Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar

Buchseite und Rezensionen zu 'Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar' von Alfred Wellm
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3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar"

Diskussionen zu "Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:0
Verlag: Dtv
EAN:9783423127936

Rezensionen zu "Pause für Wanzka oder Die Reise nach Descansar"

  1. Ein Schlüsselroman für die pädagogische Entwicklung der DDR

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Nov 2018 

    Darum geht's:

    In einem seiner Schüler glaubt der Lehrer Wanzka ein Mathematik-Genie zu erkennen. Er fördert ihn und erntet damit starke Kritik bei seinen Kollegen, die angesichts der sozialistischen Erziehungsideale für individualistische Pädagogik nichts übrig haben.
    »Pause für Wanzka« ist ein Schulroman – der erste, der die Pädagogik der DDR in Frage stellt, weil er ziemlich strittmatternd, aber kundig fragt: Wie halten wir es mit dem einzelnen Kind, wie wird Norbert Kniep, genannt »Konsequent«, Mathematiker und nicht Schuster?

    Meine Meinung:

    Ich dachte mir, ich lese mal wieder einen Klassiker – und ein etwas älteres Buch. Ob dieser Roman tatsächlich als Klassiker gilt, weiß ich nicht, aber er dürfte eine Zeit lang auf alle Fälle recht kontrovers diskutiert worden sein. Vor allem Margot Honecker, die von 1963 bis 1989 Volksbildungsministerin der DDR war, stellte sich damals quer. Sie wollte das Erscheinen dieses Buches verhindern ... Aber warum?

    Wir haben hier als Protagonisten den leidenschaftlichen Altlehrer Gustav Wanzka. Ihm bedeuten die Schule und "seine" Kinder fast alles, weswegen er beinahe seine gesamte (Frei)zeit – wenn nicht immer direkt, so doch zumindest gedanklich – schulischen Themen, Arbeitskollegen oder Schülern widmet. Ein Junge hat es ihm dabei besonders angetan, und zwar ist das Norbert Kniep. In ihm sieht Wanzka das neue Mathematikgenie, ja sogar einen weiteren Albert Einstein. Getragen von seiner Hoffnung, dass Norbert eines Tages weltberühmt wird, fördert und fordert er den Jungen mit einer enormen Hingabe. Diese individuelle Förderung stößt aber einigen Menschen recht sauer auf, nicht nur ein paar Kollegen Wanzkas sind davon nicht begeistert, auch die damalige Leserschaft von »Pause für Wanzka« konnte mit solch einem fortschrittlichen Getue bzw. der Reformpädagogik eines Lehrers nichts anfangen. Welch ein Glück, dass der Roman 1968 doch erscheinen durfte und dadurch ein ganz neues Bild auf die damalige Schul- bzw. Bildungslage eröffnete.
    So wurde »Pause für Wanzka« zu einem Schlüsselroman für die schulische Entwicklung in der DDR. Mehr Interessantes zu diesem Thema gibt es allerdings noch im 15-seitigen Nachwort von Carsten Wurm zu lesen.

    Tja, was soll ICH nun zu diesem Inhalt sagen? Ich bin weder Lehrerin, noch habe ich vor, das jemals zu werden. Mit Pädagogik habe ich herzlich wenig am Hut, für Politik interessiere ich mich ebenso wenig und ganz nebenbei spielt die Handlung in der DDR der 1960er. Für mich war eigentlich nur der letzte Punkt irgendwie von Bedeutung – aber auch nur, weil mein Freund noch vor dem Mauerfall in der DDR geboren wurde und er mir Österreicherin immer mal wieder das eine oder andere aus dieser Zeit erzählt, weswegen ich den Inhalt an manchen Stellen dann doch auch interessant fand.
    Mit der Schreibweise bin ich im Allgemeinen gut zurechtgekommen, auch wenn sie sehr von der altbackenen Sprache von vor über 50-60 Jahren geprägt ist. Doch um ehrlich zu sein, hat diese mir schon manchmal auch den Lesefluss erschwert. Nichtsdestotrotz war es dennoch mal eine willkommene Abwechslung für mich, in diesem veralteten Stil zu lesen.

    Wirklich empfehlen würde ich »Pause für Wanzka« eigentlich nur DDR- und politikinteressierten Lehrern bzw. auch Leuten, die sich für die Entwicklung der Pädagogik in dieser Zeit begeistern können.
    Ich habe ganz gerne in dem Büchlein gelesen, da es durchaus auch Wissenswertes und Neues für mich zu entdecken und lernen gab, auch die Handlung war relativ verfolgenswert, aber um mich wirklich fesseln zu können, fehlten mir einfach Themen, die für mich persönlich mehr von Interesse sind.