Morgenland

Buchseite und Rezensionen zu 'Morgenland' von Stephan Abarbanell
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Ein großes Panorama der Zeit, als in der Welt alles auf Anfang stand.


1946: Lilya Wasserfall ist im Widerstand gegen die britische Mandatsmacht in Palästina aktiv und hofft darauf, bei der nächsten großen Sabotageaktion eingesetzt zu werden. Doch sie bekommt einen ganz anderen Auftrag: Im zerstörten Deutschland soll sie nach dem verschollenen jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind suchen. Nach Angaben der Briten ist er in einem Konzentrationslager ermordet worden, sein Bruder in Jerusalem hat jedoch Hinweise darauf, dass er noch lebt. Für Lilya beginnt eine abenteuerliche Reise, und bald merkt sie, dass ihr nicht nur der britische Geheimdienst auf den Fersen ist, sondern auch ein mysteriöser Verfolger, der mit allen Mitteln verhindern will, dass sie Raphael Lind findet.


Von den staubigen Straßen Jerusalems über das zerstörte London, von einem amerikanisch verwalteten München über das überfüllte Flüchtlingslager Föhrenwald, von Offenbach bis nach Berlin und in die Lüneburger Heide folgen wir einer so entschlossenen wie liebenswerten Protagonistin bei ihrer spannenden Spurensuche. Ein epischer Roman über die Welt im Schatten einer Katastrophe.


Format:Kindle Edition
Seiten:464
EAN:

Rezensionen zu "Morgenland"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Nov 2015 

    Reise in die Vergangenheit

    Lilya Wasserfall die eigentlich im Widerstand gegen die Briten aktiv ist, hofft das sie in einer der nächsten Sabotagenaktion eingesetzt wird.
    Jedoch es kommt alles anders, sie soll den für tot erklärten jüdischen Wissenschaftler Raphael Lind suchen, von dem man annimmt das er doch noch lebt.
    Anscheinend soll er in einem Konzentrationslager ermordet worden sein, jedoch sein Bruder glaubt nicht daran, da er Hinweise auf seine Existenz bekommen hat.
    Lilya beginnt ihre Reise nach Deutschland,das erst Mal kommt sie aber in Whitehall(England) an wo sie ihre Forschung beginnt. Dort sucht sie Dr. Albert Green auf in der
    Hoffnung eine Spur zu Raphael Lind zu finden, doch leider kann auch er ihr nicht weiterhelfen. Daraufhin reist sie nach Camp Föhrenwald dort wo zu der Zeit viele Juden auf ihre Ausreise
    warteten, aber auch hier findet sie keine richtigen Hinweise. Und so geht die Reise weiter zum Haus der Bücher,Berlin,Kibbuz Nili und Glyn Hughes Hospital bis sie am Ende
    zur Auflösung ihrer Reise gelangt. Aber wird sie den Wissenschaftler Dr. Raphael Lind wirklich noch lebend vorfinden? Diese Frage kann nur das Buch für euch beantworten.

    Meine Meinung:
    Kommen wir erst Mal zum Cover, ein schönes Bild aus den Anfängen des Staates Israel, als das Land noch wüst und leer war. Noch heute sieht man solche Straßen, zwar selten
    aber man kann sie entdecken.
    Das Buch hat mir sehr gut gefallen, ich habe ja schon diverse Bücher über Israel,Juden und Holocaust gelesen, aber dieses war eine ganz andere Aufarbeitung der Vergangenheit gewesen.
    Zwar als Roman geschrieben, aber mit außerordentlich viel Hintergrundswissen hat sich der Autor auf diese Reise in die Nachkrieggszeit von Israel nach Deutschland begeben.
    Man merkt in seinen Zeilen und Beschreibungen, die Liebe zum Land und der Bevölkerung Israels. Auch gut hat mir die Aufteilung der einzelnen Reiseziele von Lilya gefallen. Der am Ende des Buches aufgeführte Zusatzteil mit Beschreibung und Bilder der einzelnen Orte ihrer Reise war sehr informativ und für mich neu. Und ich habe mich richtig in die Nachkriegszeit
    hineinversetzt gefühlt, das schafft nicht jeder Autor.
    Was mir etwas fehlte war die Übersetzung der hebräischen Fremdwörter und Kürzel die man gut im Anhang anfügen hätte können, das war aber auch der einzigste Kritikpunkt.

    Ansonsten bekommt das Buch für mich für die Spannung,Information und Unterhaltung 5 von 5 Sternen.
    Ein Buch das sich absolut lohnt in die Bestsellerliste aufgenommen zu werden.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 10. Sep 2015 

    Morgenland

    1946 liegt Europa in Trümmern. Tausende von überlebenden jüdischen Flüchtlingen tauschen die Lager der Nazi gegen die Flüchtlingslager der Alliierten.
    In Palästina wird der Wunsch der Juden nach einem eigenen Staat immer stärker, die Mandatsmacht der Briten wird zunehmend als Einengung und Bedrohung gefühlt. Junge Juden wollen nicht länger geduldig warten und gehen in den Untergrund um als Partisanen gegen die Briten zu kämpfen.
    Großbritannien hat im Krieg einen hohen Blutzoll gezahlt und will nun im Nahen Osten keinen neuen Brandherd schaffen. Das fragile Gleichgewicht zwischen Arabern und Juden ist schon lange gestört, an einen gemeinsamen Staat ist schon seit Jahren nicht mehr zu denken. So versuchen die Briten mit Zuzugsbeschränkungen die jüdische Bevölkerung nicht weiter erstarken zu lassen.
    In diese Gemengelage wird Lilya Wasserfall geworfen. Als Untergrundkämpferin will sie endlich eingesetzt werden, doch ihr Führungsoffizier überträgt ihr eine ganz andere Aufgabe. Sie soll im zerstörten Deutschland nach Raphael Lind suchen. Zwar gilt er schon seit 1941 tot, die Briten haben seinen Tod bestätigt, doch sein Bruder Elias, seit langem in Palästina ein bedeutender Schriftsteller, hat große Zweifel. Auf Umwegen kam ein Buch aus der Bibliothek ihres Vaters, des bekannten deutschen Wissenschaftlers, Chaim Lind, in seine Hände. Er findet ein Foto darin und eine winzige Bleistiftnotiz, die ein Chiffre ist. Daraus schließt er, dass sein Bruder noch lebt und obwohl sie als Kinder und junge Erwachsene nie eine enge Bindung hatten, ja unterschiedlicher als die Beiden, könnten Brüder kaum sein, will er Gewissheit haben.
    Mit der Tarnung einer jüdischen Hilfsorganisation reist Lilya nun über London nach Deutschland und sieht eine Trümmerlandschaft, die sie sich nicht vorstellen konnte. Auch merkt sie bald, dass sie in das Visier des britischen Geheimdienstes geraten ist, der all ihre Schritte überwacht. Allmählich wird ihr klar, dass hinter dem Verschwinden und dem – angeblichen – Tod von Raphael Lind mehr steckt.
    Aber auch dem Elend in den Flüchtlingslagern kann sie sich nicht verschließen. Was als Tarnung gedacht war, wird ihr auch zur Verpflichtung. Sie kann das Geschacher um Medikamente, Nahrung und Feldbetten nicht verstehen und die gleichzeitige Weigerung der Staatengemeinschaft, den jüdischen Menschen eine neue Heimstatt zu geben. Dabei lernt sie viele engagierte Menschen kennen, Dave Guggenheim ist einer davon, dessen Schicksal enger mit ihrem Auftrag verknüpft ist, als sie ahnt.
    Lilya ist als Mädchen nach Europa gegangen, als Frau kehrt sie nach Palästina zurück, so drückt es ein väterlicher Freund aus. Die Personen um Lilya haben viel Tiefe und manchen Lebensweg hätte ich gerne weiter verfolgt, aber das hätte den Rahmen gesprengt, auch so ist der Roman vielschichtig. Die vielen Handlungsstränge, die meinen Lesefluss manchmal etwas hemmten, gäben Stoff für ein weiteres Buch. Das Thema ist ein Zeitfenster in der Geschichte, die Fehler die die Staatengemeinschaft in Palästina machten, wirken sich noch heute in den Nahostkonflikten aus. Immer wieder drängten sich mir die Parallelen zu heute auf, auch jetzt haben wir Flüchtlingslager und kämpfen um Betten und Medikamente, während die Staaten konferieren und diskutieren und uneins bleiben.
    Ein Roman mit historischem Hintergrund, der leider eine ungeheure Aktualität bekommen hat und absolut lesenswert ist. Die am Schluss des Buches abgedruckten Fotos und Dokumente runden das Buch noch ab.