Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago' von Michael Sommer
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Beck C. H.
EAN:9783406767203

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Rezensionen zu "Schwarze Tage: Roms Kriege gegen Karthago"

  1. Das Buch ist sehr gut in dem, was es macht.

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Mär 2021 

    Der Autor hat hier ein einwandfreies wissenschaftliches Werk verfasst, mit ausführlicher Quellenforschung und Behandlung offener Forschungsfragen. Was hier herausgekommen ist, ist ein Werk für Studenten, Wissenschaftler und Amateurhistoriker. Für mich jedoch, den das Thema durchaus interessiert und der einfach gerne in die Ereignisgeschichte eingetaucht wäre, ist dies leider ein sehr mühsam zu lesendes Buch. Ständig die Verwendung von Konjuntiv I und immer wieder die Vergleiche von schriftlichen Quellen, sind zwar handwerklich korrekt gemacht, aber für mich komplett uninteressant. Ich lese gerne Geschichtsbücher, wenn sie spannend die Geschichte erzählen. Der Autor holt hier jedoch immer sehr weit aus mit seinen Theorienvergleichen, Hintergrundinformationen und Ereignisinterpretationen, wodurch es auf mich teilweise etwas langatmig wirkt.
    Anderseits werden Leser, die sich intensiv mit diesem Konflikt beschäftigen wollen, zufriedengestellt werden, denn der Autor geht auch detailliert auf die Vorgeschichte, die Zwischenkriegsphasen, die Nachkriegszeit und die Peripherie ein, auf die kulturellen und politischen Hintergründe, auf die Rezeption in Literatur und Kunst im späteren Europa, auf einfach alles, was irgendwie mit den Punischen Kriegen zu tun hat. Mangel an Vollständigkeit kann hier sicher nicht kritisiert werden.
    Wie gesagt, finde ich, dass dieses Buch absolut gelungen ist und ein großartiges Grundlagenbuch zu den Punischen Kriegen abgibt, nur bin ich halt nicht das Zielpublikum. Dieses Werk reduziert auf ein Beck-Wissen-Format und ich hätte es verschlungen, so ist es mir jedoch zu viel.
    Fazit: Für die interessierte Leserschaft zu empfehlen.

  1. Es ist nicht die erste, aber

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Mär 2021 

    Es ist nicht die erste, aber sicherlich die bisher beste Darstellung der Punischen Kriege, die ich bisher gelesen habe. Dem Oldenburger Althistoriker gelingt es, die die Weltgeschichte prägenden Phase der drei mit der Zerstörung Karthagos endenden Kriege informativ und fesselnd darzustellen. In einem relativ kurzen Zeitraum von ca. 120 Jahren (264 v. Chr. -146v. Chr) vollzog sich ein völliger Wandel innerhalb der Mittelmeerwelt, der am Ende Roms Aufstieg zur Weltmacht sah. Ausgehend von einem eher zweitrangigen Anlass auf der Insel Sizilien.entwickelte sich ein Vernichtungskrieg zwischen der Seemacht Karthago und der auf Italien beschränkten Landmacht Rom. Plündernde Ex-Söldner besetzten die Stadt Messina an der Meerenge zwischen Sizilien und der Stiefelspitze Italiens, als sie die Reaktion der mit Karthago verbündeten Syrakusaner fürchteten, wandten sie sich mit der Bitte um Unterstützung an den römischen Senat. Was trieb diesen an, dem Hilfegesuch zu entsprechen? Im Vorfeld hatten die Römer eigentlich ein gutes Verhältnis zu Karthago und erkannten in einigen Verträgen deren Vormachtstellung im westlichen Mittelmeer an. Doch nun riskierten sie eine Auseinandersetzung, deren Ausgang durchaus unklar war, da die Römer es anders als in ihren bisherigen inneritalischen Kriegen mit einem gleichwertigen, möglicherweise sogar übermächtigen Gegner zu tun hatten. Die Antriebsfedern waren letztendlich die zu erwartende Beute im Siegesfall und vor allem innenpolitische Beweggründe. Senatsmitglieder, die sich im sogenannten cursus honorum bewähren wollten, sahen in erfolgreich geführten militärischen Kommandos eine hervorragende Möglichkeit, sich für höhere Weihen zu profilieren. Der letztere Beweggrund war genauso wichtig für die dem ersten Punischen Krieg folgenden Auseinandersetzungen, auch mit Griechen und den Diadochenreichen. Am Ende stand der 264 nicht unbedingt absehbare Aufstieg Roms zur Weltmacht. Mit der Eroberung Siziliens hatten die Römer den ersten Schritt aus dem Festland getan, danach folgte ihe Ausdehnung in Spanien, Griechenland und Nordafrika. Der Preis dafür war sicherlich ein hoher, aber letztendlich war, so Sommer, der Bestand der römischen Suprematie in Italien, der Machtbasis Roms, nie ernsthaft in Gefahr. Selbst Hannibals Zug nach Italien führte nicht zum Zusammenbruch der römischen Macht, da die Bundesgenossen, anders als von den Karhagern erhofft, trotz aller Niederlagen fest an der Seite Roms standen. So verpuffte Hannibals Initiative letztendlich in einem Abnutzungskrieg, den die Karthager fernab ihrer Machtbasis (die zudem mit Spanien auch noch verloren ging), nicht gewinnen konnten. Nicht zufällig endete dann der zweite Punische Krieg mit der Schlacht von Zama in Nordafrika. Und das Ende Karthagos im dritten Punischen Krieg war letztendlich vorprogrammiert, denn angesichts der römischen Übermacht waren die Karthager chancenlos.

    Wie so ziemlich jede historische Darstellung beginnt Sommer mit einer Übersicht über die Quellenlage, die in diesem Fall eindeutig römisch geprägt ist. Es gibt leider nur die Sicht der Sieger auf diesen Konflikt, was alles hätten uns wohl karthagische Quellen verraten können? Und, nun völlig in kontrafaktische Geschichtsschreibung abgleitend, was wäre gewesen, wenn sich die in einer Abfolge verschiedener Kriege gegen die Römer unterlegenen Kathager, Griechen und Seleukiden verbündet hätten, wie es Hannibal gern gesehen hätte?

    Wer sich für die antike Geschichte interesssiert, sollte sich diese Studie zu Gemüte führen.