Mutter brennt

Buchseite und Rezensionen zu 'Mutter brennt' von Sophie Reyer
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Gebundenes Buch
Luise ist Mutter zweier Kinder, aber es ist ungewiss, ob Ina und Clemens ihre Kinder sind oder ob sie sich diese Kinder nur einbildet. Ihr Exmann erinnert sie immer wieder daran, dass Luise keine Kinder hat. Doch ihr Alltag nach der Trennung ist erfüllt und gehalten von der Sorge um diese Kinder. Als ihr alles zu viel wird, gönnt sie sich mit einer Freundin einen Trip nach Cannes. Dort lernt sie Mark kennen, der weiß, dass Luise das Kind eines Franzosen ist ...
Eva, die Großmutter, ist die beherrschende Frau - bereits tot, mischt sie sich als Bedrohung in das Leben der Protagonisten, vor allem von Clemens ("Clemens ist ratlos. Immer hat er eine Tote im Rücken, die ihm ihre Geschichte erzählen möchte." - Zitat). Ihr Leben wird in Rückblenden aufgerollt, bis zu dem Punkt, an dem sie von einem Franzosen schwanger wird ...
Eine kluge, sorgfältig komponierte philosophische Zusammenschau von in- und übereinandergelegten Szenarien und Geschichten: die Geschichte von Luise, zwischen Alltagsbewältigung mit zwei Kindern und ihrer neuen Liebe Mark;
die Entwicklung von Clemens, mit der Geschichte der Großmutter; und die Geschichte von Ina - eine Pubertätsgeschichte in allen Ausfaltungen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:248
EAN:9783903144859

Rezensionen zu "Mutter brennt"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Okt 2019 

    Ein rätselhafter Roman

    In dem Roman „Mutter brennt“ läßt die Autorin die Geschichte von zwei Kindern erzählen, die es gar nicht gibt. Clemens und Ina sind die beiden abgetriebenen Kinder von Luise, mit denen Luise spukhaft in ihrer Wohnung lebt. Von ihrem Mann hat sie sich schon lange getrennt.

    Die handelnden Personen, Luise, die Mutter und Eva, welches die verstorbene Großmutter ist, und Elmira, die sich spät und spukhaft ins Geschehen schiebt und ein Geist aus der Vergangenheit ist, werden überlappend erzählt. Jede Frau könnte auch genau so gut die andere sein. Wie schreibt die Autorin im Epilog: „Sie ist die Summe aller Möglichkeiten, die sie gehabt hätte.“ So weit, so gut.

    In Sophie Reyers Sprache, die eine verdichtete und seltsam luzide Atmosphäre vermittelt, drängen sich leider auch viele Wiederholungen, zu viel Seufzen, zu viel Beine an den Bauch ziehen, überhaupt ist der Bauch ein geliebter Erzählort, da wallt es, dass es eine Freude ist. Sexualität ist ein Heilmittel, läßt die Autorin ihre Figuren sagen. Schade, dass sich das Frauenbild der Autorin fast ausschließlich über Männer definiert. Da ist zwar auch immer eine beste Freundin, die aber verblasst, sobald was Männliches auftaucht. Am Ende stellt sich heraus, dass der Roman weit in die Zeit der Inquisition hineinreicht als irgendeine Vorfahrin Luises als Hexe verbrannt worden ist. „Bis der Schmerz geheilt ist, wird es viel Zeit brauchen.“

    Zu Anfang entwickelt sich durchaus ein Lesesog. Warum hat Luise Panikattacken, wenn sie das Haus verläßt, warum will sie die Wohnung in Brand stecken, warum kann nur Clemens die tote Geistoma sehen und warum ist Ina magersüchtig. Aber man bekommt keine Antworten.

    DIE EIGENTLICHE KRITIK:

    Ich weiß nicht, was ich von der Idee halten soll, dass ein Geist aus der Vergangenheit sich fluchhaft in das Leben sämtlicher weiblicher Nachfahren drängt. Das mag man. Oder man mag es nicht. Zu kritisieren ist es im Prinzip nicht. Doch hätte man als Leser viel früher Erhellendes dazu geliefert bekommen müssen. Doch die Autorin läßt die Leserschaft bis zuletzt im Regen stehen. Und das mag man nicht! Zumal es nicht stimmig ist, dass der Geist lediglich die Frauen verfolgt und nicht die Männer, die ihr das Leid angetan haben und dieser Schmerz über das Leben Elmiras hinaus sämtliche Frauen der Ahnenreihe in den Wahnsinn treibt.

    FAZIT: Eine undurchsichtige Geistergeschichte mit einem ebenso undurchsichtigen Frauenbild vermag nicht wirklich zu überzeugen, obwohl die Story an und für sich, wenn man von kleineren Schwächen absieht, ziemlich gut geschrieben ist.

    Kategorie: Belletristik
    Auf der Longlist des österreichischen Buchpreises 2019
    Verlag: Edition Keiper, 2019