Schäfchenwolkenhimmel: Roman - (Insel-Föhr-Roman)

Rezensionen zu "Schäfchenwolkenhimmel: Roman - (Insel-Föhr-Roman)"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 21. Sep 2019 

    Idylle mit Schaf...

    Wyk auf der Insel Föhr - die Möwen kreischen im Wind und die Luft schmeckt nach Salz. Willkommen an der Nordsee. Als Minnie die Gangway des Wyker Fähranlegers hinunter geht, ist es, als würde sie eine verflossene Liebe wiedertreffen. So viele Erinnerungen an ihre alte Heimat auf Föhr, bittersüß und auch ein wenig schmerzhaft. Denn die Ruhe auf Föhr ist bedroht, und Minnie hat den Auftrag, für eine Fernsehsendung über die Veränderungen auf der Insel zu recherchieren. Doch dann kreuzt ein hilfloses Lämmchen Minnies Weg, und ihr Aufenthalt auf der Nordsee-Insel nimmt eine gänzlich andere Wendung. Denn: »Föhr ist ein Ort der großen und kleinen Wunder ...«

    Minnie ist eine junge Frau in den Dreißigern, die es aus Bamberg beruflich nach Föhr verschlägt - ausgerechnet. Sie soll dort eine TV-Sendung vorbereiten, wird dabei jedoch von Erinnerungen überschwemmt. Schließlich verbrachte sie in ihrer Kindheit und Jugend die Ferien auf der Insel, in dem kleinen, gemütlichen Haus von Oma Rieke. Das Haus gibt es noch, Oma Rieke nicht mehr - und Minnies Mutter hat das Haus nach dem Tod der Großmutter ohne viel Federlesen verkauft. Seither war Minnie nie wieder auf Föhr - bis heute.

    Vieles ist noch so, wie Minnie es in Erinnerung hat, manches jedoch ist sehr im Wandel - und droht zu 'versylten'. Um zu verhindern, dass die friedvolle Atmosphäre wie auf Sylt dauerhaft Schaden nimmt, engagieren sich einige Inselbewohner gegen die Überhandnahme des Tourismus - und gehen dabei nicht immer legale Wege. Minnie macht sich auf die Suche nach den Föhr-Schützern, wird dabei jedoch gestört durch ein frischgeborenes Lämmchen. Dies droht nämlich Opfer eines hungrigen Greifvogels zu werden, und wenn Minnie hier nicht eingreifen würde, wäre das Neugeborene verloren.

    Mit dem zunehmend anhänglicher werdenden Lämmchen im Gefolge recherchiert Minnie weiter für die TV-Sendung und begegnet dabei allerhand interessanten Personen. Immer mehr nimmt die Atmosphäre Föhrs die junge Frau wie früher in Beschlag, und allmählich wird ihr klar, dass ihr Leben nicht so weitergehen kann wie bisher. Doch was für Veränderungen stehen Minnie bevor?

    Erzählt wird aus der Perspektive von Minnie, einer gefühlvollen jungen Frau, die es als Glück ansieht, bei einem TV-Sender untergekommen zu sein - wenn auch als persönliche Assistentin der launischen Chefin. Da sie sehr an ihrem Job hängt, lässt sie sich einiges von ihrer Chefin gefallen, wodurch Minnie recht unreif wirkt. Sie handelt oftmals aus einem Sicherheitsdenken heraus und recht verkopft, doch auf Föhr lernt sie allmählich, auch auf Bauchentscheidungen zu vertrauen.

    Die Atmosphäre, die Gabriella Engelmann in ihrem gewohnt flüssig geschriebenen Inselroman kreiert, weckt durchaus Sehnsüchte nach Sonne, Strand und Meer. Allerdings gerät die Handlung in den ersten zwei Dritteln doch recht zäh und langatmig, und über viele Seiten ist das meist schlafende Lämmchen das Spannendste, was dem Leser begegnet. Auch wenn die (nicht unbedingt überraschende) Handlung gegen Ende einige Wendepunkte bereithält, macht dies die lange Durststrecke davor nicht wieder wett.

    Alles in allem ganz nett zu lesen, aber mit Sicherheit nicht das stärkste Buch der versierten Autorin...

    © Parden