Schwarzblende: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Schwarzblende: Kriminalroman' von Zoë Beck
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Ein grausamer Mord an einem Soldaten erschüttert London – und der junge Kameramann Niall gerät als Zeuge zwischen die Fronten


London. Der Kameramann Niall Stuart wird unfreiwillig Zeuge, als zwei junge Männer einen Soldaten in zivil grundlos angreifen und töten. Niall nimmt die Szene mit seinem Handy auf. Einer der Täter kommt zu ihm, das blutige Messer noch in der Hand, und bekennt, dass er den Mord im Namen Allahs begangen hat. Sein Komplize schwenkt die Flagge des Islamischen Staats. Als Niall wenig später den Auftrag erhält, eine Dokumentation über den Fall zu drehen, ahnt er nicht, dass er mit grausamer Absicht für diese besondere Aufgabe ausgewählt wurde.


Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:416
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453410435

Rezensionen zu "Schwarzblende: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 27. Feb 2016 

    Großartige Themen, aber für mich ein enttäuschendes Buch

    Die Themen, die in diesem Buch angeschnitten werden, finde ich an sich hochinteressant und nahe dran am Puls der Zeit: Terror versus Einschränkung der persönlichen Freiheitsrechte durch Anti-Terror-Maßnahmen, gesellschaftlich tolerierter Rassismus und die Radikalisierung frustrierter junger Menschen, die von ihrer Sehnsucht nach Akzeptanz in die Arme fanatischer Extremisten getrieben werden.

    Die Umsetzung dieser Themen in einem Thriller klang unglaublich spannend und originell, so dass ich das Buch mit sehr hohen Erwartungen begonnen habe! Leider konnte es mich dann aber nicht vollends überzeugen.

    Direkt in den ersten Szenen tat ich mich sehr schwer mit dem Schreibstil, der sich für mich sperrig und ungeschliffen las; besonders störten mich anfangs die vielen Wiederholungen bestimmter Phrasen und Wörter. Im Laufe des Buches bessert sich das in meinen Augen zwar deutlich, aber dennoch hatte ich das Gefühl, dass der Schreibstil mich schlicht nicht abholen konnte. Manchmal hatte er auch Anflüge von Pathos, die mir nicht gefielen.

    Auch die Spannung wollte sich für mich nur langsam aufbauen, trotz der an sich packenden Themen und obwohl der Protagonist schnell in eine brisante Lage gerät.

    Interessant fand ich die gesellschaftskritischen und politischen Aspekte, besonders die Darstellung der Medien als Instrument der Macht, aber lange schien die Geschichte zu wenig Überraschendes zu bieten zu haben, um aus dem politischen Drama einen Thriller zu machen. Erst in der zweiten Hälfte beschleunigen sich die Ereignisse und es wird klar, dass es hier um mehr geht als "nur" um das Attentat, dass hinter den Kulissen eine dritte Macht an den Strippen zieht - aber wer, und warum?

    Da konnte ich endlich in die Geschichte eintauchen - aber leider, leider hat mich die Auflösung dann bitter enttäuscht.

    Ich empfand sie als sehr konstruiert, was vielleicht unter anderem daran lag, dass das eigentliche Schlüsselereignis bis kurz vorm Ende wenig in die übergreifende Handlung integriert, sondern plötzlich aus dem Hut gezaubert wird. Natürlich soll das Ende eines Thrillers überraschen, aber meiner Meinung nach sollte man dennoch rückblickend sagen können: Ach, jetzt verstehe ich, wie das alles zusammenhängt!

    Außerdem wirkte es auf mich so, als würde der Drahtzieher des Ganzen ein unnötiges Risiko auf sich nehmen, um ein Ziel zu erreichen, dass er viel einfacher hätte erreichen können. (Aber dann wäre der Protagonist nicht darin verwickelt gewesen.) Und für mich noch gravierender: die Auflösung wird nur möglich gemacht durch einen früher im Buch vorkommenden, höchst unwahrscheinlichen Zufall.

    Niall, der Protagonist, war mir durchaus sympathisch. Er ist ist ein netter Kerl, der es im Leben nicht immer leicht hatte, sich aber dennoch moralische Prinzipien bewahrt hat. Ihn und seinen Vater verbindet eine problematische Vergangenheit, und er hat das Gefühl, in dessen Schatten zu stehen. Er will vorankommen in einem Beruf, der ihn mit Gewalt, Leid und Tod konfrontiert, hat aber seine Fähigkeit, mitzufühlen, noch nicht verloren und das gefiel mir gut. Allerdings fand ich extrem unglaubwürdig, wie hartnäckig er immer wieder die Augen vor dem Offensichtlichen versperrt - denn eigentlich wird er als intelligent dargestellt!

    Viele der anderen Charaktere blieben für mich eher blass: der konservative Onkel, dessen machthungrige Ex-Frau, der berühmte Vater, Nialls Kollegen usw. Deswegen hat mich auch der ein oder andere Todesfall wenig berührt. Vielversprechend fand ich die scheinbar knallharte Beth, die sich im Laufe der Geschichte als heldenhaft selbstlos erweist, aber auch bei ihr hatte ich das Gefühl, immer ein bisschen außen vor zu bleiben.

    Einer der für mich interessantesten Charaktere macht dann auf der allerletzten (!!) Seite noch eine Wandlung durch, die ich nicht glaubhaft fand, sondern die auf mich eher gewollt schockierend wirkte.

    Fazit:
    Die Zutaten für einen spannenden Politthriller sind gegeben, aber großartige Themen ergaben für mich leider kein großartiges Buch. Ich fand es zwar inhaltlich sehr interessant, es berührte mich jedoch kaum, und auch Spannung stellte sich bei mir nur selten ein. Besonders das Ende hat mich dann sehr enttäuscht, denn es wirkte auf mich konstruiert und erzwungen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Apr 2015 

    Spannend wie ein Thriller und verstörend nah an der Realität

    Inhalt:
    Niall Stuart ist Kameramann und beschäftigt sich unter anderem mit Landschaftsaufnahmen. Er wird Zeuge eines brutalen Mordes von einem Soldaten der von zwei jungen Männern öffentlich erstochen wird. Sie sagen sie haben diesen Mord für Allah begangen. Niall filmt alles mit der Kamera und wird erst verhaftet, aber dann zu einer Art Helden. Er bekommt den Auftrag eine Dokumentation zu dem Vorfall zu drehen und wird immer tiefer rein gezogen in diesen Sumpf aus Politik und Wahnsinn...

    Meine Meinung:
    Nach Brixton Hill, wollte ich auch gerne den nächsten Roman von Zoë Beck lesen. Schwarzblende spielt wieder in London. Die Autorin hat ein Thema gewählt, das aktueller kaum sein könnte. Die Kämpfe und Hinrichtungen der IS. Szenen die man sich bildlich vorstellen kann weil man Videos dazu in den Nachrichten sah´. Sachen die nicht nur reine Fiktion sind sondern auch an Attentate wie die in Paris denken lassen. Dies gepaart mit einer fiktiven Geschichte, die so perfekt passt das man sich hier und da fragt ob das wirklich alles ausgedacht ist.

    Von Spannung mag ich gar nicht reden. Denn die ist hier von Beginn an vorhanden und das in hohem Maße. Sie hält sich durchweg aufrecht. Jeder der die Nachrichten verfolgt und den das Thema IS interessiert wird auch dieses Buch mögen.

    Die Figuren sind alle keine abgehobenen Personen. Niall ist eher ein kleiner Kameramann, sein Team Mitarbeiter eines Produktionsteams. Man kann sich mit jedem identifizieren und fragt sich wie man in den Situationen handeln würde. Bestimmt nicht immer so wie Niall oder Beth es tun, denn diese beiden Personen sind sehr mutig und couragiert. Wer würde zwei Attentäter am Reden halten bis die Polizei kommt? Wer würde eventuelle Attentäter verfolgen? Kaum jemand würde sich solcher Gefahren aussetzen, doch Niall und auch Beth tun diese mehrfach und gerade Niall wird tiefer rein gezogen als er es gerne hätte.
    Es gibt auch die Mächtigen und Unnahbaren, die zu denen man aufsieht, oder auch nicht. Deren Meinungen heiß diskutiert werden. Das ist auch hier so und das macht dieses Buch aus. Es bleibt nahe an der Realität.

    Und doch kann man es am Ende zuklappen und weiß es war viele Fiktion, aber es macht nachdenklich. Kann das alles nicht auch genauso sein oder passieren. Wie sicher sind wir? Stimmt das alles so was Politik und TV uns propagieren. Das kann keiner so genau sagen, aber ich persönlich hoffe einfach das die ganzen Verschwörungstheorien auch hier null und nichtig sind.
    Das Ende hat mich hier und da noch überraschen können und hat mich mit einem nachdenklichen Gefühl zurück gelassen. Ein Roman zwischen Fiktion und Wirklichkeit. Spannend wie ein Thriller und so nah an der Realität, das man meint man würde eine Dokumentation lesen.