Paula Kussmaul tief im Schnee: Roman (Gulliver)

Rezensionen zu "Paula Kussmaul tief im Schnee: Roman (Gulliver)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 17. Okt 2017 

    Warmherziges Kinderbuch mit Tiefgang...

    Paula geht in die vierte Klasse und freut sich schon unbändig auf die Klassenfahrt. Eine ganze Woche im Schnee! Doch am letzten Abend vor der Abfahrt bringt Paulas Mutter ihren neuen Freund mit - einen Kollegen, Herrn Hühnchen. Soll der etwa ihr neuer Papa werden? Paula und ihr kleiner Bruder sind sich einig: dagegen muss man etwas unternehmen! Doch Paula fährt doch auf Klassenfahrt!

    Statt fröhlich wie die anderen Kinder drauflos zu schnattern, steigt Paula schließlich traurig und stumm in den Bus, der sie zum Hexenkopf bringen wird, einem Berg im Harz. So still kennen die anderen Kinder Paula gar nicht, doch kann das Mädchen sich niemandem anvertrauen und kaut alleine an ihren trüben Gedanken herum. Doch wider Erwarten mancht das Skifahren Spaß, und der komische Kauz, der an der Piste immer wieder auftaucht, bringt Paula bald schon auf auf andere Gedanken.

    Der Junge ist in Paulas Alter, doch benimmt er sich ganz und gar merkwürdig. Skifahren kann er wie ein Ass, aber er kreuzt immer wieder die Bahn der Anfänger, starrt sie durch seine dunkle Skibrille an und zieht auch sonst viel Aufmerksamkeit auf sich mit seiner Mütze mit aufgesticktem 'King Winter' und seinen zwei Colts im Cowboygürtel. Was will der bloß? Als Paula dann noch zufällig beobachtet, wie dieser Junge im Supermarkt klaut, ist klar: hier muss ermittelt werden...

    Das Bücherregal der Tochter meiner Freundin ist eine Fundgrube - so stieß ich auch auf dieses Buch. Es ist bereits der dritte Band um Paula Kussmaul, aber ich hatte nicht den Eindruck, dass es unbedingt von Bedeutung ist, die anderen Bände kennen zu müssen, damit man hier einen guten Einstieg findet.

    Paula Kussmaul ist ein aufgewecktes Mädchen, das sich Problemen stellt und immer wieder für Ideen gut ist. Dass sie keine Zeit mehr hat, sich bezüglich des neuen Mannes im Leben ihrer Mutter etwas auszudenken, macht ihr sichtlich zu schaffen. Kindgerecht und authentisch schildert Klaus Kordon hier die widerstreitenden Gedanken und Gefühle des Mädchens, so dass ihre Not spürbar wird.

    Das Abenteuer mit dem merkwürdigen Jungen auf der Piste stellt sich schließlich auch als tiefgehender heraus als zunächst vermutet. Eine schöne und warmherzige Geschichte mit Tiefgang hat der Autor hier geschrieben - Mut, Angst, Traurigkeit, Zusammenhalt, aber auch das Akzeptieren anderer Meinungen bieten so eine vielschichtige und stimmige Mischung. Vor allem die Erkenntnis, dass es für Probleme nicht immer eine einfache und für alle lebbare Lösung gibt, zeichnet dieses Buch aus. Tröstlich immerhin, wenn alle das Problem erkennen und ihr bestes tun, allen gerecht zu werden... So gibt es hier denn auch ein Ende mit Tränchen-Garantie.

    Geeignet ist dieses Buch wohl für Kinder ab acht Jahren, wobei auch gegen Vorlesen nichts spricht... Ein wirklich nettes Kinderbuch!

    © Parden