Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

Rezensionen zu "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten"

  1. 5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jun 2019 

    Zwei interessante Theaterstücke, bereit für die Bühne

    „Ihr letzter Bescheid dauerte so lange, da konnte unser Einkaufszentrum zweimal abbrennen, der Brandstifter im Knast Abitur machen und zwölf Kinderbücher schreiben.“ (Zitat Seite 27)

    Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

    Inhalt
    Ein Arbeitstag im Leben des Hans Fredenbek, Verwaltungsbeamter in gehobener Position. Was mit Betrachtungen über den perfekten Radiergummi beginnt, endet beim ausführlichen Grübeln über das geheime Wesen Frau, insbesondere ist es seine Mitarbeiterin Karin Umlauf, die mit dem getupften Sommerkleid, die seine Phantasie anregt.

    Thema
    Bei diesem Einpersonenstück wird das Arbeitsleben des überzeugten Beamten Fredenbek aufgezeigt, wobei die Arbeit auch sein gesamter Lebensinhalt ist. Auch wenn die Handlung nur einen einzigen Arbeitstag umfasst, erfahren wir durch die Erinnerungen, die er mit uns teilt, alle seine Gedanken und Überlegungen, sein ganzes Leben.
    Wirklich skurril und großartig geschildert sind die Szenen in seinem Urlaub, wie er es schafft, die Tage ohne seine gewohnte Arbeit mit Sinn zu füllen. Er hat auch eindeutig ein Verständnisproblem, was Frauen anbelangt und ist im Grunde ein einsamer Mensch, eine sympathische, aber tragische Figur.

    Einladung zum Klassentreffen

    „Manchmal legen Blumen beim Wachsen ein atemberaubendes Tempo vor.“ (Zitat Seite 104)

    Inhalt
    Es war eine Jugendliebe zwischen Marina und Carsten, doch sie haben einander längst aus den Augen verloren, sind ihren Weg gegangen, haben neue Partnerschaften und das Scheitern derselben erlebt. Jetzt, nach zwanzig Jahren, meldet sich Carsten bei Marina und lädt sie zum Klassentreffen ein. Marina sitzt gerade im Zug, als sie den Anruf entgegennimmt und bald geht es um weit mehr, als nur ein Abi-Treffen.

    Thema
    In diesem Theaterstück sind Marina und Carsten die Hauptpersonen. Indirekt ist auch Marinas geschiedener Ehemann Holger präsent, einerseits in Marinas Erinnerungen, andererseits schildert Carsten, wie er ihn zufällig getroffen hat. Dazu kommen noch Fahrgäste, die das Geschehen fallweise kommentieren. In diesem zweiten Theaterstück geht es um die Beziehung zwischen Mann und Frau, um Missverständnisse, Liebe und neue Chancen.

    Fazit:
    Präzise beobachtet der Autor die Menschen, den Alltag, das Leben, sozialkritisch und urkomisch. Er spielt mit der Sprache, jongliert mit Um- und Neudeutungen und macht so die Texte und Figuren lebendig. Geschrieben als Theaterstücke, enthalten die Texte daher auch sämtliche Regieanweisungen und könnten sofort auf die Bühne gebracht werden. Die Ausstattung ist betont einfach gehalten, allerdings erfordert die Rolle des Hans Fredenbek ein intensives Rollenstudium, denn der Text mit seinen rasch wechselnden Gedankengängen und Themen ist anspruchsvoll. Seine Betrachtungen über Frauen könnten meiner Meinung nach eine Überarbeitung vertragen, im Sinne von Straffung und Modernisierung. Ich wünsche dem Autor, dass eine ambitionierte Theatergruppe auf diese Stücke aufmerksam wird, die Umsetzung wäre eine spannende, interessante Aufgabe.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 20. Apr 2019 

    Zwei Theaterstücke (Sehr gut)

    Martin Schörle
    »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«: Zwei Theaterstücke
    Engelsdorfer Verlag

    Autor: Ich bin 59, habe zwei erwachsene Söhne und lebe mit meiner Frau in der schönsten Stadt der Welt (Hamburg, meine Perle!). Nach dem Abitur habe ich die Beamtenlaufbahn eingeschlagen. Schauspielerisch habe ich anfangs Kabarett gemacht und spielte von 1994 bis 2011 bei verschiedenen Amateurbühnen. Das Repertoire umfasste sowohl Komödien (z.B. "Ein seltsames Paar" von Neil Simon, verfilmt mit Walter Matthau und Jack Lemmon) als auch Dramen (z.B. "Draußen vor der Tür" von Wolfgang Borchert). Schreiberisch habe ich neben den beiden in meinem Buch enthaltenen Theaterstücken den Kurzkrimi "Schöne Bescherung" verfasst, der in der Anthologie "Gepfefferte Weihnachten" beim Leda-Verlag erschienen ist. Soweit es die Zeit erlaubt, gehe ich gern ins Theater oder zu Poetry Slams und mache Lesungen aus meinem "Beamtenmonolog"; des Weiteren betreibe ich Lauf- und Krafttraining. (Quelle: Was lese ich)

    Anmerkung: Auf eine Inhaltsangabe möchte ich bei diesem Buch verzichten, da die beiden Stücke nicht sonderlich lang sind und der Klappentext schon alle wichtigen Punkte beinhaltet.

    Das Buch von Martin Schörle besteht, wie der Titel bereits verrät, aus zwei Theaterstücken, die beide völlig verschieden aufgebaut und erzählt werden (und einen verschiedenen Inhalt aufweisen). Handelt es sich bei “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” um einen Monolog (ein Erzähler) so haben wir in “Einladung zum Klassentreffen” einen Dialog, zweier Freunde (wechsel von Er/Sie). Die Tatsache das es sich bei beiden Stücken um ein Theaterstück handelt, vergisst man beim Lesen jedoch recht schnell. Das einzige was einen mal herausreißen kann, sind die Regieanweisungen, die sich aber dank kursiven Druck und Klammern, gut vom Rest abheben. Allerdings sind es auch genau diese Angaben, die dem/der Leser/-in wichtige Informationen und Details verraten, die das Bild im Kopf beim Lesen, noch genauer werden lassen.
    Das erste Theaterstück “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten”ist, wie bereits erwähnt ein Monolog, in dem der/die Leser/-in bzw.- Zuschauer/-in recht viel über den Beruf von Hans Fredenbek erfährt. Dies geschieht auf eine recht humorvolle und teilweise doppeldeutige Art, bei der der Protagonist dazu neigt, einige Dinge etwas überspitzt wiederzugeben (aber er liebt seinen Beruf eben).
    Lässt sich “Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten” noch relativ normal und wie ein Buch lesen, wird beim zweiten Stück “Einladung zum Klassentreffen” schon klarer, dass es sich um ein Theaterstück handelt. Hier unterhalten sich zwei Personen, weshalb es beim Lesen einen Wechsel zwischen Er und Sie gibt. Trotz dieser Tatsache, lässt sich auch dieses Stück recht flüssig lesen. In diesem Stück lässt sich eine Entwicklung beider Charaktere erkennen, die viele verschiedene Gefühlslagen beinhaltet, die man alle sehr gut erkennen kann. Außerdem erzählt der Autor eine Geschichte, die dem/der ein oder anderen bekannt vorkommen könnte.

    Cover: Das Cover ist in schlichtem Weiß gehalten. Auf der Vorderseite sehen wir mittig die Zeichnung eines Mannes, welche diagonal geteilt zu sein scheint. Die beiden Teile der Zeichnung spiegeln dabei Teile aus den Zwei Theaterstücken wieder (Das Büro und die Schule). Im Laufe des Buches, werden einem aber auch noch andere Kleinigkeiten auffallen, die im Buch eine mehr oder weniger große Rolle spielen.
    Über der Zeichnung steht der Titel bzw. stehen die Titel der beiden Theaterstücke, welche durch einen breiten Strich getrennt sind.
    Ein Blick auf die Rückseite wirkt anfänglich etwas überladen, allerdings wurde durch das Hervorheben der Titel, die Übersicht etwas erleichtert.
    Mir persönlich gefällt die schlichte aber dennoch passende Gestaltung des Covers, besonders der Zeichenstil. Es enthält alles, was ein Cover enthalten muss und passt gut zum Inhalt des Buches.

    Fazit: Auch wenn das Buch von Martin Schörle anfangs etwas verwundern mag, da es sich um Theaterstücke handelt, so legt sich diese Verwunderung beim Lesen recht schnell und schwingt in ein tolles Lesevergnügen um. Das Einzige das mein Lesevergnügen trüben konnte, war die Tatsache, dass das Ende des Buches doch recht schnell erreicht wurde. Ich kann jedem nur die Empfehlung aussprechen, sich auf dieses Buch einzulassen und sich die zugegeben, recht kurze Zeit zu nehmen, um in zwei wirklich unterhaltsame Theaterstücke einzutauchen.
    Für mich war dieses Buch etwas Besonderes, auf das ich mich glücklicherweise eingelassen habe. Von mir gibt es 5/5 Sterne.

    Klappentext: Der kabaretteske Monolog »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« beschert dem geneigten Leser Einblicke in das Leben des Vollblutverwaltungsgenies Hans Fredenbek, der sich in seinem ganz eigenen Gedankengewirr aus Aktenzeichen, Dienstverordnungen, statistischen Erhebungen zusehends verheddert. Es wird deutlich, dass er sich von dem Leben jenseits seines Büros nahezu völlig verabschiedet hat. Vor allem aber wird schonungslos aufgedeckt, dass es zwischen Slapstick und Tragik eine Nahtstelle gibt. Und dass diese Nahtstelle einen Namen hat. Und dass dieser Name Hans Fredenbek ist. Mit einer Lesung aus seinem Stück war Schörle 2008 beim Autorenwettbewerb »Perlen vor die Säue« im Literaturhaus Hamburg erfolgreich (2. Platz von acht Finalteilnehmern aus insgesamt rund 100 eingereichten Beiträgen). Das Stück wurde außerdem im Rahmen der »Hamburger Theaternacht« als offizieller Beitrag des Hamburger Sprechwerks von »Caveman« Erik Schäffler auszugsweise gelesen. - »Einladung zum Klassentreffen« In ihrer Schulzeit hatten Marina und Carsten eine Liebesbeziehung. Nach 20 Jahren soll ein Klassentreffen stattfinden. So meldet sich Carsten, einer der Initiatoren, auch bei Marina, deren Leben nach Schicksalsschlägen zeitweilig aus den Fugen geraten war. Die gemeinsame innige Zeit ist für sie längst Vergangenheit, ein Früher. Aber an Carstens Gefühlen hat sich anscheinend nichts geändert. Sein Anruf weckt auch bei Marina Erinnerungen. Das unverfänglich begonnene Telefonat führt beide in ein Wechselbad der Gefühle ... Inhaltlich eine Liebesgeschichte wagt das Stück den Spagat zwischen Komik & Tragik, Lachen & Weinen. (Quelle: Engelsdorfer Verlag)

    Autor: Martin Schörle
    Titel: »Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten« und »Einladung zum Klassentreffen«: Zwei Theaterstücke
    Verlag: Engelsdorfer Verlag
    Genre: Theaterstück
    Seiten: 119
    Preis: Taschenbuch:9,50 // eBook:4,99
    Erstveröffentlichung: 2016
    ISBN: 978-3960084082

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Sep 2018 

    Theater zum Lesen, recht gelungen

    Bei dem ersten Theaterstück handelt es sich um einen Monolog von Hans Fredenbek. Er ist der Prototyp des klischeebehafteten Beamten, uneffektiv und penibel. Schon gleich sah ich vor meinem geistigen Auge Heinz Erhardt in seiner Paraderolle als “Willi Winzig” in seinem muffigen, fensterlosen Büro sitzen.

    Obwohl verheiratet, scheint sein zuhause im Büro zu liegen. Denn man merkt ihm seine Überidentifikation mit seinem Beruf direkt an. So löst ein Radiergummi, der nicht an seinem vorgeschriebenen Platz liegt, eben diesen Monolog aus, in dem Hans Fredenbek dem Leser bzw. Zuschauer seine Weltanschauungen darstellt.

    Hierbei kommt Fredenbek nicht nur von Hölzchen auf Stöcken, wie man in unseren Breiten gerne sagt, sondern auch seine Stimmungsschwankungen unterliegen keinen Gesetzmäßigkeiten. Vielmehr sind sie unvorhersehbar und reissen den Leser durch die cholerischen Ausbrüche mit und vermögen es ebenso, die leisen, nachdenklichen Töne zu transportieren.

    Durch diese Wechselwirkung, die auch mit dem entsprechenden Wortwitz ausgestattet ist, hat Martin Schörle eine sehr lesenswerte Tragikomödie geschaffen, die aufgrund ihrer Länge allerdings eine Herausforderung für einen Schauspieler darstellen dürfte. Da Heinz Erhardt nun nicht mehr verfügbar ist, könnte ich mir hier auch bestens Markus Veith vorstellen.

    “Einladung zum Klassentreffen”

    Hier erlebt der Leser/Zuschauer, wie Carsten seine verflossene Jugendliebe Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen möchte. Er kontaktiert sie per Telefon und erwischt sie im IC auf dem Heimweg.

    Der Dialog, der hierbei entsteht, wirkt recht lebensnah und sorgt somit dafür, dass man mit den Protagonisten mitfühlt. Trotz der Rückblicke in beider Vergangenheiten, die nicht immer recht freudvoll waren, ist dieser Dialog recht kurzweilig und lässt den Leser/Zuschauer mitunter ein Stück weit bangen, ob die beiden nun am Schluss zueinander finden werden.

    Fazit: Auch wenn beide Stücke recht unterschiedlich sind, ist es Martin Schörle gelungen, die Leser sehr gut zu unterhalten und man bekam beim Lesen unweigerliche Lust darauf, diese Stücke auch einmal auf der Bühne zu erleben. Insofern gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, die sich nicht nur auf diejenigen erstreckt, die Theaterstücke gern in Schrftform lesen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Jul 2018 

    Zwei Theaterstücke für die Bühn

    "Das Theater ist die tätige Reflexion des Menschen über sich selbst." (Novalis)
    Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten:
    Hans Fredenbek ist ein Beamter, wie er leibt und lebt, in seinem Büro sinniert er über das Leben, die Liebe, macht sich Gedanken über Dienstverordnungen, Aktenzeichen, Statistiken und auch mal über Politik. Dabei erleben wir den Beamten mal humorvoll, besinnlich und schon auch mal aufbrausend. Das ganze Theaterstück wird hauptsächlich hier als Monolog dargestellt, dieser wird untermalt mit Musikstücken wie: Polonäse Blankenese, Spiel mir das Lied vom Tod, Je t´aime ...Ich habe mich am Anfang etwa schwergetan mit diesem Kabarett, da es mir zu trocken rüberkam. Mir fehlte da auf der langen Strecke von fast 50 Seiten so ab und zu der Humor. Natürlich blitzt er so ab und an ein wenig Slapstick durch, doch das war mir persönlich fast zu wenig. Ich denke, dass es aufgeführt mit dem ganzen Hintergrund und der Musik sicher noch um einiges besser wirkt, wie wen man es nur liest. Trotzdem hätte ich mir ein paar herzhafte Lacheinlagen mehr gewünscht.
    Einladung zum Klassentreffen:
    Marina und Carsten kennen sich schon seit ihrer Schulzeit. Als Marina im ICE sitzend auf dem Weg nach Hause ist, wird sie von Carstens Anruf überrascht. Dieser möchte Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen. Dabei kommt heraus das Marina Leben nicht gerade rosig verlaufen ist. Doch auch Carstens Leben ist nicht so verlaufen, wie er erhofft hatte und so schwelgt er dabei recht schnell in alten Zeiten, als die beiden noch ineinander verliebt waren. Dabei merkt man, wie groß Carstens Gefühle nach wie vor für Marina sind. Herrlich fand ich hingegen dieses Theaterstück, bei dem ich des öfteren herzhaft lachen musste. Schon allein die Vorstellung das Marinas Gespräch von den Mitfahrern des ICEs belauscht werden und sich diese teilweise einmischten, fand ich zu köstlich. Ein Telefonat das zwischen Tragik, Komik und Liebesgeschichte alles zu bieten hat. Da wurden auch die über 50 Seiten dann nicht langweilig im Gegenteil ich hätte dem Gespräch der beiden noch eine Weile folgen können.
    Fazit:
    Martin Schörle bringt durch dieses Buch Leben auf die Bühne, mal tragisch, trocken, mal humorvoll euphorisch. Ausgezeichnet wurde er mit diversen Preisen dafür u. a. 2008 2. Platz Autorenwettbewerb "Perlen vor die Säue" und weiteren. Gefallen hat mir das zweite Stück deutlich besser als das erste, da es einfach lebensnaher und humorvoller für mich war. Dem Buch fehlte hier natürlich die Dramatik und die Darstellung, die nur eine Bühne hergeben kann von daher ist die Wirkung dort sicher noch deutlicher. Ich könnte mir jedoch bei dem Autor auch gut vorstellen, das er einmal einen humorvollen Roman schreiben könnte. Von mir bekommt dieses Buch 4 von 5 Sterne.