Rachesommer

Buchseite und Rezensionen zu 'Rachesommer' von Andreas Gruber
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4 von 5 (2 Bewertungen)

In Wien stirbt eine Reihe wohlhabender Männer unter ungewöhnlichen Umständen. Zur gleichen Zeit ereignen sich im 600 Kilometer entfernten Leipzig rätselhafte Selbstmorde unter den jugendlichen Patienten psychiatrischer Kliniken. Seine Nachforschungen bringen den Leipziger Kommissar Pulaski mit der Wiener Anwältin Evelyn Meyers zusammen. Die Spuren führen die beiden bis an die Nordsee, zu einem Schiff, das ein schreckliches Geheimnis birgt.

Format:Hörbuch-Download
Seiten:0
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Rezensionen zu "Rachesommer"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 29. Nov 2015 

    Mit dem Kopf durch die Wand

    Kommissar Walter Pulaski hat sich vom LKA an die normale Polizeidienststelle in Leipzig versetzen lassen. Sein Asthma verhindert eine Karriere. Als Ermittler wird er dadurch nicht dümmer. Ein Todesfalls in einer psychiatrischen Einrichtung gibt ihm Rätsel auf. Ein traumatisiertes junges Mädchen soll sich umgebracht haben. Bereits seit zehn Jahren ist sie in Behandlung und eine Heilung war nicht in Sicht. Der jungen Anwältin Evelyn Meyers in Wien geht es ähnlich. Mehrere ältere Männer sind bei eigenartigen Unfällen gestorben und Evelyn ist die einzige, die nicht an simple Unfälle glauben kann.

    Verschiedene Ermittler - verschiedene Fälle, so scheint es zunächst. Wo könnte schon eine Verbindung zwischen so unterschiedlichen Toten bestehen. Unabhängig voneinander ermitteln Pulaski und Meyers. Jeder eckt auf seine eigene Art an, da sind sie sich wohl durchaus ähnlich, obwohl sie sich nicht kennen. Doch beide bestehen hartnäckig auf ihrem Misstrauen und versuchen ihren Sachen auf den Grund zu gehen. Nach und nach ergeben sich dabei für den Zuhörer dieser Lesung Hinweise, dass die Begebenheiten tatsächlich in einem Zusammenhang stehen. Doch bis auch die Ermittler von diesem Zusammenhang erfahren und sich auch begegnen, vergeht eine ganze Weile.

    Eine Weile, die sich für den Zuhörer dieser intensiv vorgetragenen Lesung sehr kurzweilig gestaltet. Man folgt Pulaski und Meyers auf ihrem Weg, der sie auf unterschiedlichen Pfaden zu ihrem Treffpunkt führt. Kleine Informationsteilchen, die immer mehr Neugier wecken, aber irgendwann auch eine gewisse Sorge vor dem, was geschah und auch um die inzwischen sympathisch gewordenen Ermittler, die sich nicht von ihrem Weg abbringen lassen. Sowohl Evelyn Meyers als auch Walter Pulaski setzen sich gegen alle Wiederstände durch. Da nimmt man schon mal Urlaub, um inoffiziellen Spuren nachgehen zu können. Und man gräbt auch mal dort, wo man eigentlich nichts zu suchen hat, um des Rätsels Lösung zu finden. Mit ihrem unkonventionellen Verhalten, ihrer Gewieftheit und Intelligenz machen Meyers und Pulaski Freude in einem Fall, der wirklich etwas bitter ist.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Okt 2015 

    Rache ist süß?

    Evelyn Meyers ist eine Wiener Anwältin, die für eine große Kanzlei arbeitet, die sich mit möglichst lukrativen Fällen befasst. Sie versucht neben ihren eigentlichen Pflichten auch einem Freund ihres verstorbenen Vaters zu helfen, dem der Bankrott droht. Er wird bezichtigt, eine Baustelle nicht richtig gesichert und sich damit der Fahrlässigkeit schuldig gemacht zu haben - denn ein Mann ist an eben dieser Baustelle zu Tode gekommen. Evelyn Meyers entdeckt hier einige Ungreimtheiten und recherchiert auf eigene Faust weiter - das ganze gewinnt eine ungeahnte Dimension, als sie erkennt, dass in Wien zur Zeit eine ganze Reihe wohlhabender Männer unter ungewöhnlichen Umständen ums Leben kommt.
    600 Kilometer entfernt wird der Leipziger Kommissar Pulaski in eine psychiatrische Klinik gerufen. Dort hat sich ein junges Mädchen anscheindend das Leben genommen - doch rasch mehren sich die Anzeichen, dass die Patientin ermordet wurde. Und nicht nur sie; Pulaski beginnt eine Reihe mysteriöser Fälle aufzudecken, die miteinander zusammenzuhängen scheinen. Doch wer sollte den langjährigen Patienten nach dem Leben trachten?

    Der Thriller wird in den zwei parallelen Handlungssträngen erzählt, und lange ist nicht klar, wie die beiden Ermittlungen überhaupt zusammenhängen könnten. Erst im letzten Drittel verweben sich die Stränge, und ein unglaubliches und langgehütetes Geheimnis kommt an die Oberfläche. Der Thriller ist gut konstruiert, und der Spannungsbogen wird gehalten, bis er in einem Showdown gipfelt.
    Die Charaktere der Ermittler sind sympathisch aber mit Macken behaftet und dadurch interessant gezeichnet. Evelyn Meyers wird wegen ihrer hartnäckigen Recherchen in dem privaten Fall von dem Chef ihrer Kanzlei zwangsbeurlaubt, und etliche Male begibt sie sich im Namen der Wahrheit in große Gefahr. Ihr Freund unterstützt sie am Telefon, doch auch ihm gelingt es nicht, Evelyn von ihren Alleingängen abzuhalten. Kommissar Pulaski ist ein dickköpfiger Eigenbrötler, bärbeißig oft, aber mit einem guten Instinkt und viel Erfahrung ausgestattet. Zigarettenpackung und Asthmaspray bilden eine Koalition in seiner Jackentasche, und gesellschaftliche Gepflogenheiten interessieren ihn oft nicht wirklich. Aber er erkennt, wenn Menschen aus dem gleichen Holz geschnitzt sind wie er, und so stellt die Zusammenarbeit mit der Wiener Anwältin kein Problem dar, als sie aufeinander treffen.

    Gelesen wird das Hörbuch von dem im Mai diesen Jahres verstorbenen Hubertus Gertzen. Er hat eine sehr angenehme Stimme und trägt die Erzählung nuanciert und gekonnt vor. Das Hörbuch hat mir im großen und ganzen gut gefallen, aber wie so oft fehlt mir das Verständnis dafür, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt (7:19 Stunden). Womöglich hätte die Lektüre der Printausgabe noch intenisvere Einblicke in die Charaktere gegeben, was mir gefallen hätte. Den gerade erschienenen zweiten Band der Reihe um die Anwältin Meyers und den Kommissar Pulaski 'Racheherbst' werde ich daher lieber lesen.

    Insgesamt jedoch empfehlenswert für Thrillerfans, spannend und interessant gestrickt und mit Ermittlern, denen ich gerne wiederbegegnen werde...

    © Parden