Mordkapelle: Kriminalroman (Wittekind, Band 4)

Buchseite und Rezensionen zu 'Mordkapelle: Kriminalroman (Wittekind, Band 4)' von Carla Berling
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4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Mordkapelle: Kriminalroman (Wittekind, Band 4)"

Broschiertes Buch
Ein malerischer Sommerabend auf dem Land. Als die Lokalreporterin Ira Wittekind zur brennenden Friedhofskapelle in Rehme gerufen wird, findet sie ein schauriges Szenario vor: In der Ruine steht ein Rollstuhl vor dem Altar, der Mann darin ist tot. Es handelt sich um den angesehenen Apotheker Ludwig Hahnwald, allen bekannt als der schöne Ludwig. Ira Wittekind beginnt zu recherchieren. Dabei stößt sie auf ein dichtes Geflecht aus Lügen, Intrigen und verratener Liebe. Und auf ein grauenhaftes Unrecht, das vor vielen Jahren begangen und nie gerächt wurde.

Format:Taschenbuch
Seiten:400
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453419964

Rezensionen zu "Mordkapelle: Kriminalroman (Wittekind, Band 4)"

  1. Der schöne Ludwig

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Mai 2017 

    Die Journalistin bei Tag 7 Ira Wittekind möchte auch einmal frei haben und so ist geplant, auf den Rehmer Markt zu gehen, eine kleine Kirmes im beschaulichen Bad Oeynhausen. Wie so oft kommt es jedoch anders. Die nahegelegene Friedhofskapelle am Mooskamp brennt und natürlich begibt sich Ira wie es der Beruf verlangt an den Ort des Geschehens. Was erst ein mysteriöser Brand zu sein scheint, entpuppt sich schnell als schlimmeres Verbrechen. In der Kapelle wird eine Leiche gefunden, die offensichtlich verbrannt ist. Hierbei soll es sich um den schon älteren und beliebten Apotheker Ludwig Hahnwald handeln. Für ihre Zeitung berichtet Ira Wittekind von den Ereignissen.

    Jeder Mensch hat eine Geschichte, nicht immer ist es eine schöne Geschichte, doch beginnt man nachzufragen, wird man häufig herausfinden, dass hinter einer vermeintlich normal unauffälligen Fassade doch mehr verborgen sein kann. Eine Reporterin, die nicht auf die Lösung eines Falles beschränkt ist, kann sich Zeit nehmen, einem Menschen nahe zu kommen. Und so macht sich Ira Wittekind auf, Ludwig Hahnwalds Geschichte zu entdecken. Allgemein beliebt war der ältere Herr, doch auch Schicksalsschläge musste er erleiden. So ist sein Sohn an einer Erkrankung verstorben und auch seine erste Ehefrau verstarb früh. Nun hinterlässt er eine Witwe, die um etliches jünger ist als er. Und je weiter Ira recherchiert, desto mehr Details aus dem Leben des Apothekers erfährt sie.

    In ihrem vierten Fall kommt die Journalistin Ira Wittekind einem ganz erstaunlichen Geschehen auf die Spur. Denn wer soll schon einen Grund haben, ein angesehenes Mitglied der Gemeinde vom Leben in den Tod zu befördern. Erst ruhig doch mit dem Fortschreiten der Ermittlungen immer spannender entwickelt sich die Recherche. Hinter der Fassade steckt mehr als man ahnt, das Leben des Apothekers war turbulenter und einige Charakterzüge werden ans Licht gefördert, die es durchaus erschweren den schönen Ludwig sympathisch zu finden. Umso sympathischer wirken dagegen die resolute Ira Wittekind und ihr Freund Andy. Und noch einige andere liebenswerte Charaktere sind in Iras Umgebung zu entdecken. Lediglich ein Nebenstrang lenkt etwas von der fesselnden Geschichte ab, was aber sicher beabsichtigt ist. Auch im schönen und beschaulichen Bad Oeynhausen ist man vor Verbrechen nicht gefeit. Mit feinem Lokalkolorit beschreibt die Autorin die Ereignisse und dies wird durch die wunderbare Lesung von Vera Teltz noch unterstrichen, ohne dabei zu übertreiben.

    Ein sehr gelungener Kriminalroman, mit dem die Lokalreporterin Ira Wittekind, die die Leser sofort für sich einnimmt, einem größeren Publikum vorgestellt wird.

    Sowie ersichtlich werden wird zumindest auch der erste Band der Reihe demnächst im Heyne-Verlag veröffentlicht, der zweite und dritte Band sind bei Graufisch Medien erschienen.

  1. Der schöne Ludwig brennt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 30. Apr 2017 

    Gleichzeitig ein Debütroman und ein vierter Band? Möglich gemacht wird das scheinbare Paradoxon von der einfachen Tatsache, dass Carla Berling. die ihre schriftstellerische Karriere als Lokalreporterin und Pressefotografin begann, die ersten drei Bände ihrer erfolgreichen Krimireihe in eigener Regie als Selfpublisherin herausgab.

    In "Sonntagstod", "Königstöchter" und "Tunnelspiel" ließ die Autorin eine starke Heldin mittleren Alters ermitteln: Ira Wittekind, mit der sie mehr gemeinsam hat also nur den Beruf, und der sie daher eine überzeugende Authentizität verleihen konnte. Vielleicht war es das, was die Aufmerksamkeit des Heyne-Verlags erregte? Jedenfalls trudelte im November 2014 eine Mail bei Carla Berling ein, die Interesse an einer Zusammenarbeit bekundete – und das Ergebnis steht nun unter dem Titel "Mordkapelle" in den Buchhandlungen.

    Ein Verlagsdebüt also, und dennoch eine Krimireihe, deren Hauptcharaktere schon eine gewisse Hintergrundgeschichte mitbringen. Das merkt man auch, denn sie wirken sehr lebendig und vielschichtig, mit all den familiären und freundschaftlichen Querverbindungen, die aus langer Bekanntschaft eben entstehen! Das Buch enthält eine kleine Übersicht der wichtigsten Personen, aber sie sind in meinen Augen ohnehin unverwechselbar genug, um als Leser nicht durcheinander zu kommen.

    Ira Wittekind ist schon in sofern eine eher ungewöhnliche Krimi-Heldin, dass sie Mitte fünfzig ist – und das ist wunderbar. Warum sollen es immer nur die Mittzwanzigerinnen sein, die Abenteuer erleben? Wenn ich sie in wenigen Worten beschreiben müsste, dann wären es wohl: 'hartnäckig', 'entschlossen', 'intelligent', 'integer'... Und 'Tunnelblick'. Denn sie kann sich ganz schön verbeißen in einen Fall, und manchmal sieht sie dann den Wald vor lauter Bäumen nicht! Manchmal konnte ich ihr Verhalten nicht hundertprozentig nachvollziehen, meist war ich aber ganz "bei ihr" und fand ihre Ermittlungsmethoden schlüssig und hochspannend.

    Das Buch ist ein klassischer Krimi im Stile eines "Whodunits". Nicht ausufernde Gewalt steht im Mittelpunkt, sondern das große Rätsel: Wer hat es getan? Und warum? Ira ermittelt, was der Polizei oft ein Dorn im Auge ist, und fördert dabei nach und nach einiges zu Tage: mehr als eine Person im Umfeld des ermordeten Apothekers Ludwig Hahnwald hat Dreck am Stecken und/oder ein mögliches Motiv. Außerdem stößt sie auf ein altes Geheimnis, das mehr als 40 Jahre nicht aufgedeckt wurde.

    Der Leser kann fleißig miträtseln, der Fall ist interessant konstruiert, es gibt zahlreiche Winkelzüge und versteckte Motive. Die Auflösung ereilt die Guten wie die Bösen überraschend, im Rückblick konnte ich mich aber an genug Hinweise erinnern, dass sie nicht aus heiterem Himmel kam.

    Ein wenig enttäuscht hat mich, dass Ira im Finale eine zwar dramatische, aber eher passive Rolle spielt! Statt aktiv das letzte Rätsel zu lösen, widerfährt ihr die Lösung eher, als dass sie sie triumphierend präsentiert. Gelegentlich fand ich auch etwas zweifelhaft, wie mühelos sie Verdächtige und Zeugen zum Reden bringt – und das zum Teil mit sehr offensichtlich strategischen Fragen.

    Die Spannung ist meist eher eine unterschwellige, statt vor Action nur so zu strotzen, aber sie hält sich durchweg auf hohem Niveau. Es sind nicht nur der Mordfall und das alte Geheimnis, die für Verwirrung sorgen: genauso brisant ist das plötzliche Auftauchen eines selbsternannten Enthüllungsjournalisten, der auf seiner Webseite mit geschmacklosen Schlagzeilen ganz tief im Dreck wühlt. Außerdem verfügt er über Informationen, die die Polizei noch gar nicht herausgegeben hat... Er war ein interessanter, zwiespältiger Charakter, allerdings erschien mir eine bestimmte Entwicklung gegen Ende ein wenig konstruiert.

    Der Schreibstil ist flüssig und locker; die Autorin lässt ein wenig Lokalkolorit und Humor einfließen, was der Krimi-Atmosphäre und der Ernsthaftigkeit des Falls aber keinen Abbruch tut.

    Fazit:
    In der ausgebrannten Friedhofskapelle wird ein Rollstuhl mit der verkohlten Leiche von Ludwig Hahnwald entdeckt. Der alte Apotheker war im Ort allseits bekannt und beliebt, aber als Lokalreporterin Ira Wittekind sich mit dem Leben des "schönen Ludwig" beschäftigt, stellt sie schnell fest, dass sich hinter der Fassade viel Unschönes verbirgt.

    Ein klassischer Krimi, in dem es mehr um Ermittlungsarbeit geht als um literweise Blut und Ekelfaktor! Das Buch hat mich – trotz kleinerer Kritikpunkte – mit glaubhaften Charakteren, falschen Fährten und einem angenehmen Schreibstil gut unterhalten.