angesichts des tatsächlichen Verlaufs der Geschichte noch eine längere Zukunft der beiden als Ermittler geben kann.