Schmerz

Buchseite und Rezensionen zu 'Schmerz' von Lisa Gardner
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Ich war drei, als meine Schwester entdeckte, was das Besondere an mir ist. Aufgrund einer genetischen Störung bin ich außerstande, Schmerz zu empfinden.
Meine Schwester Shana ist eine verurteilte Mörderin, die tötet, seit sie vierzehn ist.
Unser Vater ist Harry Day, der legendäre Serienmörder, der ganz Amerika in Atem hielt. Er ist nun schon seit vierzig Jahren tot, aber dieser «Rosen-Killer» weiß Dinge über ihn, die er eigentlich nicht wissen dürfte. Meine Schwester sagt, sie ist die Einzige, die ihn stoppen kann.

Auf dem Bett eine tote Frau. Auf dem Nachttisch Champagner und eine langstielige rote Rose.
Als Detective D.D. Warren den Tatort inspizieren will, geht plötzlich das Licht aus. Dielenböden knarren, fremder Atem an ihrem Ohr … Später heißt es, aus ihrer Pistole seien drei Schüsse abgefeuert worden. D.D. selbst ist schwer verletzt.
Sechs Wochen später schlägt der «Rosen-Killer» wieder zu. Ohne eine Spur zu hinterlassen. D.D. Warren versucht verzweifelt, sich an Details jener Nacht zu erinnern, doch es gelingt ihr nicht. Dafür erinnert sich der Mörder umso besser …

«Ein außergewöhnlicher Roman!»
(Booklist)

«Lisa Gardner hat einen neuen Bestseller verfasst.»
(Kirkus Review)

«Lisa Gardners neuer Roman übertrifft alles!»
(Publishers Weekly)

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:480
Verlag: rororo
EAN:9783499269240

Rezensionen zu "Schmerz"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 07. Aug 2016 

    Zweite Chance

    Vor zehn Jahren ist Iris bei einem Anschlag schwer verletzt worden. Sie hatte das Trauma überwunden geglaubt. Man könnte beinahe sagen zum Jahrestag kommen die Schmerzen zurück. Iris verliert sich in Erinnerungen. Was wäre gewesen wenn, wenn ihr Mann nicht früher aus dem Haus gemusst hätte, wenn ihre erste große Liebe sie nicht verlassen hätte, wenn ihr Vater nicht gestorben wäre. In der Schmerztherapiepraxis trifft sie auf einen Arzt, in dem sie ihre erste große Liebe wieder erkennt. Er war die ganzen Jahre nicht weit weg. Und in Iris werden alle unerfüllten Wünsche wach. Sie beginnt, ihr Ehe zu überdenken, ihr Leben.

    Wie wird man von einschneidenden Erlebnissen geprägt, bleibt man geprägt für den Rest des Lebens. Insgeheim hat Iris ihrem Jugendfreund Eitan immer nachgetrauert. Möglicherweise hat sie sich nicht hundertprozentig auf ihre neue Liebe eingelassen, sich ihre Kinde anders gewünscht. Doch soll sie nun diese zweite Chance ergreifen? Alles aufgeben für einen Traum, von dem sie nicht weiß, in was für einer Realität er münden wird? Wird sie damit ihren Schmerz stillen können? Wird sie schwach oder stark? Was ist der Ausdruck von Schwäche oder Stärke? Sie muss wissen, um Entscheidungen treffen zu können. Doch welche Entscheidung wird sich ergeben?

    Ein schmerzvolles Leben beschreibt Zeruya Shalev in diesem Roman. Schon früh muss Iris mit Verlusten fertig werden, mit seelischen Schmerzen und nach dem Anschlag auch mit physischen. Hat sie nicht ein wenig Glück verdient? Doch als was könnte sich das Glück entpuppen? Kann sie mit dem leben, was sie ihrer Familie antun müsste, sollte sie wirklich gehen. Ein Tal der Schmerzen und auch der schmerzlichen Erkenntnisse durchwandert Iris. Man fühlt sich in ihre Welt, in ihre Gedanken und Gefühle hineingezogen und empfindet großes Verständnis für ihr Handeln oder auch nicht Handeln. Man fühlt das langsame Reifen der Entscheidung. Wenn die Autorin ihrer Heldin manchmal etwas zu viel aufbürdet, um sie auf ihren Weg zu lenken, so hat sie doch einen packenden Entwicklungsroman geschaffen, in dem man sich als Leser wiederfindet.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Jun 2015 

    Was tut weh?

    Der neue Fall von Sergeant Detective D.D. Warren ist mehr als mysteriös. Eine tote Frau auf dem Bett, der nach ihrem Tod zahlreiche Hautstreifen abgezogen wurden. Dazu eine Champagnerflasche und eine Rose auf dem Nachttisch. Fast wie ein Opfer des legendären Serienmörders Harry Day - doch der ist bereits seit 40 Jahren tot. Als D.D. Warren noch einmal an den Tatort zurückkehrt, um sich in Ruhe ein Bild vom Geschehen zu machen, spürt sie plötzlich, dass sie nicht alleine ist. Sie feuert drei Schüsse aus ihrer Waffe ab, doch daran kann sie sich später nicht mehr erinnern.
    Schwer verletzt kann sie sich auch Wochen später kaum noch bewegen ohne vor Schmerzen die Wände hochzugehen. Sechs Wochen später schlägt der 'Rosenkiller' erneut zu, und wieder hinterlässt er keine einzige Spur. D.D. Warren versucht verzweifelt, sich an die Nacht zu erinnern, in der der Mörder sie die Treppe herunterstieß, doch es will ihr einfach nicht gelingen.

    Wegen der unerträglichen Schmerzen wendet sich D.D. an die erfahrene Schmerztherapeutin Adeline Glen. Schon bald stellt sich heraus, dass diese Ärztin nicht nur den Namen des legendären Serienkillers kennt, sondern zu ihm auch in einer persönichen Beziehung stand - sie war seine Tochter. Eine seiner Töchter. Die andere, Adelines Schwester, befindet sich seit ihrem 14. Lebensjahr im Gefängnis, als mehrfache Mörderin verurteilt zu lebenslanger Haft. Adelines Schwester hat die Gewaltbereitschaft und die Lust am Morden offensichtlich vom Vater geerbt. Doch auch Adeline selbst hat eine genetische Bürde zu tragen, nämlich die überaus seltene Eigenschaft, keinerlei Schmerzen zu spüren, was das Leben überaus gefährlich macht und stets mit Einschränkungen behaftet ist.
    Der Verdacht erhärtet sich, dass Adelines Schwester Shana mehr über den 'Rosenkiller' weiß als sie zugibt, vielleicht sogar selbst in die Taten involviert ist. Aber wie soll das gehen, wo sie doch im Gefängnis sitzt? Die krankgeschriebene und von Schmerzen geplagte D.D. Warren und die Ärztin Adeline Glen versuchen dem Geheimnis auf die Spur zu kommen...

    "Was empfindest du", fragte ich nun, "wenn du dich an Daddy erinnerst?" - "Liebe." - "Was hörst du?" - "Schreie." - "Was riechst du?" - "Blut." - "Was fühlst du?" - "Schmerz". - "Und das soll Liebe sein?" - "Ja."

    Einen spannenden Thriller hat Lisa Gardner da geschrieben, bereits der siebte der Reihe, aber persönlich mein erster. Das Thema 'Schmerz' zieht sich auf viele Arten konsequent durch das Geschehen und betrifft viele der Hauptpersonen. Schmerzunempfindlichkeit ebenso wie chronische Schmerzen und Schmerztherapie sowie die Veranlagung, sich selbst Schmerzen zuzufügen, seelische Schmerzen und der Umgang damit noch obendrauf. Ein Füllhorn also, das aber interessant dargestellt wird und den Leser nicht überfrachtet. Im Fokus abwechselnd stehen die Ermittlungen rund um D.D. Warren und das Geschehen um die Ärztin Adeline Glen, die für mich die interessanteste Person der Handlung war. Verdeutlicht wird der Perspektivwechsel auch durch einen ständigen Wechsel des Erzählmodus' von der personalen Perspektive (D.D. Warren) zur Ichperspektive (Adeline) und zurück. D.D. Warren bleibt ein wenig blass, aber vermutlich gab es in den vorherigen Bänden der Reihe Gelegenheit genug, sie besser kennenzulernen, was ich sicher auch noch nachholen werde.

    Mir persönlich hat es gefallen, wie sehr auf das Innenleben - Gedanken, Emotionen - der Beteiligten eingegangen wird. Zwar blieb dabei phasenweise die Spannung etwas auf der Strecke, ich fand es dennoch überaus interessant. Der Verdacht, wer hinter dem ganzen stecken könnte, war zwar schon recht früh da, doch zur wirklichen Gewissheit verdichtete er sich erst kurz vor Schluss. Beeindruckend fand ich, wie sich die Sichtweise auch des Lesers bezüglich bestimmter Personen im Laufe der Handlung verändert, z.T. radikal. Das muss man Lisa Garnder lassen: erzählen kann sie! Und der zeitweise eingestreute bissige Humor hat mir ebenfalls gut gefallen.

    Unwillkürlich zwinkerte D.D. mit den Augen. "Ihre sechs Jahre alte Schwester hat Sie geschnitten?" - "Sie wusste es nicht besser und wiederholte, was ihr eingebläut worden war: Blut ist Liebe. Meine Schwester gab mir auf ihre Weise zu verstehen, dass sie mich liebte." - "Bei Ihren Familientreffen möchte ich nicht dabei sein."

    Eine interessante Thematik, ein abwechslungsreicher Plot, der Fokus auf Gedanken und Emotionen der Beteiligten, nicht immer auf der Spannung - aber das habe ich nicht als störend empfunden. Die Psyche bietet oft Spannung genug...

    Gerne werde ich die Reihe um Sergeant Detective D.D. Warren weiter verfolgen!

    © Parden