Parlando: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Parlando: Roman' von Bodo Kirchhoff
NAN
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Karl Faller sitzt in Untersuchungshaft. Er war neben einer Frauenleiche gefunden worden und hatte diesen Mord gestanden. Und bei der Gelegenheit auch gleich noch den an einem früheren Lehrer, der ihn misshandelt hatte, den an seiner Mutter und den an seinem Vater. Vor allem den an seinem Vater. Denn dieser, ein bekannter Reiseschriftsteller aus der 68er-Generation, der in viel zu jungen Jahren Vater geworden und in dieser Rolle stets heillos überfordert war, war die alles beherrschende Person in Karls Leben gewesen. Karls Vater-Besessenheit ging so weit, dass er -- einem modernen Ödipus nicht unähnlich -- stets alles daransetzte, die abgelegten Frauen seines berühmten Vaters zu erobern, und das waren nicht gerade wenige. Doch nun hatte er dem ein Ende gesetzt: Wie Ödipus hat er seinen Vater umgebracht -- behauptet er.

Die Staatsanwältin, der Karl in aller Ausführlichkeit diese Geschichten erzählt und vor der er auf diese Weise sein ganzes Leben ausbreitet, glaubt ihm kein Wort. Sie beweist ihm seine Unschuld, in jedem einzelnen Fall. Er kommt wieder frei, aber damit ist die Sache noch lange nicht zu Ende -- für ihn nicht und für den Leser auch nicht. Karl macht sich auf die Suche nach dem, was sein Vater gewesen ist. Und die Staatsanwältin, an seiner Geschichte so interessiert wie an ihm, folgt ihm.

Bodo Kirchhoffs neuer Roman handelt von der Suche nach der eigenen Identität durch die Suche nach der Identität des Vaters, der immer unerreichbar und doch zu nah dran war am Leben des Sohnes. Auch wenn sich die Handlung manchmal etwas arg schleppend voranbewegt -- Parlando ist in seiner Obsessivität ungeheuer lebendig, ist auf beeindruckendste Weise kraftvoll erzählt. Ein virtuoses, ein großes Buch. --Christoph Nettersheim

Format:Taschenbuch
Seiten:544
EAN:9783423142250