Nachtigall im Winter: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Nachtigall im Winter: Thriller' von Ralph B. Mertin
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Ein beklemmender Mystery- und Internatsthriller um den bedrohlichen Sog von Gruppendynamik...

Als der charismatische Lehrer Choran 1950 seine Stelle im Waisenhaus Königspfalz antritt, wird er aufgrund seiner unkonventionellen Unterrichtsmethoden von den Jugendlichen vergöttert. Doch Choran versucht, die traumatisierten Kriegswaisen für seine obskuren Zwecke zu instrumentalisieren. Es beginnt ein Spiel mit dem Feuer, einem Feuer, an dem sich mehr als einer verbrennt...



Blogger zu "Nachtigall im Winter":

"Dieses Buch hat wirklich alles was ein gutes Buch braucht. (...) Ich habe einen neuen Lieblingsautoren gefunden" (Lord Byrons Buchladen, 07. Dezember 2014)

Format:Kindle Edition
Seiten:338
Verlag: Knaur eBook
EAN:

Rezensionen zu "Nachtigall im Winter: Thriller"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jan 2015 

    Etwas verschenktes Potential...

    1950 haben es die Jungen im Waisenhaus Königspfalz nicht leicht. Die Bedingungen sind denkbar schlecht, es gibt von allem zu wenig, niemanden, der sich wirklich für die Jungen interessiert, statt Solidarität gibt es oftmals sogar verbitterte Rivalität, vor allem unter den verschiedenen Häusern des Waisenhauses. Im Zentrum des Geschehens stehen hier die Häuser namens 'Nachtigall' und 'Winter', wobei aus unerfindlichen Gründen die Kinder im Hause 'Nachtigall' deutlich bevorzugt werden.
    Dies ändert sich erst, als der neue Lehrer Choran an die Schule kommt und das Haus 'Winter' übernimmt. Er setzt sich für die Kinder ein, formt aus den zerstrittenen Individuen nach und nach eine Einheit, die Stärke demonstiert und in der der Einzelne nichts mehr zu befürchten hat. Doch was sind die wahren Abichten Chorans?

    Neben den Geschehnissen im Jahr 1950 wird in einem zweiten Erzählstrang berichtet, wie im Jahre 1959 ein erfolgloser und heruntergekommener Reporter versucht zu ergründen, was vor neun Jahren im Internat Köigspfalz wirklich geschah. Denn es gab dort mehrere unerklärliche Todesfälle, dazu ungeklärte Vergangenheiten einzelner Lehrer und sonstige mysteriöse Vorfälle. Der Reporter Harry ist schon seit Jahren dem Alkohol verfallen, trauert seiner großen Liebe nach und hat als einziges verbliebenes Ziel eben die Auflösung der Geschehnisse von damals. Dabei erfährt er nun Hilfe von unerwarteter Seite. Doch wer ist der mysteriöse Mann? Und weshalb will er Harry helfen?

    Über weite Strecken war dies ein wahrlich spannendes Buch mit unvorhersehbaren und überraschenden Wendungen und Finten. Gut ausgearbeitet war dabei die Gruppendynamik, die durch die Veränderungen der Bedingungen in Gang kamen und zeigten, wie einzelne Jungen plötzlich ganz andere Rollen übernahmen. Dadurch dass über lange Strecken alle mit verdeckten Karten spielen, nimmt das Rätselraten kein Ende, und die Eindringlichkeit der Schilderung der Geschehnisse tut ein übriges, um einen das Buch am besten gar nicht erst weglegen zu lassen. Wer verbirgt welches Geheimnis, wer handelt aus welcher Motivation heraus und wohin wird sich das Ganze schließlich entwickeln sind nur einige der Fragen, die den Leser während der Lektüre treu begleiten.
    Ein wenig ernüchtert war ich allerdings, als es schließlich auf das Ende zuging. Da nahm das Mystische für meinen Geschmack doch zu sehr überhand - und es zeigte sich, dass die Themenvielfalt (alte Kulturen, NAZI-Vergangenheiten, unlautere Vorkommnisse in abgeschiedenen Internaten, Machtspiele, Religion, Mystik) letztlich doch wohl ein wenig zu groß war. Jedes Thema für sich: spannend und hochbrisant - aber in der Summe einfach zu viel, so dass einiges zwangsläufig auf der Strecke bleiben bzw. fast 'nebenher' abgehandelt werden musste. Da wäre weniger vielleicht doch mehr gewesen, es ist schade um das verschenkte Potential...

    Insgesamt eine spannende Unterhaltung, deren eher 'plattes' Ende mich ernüchtert und ein wenig enttäuscht hat. 3,5 Sterne, die ich aber auf 4 aufrunde, weil die Spannung mich über einen langen Zeitraum gefangen halten konnte...

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Jan 2015 

    Die Nachkriegszeit im Waisenhaus

    Inhalt:
    Deutschland in der Nachkriegszeit. Ein Waisenhaus wie es zu der Zeit viele gibt, an dem ein neuer Lehrer mit ganz anderen Methoden anfängt. Er hat Erfolg mit dem was er tut, spielt aber auch ein gefährliches Spiel...

    Meine Meinung:
    Nachtigall im Winter ist mein drittes Buch von Ralph B. Mertin. Seine Bücher sind immer recht kurz und niemals wirklich langweilig und doch konnte noch keins mein Favorit werden. Ich war sehr gespannt ob er es mit diesem Thriller schafft mich zu überzeugen.

    Leider kam ich aber schon sehr schwer in die Geschichte rein. Das ganze spielt im Jahr 1959 mit Rückblicken zu 1950/1951. Die Nachkriegszeit. zur besseren Orientierung sind die Daten auch immer über den jeweiligen Abschnitten genannt. Im jahr 1959 erzählt ein Mann einem anderen die Geschichte von vor 8 Jahren. Wer dieser Erzähler ist weiß man als Leser bis fast zum Ende nicht. Der Zuhörer dagegen ist bekannt. Ein Reporter, der damals schon über das Waisenhaus berichtet hat. Die Wechsel finden nicht so oft statt, aber es ist von vielen Personen die Rede und das war gerade am Anfang mein Problem. Es ist denke ich so als wenn man als Lehrer eine ganze Klasse kennen lernen muss. Es gab Personen die mit der Zeit unwichtig wurden, aber auch Personen die ein ähnliches Schicksal teilten und es mir so schwer machten sie auseinander zu halten. Da nützte auch der recht einfache Schreibstil nichts. Eine Spannung wollte sich da nicht aufbauen, aber ein Interesse an der Geschichte. Dieses ließ mich dann auch weiter lesen.

    Es gibt hier mehrere Hauptfiguren, die für die Handlung wichtig sind. Diese lernt man auch näher kennen. Manche ähneln sich gerade zu Beginn im Verhalten wandeln sich aber im Laufe der Geschichte. Manche werden immer blasser. Erst als manch eine Figur sich in der Rolle wandelt kam ich mit den vielen Namen klar. Neben den Waisen gibt es da noch den Lehrer, einen zweiten Lehrer. Einen Direktor und dessen Frau.

    Es gibt die Haupthandlungen und manch eine Nebenhandlung, die ich nicht immer unbedingt Erwähnenswert fand, aber die Geschichte etwas auflockerte
    Ziemlich schnell ahnte ich worauf es hinaus lief. Ich war nur noch Beobachter meiner erahnten Handlung. Hier und da gab es Überraschungen aber insgesamt fand ich diesen Thriller nicht spannend genug.

    Am Ende ist alles geklärt, könnte aber trotzdem noch Fortgesetzt werden. Meiner Meinung nach muss das aber nicht sein.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Dez 2014 

    Genau mein Ding

    Ein Waisenheim mit Internat in Deutschland des Jahres 1950. Viele der Jungen sind schwer traumatisiert, haben ihre Eltern oder kompletten Familien im Krieg verloren. Hier hin verschlägt es den Lehrer Choran, der die Wintergruppe zugeteilt bekommt. Schnell merkt er, dass die Nachtigallgruppe bevorzugt wird und verspricht seinen Jungs das zu ändern, wenn sie ihm bedingungslos folgen und zu einer Gruppe zusammen wachsen. Doch Choran hat seine eigenen Pläne, von denen die Jungs nichts wissen. So langsam beginnt die Wintergruppe sich zu verändern, auch auf Kosten anderer.....

    Ich liebe Bücher die in einem geschlossenen System spielen. Ob es Internate, Waisenhäuser, Psychiatrien oder Gefängnisse sind, spielt keine große Rolle. Darum freute ich mich auch sehr, als ich das eBook "Nachtigall im Winter" angeboten bekam. Ich begann zu lesen und dachte sofort:" Mensch das kommt dir bekannt vor." Ich grübelte ein wenig und dann fiel mir ein, dass ich davon eine sehr lange Leseprobe auf Neobooks gelesen hatte. Ich hab mal nachgesehen, das war im Juli 2011. Schon damals war ich total gefesselt von dieser Geschichte und der Autor versprach mir, dass im Roman alle offenen Fragen beantwortet werden. Und dieses Versprechen hat Ralph B. Mertin gehalten.

    Wie schon 2011 konnte mich die Geschichte sofort in ihren Bann schlagen. Ihr habt das sicherlich auch schon erlebt, dass ihr total sauer seid, weil ihr unbedingt weiter lesen wollt, euch aber die Augen zufallen und ihr notgedrungen das Buch aus der Hand legen müsst. So ging es mir heute Nacht. Aber nach dem aufstehen habe ich mir sofort wieder meinen Reader geschnappt und weiter gelesen.

    Sehr gut werden die Jungs im Heim dargestellt. Wie die Schwachen von den Stärkeren gequält werden, wie alle wegsehen und froh sind, dass man sie in Ruhe lässt. Wie manche versuchen dazuzugehören, andere allem aus dem Weg gehen. Felix Rosen ist so ein armer Tropf, der von allen nur geärgert oder aber ignoriert wird. Dabei wünscht er sich doch so sehr Freunde. Selbst der Direktor hat ihn auf dem Kieker. Als Choran von den Jungs verlangt, zu einer Gruppe zusammenzuwachsen, ist Felix sehr glücklich darüber, denn nun muss auch er dazugehören. Choran schafft ein neues Feindbild außerhalb ihrer Gruppe, an dem sich die Kinder abreagieren können. Die Kinder verändern sich alle unter seiner Führung. Leider nicht zum Guten.

    Das Buch ist so unglaublich spannend und gut geschrieben, dass ich jetzt total traurig bin, weil ich schon zu Ende gelesen habe. Am Liebsten würde ich es sofort noch einmal lesen. Trotz der Mystischen Elemente die es in der Geschichte gibt, kam alles sehr authentisch bei mir an. In einige der Jungs konnte ich mich richtig hineinversetzen.

    Aber auch die Lehrer und der Direktor haben schwarze Flecken auf ihren Westen, die sie unbedingt verbergen wollen. Das macht das Ganze noch viel interessanter. Und da sich von Außen kaum jemand um das Waisenhaus Königspfalz kümmert, entwickeln sich hier die Dinge ganz anders als sie es außerhalb tun würden.

    Der bildhafte Schreibstil des Autors ist sehr flüssig und leicht zu lesen und formte Bilder in meinem Kopf, wie es ein Film nicht besser konnte. Ich sah die armen Winterkinder mit zerschlissener Kleidung herumlaufen, während die Nachtigallen aus dem Vollen schöpfen konnten. Ich spürte die Angst, die Hoffnung und die Trauer. Litt mit manchen und hasste andere. Ich fror mit ihnen im Winter in ihren Baracken und bekam kaum Luft im Sommer, weil die Sonne gnadenlos auf die Hütten knallte.

    Dieses Buch hat wirklich alles was ein gutes Buch braucht. Darum vergebe ich 5 von 5 Punkten, den Favoritenstatus und eine absolute Leseempfehlung für alle. Ich freue mich sehr, dass Ralph B. Mertin einen Verlag für seine tolle Geschichte gefunden hat und hoffe, wir bekommen noch viele weitere Bücher von ihm zu lesen. Ich habe einen neuen Lieblingsautoren gefunden und hoffe, "Nachtigall im Winter" war keine Eintagsfliege.

    © Beate Senft