Opa will zum Nordkap: Roman

Rezensionen zu "Opa will zum Nordkap: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 22. Mai 2016 

    Von Reisenden und Suchenden...

    Ziemlich blauäugig ist die gerade mal 18jährige Esther losgezogen, hat ihren Großvater aus dem Altersheim entführt und sich mit ihm auf den Weg gen Norden gemacht. Fest entschlossen, ihm seinen einen großen Traum zu erfüllen, den er in seinem Leben hatte: eine Reise zum Nordkap, um das Nordlicht zu sehen. Opa Frido leidet seit einer Hirnblutung vor einigen Jahren an einer Demenz, hat aber auch noch seine wachen Momente. Er freut sich dann an den kleinen Dingen des Alltags, erkennt allerdings seine Enkelin nicht, sondern hält diese für seine verstorbene Frau Aurora.

    An einer Autobahnraststätte treffen Esther und Frido auf Audrey, den eigentlichen Hauptcharakter dieses Romans, und ihren Zwillingsbruder Moritz. Beide sind trotz des Porsches wenig begeistert von dem väterlichen Auftrag, in dem sie unterwegs sind. Bevor sie sich drei lange Ferienwochen auf Sylt vergnügen können, sollen sie in Dagebüll Halt machen, einem kleinen Nest an der Nordsee. Dort sollen sie ihrem Vater den Kauf eines alten Hotels sichern, mit dem ihn angenehme Erinnerungen an seine Lehrzeit verbinden. Obwohl Audrey ein ungutes Gefühl befällt, nimmt sie gegen den Widerstand ihres Zwillingsbruders die beiden Ausreißer mit bis zur Nordsee. Dem leisen Charme Fridos hat sie einfach wenig entgegenzusetzen.

    In Dagebüll angekommen, geraten die Dinge plötzlich aus dem Ruder. Ein Unfall verhindert die zügige Weiterfahrt nach Sylt, so dass Audrey sich und ihre drei Begleiter kurzerhand in dem Hotel einquartiert, das ihr Vater gerne erwerben würde. Da sie sich denken kann, dass Esther und Frido durch besorgte Angehörige zur Fahndung ausgeschrieben werden, gibt sie bei der Anmeldung der beiden falsche Namen an. Und auch sonst verstrickt sie sich immer mehr in ein Geflecht aus Halbwahrheiten und Lügen, bis die Dinge eine Dimension entwickeln, die nicht länger berechenbar ist. Das Chaos ist vorprogrammiert...

    Doch wer jetzt an bloßen Klamauk denkt, der irrt. Natürlich gibt es Szenen, bei denen ich lauthals lachen musste. Aber es gibt auch viele andere Aspekte, die den Roman zu etwas Besonderem machen. Klar, ein Wohlfühlroman. Aber eben einer, der alle Facetten bedient.

    Angefangen bei den liebevoll ausgearbeiteten Charakteren - nicht alle sympathisch, beileibe nicht. Aber eben sehr authentisch angelegt, so dass man beim Lesen nahezu die Gesichter vor Augen hat. Audrey, die 32jährige Frau, die kurz vor der Hochzeit mit einem aufstrebenden Arzt steht, modebewusst und stilsicher durchs Leben geht, aber immer noch nicht recht weiß, was für einen Beruf sie wählen soll. Etliche begonnene und wieder verworfene Studiengänge zeugen von ihrer Unentschlossenheit - und von der Großzügigkeit ihres Vaters. Ihr Zwillingsbruder Moritz, hypochondrisch veranlagt und ein Künstler mit einem morbiden Hang zu düsteren Darstellungen, ein wenig das schwarze Schaf in der Familie und liiert mit einer sehr temperamentvollen Frau, die für sein aktuell bunt schillerndes und zugeschwollenes Auge verantwortlich ist. Esther, lebhaft und naiv, liebevoll und blauäugig, die ihr Herz auf der Zunge trägt. Und Frido, der demente Großvater, den jeder rasch in sein Herz schließt, weil er unglaublich liebenswürdig erscheint, was selbst sein Hang zum ständigen Davonlaufen nicht vermindert.

    Aber auch die Geschichte selbst ist plausibel und liebevoll ausgearbeitet - es geht um Herzenswünsche, um Zwischenmenschliches, um die Suche nach sich selbst und um so manches mehr noch, das sich zu entdecken lohnt. Trotz der vagen Vorhersehbarkeit aufgrund des Genres 'Wohlfühlroman' gibt es zahlreiche Überraschungen, und vor allem die Klaviatur der Gefühle wird hier rauf und runter bedient. Lachen und Weinen liegen manchmal nur einen Satz auseinander, und an einer Stelle klappte ich das Buch spontan ungläubig zu, stand auf, starrte entgeistert auf das Cover und sagte mehrfach: 'Nein!'. Das passiert mir nicht häufig, dass ich eine Geschichte derart miterlebe und mit den Charakteren mitfiebere.

    Ein herzerwärmendes Buch, bei dem man das Gefühl hat, die Personen wirklich zu kennen - oder zumindest, sie kennenlernen zu wollen. Ein Buch, das mir einen verregneten Tag versüßt hat und mich mit einem leisen Lächeln zurücklässt. Mehr kann man nicht erwarten...

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Apr 2016 

    Eine aussergewöhnliche Reisebegegnung

    Audrey die verwöhnte Tochter des Hotelbesitzers Tannheim soll mit ihrem Bruder Moritz ein Kaufangebot für ein Hotel in Nordfriesland abgeben. In diesem Hotel hat er damals seine Lehre begonnen und deshalb ist das Interesse auch sehr groß. Audrey die in vier Wochen ihren Freund Jasper heiraten soll willigt ein. Und auch ich ihr ewig hypochondrischer Bruder Moritz geht mit. Mit dem Porsche gehts los, auf einer Raststätte begegnen sie der 18 jährigen Esther mit ihrem Opa Frido. Esther will Opas Traum erfüllen, ihn zur Aurora Borealis dem Nordkap zu bringen. Frido der durch eine Hirnblutung nur noch manches wahr nimmt, sieht in Esther seine Frau Aurora. Das macht Esther sehr traurig, weil er sie nicht mehr als Enkelin wahr nimmt. Damit sie Opas Traum erfüllen kann hat sie Frido nach der Gymnastik entführt und so fliehen sie auch gleichzeitig vor der Polizei. Hier beginnt die außergewöhnliche Reise die mit vielen Turbulenzen, einer Menge Lügen, Abenteuer, Erkenntnisse und jeder Menge neuer Lebensveränderung aus geht.

    Meine Meinung:
    Ich kannte Heike Denzel vorher noch nicht, allerdings feiert sie mit diesem Buch ihren Einstieg in ein ganz neue Genre. Den seither hat sie nur Krimis geschrieben, jedoch mit diesem Buch ist es ihr wirklich gelungen auch im humorvollen,ernsten Genre zu bestehen. Mich hat diese Buch fasziniert, ergriffen und begeistert und ich habe die meisten Romanfiguren geliebt. Nicht nur das man bei diesem Roman lachen muss, nein auch die Emotionen und die Lebenserfahrung von der Autorin kommen hier ganz klar zum tragen. Es kommen Sprüche drin vor wie: "Unsere Schafe essen keine Frankfurter Würstchen, aber ich schon" , "Du bist lästig wie eine Schmeißfliege" oder "Der Danny DeVito unter den Leuchttürmen" die mich köstlichst amüsiert hatten. Aber auch tiefgründiges, trauriges kommt darin vor, das oft Opa Frido von sich gibt und dies macht den fast 500 Seiten Roman so gelungen. Ich fühlte mich manchesmal richtig hineingezogen in die Story und so sollte es sein. Das Thema Demenz das die Autorin wohl selbst in der Familie erlebt hat, hat sie hier gelungen umgesetzt und auch die Liebe zum Norden Deutschlands merkt man dem Roman an. Ich jedenfalls war traurig als das Buch zu Ende war und das erlebe ich sehr selten.
    Dies ist ein Buch das für mich in die Bestsellerliste sollten !!!