Olga

Buchseite und Rezensionen zu 'Olga' von Bernhard Schlink
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Die Geschichte der Liebe zwischen einer Frau, die gegen die Vorurteile ihrer Zeit kämpft, und einem Mann, der sich mit afrikanischen und arktischen Eskapaden an die Träume seiner Zeit von Größe und Macht verliert. Erst im Scheitern wird er mit der Realität konfrontiert – wie viele seines Volks und seiner Zeit. Die Frau bleibt ihm ihr Leben lang verbunden, in Gedanken, Briefen und einem großen Aufbegehren.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:320
Verlag: Diogenes
EAN:9783257070156

Rezensionen zu "Olga"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 20. Jan 2018 

    Olgas Entscheidung

    Olga weiß schon sehr früh, was sie im Leben erreichen möchte, egal welche Schwierigkeiten das Schicksal ihr auch beschert. Früh zur Waise geworden, lebt sie bei einer gefühlskalten Großmutter, die dem Kind keine Zuneigung zeigen kann. Mit unglaublicher Energie und Willenskraft gelingt ihr trotz vieler Widerstände die Ausbildung zur Lehrerin.

    Schon als Kind freundet sie sich mit den Geschwistern vom Gutshof an, obwohl Viktoria die Standesunterschiede sehr betont, aber mit Herbert verbindet sie bald mehr. Ihre Liebe überdauert die Kinder- und Jugendzeit und findet doch nie eine echte Erfüllung, denn Herbert kann und will sich nicht über die elterliche Ablehnung dieser Verbindung hinwegsetzen. Auch Pommern ist ihm zu eng, er sucht das Abenteuer, die Weite, die Entdeckung der Welt. Wenn Herbert auf Schwierigkeiten stößt, dann flieht er, denn anders kann ich seine Reisen nicht interpretieren. Er liebt Olga, aber es macht ihm auch nichts aus, monate- ja jahrelang fernzubleiben und seine Liebe aus der Ferne zu leben. Ein interessantes Zitat auch auf Seite 80: „Nichts was er geben konnte, versagte er ihr. Was sie vermisste, war er zu geben nicht fähig.“

    Schon nach einigen Seiten fällt der Ton des Erzählens auf. Eine unaufgeregte, zurückhaltende Stimme aus dem Hintergrund, die Olga und Herberts Geschichte erzählt. Das liest sich leicht, aber manchmal auch zu beschaulich und fast eintönig. Erst im zweiten Teil bekommt der Erzähler Kontur. Es ist Ferdinand, ein stiller Pastorenjunge, der mit der alten Olga, die inzwischen nach zwei Kriegen und Vertreibung im Westen der jungen Republik lebt, Freundschaft schließt.

    Der dritte Teil des Romans gibt dann auch Olga eine Stimme, Briefe die sie an ihre Liebe Herbert schreibt. Mir gefällt die Hauptfigur, eine starke Frau, lebensklug und intelligent, die sich nie von äußeren Umständen beeindrucken lässt und in ihren Lebensentscheidungen erstaunlich souverän ist.

    Ich habe das Buch von Bernhard Schlink gern gelesen, aber es fehlte mir das gewisse Etwas. Ich möchte es nicht auf fehlende Spannung oder Dramatik reduzieren, aber der Ton des Romans war mir - wie schon gesagt - zu beschaulich.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 16. Jan 2018 

    Die lebenslange Liebe zu einem, der die Weite sucht

    Der Roman ist in drei Teile aufgeteilt. Im ersten Teil berichtet ein unbekannter Erzähler.

    Wir lernen Olga als kleines Mädchen in Schlesien kennen: Schon sehr früh hat sie Freude am Beobachten und Lernen, obwohl sie aus sehr armen Verhältnissen stammt. Eine Nachbarin nimmt sich ihrer an, lehrt sie lesen und schreiben, womit sich ihr eine neue Welt eröffnet. Leider sterben die Eltern früh, das Kind muss Tilsit verlassen und kommt zur ungeliebten Großmutter. Auch dort versucht Olga beflissen immer mehr zu lernen, mit anderen Kindern kann sie nicht viel anfangen. Hier in Pommern lernt sie Herbert kennen, der auch anders ist. Herbert will immerzu rennen, er ist reich, kommt aus einer Guts- und Fabrikantenfamilie, in der das Kaiserreich geschätzt ist und dessen Expansionsabsichten unterstützt werden. Er träumt von der Weite, möchte alles hinter sich lassen. Trotzdem sind sich die beiden sehr nahe, es entspinnt sich zunächst eine sehr intensive Jugendfreundschaft, die später in eine Liebe mündet: „Sie blickten einander in die Augen und waren nur Auge und Seele“ (S. 39)

    Aus eigener Kraft schafft Olga die Aufnahme ins Lehrerinenseminar und wird zur Lehrerin ausgebildet. So kann sie auf eigenen Füßen stehen. Herbert treibt es in die Welt: In Deutsch-Südwest kämpft er gegen die Herero, reist nach Argentinien, Brasilien, in den Schnee Kareliens und Sibiriens. Immer kommt er zu Olga zurück. Gemeinsam erleben sie romantische Tage ihrer „Wald- und Wiesenliebe“. Bis er schließlich eine Forschungsreise in die Arktis anführt. Dort wird er vom Wintereinbruch überrascht und Olga muss bangen…
    Über all die Jahre werden die zeitgeschichtlichen Hintergründe und Konflikte nicht ausgespart.

    Was diese Geschichte daneben so bedeutsam macht, ist die Sprache des Autors. Schlink schreibt klar und präzise. In vielen Sätzen liegt so viel Weisheit, Wahrhaftigkeit und auch Poesie. Die Dialoge der beiden jungen Menschen, in denen sie ihre Lebenseinstellungen und Ziele vergleichen, sie ihre grundsätzlichen Unterschiede erkennen, haben ungemein viel Tiefe.

    Letztendlich möchte Olga gern mehr von Herbert, weiß jedoch, dass er dazu nicht fähig ist, und sie richtet sich ihr selbständiges Leben passend ein. Sie ist eng mit einer Bauernfamilie befreundet und kümmert sich intensiv um einen kleinen Jungen namens Eik. Neben Herberts Fernweh kommt natürlich noch erschwerend hinzu, dass seine Familie eine standesgemäße Heirat von ihm erwartet. In gewisser Weise flieht er auch vor einer Entscheidung.

    Im zweiten Teil des Romans taucht eine neue Person auf und berichtet als personaler Erzähler über seine Erlebnisse mit Olga. Zeitlich ist dieser Teil nach dem ersten angesiedelt und schon schnell wird klar, dass der Erzähler Olga sehr nahe stand.

    Ein dritter Teil besteht aus den Briefen Olgas, die sie ihrem Herbert schickte, als dieser Richtung Arktis unterwegs war. Die Briefe geben Einblick in Olgas Innerstes, ihr Inhalt klärt manches zuvor Gelesene auf wunderbar schlüssige Weise auf.

    Ich möchte bewusst nicht mehr vom Inhalt preisgeben. Man muss es selbst erlesen! Dieses Buch ist einmalig konstruiert: Die drei Teile sind auch in Stil und Sprache sehr unterschiedlich, passen aber hervorragend in das Gesamtkonzept.

    Diese Geschichte bleibt in Erinnerung. Sie hallt lange nach. Man lernt eine große Liebe kennen mit all den Schwierigkeiten, die die Zeit in Politik und Gesellschaft mit sich brachte. Ein großartiges Stück Literatur!

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 15. Jan 2018 

    Eine starke Frau

    Worum geht es?

    "Sie macht keine Mühe, am liebsten steht sie und schaut." (S. 5)

    So charakterisiert Olgas Mutter die Einjährige und im Verlauf der Handlung wird deutlich, dass diese Zuschreibung teilweise zutreffend ist. Den Spielen der anderen Kinder, die rauh sind und in denen man sich behaupten muss, geht sie aus dem Weg. Sie wächst in Armut auf, die Eltern sterben früh, so dass sie als junges Mädchen von Breslau zu ihrer Großmutter nach Pommern muss, obwohl sie lieber bei der ihr zugewandten Nachbarin geblieben wäre.
    Die Großmutter würde ihr gerne einen deutschen statt des slawischen Namens geben, doch Olga setzt sich durch und beharrt auf ihrem Namen - sie besteht auf ihrem Willen.
    Ihre Großmutter bringt ihr nur wenig Liebe entgegen, doch sie findet im Dorf einen anderen Außenseiter - einen Kontrapunkt zu ihrem Charakter:

    "Kaum konnte er stehen, wollte er auch schon laufen." (S.13)

    Herberts Eltern sind reich, besitzen ein Gut und sind im Dorf hoch angesehen, das entfremdet ihn genau wie seine Schwester Victoria von den anderen Kindern. Er braucht diese nicht zum Laufen, die für ihn einzig wahre Bewegung.

    "Er hörte das Keuchen seines Atems und spürte das Pochen seines Herzens. Er hörte seine Füße auf den Boden schlagen, gleichmäßig, sicher, leicht, und in jedem Aufschlagen lag schon das Abheben, und in jedem Abheben ein Schweben. Manchmal war ihm, als flöge er." (S.16)

    Neben der Leidenschaft für das Laufen ist Herbert stolz auf "das junge Reich und den jungen Kaiser" (S.17) - die Handlung spielt Ende des 19. Jahrhunderts.

    Die Kinder aus den unterschiedlichen sozialen Schichten freunden sich an, da sie jeweils einsam sind - ein wichtiges Thema dieses Romans, ebenso wie Olgas unbändiger Wille zu lernen, denn sie will das Unmögliche schaffen, um auf das staatliche Lehrerinnenseminar in Posen zu gehen. Dank einer freundlichen Lehrerin gelingt ihr die Aufnahmeprüfung und ihr Traum, Volksschullehrerin zu werden, verwirklicht sich. Gleichzeitig wird Herbert von seinen Hauslehrern auf das Abitur vorbereitet, damit er ins Garderegiment eintreten kann, und Victoria besucht ein Internat.

    Aus der ungewohnten Zweisamkeit entwickelt sich zwischen Olga und Herbert eine tiefe Zuneigung, die in Liebe mündet.

    "Sie blickten einander in die Augen und waren nur Auge und Seele. Sie machten den Blick nicht lösen und wieder die gewohnte Olga und der gewohnte Herbert sein." (S.39)

    Ohne viel vorwegzunehmen, ist es eine Liebe, die für Olga Warten, Hoffen und Einsamkeit bedeutet. Eine Heirat ist aufgrund der unterschiedlichen sozialen Herkunft nur möglich, wenn Herbert mit seiner Familie brechen würde. Statt dessen flieht er.

    "Er beschloss, ein Übermensch zu werden, nicht zu rasten und nicht zu ruhen, Deutschland groß zu machen und mit Deutschland groß zu werden, auch wenn es ihm Grausamkeit gegen sich und gegen andere abverlange." (S.43)

    Eine Einstellung, die Olga ablehnt, die die Gefahren voraussieht, die mit dem Wunsch nach Deutschlands Größe verbunden sind. Während Herbert in die deutschen Kolonien in Afrika - Deutsch-Südwest - reist, wird Olga nach Ostpreußen, nördlich von Tilsit versetzt. Seine Schilderungen über die Schwarzen, über die deutsche Überlegenheit weisen bereits auf den Rassenwahn der Nationalsozialisten hin, dabei entlarvt er sich selbst, wenn er zugibt, keinem der Herero wirklich nahe gekommen zu sein. In ihrer Liebe verzeiht Olga ihm diese Grausamkeiten, ebenso wie seine vielen Expeditionen - nach Südamerika, Sibirien und schließlich zieht es ihn in die Arktis. Er will die Nordostpassage entdecken. Dazwischen besucht er immer wieder Olga, eine heimliche Liebe.

    "Sie sah, dass die Rolle, die sie in Herberts Leben spielte, an die Rolle der Geliebten im Leben eines verheirateten Manns erinnerte." (S.79)

    Auf ihre Frage, was er in der Arktis wolle, gibt sie sich selbst die Antwort:

    "Die Weite? Die Weite ohne Ende? Ist es das?" (S.85),
    gleichzeitig ist ihr bewusst, "dass ihr Leben Warten sei und dass das Warten kein Ziel, kein Ende habe." (S.84)

    Das Lied der Nachtigall, das sie während des Gesprächs hören, erinnert an "Der Spinnerin Nachtlied" von Brentano, auch diese trauert dem Geliebten, der von ihr gegangen ist, nach und erinnert sich an die glücklichen Stunden, die sie gemeinsam verbracht haben.

    Etwas Trost findet Olga, nachdem Herbert seine Expedition begonnen hat, in der Fürsorge für Eik, den Sohn ihrer Freundin, um den sie sich liebevoll kümmert und der in seinen Verhaltensweisen auffällig an Herber erinnert.

    Die Ereignisse von 1914 bis zu Beginn der 50er Jahre werden stark gerafft wiedergegeben. Während Herbert in der Arktis verschollen ist und Eik sich zum Entsetzen Olgas zur SS meldet, verliert sie ihr Gehör, wird entlassen und flieht während des 2.Weltkrieges nach Westen, wo sie sich ihr Geld als Näherin verdient.

    "Dann nähte sie nur noch in unserer Familie, in der sie sich besonders willkommen fühlte; was sie hier verdiente, reichte ihr als Zubrot." (S.113)

    Mit dem Wechsel der Erzählperspektive vom eher distanzierten Erzähler zum Ich-Erzähler endet der 1.Teil.
    Im 2.Teil wird deutlich, dass Ferdinand, der Jüngste jener Familie, Olgas Geschichte, die sie ihm im Laufe der Zeit offenbart hat, "erzählt" hat.
    Zwischen den beiden entsteht eine innige Freundschaft und dieses Mal stellt Fräulein Olga Rinke Herbert nicht als Helden dar - wie sie es bei Eik getan hat, sondern so, wie er tatsächlich gewesen ist.
    Auch als Ferdinand erwachsen wird, bleibt die Freundschaft bestehen, und als Olga stirbt und er alt ist, findet er in einem Antiquariat die Briefe, die Olga Herbert nach Tromsö geschickt hat, während dieser im ewigen Eis unterwegs war.

    Die Briefe bilden den 3.Teil und geben Antworten auf offene Fragen, die im II.Teil aufkommen. Und sie zeigen die liebende, die leidenschaftliche Olga unvermittelt.

    "Ich liebe Deine Fähigkeit, Dich zu begeistern, Dich zu verschwenden, Dein Herz über die Hürde zu werfen, ich liebe Dein Leuchten." (S.224)

    In den Briefen kommt all das bisher Ungesagte zum Ausdruck, sie werfen auf einige Ereignisse ein neues Licht und verdeutlichen, welch starke und selbstbewusste Frau Olga gewesen ist - für mich der beste Teil des Romans.

    Bewertung

    Die hohen Erwartungen, die ich an den Roman hatte, sind nicht enttäuscht worden. Ist der Beginn aufgrund der Erzählweise sehr distanziert - wörtliche Rede findet man nur an wenigen Stellen - bringt uns der Ich-Erzähler im 2.Teil Olga näher. Die Briefe im 3.Teil offenbaren uns die "wahre" Olga - unverstellt und unvermittelt. Diese Steigerung erzeugt genau wie die offenen Fragen aus dem 2.Teil einen Sog, so dass man den Roman nicht mehr aus der Hand legen kann.
    Die Geschichte dieser starken Frau, die trotz der Widerstände, die sie erfahren hat, ihren Weg selbstbewusst geht, Lehrerin wird und an ihrer Liebe festhält, die Einsamkeit in Kauf nimmt und nicht daran verzweifelt, ist berührend.
    Olga vertritt sehr fortschrittliche Ansichten, sie wehrt sich gegen die Diskriminierung als Frau, liebt ohne Trauschein und schätzt an Friedhöfen, dass "hier alle gleich waren" (S.145).

    Kritisch steht sie der deutschen Kolonialpolitik gegenüber, so schreibt sie im April 1914 an Herbert:

    "Keine Woche, in der ich nicht von Deutschlands Zukunft auf den Meeren und in Afrika und Asien lese, vom Wert unserer Kolonien, von der Stärke unserer Flotte und unseres Heeres, von Deutschlands Größe, als seien wir aus unserem Land herausgewachsen, wie man aus einem Gewand herauswächst, und brauchten ein größeres." (S.258)

    Ihre Kritik äußerst sie auch gegenüber dem Nationalsozialismus, mit Eik bricht sie, weil er zur SS geht, sie kann die Grausamkeiten, zu denen er fähig sein muss, nicht ertragen.
    Im Alter wird sie ihrer Einstellung vehement Ausdruck verleihen und einen "Kontrapunkt zur Melodie ihres Lebens" (S.311) setzen. Ein starkes Ende!

    Ein Kontrapunkt in ihrem Leben ist auch Herbert, der die Weite, die Leere liebt, während sie in der Enge ihres Dorfes am glücklichsten gewesen sein mag. Erst im Westen Deutschlands am Neckar erweitert sie ihren Horizont - gemeinsam mit Ferdinand. Worauf diese innige "Enkel-Oma-Beziehung" beruht, bleibt eine der wenigen Fragen, die der Roman am Ende nicht beantwortet.

    Insgesamt ein sehr guter Roman, der mir neben der interessanten Geschichte über eine starke Frau auch aufgrund seiner Komposition und Sprache gefallen hat.

    Klare Lese-Empfehlung.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 12. Jan 2018 

    Es fehlt etwas Tiefe, dennoch lesenwert

    Inhalt:
    Olga wächst im frühen 19. Jahrhundert bei ihrer Großmutter in Tilsit, Ostpreußen auf.
    Sie lebt in ärmlichen Verhältnissen und ihre Großmutter ist ihr nicht sehr wohlgesonnen. Olga lernt für ihr Leben gerne, ist wissbegierig und aufgeschlossen.
    Da sie als Mädchen nicht gefördert wird, bringt sie sich alles selber bei.

    Ihr bester Freund Herbert dagegen wächst sehr betucht auf.
    Olga verbringt ihre Kindheit mit Herbert und dessen Schwester Viktoria.
    Doch als Viktoria mit 17 aus einem Mädchenpensionat zurück kommt, fängt sie an, gegen Olga zu intrigieren, da diese nicht ihrer Gesellschaftsschicht angehört.
    Doch Herbert und Olga lieben sich.
    Olga wird Lehrerin und Herbert zieht es hinaus in die Welt. Doch immer wenn er zurück kommt, verbringt er die meiste Zeit mit Olga.
    Eigentlich soll er die Fabrik seines Vaters übernehmen, doch so lange seine Eltern Olga nicht anerkennen, ist er dem nicht gewillt.
    Kurz vor dem zweiten Weltkrieg trifft er eine folgenschwere Entscheidung.

    Das Buch ist in drei Teile eingeteilt.
    Der erste erzählt die Geschichte von Olga und Herbert.
    Der zweite Teil wird aus der Perspektive des Jungen Ferdinands (und später des Erwachsenen) erzählt, in dessen Familie Olga nach dem 2. Weltkrieg arbeitete und zu dem sie eine enge Beziehung entwickelte.
    Den dritten Teil kann ich Euch nicht nennen, um nicht zu Spoilern.

    Meine Meinung:
    Das Buch schildert ein ganzes Jahrhundert Menschheitsgeschichte und das ganz unauffällig nebenbei. Erzählt von der Kolonialzeit und dem deutschen Völkermord an den Hereros. Dabei ist Olga immer die politisch linke Stimme. Und es kann einem manchmal schon übel werden, wenn man liest, wie die Deutschen über die Hereros dachten.

    Dabei fand ich besonders beeindruckend, wie stark Olga war. Als sie keinen Förderer für die Oberschule fand, weil Mädchen schließlich eh heiraten und deswegen keine Ausbildung brauchen, brachte sie sich den ganzen Stoff selber bei, um schließlich aufs Lehrerseminar gehen zu können.
    Sie ließ Herbert seine Freiheit und drängte ihn nie.
    Im dritten Teil wird noch deutlicher, was sie in dieser Zeit geleistet hat.

    Kolonialzeit, zwei Weltkriege, Weimarer Republik, wo sie auch politisch aktiv war. Vertreibung aus Preußen, als die Russen kamen. Später erlebt sie durch Ferdinand,
    die Studentenrevolution in den 68ern.

    Leider hat mir ein bisschen die Tiefe gefehlt.
    Also unterm Strich ist es schon ein sehr interessanter Roman und ich habe ihn gerne gelesen, aber ich hätte mir doch gewünscht, dass ein bisschen mehr rüber kommt, wie Olga sich in den einzelnen politischen Stadien gefühlt hat. Der Teil, wie bitter es für sie z.B. in den Kriegen war, fällt fast ganz unter den Tisch.
    Oder bei dem Beispiel, dass sie Herbert nicht drängt, mit ihm zusammen zu ziehen. Man kann sich als Leser nur denken, dass sie sich das wünscht und das es für sie zur damaligen Zeit nicht einfach war, als Frau alleine zu Leben.

    Im dritten Teil fügt es sich ein bisschen zusammen.

    Mir selbst hat der zweite Teil mit Ferdinand am Besten gefallen, den Ferdinant erzählt auch viel von seinen Gefühlen.