Proust im Engadin

Buchseite und Rezensionen zu 'Proust im Engadin' von Luzius Keller
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Proust im Engadin"

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:128
EAN:9783455403503

Rezensionen zu "Proust im Engadin"

  1. Lesenswert, manchmal jedoch zu detailverliebt

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 19. Nov 2018 

    „Das Lesen liegt an der Schwelle des geistigen Lebens; es kann uns darin einführen, aber es ist nicht dieses Leben.“ (Marcel Proust)

    Luzius Keller ist ein ausgewiesener Marcel Proust-Kenner und (wie mir scheint) ein Nerd in Bezug auf eben diesen Autor. Wobei das jetzt keinesfalls negativ verstanden werden soll – eher als „Erklärung“ dafür, dass er sich in seinem Band „Proust im Engadin“ an der ein oder anderen Stelle etwas in Details verliert, wo die geneigte Leserschaft evtl. denkt „Okay, ganz so ausführlich und episch hätte man es jetzt nicht ausbreiten müssen…“. Aber gut – der eine mag es, die andere nicht.

    Interessant ist das bei aller wissenschaftlicher Epik ausgebreitete und entsprechend manchmal etwas schwierig zu lesende Büchlein immer dann, wenn der Leser direkt etwas über die literarische Herangehensweise von Marcel Proust erfährt. Z. B. welche Bezüge des realen Lebens sich in seinem literarischen Oeuvre finden, welche Rolle Richard Wagner in seinem Leben und seiner Literatur spielt und die Entwicklung seiner literarischen Anfänge in Literaturzeitschriften in Paris hin zu seinem Opus Magnum „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“. Die ersten prosaischen Texte von Marcel Proust lassen schon ein wenig erahnen, was für ein Schriftsteller später aus ihm wird.

    Die übertrieben genaue Beschreibung Kellers der verschiedenen Zugverbindungen nach St. Moritz, der allererste Satz „Auf seiner Suche nach Spuren großer Schriftsteller, Maler und Musiker in Graubünden hat Kurt Wanner eine Entdeckung gemacht, die das Herz jedes Literaturliebhabers höher schlagen lässt.“ oder die penible Aufdeckung von Fehlern in den Proust-Biografien von Jean-Ives Tadié und George D. Painter wirken an der ein oder anderen Stelle auf mich etwas „oberlehrerhaft“ und haben mich tatsächlich auch ein paar Mal „querlesen“ lassen, da es mich eher wenig interessiert, wer wann im Jahr 1893 oder 1894 in einem Hotel in St. Moritz abgestiegen ist, wo die einzelnen Hotels und Pensionen genau gestanden haben und ob die literarischen Beschreibungen Proust´s Reise ins Engadin 100%ig mit der realen Landschaft übereinstimmen.

    Aber gut, vielleicht bin ich auch einfach zu wenig „Literaturwissenschaftler“. Im Großen und Ganzen habe ich mit „Proust im Engadin“ einen kleinen, teils informativen Vorabblick auf Marcel Proust bekommen und ich freue mich jetzt umso mehr auf mein Vorhaben, im nächsten Jahr die angesprochene Tadié´sche Biografie zu lesen, bevor ich mich dann auf die Suche nach der verlorenen Zeit mache :-).

    3*