Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten

Rezensionen zu "Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 20. Sep 2018 

    Theater zum Lesen, recht gelungen

    Bei dem ersten Theaterstück handelt es sich um einen Monolog von Hans Fredenbek. Er ist der Prototyp des klischeebehafteten Beamten, uneffektiv und penibel. Schon gleich sah ich vor meinem geistigen Auge Heinz Erhardt in seiner Paraderolle als “Willi Winzig” in seinem muffigen, fensterlosen Büro sitzen.

    Obwohl verheiratet, scheint sein zuhause im Büro zu liegen. Denn man merkt ihm seine Überidentifikation mit seinem Beruf direkt an. So löst ein Radiergummi, der nicht an seinem vorgeschriebenen Platz liegt, eben diesen Monolog aus, in dem Hans Fredenbek dem Leser bzw. Zuschauer seine Weltanschauungen darstellt.

    Hierbei kommt Fredenbek nicht nur von Hölzchen auf Stöcken, wie man in unseren Breiten gerne sagt, sondern auch seine Stimmungsschwankungen unterliegen keinen Gesetzmäßigkeiten. Vielmehr sind sie unvorhersehbar und reissen den Leser durch die cholerischen Ausbrüche mit und vermögen es ebenso, die leisen, nachdenklichen Töne zu transportieren.

    Durch diese Wechselwirkung, die auch mit dem entsprechenden Wortwitz ausgestattet ist, hat Martin Schörle eine sehr lesenswerte Tragikomödie geschaffen, die aufgrund ihrer Länge allerdings eine Herausforderung für einen Schauspieler darstellen dürfte. Da Heinz Erhardt nun nicht mehr verfügbar ist, könnte ich mir hier auch bestens Markus Veith vorstellen.

    “Einladung zum Klassentreffen”

    Hier erlebt der Leser/Zuschauer, wie Carsten seine verflossene Jugendliebe Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen möchte. Er kontaktiert sie per Telefon und erwischt sie im IC auf dem Heimweg.

    Der Dialog, der hierbei entsteht, wirkt recht lebensnah und sorgt somit dafür, dass man mit den Protagonisten mitfühlt. Trotz der Rückblicke in beider Vergangenheiten, die nicht immer recht freudvoll waren, ist dieser Dialog recht kurzweilig und lässt den Leser/Zuschauer mitunter ein Stück weit bangen, ob die beiden nun am Schluss zueinander finden werden.

    Fazit: Auch wenn beide Stücke recht unterschiedlich sind, ist es Martin Schörle gelungen, die Leser sehr gut zu unterhalten und man bekam beim Lesen unweigerliche Lust darauf, diese Stücke auch einmal auf der Bühne zu erleben. Insofern gibt es von mir eine klare Leseempfehlung, die sich nicht nur auf diejenigen erstreckt, die Theaterstücke gern in Schrftform lesen.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Jul 2018 

    Zwei Theaterstücke für die Bühn

    "Das Theater ist die tätige Reflexion des Menschen über sich selbst." (Novalis)
    Nichtalltägliches aus dem Leben eines Beamten:
    Hans Fredenbek ist ein Beamter, wie er leibt und lebt, in seinem Büro sinniert er über das Leben, die Liebe, macht sich Gedanken über Dienstverordnungen, Aktenzeichen, Statistiken und auch mal über Politik. Dabei erleben wir den Beamten mal humorvoll, besinnlich und schon auch mal aufbrausend. Das ganze Theaterstück wird hauptsächlich hier als Monolog dargestellt, dieser wird untermalt mit Musikstücken wie: Polonäse Blankenese, Spiel mir das Lied vom Tod, Je t´aime ...Ich habe mich am Anfang etwa schwergetan mit diesem Kabarett, da es mir zu trocken rüberkam. Mir fehlte da auf der langen Strecke von fast 50 Seiten so ab und zu der Humor. Natürlich blitzt er so ab und an ein wenig Slapstick durch, doch das war mir persönlich fast zu wenig. Ich denke, dass es aufgeführt mit dem ganzen Hintergrund und der Musik sicher noch um einiges besser wirkt, wie wen man es nur liest. Trotzdem hätte ich mir ein paar herzhafte Lacheinlagen mehr gewünscht.
    Einladung zum Klassentreffen:
    Marina und Carsten kennen sich schon seit ihrer Schulzeit. Als Marina im ICE sitzend auf dem Weg nach Hause ist, wird sie von Carstens Anruf überrascht. Dieser möchte Marina nach 20 Jahren zu einem Klassentreffen einladen. Dabei kommt heraus das Marina Leben nicht gerade rosig verlaufen ist. Doch auch Carstens Leben ist nicht so verlaufen, wie er erhofft hatte und so schwelgt er dabei recht schnell in alten Zeiten, als die beiden noch ineinander verliebt waren. Dabei merkt man, wie groß Carstens Gefühle nach wie vor für Marina sind. Herrlich fand ich hingegen dieses Theaterstück, bei dem ich des öfteren herzhaft lachen musste. Schon allein die Vorstellung das Marinas Gespräch von den Mitfahrern des ICEs belauscht werden und sich diese teilweise einmischten, fand ich zu köstlich. Ein Telefonat das zwischen Tragik, Komik und Liebesgeschichte alles zu bieten hat. Da wurden auch die über 50 Seiten dann nicht langweilig im Gegenteil ich hätte dem Gespräch der beiden noch eine Weile folgen können.
    Fazit:
    Martin Schörle bringt durch dieses Buch Leben auf die Bühne, mal tragisch, trocken, mal humorvoll euphorisch. Ausgezeichnet wurde er mit diversen Preisen dafür u. a. 2008 2. Platz Autorenwettbewerb "Perlen vor die Säue" und weiteren. Gefallen hat mir das zweite Stück deutlich besser als das erste, da es einfach lebensnaher und humorvoller für mich war. Dem Buch fehlte hier natürlich die Dramatik und die Darstellung, die nur eine Bühne hergeben kann von daher ist die Wirkung dort sicher noch deutlicher. Ich könnte mir jedoch bei dem Autor auch gut vorstellen, das er einmal einen humorvollen Roman schreiben könnte. Von mir bekommt dieses Buch 4 von 5 Sterne.