Sakari lernt, durch Wände zu gehen: Ein Kimmo-Joentaa-Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Sakari lernt, durch Wände zu gehen: Ein Kimmo-Joentaa-Roman' von Jan Costin Wagner
4
4 von 5 (1 Bewertungen)

Die Macht des Todes – die Kraft des Lebens.
Jan Costin Wagner ist der Meister des literarischen Kriminalromans – ein Buch von hypnotischer Intensität, das zugleich verstört und glücklich macht
Auf dem Marktplatz der finnischen Stadt Turku steigt ein junger Mann in einen Brunnen. Er ist nackt und offenbar verwirrt. Und er hat ein Messer bei sich.Im Nachhinein kann sich niemand so recht erklären, warum einer der herbeigeeilten Polizisten ihn erschossen hat – vor allem nicht der Schütze selbst.
Er versucht, mehr über den jungen Menschen zu erfahren, dem er das Leben genommen hat, und wendet sich hilfesuchend an seinen Kollegen Kimmo Joentaa. Kimmo, inzwischen selbst alleinerziehender Vater einer Tochter, sucht die Eltern des Toten auf – und stößt auf Spuren einer Katastrophe, die nicht nur das Leben des Jungen aus dem Brunnen, sondern das zweier Familien tragisch und tiefgreifend verändert hat.
Kimmo Joentaa beginnt, die losen Fäden zu verknüpfen. Und er begreift, dass diese Ermittlung ihn vor allem mit der Frage konfrontiert, woran Menschen sich in unserer Welt festhalten können, wenn schlimmste Befürchtungen wahr werden.

Format:Kindle Edition
Seiten:220
EAN:

Rezensionen zu "Sakari lernt, durch Wände zu gehen: Ein Kimmo-Joentaa-Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Dez 2017 

    Das Verschwinden

    Ein junger Mann steht nackt in einem Brunnen, mit einem Messer in der Hand. Die herbei gerufene Polizei soll die Situation entschärfen. Schließlich ist der junge Mann tot und weitere Polizisten müssen aufklären, wie es dazu kam. Kimmo Joeenta, der einen letzten Urlaubstag mit seiner neunjährigen Tochter Sanna und deren Freundinnen verbringen möchte, schaltet sich in die Untersuchung ein. War der Tote wirklich eine Bedrohung für sich oder andere? Und wer ist der Junge, der neben dem Brunnen stand? Von diesem berichtete Petri, der Polizist mit der Waffe. Der etwa zehnjährige Junge ist verschwunden, einfach davon gegangen.

    Im August neigt sich in Finnland der Sommer dem Ende entgegen, die Hitze des Tages geht schon relativ früh in die Dunkelheit der Nacht über. Sanna und ihre Freundinnen genießen die Ferientage. Die Mutter des Toten erscheint seltsam unberührt, ihr Sohn hatte die Familie schon lange verlassen. Aufgrund einer psychischen Erkrankung lebte er in einer betreuten Wohngruppe. Die Mutter selbst ist Psychologin, doch sie konnte ihrem Sohn nicht helfen. Niemand konnte ein traumatisches Ereignis ungeschehen machen. Ein Verlust ist unwiederbringlich. Wieso mussten sich der junge Sakari und der Polizist Petrie ausgerechnet in diesem Moment begegnen. Kimmo Joeenta fühlt sich in die Beteiligten hinein, doch auch er kann Geschehenes nicht ungeschehen machen.

    Selbst der Sommer birgt eine gewisse Melancholie. Die Erforschung des Geschehens fördert eine unendliche Traurigkeit zutage. Noch wärmt die Sonne, aber wie ist der lange dunkle Winter zu überstehen. Kommissar Kimmo Joeenta versucht mit all seiner Kraft, das Geheimnis hinter dem Geschehen zu entschlüsseln. Man gewinnt den Eindruck, er versucht, die Sonne zurück in die Herzen zu bringen, um das eigentlich unerträglich wenigsten soweit erträglich zu machen, dass die Überlebenden auf ein Weiterleben hoffen können. Wie ein Foto, auf dem die Menschen lächelnd einen unbeschwerten Moment erleben. Und so schließt man auch dieses Buch lächelnd mit ein paar Gedanken einer unbeschwerten Hoffnung.
    4,5 Sterne