Roter Rabe: Kriminalroman (Max Heller)

Buchseite und Rezensionen zu 'Roter Rabe: Kriminalroman (Max Heller)' von Frank Goldammer
4.2
4.2 von 5 (9 Bewertungen)

Im Spätsommer 1951 kehrt Oberkommissar Heller mit seiner Familie aus dem staatlich genehmigten Ostseeurlaub nach Dresden zurück. Für seine Frau Karin geht die Fahrt gleich weiter, denn sie hat überraschend die Reiseerlaubnis in den Westen zu Sohn Erwin erhalten. Heller ist besorgt. Doch sein neuer Fall lässt ihm keine Zeit zum Grübeln: Zwei unter Spionageverdacht stehende Männer, Zeugen Jehovas, sterben in ihren Gefängniszellen. Und es geschehen weitere mysteriöse Todesfälle. Bei einem der Opfer wird eine geheimnisvolle Botschaft gefunden: »Eine Flut wird kommen.« Heller beschleicht eine schreckliche Ahnung.

Format:Broschiert
Seiten:320
EAN:9783423262095

Rezensionen zu "Roter Rabe: Kriminalroman (Max Heller)"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 17. Jan 2019 

    Weniger ,,Krimi“ wäre mehr gewesen

    Auch der 4. Band um den Dresdner Kommissar Max Heller beeindruckt durch die authentische und sehr eindrückliche Schilderung der Atmosphäre, hier nun in den frühren 50er-Jahren, ganz zu Beginn der DDR. Während die Versorgungslage inzwischen ordentlich ist und auch die Wohnsituation sich etwas entspannt hat, ist es nun das Misstrauen und die Angst vor Bespitzelung und Denunziation, das den Alltag der Menschen bestimmt.
    So ergeht es auch Max Heller, der gerade von einem genehmigten Ostseeurlaub zurückkehrt. Während Hellers Frau Karin weiter in den Westen darf, um den Sohn Erwin in Köln zu besuchen, muss Heller mit der Pflegetochter Anni allein zurückbleiben. Als tagelang keine Nachricht von Karin kommt, beschleichen Max Heller allmählich Zweifel, ob sich seine Frau womöglich in den Westen abgesetzt hat. Dazu kommen entsprechende Andeutungen von Nachbarn oder der alten, inzwischen sehr vergesslichen Mitbewohnerin Frau Marquardt, sodass Heller sich kaum auf seinen aktuellen Fall konzentrieren kann. Zwei Männer, Zeugen Jehovas, die wegen Spionageverdacht inhaftiert wurden, sollen in ihren Zellen Suizid begangen haben, beide auf exakt dieselbe Weise. Heller, der nicht an Selbstmord glaubt, beginnt zu ermitteln, wird aber sehr bald zurückgepfiffen. Er soll zwar ,,ermitteln“, aber möglichst keine Ergebnisse bringen. Offenbar haben das Mfs und der russische Geheimdienst ihre Finger im Spiel. Nach und nach kommen alle Zeugen Hellers auf merkwürdige Weise zu Tode. Von seinem alten Gegenspieler Alexej Saizev erfährt Heller von dem ,,Amerikaner“, einer geheimnisvollen Figur, die für den Westen spionieren und Sabotage betreiben soll.
    Hinzu kommt die Stimmung zwischen Hellers Kollegen, die sich gegenseitig nicht über den Weg trauen, aber auch eine mysteriöse junge Frau, die sich als Verwandte von Frau Marquardt vorstellt und sich im Haus einquartiert, was bei Heller zu einiger Verwirrung führt.
    Insgesamt erscheint mir die Handlung in diesem 4. Band etwas überfrachtet. Zahllose Beteiligte, Verdächtige und zu viele Handlungsstränge erschweren zunehmend den Durchblick, was auch leider der Spannung abträglich ist. Auch bleiben am Ende zu viele Fragen offen.
    Punkten kann ,,Roter Rabe“ allerdings, wie die Vorgängerbände auch, durch den sympathischen und differenziert dargestellten Protagonisten Max Heller, seine Gedanken- und Gefühlswelt, die einem als Leser die Zeit äußerst anschaulich und eindrücklich vermitteln.
    Hier wäre also weniger Krimihandlung mehr gewesen!

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 11. Jan 2019 

    Paranoia am Beginn des kalten Krieges

    Dresden im Spätsommer 1951 ist eine ausgelaugte, eine erschöpfte Stadt. Sechs Jahre nach dem zweiten Weltkrieg prägen immer noch Ruinen weite Teile der Viertel. Wohnraum ist knapp und auch sonst herrscht Mangel an allen Ecken und Enden. Und eine neue Angst geht um, die Angst vor einer neuen Konfrontation zwischen Amerikanern und Russen, kaum dass die Wunden des letzten Krieges verheilt sind.

    Unter sowjetischer Führung ist in der östlichen Besatzungszone die DDR entstanden, ein neuer Staat mit sozialistischer Führung.
    Die Amerikaner, so die Gerüchte, wollen diesen neuen Staat nicht. Sie wollen sich der Russen, auf deren militärischer Macht sich die DDR stützt, entledigen, solange die noch vom Krieg geschwächt sind. Eine Atombombe soll irgendwo in den Straßen Dresdens versteckt sein.

    Verzweifelt suchen die Sicherheitsorgane nach einem amerikanischen Spion, den die Russen „Woron“ nennen, den Raben. Aber wer ist es? Was hat er vor? Hat er sich vielleicht sogar irgendwo in den Apparat eingeschlichen? Die staatlichen Stellen reagieren panisch und mit kollektivem Misstrauen. Keiner traut keinem. Jeder ist verdächtig. Jeder Bürger, jeder Polizist. Angeheuert vom Ministerium für Staatssicherheit bespitzeln die Bürger sich gegenseitig. Niemand kann sich sicher sein, dass er nicht morgen plötzlich verhaftet wird. Anlässe gibt es genug, etwa wenn sich ein Familienmitglied in den Westen abgesetzt hat oder auch nur dorthin auf Familienbesuch reist.

    In dieser paranoiden Umgebung ermittelt Kommissar Heller in einer Reihe mysteriöser Mordfälle. Zwei unter Spionageverdacht stehende Mitglieder der Zeugen Jehovas sterben in ihren Zellen. War es Selbstmord oder doch Mord? Heller will dem nachgehen. Aber schnell merkt er, dass er mit seinen Ermittlungen in ein Wespennest gestochen hat. Zeugen sterben reihenweise. Und auch von offizieller Seite werden ihm Knüppel zwischen die Beine geworfen. Ein alter Freund Hellers, Alexei Saizev, der für den russischen Geheimdienst MGB arbeitet, bringt es für ihn auf den Punkt. Heller soll ermitteln, aber zu keinem Ergebnis kommen. Aber machen Ermittlungen überhaupt Sinn, wenn ein gleißender Blitz jederzeit alles auslöschen kann?

    Frank Goldammer erzählt packend. Und vor allem fängt er die düstere Stimmung jener Jahre ein, das kollektive Misstrauen, die Angst vor der Bespitzelung, die Zerissenheit der Familien, die es in West und Ost verschlägt, die Sorge vor dem nächsten Krieg. Am Ende verfranst sich die Geschichte in sehr vielen Handlungssträngen. Dennoch ist Roter Rabe ein sehr lesenswerter und spannender Krimi - und ein beeindruckendes Zeitdokument über die frühen Nachkriegsjahre in der DDR.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Jan 2019 

    Wem kann man überhaupt noch trauen?

    "Zu viel Vertrauen ist häufig eine Dummheit, zu viel Misstrauen immer ein Unglück." (Jean Paul)
    Dresden 1951:
    Max, Karin und Annie sind nach einem wunderschönen Ostseeurlaub wieder in Dresden angekommen. Karin dagegen darf gleich zur nächsten Reise antreten, den sie hat, einen Besuch bei Sohn Erwin im Westen genehmigt bekommen. Max und Annie hingegen müssen schauen wie sie alleine und mit der inzwischen leicht dementen Frau Marquart zurechtkommen. Und auch bei der Polizei ist heftige Unruhe, nachdem kürzlich 2 Gefangene sich selbst gerichtet haben. Komisch ist nur das die beiden von den Zeugen Jehovas waren und zudem sich absolut identisch umgebracht haben. Während Heller sehnsüchtig auf ein Telegramm von Karin wartet, geschehen weitere Selbstmorde und andere suspekte Todesfälle. Zudem taucht Saizev ein alter Bekannter von Heller auf, der ihn warnt nicht zu tief an den Fällen zu graben. Als dann auch noch die Tochter einer alten Bekannten von Frau Marquart auftaucht, wird Max immer misstrauischer. Kann das alles noch Zufall sein und warum meldet sich Karin nicht?

    Meine Meinung:
    Mit "Roter Rabe" habe ich inzwischen das vierte Buch von Frank Goldammer Ermittler Max Heller gelesen. Ich fieberte diesem Band schon entgegen, den kein anderer Autor bekommt es so gut hin Krimi und historische DDR Geschichte unter einen Hut zu bekommen. Das Cover mit dem im Hintergrund des noch immer zerstörten Dresden und der flüchtenden Frau, passte wieder einmal ausgezeichnet zu der Heller Reihe. Auch in diesem Buch ging es wieder schon in "Tausend Seelen" um die russische Besatzungszone, die Machenschaften und Einflüsse der Russen durch die (MGB), dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS). Ich als nicht DDR-Bürger und Nachkriegskind fand diese Machenschaften natürlich total interessant, zu sehen was für Schwierigkeiten damals die Bürger hatten. Dazu kamen noch Hellers Ängste das seine Frau Karin nicht mehr aus dem Westen zurückkehrt. Außerdem noch die unverhoffte Mitbewohnerin Edeltraut Herrmann, der er sehr misstraute. Doch auch die Ängste von Werner Oldenbusch, dem seine Verlobte in den Westen abgetaucht ist. Hier sah man besonders, wie misstrauisch die damalige Bevölkerung inzwischen gegen jeden geworden ist, nicht einmal mehr Kollegen traute man über den Weg. Was ja auch teilweise berechtigt war, wie man später feststellen musste. Doch die viele mysteriösen Toten gaben nicht nur Max Heller Rätsel auf, selbst ich war bis zum Ende unschlüssig wer der wahre Täter sein könnte. Trotzdem dieser Krimi nicht von Blut und Spannung strotzte, hatte der Autor hier wieder ein unfassbares Katz und Maus Spiel, zwischen Religion, Spionage und russischen Kalkül gezaubert. Dazu nicht nur gut ausgedachte Charaktere, wie z. B. den cleveren Max Heller, Kollege Werner Oldenbusch, die auch hier wieder ein hervorragendes Team bildeten. Nein selbst die Nebendarsteller waren sehr gut gewählt. Doch am meisten beeindruckt hat mich wieder einmal Goldammers Wissen, vor allem über die Dresdner Historie und das feine Gespür für kleine Nebensächlichkeiten, wie Karins Besuch in den Westen. Für mich ein weiterer lesenswerter und hervorragender Band, dem ich 5 von 5 Sterne gebe.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 02. Jan 2019 

    Spionage, Sabotage, Spitzelei

    Dresden, September 1951. Oberkommissar Max Heller kehrt gerade von seinem Ostseeurlaub mit seiner Frau Karin und dem Pflegekind Anni in den Dienst zurück. Während Karin eine Reiseerlaubnis erhält, den Sohn Erwin im Westen zu besuchen, muss Heller die vermeintlichen Selbstmorde zweiter Häftlinge untersuchen. Erschwert werden die Ermittlungen nicht nur durch weitere dubiose Todesfälle, auch die ständige Einmischung des russischen Geheimdienstoffiziers Saizev macht Heller zu schaffen. Gibt es tatsächlich einen amerikanischen Spion, der „Roter Rabe“ genannt wird? Bald weiß Heller nicht mehr in den eigenen Reihen, aber auch im privaten Umfeld, wem er noch trauen darf.
    Roter Rabe ist der vierte Band um den DDR Ermittler Max Heller. Frank Goldammer transportiert die Atmosphäre des aufkommenden Kalten Krieges und das Leben in der jungen DDR sehr einprägsam und detailliert. Spionage, Sabotage, Spitzelei, das treibt die Menschen um. Ihr Sorgen und Nöte schildert der Autor sehr lebensnah. Die Methoden des Staatsapparates, Falschmeldungen gezielt zu präsentieren, um zu verunsichern und Ängste zu schüren, waren damals nicht neu und sind erstaunlich aktuell. Im Mittelpunkt steht natürlich die Person des Max Heller, ein Mann, der sich seine Menschlichkeit bewahren will, soweit wie möglich unpolitisch sein möchte. Ein schwieriges Unterfangen, da er wohl selbst Teil des Systems ist. „Meine Moralvorstellungen gelten nur für mich“; sagte Heller ruhig. „Ich bemühe mich jeden Tag, sie nicht auf andere zu übertragen.“ (S. 365)
    Der eigentliche Kriminalfall gerät eher ins Hintertreffen. Sehr viele Akteure, zahlreiche Tote, eine in meinen Augen nicht ganz schlüssige Auflösung verwirren. Die großartige historische Betrachtung macht dieses Manko aber mehr als wett.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Jan 2019 

    Heller und der Rote Rabe

    In der noch jungen DDR wird Max Heller zu einem ungewöhnlichen Fall gerufen. In der Untersuchungshaft haben sich zwei der Spionage verdächtigte Männer selbst getötet. Die Umstände erregen Hellers Misstrauen und bald sieht er sich in seinem Verdacht bestätigt. Doch er ermittelt unter erschwerten Bedingungen, er kommt mit seinen Untersuchungen dem Geheimdienst in die Quere. Der junge Staat ist immer mehr zum Schauplatz des beginnenden Kalten Kriegs geworden. Die Geheimdienste der Sowjetunion, das MfS und auch westliche Dienste haben ihre Finger im Spiel. Wie soll Heller ermitteln, wenn er kein Ergebnis erzielen darf?
    Zudem scheinen die Gegner immer einen Schritt voraus. Hat Heller eine Spur, erleiden die Befragten bald danach tödliche Unfälle oder bringen sich um. So sterben seine Verdächtigten schneller, als Heller handeln kann. Das Klima des gegenseitigen Misstrauens hat auch seine Behörde und die unmittelbaren Kollegen erfasst. Kann man überhaupt noch jemandem trauen? Die Paranoia der um ihre Existenz ringenden DDR durchzieht die ganze Handlung. Max Heller ist selbst betroffen, ein Sohn lebt im Westen und lehnt die sozialistischen Ziele ab, der andere Sohn Klaus ist ein 100%iger, der den politischen Zielen auch familiäre Bande zu opfern bereit ist.
    Karin Heller ist nach Köln gefahren um ihren Sohn und dessen kleine Familie zu besuchen, Max wartet auf ein Lebenszeichen von ihr und weist alle Andeutungen, dass sie nicht mehr zurückkommt, weit von sich.
    Der Roman bringt auch ein Wiedersehen mit Alexej Saizev, dem jungen Russen, den Max schon gleich nach Kriegsende kennengelernt und bei einigen Fällen als fairen Gegenspieler kennengelernt hat. Doch Saizev hat sich verändert, er ist hart geworden und seine Handlungen sind für Max Heller undurchschaubar.
    Der Krimi, der spannend, aber auch sehr verwickelt ist, tritt vor dem ausgezeichnet beschriebenen Zeitbild in die zweite Reihe. Goldammer schafft eine realistisch und minutiös gezeichnete Atmosphäre von Misstrauen und Ängsten. Die Schwierigkeiten des jungen Staats, der noch seinen Platz sucht und ganz unter der Beobachtung der Sowjetunion steht, sind allgegenwärtig. Immer häufiger schauen die Bürger neidvoll in den Westen, wo der Aufschwung schon in vollem Gang ist und kaum Versorgungsengpässe herrschen. So werden Beziehungen in BRD misstrauisch beäugt.
    Ich konnte mich der Spannung und der Faszination dieses Kriminalromans nicht entziehen, auch wenn ich Schwierigkeiten hatte, die Verflechtungen immer ganz zu durchschauen. So sind mir auch einige Fragen und Details nicht ganz schlüssig aufgelöst worden. Der vierte Band der Reihe um Max Heller bekommt eine klare Leseempfehlung von mir.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Jan 2019 

    Spannend

    Oberkommissar Heller wird mit seinen Kollegen 1951 in Dresden mit einem merkwürdigem Fall beauftragt. Der Tod zweier, der Spionage verdächtigter Inhaftierter soll näher untersucht werden. Beide Verdächtigte sind Zeugen Jehovas und haben sich fast zur gleichen Zeit auf dieselbe Art und Weise umgebracht. War das ein Selbstmord, oder wollte hier jemand weitere Nachforschungen verhindern?

    Heller kommt die Variante des Selbstmords merkwürdig vor, auch weil beide Männer bei ihrer Einlieferung als krank beschrieben wurden. Auf der Suche nach weiteren Spuren stolpert er im wahrsten Sinne des Wortes über weitere Todesfälle. Es scheint, als wäre da jemand der ihm immer einen Schritt voraus ist. Noch merkwürdiger ist, dass Heller von seinem alten Bekannten Saizev, einem Mitarbeiter des russischen Geheimdienstes, ausgebremst wird. Er soll zwar ermitteln, aber eben nicht so richtig. Das eigentliche Ziel bei der Operation wäre die Ergreifung des Raben, einem amerikanischen Geheimagenten.

    Frank Goldammer gelingt es geschickt, die angespannte Stimmung in der jungen DDR einzufangen. Der Staat ist misstrauisch gegenüber jedem und zögert nicht seine eigenen Leute zu bespitzeln und zu überwachen. Diese angespannte Stimmung kommt auch im Buch gut herüber. Die Sorge vor Sabotage, Bespitzelung und auch das Bekannte nach ihren Reisen in die BRD nicht mehr in die DDR zurückkommen, kommt besonders gut zum Ausdruck. Man kann die Anspannung von Heller und seinen Kollegen sehr gut nachvollziehen.

    Leider verliert sich das Buch zum Ende hin in zu vielen Ereignissen. Einige werden nicht schlüssig aufgeklärt also gänzlich offen gelassen. Bestimmte Handlungsstränge kann man nicht richtig nachvollziehen. Das ganz große Ziel ist erreicht, der feindliche Agent wird gefasst. Aber die kleinen offenen Details sind bis zum Schluss nicht klar.

    Von mir gibt es trotzdem eine unbedingte Leseempfehlung für dieses Zeitzeugnis, über das man so wenig weiß und verdiente vier Lesesterne.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 31. Dez 2018 

    Vierzehn Tage ohne Karin

    Zum vierten Mal ermittelt Max Heller im Nachkriegs-Dresden. Es ist das Jahr 1951. Der Kalte Krieg entwickelt sich. Im Erzgebirge wird Uranerz abgebaut. Die Welt hat Angst vor der Atombombe. Eine Reihe von Morden beschäftig den Kriminalisten und seine beiden Mitarbeiter. Doch die Geheimdienste, der russische sowie das MfS, blockieren die Ermittlungen. Außerdem gibt es Gerüchte über einen amerikanischen Agenten, den „Amerikaner“, den die Russen „Roter Rabe“ nennen. Damit spielen sie auf einen möglichen Überläufer an. In Hinblick auf die Verschärfung der Bewachung des Uranbergbaus der Wismut AG zur Verhinderung von Schmuggel erhärtet sich genau dieser Verdacht, zumal die Kriminalisten Erzproben untersuchen lassen. Der Geologe, ein Professor, der diese Proben begutachtet wird ebenfalls umgebracht.
    Viele Fragen beschäftigen den Leser im Laufe der Lektüre: Was für eine Rolle spielen die Zeugen Jehovas? Haben die Modfälle überhaupt etwas miteinander zu tun? Viel wichtiger noch: Kommt Karin Heller in die DDR zurück? Die Frau des Max Heller besucht nämlich ihren jüngeren Sohn im Westen.

    Äußerst spannend und sehr undurchsichtig liest man sich durch den Roman. Wir fühlen das Ende nicht nur wegen abnehmender Seitenzahlen kommen und sind doch überrascht, wenn Max Heller und die Leser den roten Raben kennen lernen. Eine Figur, die man sich so kaum vorstellen kann. Doch lest selbst.
    Der Kunstgriff des Romans sind die 14 Tage Urlaub, die Karin Heller im Westen verbringt. Ohne seine Frau muss der Strohwitwer den Fall lösen. Doch allein dieser Satz ist schon gewaltig spoilerhaft.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Dez 2018 

    Wem kann man noch vertrauen?

    Der Krimi ist bereits der vierte Fall des Oberkommissars Max Heller und spielt 1951 in Dresden. Obwohl ich die vorangegangenen Romane nicht gelesen habe, bin ich gut in die Handlung hinein gekommen.

    Worum geht es?
    Max Heller kehrt zu Beginn der Handlung von einem gemeinsamen Urlaub mit seiner Frau Karin und der Pflegetochter Anni von der Ostsee zurück. Während seine Frau die Erlaubnis hat, ihren erwachsenen Sohn Erwin in Köln zu besuchen, und sich auf die Reise in den Westen macht, wird Max mit zwei Selbstmorden in der Untersuchungshaft konfrontiert.

    "Bei den Verhafteten handelt es sich um Mitglieder der Wachturmgesellschaft. Die Anklage lautet Boykotthetze gegen demokratische Einrichtungen und Spionage. Ihnen werden Kontakte zum amerikanischen Geheimdienst nachgesagt. Es gibt konkrete Hinweise, vor allem aus sowjetischen Geheimdienstkreisen und vom MGB." (17/18)

    Der zuständige Wachmann - Walter Rehm - wird verhaftet, Heller nimmt Ermittlungen auf. Allerdings wird er von seinem Vorgesetzten Niesbach gewarnt:

    "Max, die Sowejts sind aufgebracht. Ein Mitarbeiter des MGB unterstellte mir wortwörtlich, wir hätten die beiden Verdächtigen umgebracht. Ich habe diesen Vorwurf mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen (...), doch gerade jetzt schlägt uns wieder großes Misstrauen entgegen. (...)
    Max, gehen Sie mit aller Vorsicht an den Fall heran. Handeln Sie vollkommen transparent, geben Sie Informationen weiter, suchen Sie den Kontakt zum MfS." (26)

    Der Fall entwickelt sich zu einem scheinbar undurchdringlichen Knäuel von Handlungsfäden, weitere Tote säumen Hellers Weg. Es scheint so, als ob alle, von denen er Informationen erhalten möchte und oder die er befragt, ermordet würden.
    Zudem taucht ein Bekannter aus der Vergangenheit auf, Alexej Saizev, der für den russischen Geheimdienst arbeitet, aber ständig alkoholisiert wirkt. Welche Rolle spielt er in diesem Fall?
    Und wer ist der ominöse Amerikaner, dessen Existenz in verschiedenen Kreisen ins Spiel gebracht wird? Ein Spion, oder ein Agent, der in den Westen überlaufen will? Wem kann Heller noch trauen? Während sein Mitarbeiter, Kommissar Werner Oldenbusch verlässlich zu sein sein, hat jener den jungen Unterkommissar Peter Salbach in Verdacht, Informationen weiterzugeben.
    Am Ende lösen sich alle Fäden, allerdings hatte ich Mühe, sie immer beim Lesen präsent zu haben, obwohl ich den Roman ohne große Unterbrechungen gelesen habe.

    Bewertung
    Die Story ist insgesamt solide, wenn auch vielleicht etwas zu verworren, doch die Leistung des Romans besteht darin, die zeitgenössische Atmosphäre der Aufbaujahre in Dresden erlebbar zu machen.
    In der Leserunde wurde einhellig die Meinung geäußert, der Roman spiegele die Beklommenheit und Ängste der damaligen Zeit sehr gut wider: Die Angst vor dem kalten Krieg, sogar vor einem Atomkrieg, die Angst davor, seine Meinung frei zu äußern und das Gefühl, niemandem vertrauen zu können.
    Das Beispiel Werner Oldenbuschs, der zwei Tage befragt wird, weil seine Verlobte in den Westen "rübergemacht" hat, zeigt die Willkür des neuen Staates, denn Oldenbusch hat offenkundig nichts von den Plänen seiner Zukünftigen gewusst. Während sich die Anzeichen häufen, dass sich eine neue Diktatur anbahnt, ist der Glaube an den Kommunismus bei vielen Parteigenossen noch vorhanden, so glaubt Max Vorgesetzter fest daran, dass die Utopie verwirklicht werden könne - ein Trugschluss, wie wir heute wissen.

    Lesenswertes Zeitdokument, das einen guten Einblick in die Anfänge der DDR gewährt.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Dez 2018 

    Solo für Heller

    Dresden 1951: Zwei Gefangene sind in ihren Zellen fast gleichzeitig gestorben. Das kann einfach kein Zufall sein. Kommissar Max Heller, dessen Frau Karin die Erlaubnis erhalten hat, den in Köln lebenden Sohn zu besuchen, beginnt mit seinen Nachforschungen. Er hat noch nicht einmal richtig angefangen, da wird von seinen Vorgesetzten angedeutet, es sei am Besten, er ermittle etwas, finde aber nichts weiter heraus. Das lässt sich Heller natürlich nicht zweimal sagen. Natürlich führt er seine Untersuchung ordentlich durch. Schon bald allerdings gibt es weitere Tote und die Lage wird immer verworrener.

    In den frühen Jahren der DDR ist das System noch sehr von der Sowjetunion gelenkt, doch so langsam bilden sich eigene Strukturen heraus. Immer gegenwärtig ist die drohende Gefahr von westlichen Geheimdiensten, derer man meint, sich erwehren zu müssen. Es installiert sich ein Kontrollsystem, das letztlich die eigenen Leute bei der Stange halten soll, auch wenn dazu Mittel von Kontrolle und Bespitzelung verwendet werden. Heller, der bisher keiner Partei zugehörig ist, ist nun in Gefahr, in diese Maschinerie hineinzugeraten. Hinzu kommt noch, dass seine Karin sich nicht meldet und zumindest die Nachbarn schon vermuten, sie werde im Westen bleiben. Doch Nichts kann Heller davon abhalten, den Todesfällen auf den Grund zu gehen.

    Inlandsgeheimdienst, russischer Geheimdienst, der Chef - es kommt schon ganz schön dicke für Kommissar Max Heller und seine Kollegen Oldenbusch und Salbach. Sie wollen doch nur aufklären, wie und wieso die beiden Gefangenen zu Tode gekommen sind und stechen dabei in ein Wespennest aus verschiedenen Diensten. Es scheint beinahe so als müssten die Beamten bei ihren Untersuchungen immer auf der Hut sein, um niemanden in die Quere zu kommen. Etwas, das nicht machbar ist. Doch wenn man Max Heller kennt, weiß man, er wird jeder Spur nachgehen, er wird sich nicht ablenken lassen und er wird seine Ziehtochter Anni auch ohne seine Frau gut versorgen. Eigentlich eine Quadratur des Kreises, doch machbar.

    Die Stimmung in den frühen Jahren der DDR ist hier anschaulich und authentisch geschildert. Beim Lesen denkt man, genauso könnte es gewesen sein. Vielleicht dient es sogar der Authentizität bei der Lösung eines Kriminalfalls, dass nicht jede Frage beantwortet wird. Es fängt relativ harmlos an und wächst sich zu etwas Größerem aus. Ein packender Krimi, gleichzeitig eine lebendige Geschichtsstunde.