Otto: Roman

Rezensionen zu "Otto: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Nov 2019 

    Herausragende Komik einer an sich traurigen Situation

    Sensationell, definitiv eins der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe!

    Zunächst skeptisch vom Klappentext und doch aufgrund der unbedingten Empfehlung der Buchhändlerin, gekauft, verschlungen, geliebt. Ein pflegebedürftiger Vater, der die beiden Töchter mit seinen Einfällen und Forderungen in Schach hält und dabei unbedingt auf seine Freiheit und die Richtigkeit seiner, oft verwirrten, Darstellung der Vergangenheit beharrt. Die an sich tragische Familiensituation des alternden, kranken und dabei erschwerender Weise tyrannischen und geizigen Vaters, wird durch die Dialoge und Anekdoten aus der Kindheit der beiden Schwestern derart lustig, dass man das Buch gar nicht weglegen möchte. Die Einfälle des Vaters und die darauffolgende Reaktion der Töchter sind so kraftvoll und großartig, dass ich viele Stellen mehrmals und auch laut vorlesen musste, so grotesk und wunderbar geschrieben war es! Geschickt eingeflochten und wie nebenbei erfährt der Leser die Geschichte der jüdischen Familie durch die NS Zeit und den Einfluss auf das spätere Leben in Deutschland/Israel.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 23. Nov 2019 

    Papa also bitte...

    Die etwas ungewöhnliche Aufmachung des Romans hat mich auf ihn aufmerksam gemacht. Es ist schon seltsam wie einen die dunklen Augen da anschauen.

    In der Geschichte geht es um Timna und Babi, die seit Jahren von ihrem Vater tyrannisiert werden. Nun ist er krank und benötigt besondere Hilfe, was den jungen Frauen einiges abverlangt. Aber was soll man machen, wenn man den Vater trotz allem irgendwo noch lieb hat?

    Die Ich- Erzählerin Timna stellt uns in kleinen Anekdoten ihre verrückte Familie vor. Dies geschieht nicht unbedingt in chronologischer Reihenfolge, weshalb man beim Lesen durchaus Acht geben muss. Einige Geschichten sind traurig, andere lustig und manche doch recht seltsam und abgefahren, aber alle haben eins gemeinsam: sie sind unterhaltsam.

    Positiv anmerken möchte ich den schwarzen Humor, der sich durch das ganze Buch zieht. Ich habe wirklich sehr oft schmunzeln müssen bei der Lektüre. Ebenfalls gut gefallen hat mir, dass die Autorin eine Familie darstellt, die sich eben nicht immer grün ist und auch manchmal so gar nicht leiden kann. Alle dargestellten Probleme wie Ehescheidung, Alkoholismus und ähnliches sind doch sehr aus dem Leben gegriffen.

    Auch wenn Papa Otto echt ein kleines Ungeheuer ist, so kann man ihm auf weiter Strecke einfach nicht böse sein, da er meist ja nur das Beste für seine Familie will. Mich hat er an meinen Großvater väterlicherseits erinnert, der auch jede Mark am liebsten fünf Mal umgedreht hätte.

    Sprachlich mochte ich den Roman ebenfalls gern, vor allem die Bilder, die die Autorin verwendet. So werden die Schwestern quasi wie reife Tomaten abgepflückt und ähnliche Vergleiche.

    Gestört hat mich im Text lediglich, dass immerzu Ergänzungen in Klammern stehen, welche den Lesefluss doch ganz schön gestört haben.

    Fazit: Eine Erzählung über eine durchgeknallte Familie, die doch gar nicht so unnormal ist. Wer spezielle Familiengeschichten mag, der wird sich hier wohl fühlen. Gern spreche ich eine Leseempfehlung aus.