Sarah Jane: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Sarah Jane: Roman' von James Sallis
4.2
4.2 von 5 (9 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Sarah Jane: Roman"

Sarah Jane Pullman ist ein guter Cop mit komplizierter Vergangenheit. Aufgewachsen in einer Kleinstadt, bekam sie als jugendliche Ausreißerin Probleme mit dem Gesetz, wurde zwangsweise zur Army eingezogen und heiratete nach ihrer Rückkehr den absolut falschen Mann. Ihr Leben erfährt eine unerwartete Wendung, als sie in den Polizeidienst eintritt – und sich umgehend auf dem Posten des diensthabenden Sheriffs wiederfindet, nachdem dieser vermisst gemeldet wird. Sarah Jane nimmt sich des Falls an und entdeckt, dass hinter dem mysteriösen Verschwinden des Sheriffs ein ebenso mysteriöses Leben steckt, das er Freunden und Kollegen verheimlich hat. Während der Ermittlungen wird aber auch Sarah Jane von ihrer Vergangenheit eingeholt. Das FBI taucht auf, um den Fall eines ermordeten Cops zu untersuchen …

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:224
Verlag:
EAN:9783954381371

Rezensionen zu "Sarah Jane: Roman"

  1. Vom Versuch, Mensch zu werden

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Okt 2021 

    Sarah Jane Pullman ist Sheriff in Farr, einer amerikanischen Kleinstadt. Zu diesem Posten kam sie als ihr Vorgänger von einem Tag auf den anderen verschwand. Offensichtlich hatte Cal, der ihr Boss und Mentor war, einige dunkle Geheimnisse. Aber auch Sarah ist kein unbeschriebenes Blatt und auch ihre Vergangenheit holt sie ein.

    Der amerikanische Schriftsteller James Sallis erzählt in dem Roman „Sarah Jane“ von einer ungewöhnlichen Frau und ihrem unkonventionellen Leben. Sallis wird als „Philosoph unter den Thriller Autoren“ gehandelt und das merkt man mit jeder Zeile.

    „Jeder Roman, jedes Gedicht ist immer dieselbe Geschichte, die wir und wieder und wieder erzählen. Wie wir versuchen wirklich Mensch zu werden und es doch nie schaffen.“

    Bevor wir überhaupt mit Sarah Jane in Farr landen, erfahren wir einiges aus Sarah Janes Leben, vom Aufwachsen auf einer Hühnerfarm, der psychisch kranken Mutter, einem sprichwörtlichen Absturz des Vaters. Die erwachsene Sarah hat viele Leben gelebt: Herumtreiberin, Köchin, Soldatin im Irak. Sie lässt sich mit vielen Männern ein, meistens den falschen. Es streifen sie viele Tragödien, eigene und die ihr nahestehender Menschen. Sarah Jane muss lernen, dass manche Dinge einfach passieren.

    „Ich habe nicht die Sachen gemacht, die man mir andichtet. Zumindest nicht alle.“

    So außergewöhnlich wie der Charakter dieser Antiheldin, so außergewöhnlich die Erzählung. Sarah erzählt unsortiert, fragmentarisch, nicht linear, es bleiben Leerstellen, blinde Flecken. Immer wieder habe ich das Gefühl, ich müsste etwas wissen, was noch gar nicht erzählt wurde.
    Vielleicht mutet es seltsam an, dass eine unstete Person wie Sarah Jane in den Polizeidienst eintritt. Und was als Provisorium gedacht war, beginnt ihrem Leben Inhalt zu geben Sarah Jane richtet sich ein, in der Stadt, im Job, mit der Verantwortung, nimmt die alltäglichen Ereignisse in der Stadt ernst.

    Sarah Jane ist ein Ausnahmecharakter. Ich sehe eine markante Frau von mir. So schwierig diese Frau einzuschätzen ist, genauso schwierig lässt sich das Buch eindeutig einem Genre zuordnen. Roman oder doch Kriminalroman? Im Herbst 2021 landete „Sarah Jane“ auf einer Krimibestenliste. Das schürt eventuell Erwartungen. Dabei enthält das Buch kaum Elemente eines Krimis. Es gibt Verbrechen und Cops. Aber keine Ermittlungen, keine Verfolgung, jedenfalls keine, an denen wir teilnehmen. Fast ein Paradoxon, dass ich das Buch als Ausnahmekrimi loben möchte, gerade weil es kein „richtiger“ Krimi ist.

    Die Alltagssplitter, die kleinen und großen Aufregungen, niemals banal, manche höchst gefährlich. Die große Empathie für das Personal bis in den kleinsten Nebensatz. Das Gefühl für Menschen am Rande der Gesellschaft. Die Versuche, Mensch zu werden. Großartig in Szene gesetzt.

  1. Ringen mit den Dämonen der Vergangenheit

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 06. Okt 2021 

    Das Leben von Ich-Erzählerin Sarah Jane ist bisher alles andere als stringent verlaufen. Aufgewachsen ist sie als Tochter eines Hühnerzüchters mit einer selten anwesenden Mutter. Früh verlässt Sarah das Elternhaus, verdingt sich in verschiedenen Jobs, hat wechselnde Freunde. Nirgends bleibt sie lange. Sie kommt zur Army, muss im Einsatzland schlimme Dinge erleben. Sie geht zur Polizei und wird Cop in Farr, einer Kleinstadt in den amerikanischen Südstaaten. Hier lernen wir sie in der Gegenwartserzählung kennen.

    Mit ihrem Mentor, Sheriff Cal, versteht sie sich nicht nur blendend, ihrer beider schmerzhaften Erlebnisse als Kriegsveteranen führen sie zu einer Art Seelenverwandtschaft. Als Cal plötzlich verschwindet, wird Sarah befördert und findet sich fortan als Gesetzeshüterin mit Sheriffstern wieder. Die Suche nach ihrem Vorgesetzten gestaltet sich schwierig, auch er hatte offensichtlich Geheimnisse. Als sogar das FBI in Farr zu ermitteln beginnt, wird es immer mysteriöser.

    Es ist nicht einfach, dieses Buch zu beschreiben, das zweifellos Krimi-Elemente enthält, aber eigentlich so viel mehr ist als ein Kriminalroman. Es ist ein Stück Literatur, das eine Frau in den Fokus stellt, die es nicht immer leicht im Leben hatte, die trotz ihrer Jugend schon große Verluste verschmerzen musste und in ihrer Zurückgezogenheit wie eine einsame Wölfin lebt. Sarah ist keine Heldin, sie erzählt sprunghaft aus ihrem Leben. Man muss aufmerksam sein, um jeden Zeitenwechsel und Zusammenhang mitzubekommen. Zudem ist Sarah eine unzuverlässige Erzählerin, nicht alle ihre Informationen sind für die Haupthandlung relevant, vieles dient nur dazu, die Protagonistin kennenzulernen und vor allem besser verstehen zu können. Der Roman verfügt über mehrere Ebenen. Zwischen den Zeilen verstecken sich reichlich Lebensklugheit und Poesie, die Sarahs Gefühlslagen empathisch in Szene setzen. Die Sprache hat mich von Beginn an in ihren Bann gezogen – einfach fabelhaft!

    Es gibt einen dunklen Fleck in Sarahs Biografie, über den sie wenig berichtet, den sie nur umkreist. Man spürt, wie er an ihr nagt, wie er sie rastlos macht und an sich zweifeln lässt. Obwohl ihr Leben ganz offensichtlich in Farr zur Ruhe gekommen ist, sie den Polizeialltag wunderbar im Griff hat und dort Anerkennung genießt, bleibt eine vergangene Rechnung offen.

    Der ungeheure Reiz des Romans liegt in seinen vielschichtig gezeichneten Figuren, in seiner lakonischen, tiefgründigen Sprache sowie der verschachtelten Handlung, die einen wachen, aufmerksamen Leser erfordert. Der Autor verfolgt mehrere Handlungsstränge, die in verschiedenen Zeiten und Orten spielen. Dafür braucht man anfangs etwas Geduld, zum Ende hin führt er alles zusammen, die wichtigsten Fragen werden beantwortet. Es bleibt jedoch noch Platz für eigene Gedanken und Spekulationen. Insofern hat die Geschichte Ähnlichkeiten mit dem richtigen Leben, in dem es auch nicht immer für alles eine Lösung gibt. Manches kann man eben nicht mehr ändern.

    Mir hat „Sarah Jane“ ein grandioses Lese-Erlebnis mit einer komplexen, glaubwürdigen Protagonistin beschert. Wer jedoch einen geradlinigen Kriminalfall mit schlüssiger Auflösung erwartet, wird hier möglicherweise enttäuscht sein. Ich würde den Roman als literarischen Kriminalroman bezeichnen. Er ist etwas für Feinschmecker, die das Besondere lieben. Mich hat dieses Buch restlos überzeugt. Ich freue mich mit Autor und Verlag, dass der Roman nun schon den zweiten Monat auf der Krimibestenliste des Deutschlandfunks (Platz 2 im Oktober 2021 ) zu finden ist. Damit sollte ihm eine breite Leserschaft gewiss sein. Ich spreche eine riesige Empfehlung mit Höchstwertung aus.

  1. Konnte mich nicht wirklich fesseln

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 01. Okt 2021 

    Sarah Jane Pullman wuchs in einer Kleinstadt auf und bekam Probleme mit dem Gesetz. Daraufhin wurde sie zur Army eingezogen. Auch danach wurde es in ihrem Leben nicht ruhiger. Dann gab es eine Wendung, als sie in den Polizeidienst eintrat und den Posten des Sheriffs übernahm, nachdem dieser verschwand. Neben ihren alltäglichen Fällen nimmt sie sich auch des Falles des verschwundenen Sheriffs an.

    Die Beschreibung dieses Romans hat mich sehr neugierig gemacht, denn sie klang spannend und fesselnd.
    Der Einstieg ist mir leider nicht leicht gefallen. Bereits zu Beginn waren die Erzählungen recht verwirrend und durchsetzt mit Zeitsprüngen, denen ich nicht ohne Probleme folgen konnte. Als Leser erfährt man viele Dinge über Sarah Jane, die sie erlebt und durchgemacht hat. Es wurde schnell klar, dass sie ein schwieriges Leben hinter sich hatte. 
    Im Laufe des Buches gab es dann nicht mehr solche für mich verwirrenden Zeitsprünge. Allerdings wurde auch viel von ihren täglichen Aufgaben erzählt, bei denen ich mich fragte, ob und was sie zu bedeuten haben. Neben diesen alltäglichen Aufgaben war dann immer mal das Verschwinden von dem vorherigen Sheriff Cal und seinem mysteriösen Leben präsent.
    Mit Sarah Jane bin ich leider nicht wirklich warm geworden. Ich habe keinen richtigen Zugang zu ihr bekommen, sie blieb mir immer zu fremd, unnahbar und undurchsichtig.
    Das Ende hat mir nicht gut gefallen, da zu viel offen oder unausgesprochen blieb. In gewissem Maße mag ich das, aber hier war es mir einfach zu viel.

    Ein Roman, der mir an einigen Stellen gefiel, mich aber insgesamt leider nicht vom Hocker riss. Ich vergebe 3 von 5 Sternen.

  1. ein literarischer Krimi

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Sep 2021 

    Die literarische Gattung Krimi "thematisiert in der Regel ein Verbrechen und seine Verfolgung und Aufklärung durch die Polizei, einen Detektiv oder eine Privatperson. Der Schwerpunkt, Sicht- und Erzählweise einzelner Kriminalromane können sich erheblich unterscheiden." - so Wikipedia.
    "In der Regel", wohlgemerkt, denn Krimi ist nicht gleich Krimi. Wikipedia unterscheidet folgende Untergattungen:
    Schauer- und Kriminalromane für Frauen - Whodunit - Verschiedene Ermittlungsformen - Thriller - Schwarze Serie - Gangsterballaden - Komischer Krimi - Regionalkrimi

    Eine eigenwillige Unterteilung, die sicher nicht vollständig ist. Denn es gibt Krimis, die nicht in diese Schubladen passen. Einer, der keine Schubladen-Krimis schreibt, ist der amerikanische Autor James Sallis, der für einige seiner Kriminalromane bereits den Deutschen Krimi Preis (International), den amerikanischen Hammett Prize und den französischen Grand prix de littérature policière gewonnen hat.

    Sein aktueller Roman "Sarah Jane" ist momentan auf Platz 4 der Deutschen Krimibestenliste (September 2021). Und mit "Sarah Jane" hat James Sallis einen Roman geschrieben, für den es jene Krimi-Schublade geben müsste, die in der o.g. Unterteilung fehlt: der literarische Krimi.

    Sarah Jane, Protagonistin des gleichnamigen Romans, ist eine Frau, die schon einiges in ihrem Leben mitgemacht hat. Vorsichtig formuliert: sie hat bisher ein "bewegtes" Leben geführt. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen im Mittleren Westen Amerikas, ist sie bereits sehr jung von zuhause ausgerissen und hat sich die nächsten Jahre mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Sie blieb nie lang an einem Ort, geriet in schlechte und bessere Gesellschaft. Das Militär bewahrte sie vor einer Haftstrafe. In Amerika wurde sie von den unterschiedlichsten Männern ein Stück ihres Lebensweges begleitet. Diese Männer taten ihr gut und mal weniger gut. Nun lebt sie in der amerikanischen Kleinstadt Farr, ist im Polizeidienst, sorgt für Recht und Ordnung und hat offene Augen und Ohren für die Probleme der Kleinstadtbewohner. Sie wird für ihre Empathie geschätzt, die Menschen mögen sie. Scheinbar kehrt endlich Ruhe in das bewegte Leben der Sarah Jane ein. Wenn da nicht die Geister ihrer Vergangenheit wären.

    Und wie sich das für Geister gehört, bleiben sie weitestgehend unsichtbar und tauchen nur dann auf, wenn man nicht mit ihnen rechnet, was wiederum zu Zweifeln führt, denn Geister gibt es eigentlich nicht. Auf den Punkt gebracht: Sarah Jane hat Geheimnisse, die aus ihrer Vergangenheit resultieren, aber nicht offensichtlich sind und selbst für den Leser weitestgehend verborgen bleiben.

    Der Roman beginnt mit den Erinnerungen von Sarah Jane an ihre Zeit und die Jahre bevor sie nach Farr kam. Sie macht es dem Leser dabei nicht einfach. Denn sie erzählt ihre Erinnerungen chronologisch unsortiert und springt zwischen den Ereignissen hin und her. Der Leser wird mir einem Wirrwarr an Gedanken konfrontiert. Und irgendwo inmitten dieses Wirrwarrs blitzen immer wieder kleine Momente auf, die stutzig machen und den Verdacht erwecken, dass es in Sarah Janes bisherigem Leben schlimme Momente gab, wenn nicht sogar kriminelle Momente.

    Die Buchbeschreibung des Verlages bringt es auf den Punkt: "James Sallis erzählt von einer Frau, die versucht, der Welt die Stirn zu bieten und mit dem Leben ins Reine zu kommen. "Sarah Jane" ist ein fesselnder, ungewöhnlicher Roman über Schuld, Sühne und das Ringen mit den eigenen Dämonen."

    Im Mittelpunkt steht also Sarahs Geschichte und die Entwicklung von einer sprunghaften und wilden Jugendlichen zu einer ernsthaften und geheimnisvollen Frau mit - wie sich in Farr herausstellt - ganz viel Empathie für ihre Mitmenschen.

    Wo bleibt nun das thematisierte Verbrechen dieses Kriminalromans?

    Tatsächlich gibt es in "Sarah Jane" Verbrechen, genauso wie es Tote gibt. Doch diese Dinge sind nebensächlich und irgendwo inmitten der Vielzahl an Sarah Janes Erinnerungen sowie den Geschichten über die Menschen um sie herum verborgen. Und dieses versteckte Böse, das irgendwo in Sarah Janes Geheimnissen existiert, gibt dem Roman die Würze und das gewisse Etwas, um aus diesem Roman einen Krimi zu machen, ergänzt um das Prädikat "literarisch". Denn James Sallis ruhiger Erzählton, der eine wundervoll melancholische Stimmung erzeugt, trägt dazu bei, dass dieser Roman ein literarischer Hochgenuss ist.

    Leseempfehlung!

    © Renie

  1. Das Leben und Sarah Jane

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 30. Sep 2021 

    Sarah Jane war Herumtreiberin, Soldatin, Köchin, Cop, Sheriff. So wie sie ihre Berufe wechselte, wechselte sie ihren Wohnsitz, auch heraufbeschworen durch unglückliche Beziehungen verschiedenster Art und Weise. Stets auf der Suche nach einem Ort, wo sie bleiben kann, sich sicher fühlt, landet sie schließlich in Farr, einer Kleinstadt „irgendwo in der Mitte des Landes“ und wird ein Cop. Als ihr Chef verschwindet, wird sie umstandslos zum Sheriff befördert und versucht neben dem Alltagsgeschäft auch das Verschwinden ihres früheren Vorgesetzten aufzuklären.

    Obwohl es irgendwann noch einen Toten gibt, dessen Person vielleicht mit Sarah Janes Vergangenheit in Zusammenhang zu stehen scheint, ist das Buch kein Krimi. Es ist die Geschichte von Sarah Janes Leben, von dem sie rückblickend erzählt. Auch wenn sie praktisch ihr ganzes Leben schildert, bleibt Vieles im Ungefähren, denn immer wieder bricht sie ab, um Gedanken zu folgen, die nahezu philosophischen Charakter haben.

    "Alle Geschichten sind Geistergeschichten, über verlorene Dinge, verlorene Menschen, Erinnerungen, Heimat, Leidenschaft, Jugend, über Dinge, die darum ringen, von den Lebenden gesehen und anerkannt zu werden."

    Von den schlimmsten Erlebnissen scheint sie fast gleichgültig zu berichten und wirkt erst einmal nicht wie eine Protagonistin, der man gerne folgt. Doch je mehr man von ihr und über sie liest, desto näher kommt sie einem, denn hinter dieser scheinbar so leidenschaftslosen Erzählerin verbirgt sich eine intelligente und sehr empathische Person. Aufmerksam hört sie den Menschen zu, die sonst offensichtlich von niemandem Zuwendung erfahren und nimmt sich voller Respekt und Achtsamkeit Zeit für sie und ihre Anliegen.

    Es ist eine Geschichte über das Leben von Menschen, die sich am Rande der Gesellschaft bewegen und trotzdem irgendwo, irgendwie dazugehören wollen. Zumindest ein bisschen.

  1. Das undurchsichtige Leben der Sarah Jane

    bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 29. Sep 2021 

    "Ich habe nicht die Sachen gemacht, die man mir andichtet. Zumindest nicht alle." (Buchauszug)
    Sarah Jane Leben beginnt mit einer komplizierten Vergangenheit. Erst reißt sie von zu Hause aus, dann kommt sie mit dem Gesetz in Konflikt und muss daraufhin zwangsweise zum Militär. Nach dem Militär arbeitet sie dann als Köchin, heiratet allerdings den falschen Mann, macht dann jedoch ihren Collegeabschluss. Eine Wende in ihrem Leben ergibt sich, als sie schließlich ein Cop in der Kleinstadt Farr wird. Als eines Tages Sheriff Cal verschwindet, übernimmt Sarah seinen Posten als Chief. Bei ihrer Suche nach ihm entdeckt sie, dass Cal ihr und seinen Freunden vieles aus seinem mysteriösen Leben verheimlicht hat. Doch dann holt Sarahs Vergangenheit sie wieder ein, als das FBI auftaucht, nachdem ein Cop ermordet wurde.

    Meine Meinung:
    Angekündigt wurde dieses Buch als Kriminalgeschichte und ich hatte mich schon darauf gefreut. Leider jedoch beginnen die ersten Seiten dieses Buches schon recht verwirrend für mich. Der Schreibstil ist zwar literarisch gut durchdacht und außerordentlich gut bildhaft beschrieben. Die Beschreibungen am Anfang von Sarah Janes Leben empfand ich allerdings sehr verworren und sprunghaft. Es liest sich wie eine Art Lebenslauf bzw. kurze Biografie dieser etwas chaotischen Frau. Sarah Erscheinungsbild erinnert mich ein wenig an Mildred Hayes aus "Three Billboards Outside Ebbing, Missouri". Dass sie in ihrem Leben öfters falsche Entscheidungen trifft, liegt sicher an ihrem gestörten Selbstwertgefühl. Nichts scheint zu funktionieren und so ist es dann kein Wunder, dass sie von einem Problem ins nächste schlittert. Erst als sie den richtigen Mann kennenlernt, der als Polizist arbeitet, habe ich das Gefühl, dass es besser wird. Doch leider ist dies nicht lange von Dauer, den das Schicksal meint es nicht gut mit Sarah. Ab Kapitel 6 beginnt dann ihre eigentliche Geschichte in der Gegenwart und ich erhoffte, dass mich nun die Geschichte endlich begeistern könnte. Jedoch es war nicht der Fall, denn es bleibt weitestgehend eine Sammlung an bunten Beschreibungen über Sarah Pullmans Leben. Eine Kriminalgeschichte kann ich bis zum Ende nicht entdecken. Der Plot ist zäh, langweilig und plätschert ohne jegliche Spannung so vor sich hin. Während die Charaktere bis auf Sarah alle recht flach und oberflächlich bleiben. Selbst das Verschwinden von Sheriff Cal ist und bleibt mysteriös und man erfährt viel zu wenig darüber. Jede Kleinigkeit von Sarahs Leben beschreibt der Autor hier mehr als bildlich und ausführlich, was sicher dem einen oder anderen gefallen wird, doch für mich war dies nicht das, was ich von diesem Buch erhofft hatte. Dazu kommen noch die vielen unbefriedigten Charaktere, die der Autor oft nur kurz erwähnt und von denen ich danach nichts mehr erfahre. Ebenso der Ansatz, der etwas ins Mystische geht, verpufft innerhalb kurzer Zeit, sodass ich irgendwann keine richtige Lust mehr auf dieses Buch hatte. Dieses Buch ist und bleibt bis zum Ende für mich ein Rätsel, das autobiografische Format mag sicher einige faszinieren, doch für mich war es einfach zu schwerfällig. Dieses Buch mit seiner poetisch literarischen Sprache wird nicht jedermanns Sache sein besonders Leser, die nach einer schnellen Thriller-Lektüre suchen, den diese werden sicher schrecklich enttäuscht sein. Besonders nachdem der Kriminalfall hier so nebenher läuft und nie wirklich wichtig für James Sallis zu sein scheint. Deshalb würde ich dieses Buch eher als Roman als unter Krimis listen. Außerdem fehlten mir die Höhepunkte und der anschließende Abschluss dieser Geschichte. So verworren wie sie begann, endet sie dann auch am Ende. Deshalb kann ich diesem Buch leider nur 2 von 5 Sterne geben, weil es mich so gar nicht begeistern konnte.

  1. Sarah Jane hat dem Leser eine Menge zu geben

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Sep 2021 

    Sarah Jane hat dem Leser eine Menge zu geben

    Sarah Jane Pullman hat eine bewegte und sehr außergewöhnliche Vergangenheit. Als junge Frau kam sie einige Male mit dem Gesetz in Konflikt und hatte einen Richter, der es wohl gut mit ihr meinte, denn sie dürfte zwischen einer Haftstrafe und dem Eintritt in die Army wählen. Sarah Jane entschied sich für die Army, wo sie einige schlimme Dinge erlebte, aber auch gestählt hervor ging.

    Im weiteren Verlauf wird deutlich, dass sie dazu neigt zu fliehen, sobald es schwierig wird. Als sie ihren Partner, der sie bedrängt, verletzt, nimmt sie beispielsweise direkt reiß aus. Als sie dann den Mann fürs Leben kennenlernt, der ihr dann durch einen unglücklichen Zwischenfall genommen wird, geht sie zur Polizei nach Farr. Ihr dortiger Vorgesetzter Cal und sie scheinen auf einer Wellenlänge zu sein.
    Als Cal nach einiger Zeit spurlos verschwindet und Männer aus ihrer Vergangenheit auftauchen, kommt der Leser nach und nach hinter alles was bis dahin ungesagt blieb. Man merkt, was für ein toller und einfühlsamer Mensch Sarah Jane eigentlich ist.

    Dieser Roman suggeriert dem Leser ein wenig Krimiflair, doch die Handlung basiert weniger auf solchen Elementen. Viel mehr versteht der Autor James Sallis es, ihr trotz der vielen Schicksalsschläge enorm viel Verständnis für das Leid von anderen einzuhauchen. Ich kann es nur schwer in Worte fassen, aber dieser Charakter hat mich gefesselt und ist mir nach kurzer Zeit ans Herz gewachsen. Ich hatte das große Bedürfnis sie zu begleiten bis zum Ende der Handlung. Das Ende lässt zwar einige Fragen offen, aber in dem Fall störte mich dies nicht, da das Leben selbst auch nicht immer alles abschließt. Lediglich der Einstieg ins Buch fiel mir ein wenig schwer, da die Gedanken von Sarah Jane oft hin und her sprangen und ich mich erst einfinden musste.
    Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung für diesen Roman von James Sallis,

  1. Sarah Jane

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Sep 2021 

    Sarah Jane Pullman ist eine junge Frau mit bewegter Vergangenheit. Als sie mit dem Gesetz in Konflikt kam, blieb ihr nur die Möglichkeit zur Army zu gehen. Dort erlebte sie Traumatisches. Danach kam sie nirgendwo an und wenn es schwierig wurde, zog sie weiter. Sie bewirbt sich dann bei der Polizei in Farr und Cal, der in ihr die gleichen Verletzungen erkennt, die er selbst hat, stellt sie ein, obwohl sie keinerlei Erfahrungen hat. Er bringt ihr alles bei und ist dann eines Tages verschwunden. Während in Sarah Jane sucht, holt ihre Vergangenheit sie ein.
    „Sarah Jane“ ist ein Buch, das es mir nicht einfach gemacht hat. Anfangs wurden mir viele Fragmente aus dem Leben von Sarah Jane um die Ohren gehauen und diese waren auch zeitlich wild durcheinander. Zusammenhänge konnte ich nicht erkennen, es wurde nur deutlich, dass sie kein einfaches Leben hatte und immer wieder die Flucht ergriff, wenn etwas passierte. Doch mit der Zeit ging es besser, denn es war nicht mehr ganz so sprunghaft und ich hatte mich an den Schreibstil gewöhnt.
    Das Leben hat es nicht immer gut mit dieser Frau gemeint, daher fand ich es beeindruckend, wie sie versucht, etwas zu schaffen und irgendwo anzukommen. Cal gibt ihr die Möglichkeit, denn er erkennt sofort, dass sie genauso viele Wunden mit sich herumträgt wie er selbst. Sie lernt so viel von ihm und fühlt sich in dem Ort und mit ihrer Arbeit wohl. Die Menschen nehmen sie an und sie kümmert sich. Doch dann ist Cal verschwunden.
    Sarah Janes Betrachtungsweisen waren fast schon philosophisch. Sie ist kein einfacher Charakter, aber ich mochte sie.
    Es bleibt vieles unausgesprochen in dieser Geschichte und es ist wie so häufig im Leben, Dinge passieren und beeinflussen den weiteren Weg.
    Auch wenn ich mich anfangs ziemlich schwergetan habe, so hat mich die Geschichte dann doch gepackt. Ich wollte wissen, wie alles zusammenhängt. Doch nicht alle meine Fragen wurden beantwortet. Aber das hat mich nicht enttäuscht, es ist richtig und passend.

  1. Hin und weg

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Sep 2021 

    Obwohl sie noch jung ist, hat Sarah Jane Pullman schon einiges erlebt. An einem Punkt hatte sie sogar nur noch die Wahl zwischen Knast und Armee. Nun ist sie schon eine Weile zurück und in dem kleinen Ort Farr ist sie zunächst in den Polizeidienst eingetreten und als der amtierende Sheriff verschwindet, übernimmt sie dessen Posten. Nicht, dass sie in irgendeiner Form darauf vorbereitet gewesen wäre. Doch zu ihrer eigenen Überraschung sind die Bewohner ganz zufrieden mit ihr und sie beginnt sich heimisch zu fühlen. Fast vergisst sie, dass sie eigentlich immer auf dem Sprung ist.

    Sarah Jane ist zwar keine gelernte Polizistin, aber eine von Herzen. Sie erzählt von ihrem Leben bevor sie in Farr angekommen ist und von ihrem Alltag als Sheriff. Dabei geht sie integer mit den Dorfbewohnern um. Leider muss sie manchmal Verstorbene entdecken und manchmal darf sie verschwundene Jugendliche wiederfinden oder alte Damen im Pflegeheim besuchen. Das macht sie zu einer sehr sympathischen Person, die sich ihres Ortes angekommen hat. Allerdings wirkt Sarah auch so, als bereite sie sich darauf vor, bald wieder weiter zu ziehen. Angekommen und doch auf dem Sprung, wieso ist sie so?

    Dieser Crime Noir kann eigentlich nur als Standalone funktionieren. Sarah Jane Pullman ist eine Persönlichkeit, die es versteht, Sympathie zu wecken und doch geheimnisvoll zu bleiben. Sie ist liebenswert zu ihren Mitmenschen und kann in bestimmten Situationen die nötige Härte aufbringen. Lange rätselt man, wieso sie sich nur bis zu einem gewissen Punkt öffnet. Doch wenn die Hintergründe so langsam klar werden, hat man einen echten Aha-Effekt, der diesen Roman von den üblichen Kriminalromanen abhebt. Ehe man es sich versieht, ist einem Sarah Jane ans Herz gewachsen und man kann noch nicht mal mit ihr hadern. Diese Art Krimi verdreht ist sehr besonders und man sollte ihn mit dem Herzen lesen.