Northanger Abbey: Roman - Penguin Edition

Buchseite und Rezensionen zu 'Northanger Abbey: Roman - Penguin Edition' von Jane Austen
4.65
4.7 von 5 (6 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Northanger Abbey: Roman - Penguin Edition"

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:352
Verlag:
EAN:9783328106753

Rezensionen zu "Northanger Abbey: Roman - Penguin Edition"

  1. 5
    30. Jan 2022 

    Matchmaking - auf sehr unterhaltsame Weise

    Der englische Heiratsmarkt im 18. Jahrhundert – 18th century matchmaking
    In „Northanger Abbey“, einem frühen Roman von Jane Austen, der in der Penguin Edition jetzt neu aufgelegt wurde, tauchen wir von der ersten Seite an ein in die einigermaßen feine Gesellschaft Englands im 18. Jahrhundert. Wir sind zunächst auf dem Land, bei einer feinen, aber nicht sehr wohlhabenden Pfarrersfamilie, in der es eine eher unauffällige Tochter gibt, die langsam aber sicher ins heiratsfähige Alter kommt. Für die Familie heißt das: alles in die Wege leiten, damit Catherine, so ihr Name, an der richtigen Stelle platziert wird, um am aktiven Heiratsmarkt der oberen Gesellschaft teilnehmen zu können. Sie wird über die Saison mit einem befreundeten Ehepaar nach Bath geschickt, wo das gesamt Leben darauf ausgerichtet ist, jungen Frauen eine Bühne zu geben, um feine Kontakte mit männlichen Vertretern der heiratsfähigen oberen Gesellschaft knüpfen zu können. Quasi ein echter Heiratsmarkt. Mit jugendlicher Aufgeregtheit und Gefühlswallungen stürzt sich Catherine in diese Welt, was zunächst einigermaßen enttäuschend verläuft, mit der Zeit dann aber an Fahrt gewinnt, denn bald hat Catherine ein Geflecht von Bekanntschaften im Ort, die ihr Chancen auf einen erfolgreichen Ausgang ihrer Bemühungen bieten könnten. Sie verliebt sich in den ersten Mann, der ihr ein wenig Aufmerksamkeit schenkt, Henry und findet zwei Freundinnen. Diese Kreise rund u diese zwei Freundinnen sind es im Weiteren, die an Catherine beginnen, um ihre Aufmerksamkeit zu zerren und zu buhlen. Es entsteht ein regelrechter Konkurrenzkampf, in dem Catherine sich nur schwer zu entscheiden vermag, ohne eine der Seiten zu sehr verletzen zu müssen.
    All diese an sich unbedeutenden Geschehen inmitten von übersteigerten Sensibilitäten, Konventionen und weiblichen Beschränkungen einer Gesellschaft, in der Frauen gezwungen sind, sich zur Heiratsware zu machen, erzählt uns Jane Austen in einem Stil, der uns einerseits wirklich eintauchen und wohlfühlen lässt in diesem gregorianisch stilvollen England, der andererseits aber auch immer wieder eine spitze Zunge bzw. Feder hervorkehrt und damit die ironische Distanz der Autorin gegenüber dem Geschehen deutlich macht.
    „Zurzeit jedoch ahnte sie nichts von ihrer Armseligkeit, denn sie hatte gar keinen Liebsten, den sie hätte portraitieren können.“
    Zugleich bringt sich die Autorin in ironische Distanz auch zu den Lesegewohnheiten ihrer Zeit, wenn sie ihre Heldin zu einer aktiven Romanleserin macht, die die romantischen Verklärungen von Romaninhalten für allzu bare Münze nimmt und diese allüberall in ihrer Umgebung zu erkennen meint.
    All dies: die Wohlfühlatmosphäre und ihr Aufbrechen durch ironische Kommentare und Distanzierungen der Autorin machen den Roman zu einem echten Lesevergnügen, aus dem ich nur mühsam wieder auftauchen konnte und wollte. Da verzeiht man der Autorin auch mit leichter Hand alle etwaig auftauchenden Klischees zum englischen Manor House-Leben.
    Für mich hatte diese Lektüre so auch eine werbewirksame Wirkung für den englischen Tourismus. Ich will nach Bath!
    5 STERNE!

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  1. 5
    25. Jan 2022 

    kunstvoller Kitsch

    Wo hört trivialer Kitsch auf und wo fängt literarischer Anspruch an? Die Grenze zwischen Unterhaltungs- und klassischer Literatur scheint schmal zu sein, insbesondere, wenn man einen Roman von Jane Austen liest.
    „Northanger Abbey“ war übrigens mein erster Jane Austen und gleich vorweg, es wird nicht mein letzter gewesen sein.

    Zum Inhalt:
    Jane Austen hat diesen Roman 1803 beendet. Dementsprechend ist die Handlung auch in etwa zu dieser Zeit angesiedelt. Die junge Catherine Morland, Teenager-Tochter eines Geistlichen, verbringt die Sommerfrische mit Freunden der Familie in Bath, einem englischen Badeort, in dem sich wohlhabende Engländer ein paar Wochen der Ruhe, Erholung und Kurzweil gönnen. Die Tage in Bath laufen nach einem bestimmten Schema ab. Tagsüber zeigte man sich beim Spaziergang und Tee, abends genießt man diverse Soirees und Tanzveranstaltungen. Insbesondere die jungen Urlauber genießen diese Form des Zeitvertreibs in hohem Maße. Und wer weiß, vielleicht begegnet das eine oder andere Mädchen dabei ihrem späterem Ehemann.

    Inmitten diesen lustigen Urlaubstreibens haben wir also Catherine die während ihres Aufenthaltes neue Freundschaften schließt und tatsächlich potenziellen Anwärtern auf den Posten ihres zukünftigen Ehemannes begegnet.

    Catherine ist keine Schönheit, hat ein eher durchschnittliches Erscheinungsbild. Doch eines muss man ihr lassen. Sie unterscheidet sich wohltuend von anderen jungen Frauen, die sich in Bath tummeln. Sie ist bodenständiger, wirkt tiefgründiger, auch wenn man ihr ein gewisses Maß an Backfisch-Träumereien nicht absprechen kann. In Bath lässt sie sich auf das oberflächliche Treiben ein, auf das Sehen und Gesehen werden und das Geplänkel zwischen Männlein und Weiblein. Es gibt ihr ein gutes Gefühl der Dazugehörigkeit.

    Nirgendwo wird so schön geseufzt und errötet wie bei Jane Austen. Und zugegeben, würde mir dieses Ausmaß an affektierter Gefühlsbekundungen in einem zeitgenössischen Roman begegnen, würde ich diesen Roman genervt abbrechen. Doch hier passt es einfach. Die weiblichen Figuren kommen aus einer anderen Zeit, haben so gar nichts mit Frauenbildern unserer Gegenwart zu tun. Insofern nehme ich es Jane Austen auch nicht krumm, dass die Weibchen in ihrem Roman als - für moderne Verhältnisse – peinlich dargestellt werden. Sie sind nicht nur das schwache, sondern obendrein noch das dumme Geschlecht und kokettieren sogar noch damit. Dieses Rollenverständnis hat bei mir für großen Spaß gesorgt. Dem Nachwort in diesem Roman entnehme ich, dass bei Jane Austens Büchern ganz viel Ironie im Spiel war. Scheinbar war diese Ironie ihre Art, auf das Frauenbild ihrer Zeit sowie das gesellschaftliche Leben zu reagieren.
    Jane Austen war bereits zu Lebzeiten als Schriftstellerin erfolgreich, und das in einer Zeit, in der weibliche Autoren als „ungehörig“ galten und Romane, die sich mit Romantik und Gefühlsdingen befassten, als Schundliteratur herabgewürdigt wurden.
    Mit „Northanger Abbey“ holte Jane Austen zum Rundumschlag aus. Natürlich steht das Gefühlsleben ihrer Protagonistin im Mittelpunkt. Doch gleichzeitig spart Mrs. Austen nicht mit Kritik an der von Männern dominierten Schrifstellerzunft ihrer Zeit sowie dem männlichen Diktat des guten Geschmacks, was Romane betrifft. Nicht umsonst ist ihre Protagonistin ein Fan von Liebesromanen und schauriger Unterhaltungsliteratur und findet dabei einen männlichen Gleichgesinnten.

    Fazit:
    „Northanger Abbey“ ist ein Roman voller Romantik, Gefühlsduseleien und Herzensdingen. Für heutige Verhältnisse ist er dermaßen kitschig, das man ihn schon wieder als kunstvoll betrachten kann. Ich habe ihn daher sehr genossen und bin beeindruckt, mit welcher Chuzpe Jane Austen sich zu ihrer Zeit gegen die Übermacht ihrer männlichen Schriftstellerkollegen behaupten konnte und mit Geschichten Erfolg hatte, welche die Männer ihrer Zunft als ungehörig und geschmacklos abgestempelt haben. Scheinbar hat Mrs. Austen mit ihren Geschichten einen Nerv bei ihrer Leserschaft getroffen, den ihre männliche Konkurrenz völlig ignoriert haben. So lese jeder, was ihm gefällt. Und mir hat dieser Roman ausgesprochen gut gefallen.

    © Renie

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  1. Satirisch und wunderbar erzähltes Gesellschaftsportrait

    Northanger Abbey zählt zu den Frühwerken Jane Austens (1775 – 1817), das zwischen 1798 und 1803 entstanden sein soll, jedoch erst nach ihrem Tod veröffentlicht wurde – sehr zu unrecht, wie ich finde. Der Verlag hat den Roman im Rahmen seiner farbenfrohen Penguin Klassiker Edition in der Übersetzung von Andrea Ott und mit einem informativen Nachwort von Hans Pleschinski neu aufgelegt.

    Jane Austen ist eine genaue Beobachterin und erstaunlich versierte Stilistin. Im vorliegenden Roman wird uns ihre Protagonistin aus der Position eines allwissenden Erzählers heraus als ziemlich durchschnittliche Anti-Heldin mit einer großen Liebe zu Romanen und Schauergeschichten vorgestellt: „Niemand, der Catherine Morland als Kind gekannt hatte, wäre auf den Gedanken gekommen, dass sie zur Romanheldin bestimmt sei. Die familiären Verhältnisse, die Eigenschaften der Eltern, Catherines Aussehen und Veranlagung sprachen sämtlich gegen sie.“ (Erster Satz)
    Allein diese Erzählperspektive ist ein wunderbarer Kunstgriff, der den Leser immer wieder amüsiert, sobald von außen wertend oder erklärend ins Geschehen eingegriffen wird.

    Catherine ist eines von zehn Kindern einer Pfarrersfamilie auf dem englischen Land. Da sie allmählich ins heiratsfähige Alter kommt, wird es Zeit, dass sie ins gesellschaftliche Leben eingeführt wird. Insofern kommt es Familie Morland sehr gelegen, dass das befreundete kinderlose Ehepaar Allen Catherine zur Sommerfrische in die angesagte Bäderstadt Bath einlädt. Dort angekommen langweilt sich die junge Frau zunächst, bis sie die Bekanntschaft des jungen wohlhabenden Geistlichen Henry Tilney macht, mit dem sie sich auf Anhieb gut versteht und zarte Bande knüpft. Während jener die Stadt ohne ihr Wissen für einige Tage verlassen muss, lernt Catherine das Geschwisterpaar Isabella und John Thorpe kennen. Letzterer ist auch mit Catherines Bruder James befreundet, wodurch sich die Vier leicht für gemeinsame Unternehmungen verabreden können. James und Isabella scheinen sich sogar ineinander zu verlieben. Auch John, ein ziemlicher Prahlhans, macht Catherine eifrig den Hof, die das in ihrer grenzenlosen Naivität zunächst gar nicht realisiert.

    Wie bei Jane Austen üblich ergeben sich aus dieser Grundkonstellation heraus Liebesirrungen und -wirrungen. Der Leser enttarnt Isabella und ihren Bruder sehr schnell als berechnende, ausschließlich auf ihren Vorteil bedachte Personen, die sich nach einer möglichst guten Partie sehnen und das Wohlergehen anderer Menschen aus reiner Eitelkeit hintenan stellen. Catherine indessen merkt das nicht und ist bemüht, eine treue Freundin zu bleiben. Austen zeichnet ein ungemein zutreffendes Sittenbild der englischen, vermeintlich besseren Gesellschaft zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Vermögen, Status und tadelloses Benehmen immense Bedeutung hatten. Mit Catherine Morland wird eine unbedarfte, sympathische Heldin beschrieben, die immer wieder selbst über ihre Affinität zu Schauergeschichten stolpert, wenn ihre Fantasie die Realität überlagert. Es ist bemerkenswert, wie es der Autorin gelingt, sowohl das damalige Frauenbild als auch die zu jener Zeit begehrte Literatur mit Ironie und satirischem Unterton zu skizzieren. Ihre spritzigen, spitzzüngigen Dialoge machen einfach Spaß.

    Jane Austen hat ihr eigenes Strickmuster, das man auch in diesem Roman wiederfindet. Man kann wunderbar eintauchen in diese vergangene, uns fremde Welt, in denen die beschriebene Gesellschaftsschicht sich kaum nennenswerte Sorgen machen muss, sondern sich fast alles nur um Vergnügen, Vermögen und Stellungen dreht. Sowohl Figuren wie Schauplätze werden pointiert und anschaulich beschrieben. Das Happy End lässt zwar auf sich warten, ist sicherlich auch etwas vorhersehbar, wird aber trotzdem glaubwürdig hergeleitet. Austen schreibt keine Dramen, sondern Gesellschaftsromane mit Liebesgeschichte inklusive. Dabei tappt sie niemals in die Kitschfalle. Der Schreibstil passt zur Zeit und ist trotzdem wunderbar eingängig, was auch der gekonnten Übersetzung geschuldet sein dürfte. Jane Austens Werk war bereits zu ihren Lebzeiten sehr angesehen, heute zählt die Autorin zu den bedeutendsten Schriftstellern Englands.

    Ich habe auch diesen, meinen fünften Jane-Austen-Roman, von der ersten bis zur letzten Zeile sehr genossen. Er bietet leichtfüßige, wunderbar erzählte Unterhaltung vom Feinsten und eignet sich bestens auch für alle Leser, die einen Einstieg in die so genannte klassische Literatur suchen.

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  1. Mit spitzer Feder und Zunge vorgetragen

    „Immer wenn ich ihn sehe“, sagte Catherine, als sie am Fluss entlangwanderten, „muss ich an Südfrankreich denken.“ „Waren Sie denn schon im Ausland?“, fragte Henry ein wenig überrascht. „O nein, ich meine, an das, was ich darüber gelesen habe. Ich muss dabei immer an die Landschaft denken, durch die Emily und ihr Vater in „Udolphos Geheimnisse“ reisen. Aber Sie lesen bestimmt keine Romane.“ „Warum nicht?“ „Weil sie Ihnen nicht geistreich genug sind – Herren lesen niveauvollere Bücher.“ „Ein Mensch, ob Herr oder Dame, der kein Vergnügen an einem guten Roman hat, muss unerträglich stumpfsinnig sein.“ (S. 134 / S. 135)

    Entschuldigt bitte, dass ich ein etwas längeres Eingangszitat zu dieser Rezension gewählt habe. Aber es war eine der Stellen, an der ich lauthals lachen musste – und von derart Dialogen mangelt es wahrlich nicht in „Northanger Abbey“ von Jane Austen. Dank dem Penguin Verlag liegt mir das Buch in einer quietschorangen Ausgabe aus der „Penguin Edition“ vor. Übersetzt von Andrea Ott und einem für Austen-Neueinsteiger wie mich durchaus interessanten Nachwort von Hans Pleschinski. So wusste ich zum Beispiel nicht, dass vorliegender Roman erst nach Jane Austen´s Tod von ihrem Bruder veröffentlicht wurde. Hätten wir das also auch geklärt…

    Jane Austen entführt die Leserinnen und Leser in die englische „Upper class“-Gesellschaft. Wir nehmen mit Catherine, der „Antiheldin“ des Romans am gesellschaftlichen Leben in Bath, einer Stadt im Westen Englands, teil und werden nach und nach Zeuge von (falschen) Freundschaften, Liebeleien, rasiermesserscharf-spitzen Bemerkungen über die englische Gesellschaft usw. So oft wie in diesem Buch habe ich schon lange nicht mehr während eines Romans schallend gelacht und dabei gleichzeitig den Kopf geschüttelt. „Northanger Abbey“ möchte ich daher als Wohlfühllektüre für (Lebens-)Phasen betrachten, in denen nicht alles eitel Sonnenschein ist.

    Die titelgebende „Northanger Abbey“, der Wohnsitz von Catherine´s Märchenprinz Henry Tilney und seiner Familie, kommt zwar erst ziemlich spät ins Spiel – dafür aber mit absurd-komischen Gedanken Catherine´s, die man zu diesem Zeitpunkt am liebsten von ihrer bevorzugten Schauerroman-Lektüre wegzerren würde; zumal sich – ach, lest doch einfach selbst.

    Ja, ich bin begeistert und nein, ich habe weder „Northanger Abbey“ zum letzten Mal gelesen noch spare ich mir die anderen Romane von Jane Austen *g*.

    Herrlich spitze 5* und eine absolute Leseempfehlung!

    ©kingofmusic

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  1. Romantisch mit einer gesunden Portion Gesellschaftskritik

    Romantisch mit einer gesunden Portion Gesellschaftskritik

    Catherine Morland ist die Protagonistin in diesem Werk von Jane Austen, und sie wirkt recht unscheinbar. Sie kann eigentlich nichts besonders gut, fühlt sich nicht hübsch und auch andere herausragende Fähigkeiten scheinen nicht vorhanden zu sein, dennoch ist sie mir von Anfang an sehr sympathisch gewesen. Sie trägt ihr Herz am rechten Fleck und ihre Naivität lässt den Leser oft schmunzeln.
    Als sie die Erlaubnis der Eltern bekommt mit den Allens nach Bath zu reisen, wird sie dort in die Gesellschaft eingeführt und lernt Henry Tilney kennen. Isabella Thorpe tritt in ihr Leben und stellt es gehörig auf den Kopf.
    Nach einiger Zeit wird sie sogar nach Northanger Abbey eingeladen, dem Wohnsitz der Familie Tilney. Doch viele Wirren müssen erstmal ausgestanden werden bis man sich auf das Ende einlassen darf.
    Dies ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Roman, denn ab und an wurden mir die Zerwürfnisse und das ständige hin und her doch ein wenig zuviel des Guten.

    Für mich war es mein erster Roman der Autorin und ich war überrascht wie angenehm und harmonisch ich den Schreibstil empfunden habe. Die Schilderung der Gesellschaft zur damaligen Zeit war interessant, und oft blitzt Kritik der Autorin an eben,dieser durch. Am bezauberndsten empfand ich aber Catherine und ihre Erlebnisse. Die Romane von denen sie schwärmt, die Freundschaften die sie schließt, und das hin und her mit Henry Tilney. Nicht zu vergleichen mit unserer heutigen Zeit, kann man hier verträumt abtauchen und sich treiben lassen.
    Überrascht hat mich außerdem die Entwicklung des Hauptcharakters. Von der unsicheren und naiven Catherine bleibt am Ende eine durchaus durchsetzungsfähige junge Frau übrig.

    Ein Klassiker, den man gelesen haben sollte. Bewundernswert wie weitsichtig und weltoffen die Autorin ihre Werke verfasst hat, so dass sie immer noch viele Leser begeistern können.

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  1. Eine Pfarrerstochter als Antiheldin

    England zu Beginn des 19. Jahrhunderts: Bisher hat die 17-jährige Catherine Morland noch nicht viel von der Welt gesehen. Doch als die Pfarrerstochter die Gelegenheit erhält, mit dem Ehepaar Allen aus ihrem Heimatdorf Fullerton in Wiltshire in den Kurort Bath zu reisen, tun sich ungeahnte Möglichkeiten auf und sie macht in der Ferne vielversprechende Bekanntschaften…

    „Northanger Abbey“ ist ein Roman von Jane Austen, der erst posthum veröffentlicht worden ist.

    Meine Meinung:
    Der Roman setzt sich aus 31 kurzen Kapiteln zusammen. Erzählt wird in streng chronologischer Reihenfolge, jedoch mit kleineren Vorausdeutungen. Die Geschichte spielt um das Jahr 1803 und umfasst etwa drei Monate. Die Handlung findet vorwiegend im Kurort Bath und in der titelgebenden ehemaligen Abtei statt.

    Der Schreibstil Austens ist ein Genuss. Mit spitzer Feder und scharfzüngigen Dialogen entlarvt sie die Widersprüche und Absurditäten der wohlsituierten Gesellschaft. Zugleich ist es eine bissige und augenzwinkernde Satire auf die Schauerromane der damaligen Zeit. Gut gefallen hat mir, dass die Erzählperspektive bisweilen auf eine Metaebene wechselt und dass die Leserinnen und Leser mehrfach direkt angesprochen werden.

    In der empfehlenswerten Penguin-Ausgabe ist der Text mit 75 hilfreichen Anmerkungen versehen. Sie erleichtern das Verständnis von Anspielungen und zeitspezifischen, altertümlichen Begriffen ungemein.

    Das Nachwort gibt wissenswerte Fakten zum Leben der Schriftstellerin wieder und fasst den Roman zusammen. Für echte Austen-Kenner ist wenig Neues zu erfahren. Allerdings runden die Ausführungen von Hans Pleschinski den Roman gut ab.

    Bei Catherine haben wir es mit einer Antiheldin zu tun, ein völlig durchschnittliches, realitätsnahes und wenig reizvolles Mädchen. Die anfängliche Naivität der Protagonistin ist etwas anstrengend. Die Figur macht jedoch eine Veränderung durch. Das männliche Gegenstück hebt sich ebenfalls auf erfrischende Art von anderen Romanhelden ab.

    Inhaltlich steht eine Liebesgeschichte im Vordergrund. Diese wird aber weder zu platt noch zu pathetisch erzählt. Zwar sind die Entwicklungen durchaus zu erahnen. Dennoch habe ich mich auf den mehr als 300 Seiten köstlich amüsiert. Überaus unterhaltsam ist, wie die Sitten und Konventionen der damaligen Zeit zerpflückt und aufs Korn genommen werden. Nur ein bis zwei Kapitel im Mittelteil fallen für meinen Geschmack zu langatmig aus. Zudem ist der Roman weniger gefühlvoll als andere Werke der Autorin.

    Mein Fazit:
    Zwar zählt „Northanger Abbey“ auch künftig nicht zu meinen Lieblingsromanen von Jane Austen. Dennoch ist die gelungene Geschichte um Catherine Morland definitiv lesenswert. Eine empfehlungswürdige Lektüre - nicht nur für eingefleischte Fans klassischer Literatur.

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