Mörderkind: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Mörderkind: Kriminalroman' von Inge Löhnig
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4 von 5 (2 Bewertungen)

Sie liefen ihr nach und schrien: »Mörderkind, Mörderkind!«


Ihr Leben lang war sie für alle nur das Mörderkind. Fionas Kindheit war ein Alptraum. Und nun ist ihr Vater tot. Seine letzten Worte galten ihr: »Ich bin kein Mörder.« Widerstrebend macht sie sich auf die Suche nach der Wahrheit. Beginnt nachzuforschen, befragt ihre Familie. Und stößt auf ungeheuerliche Geheimnisse und eine Intrige, deren tödliches Gift bis heute wirkt …

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:464
EAN:9783548612263

Rezensionen zu "Mörderkind: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 04. Jul 2015 

    Darcy

    Von ihrem Vater will Fiona schon lange nichts mehr wissen. Er saß lange Jahre wegen eines Tötungsdelikts im Gefängnis, erst seit einem Jahr war er wieder draußen. Dennoch lässt Fiona die Nachricht vom Tod des Vaters nicht völlig kalt, das hätte sie gerne, aber es ist einfach nicht so. Als dann auch noch der Rettungssanitäter, der alles versuchte, das Leben des Vaters zu erhalten, mit einer Nachricht zu ihr kommt, ist Fiona zunächst wütend. Nichts will sie hören, schließlich hat der Vater sie mit der Tat im Stich gelassen als sie erst sieben Jahre alt war. Und ihre Mutter starb kurze Zeit später bei einem Unfall. Welches Kind kann solche Eltern schon gebrauchen.

    Fiona, die sich aus der Not geboren gegen alles und jeden wehrt, kann nicht verhindern, dass die letzten Worte, die der Vater an sie gerichtet hat, in ihr festbrennen. „Ich bin kein Mörder!“ Sie beginnt, Fragen zu stellen. Endlich will sie wissen, was damals wirklich passiert ist. Und der Rettungssanitäter, den sie Darcy nennt, steht ihr dabei zur Seite.

    Eine Geschichte über die Vergangenheit, die das Leben bestimmt. Sollte eine solche Vergangenheit das Leben bestimmen? Wahrscheinlich nicht, fraglich nur, ob man sich dagegen wehren kann. Nicht immer hat man dies selbst in der Hand. Die Umwelt begegnet einem und macht aus einem, was man wird. Sich dagegen zu stemmen, sich zu wehren, ist alles andere als leicht. Für Fiona fängt mit der Suche nach der Wahrheit auch die Aufarbeitung an, sie ist nicht schuld, sie wurde ungerecht behandelt, sie will sich freimachen. Doch erst muss sie herausfinden, was die Worte des Vaters bedeuteten. Hartnäckig forscht sie nach und bringt Wahrheiten ans Licht, die eigentlich kaum jemand wissen will. Auf ihrem Weg fesselt sie die Leser und zeigt immer neue Facetten einer komplizierten Persönlichkeit, die langsam zum Selbstbewusstsein und in sich Ruhen der Kindheit zurückfindet. Unterhaltsam und packend.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Jan 2015 

    Von Rache und Wut...

    Fiona ist eine junge Frau, die vor allem eines ist: wütend. Schnell aufbrausend, gibt sie diesem Impuls immer wieder schnell nach. Doch dies hat seinen guten Grund.

    "Sie war eine Kämpferin (...) Eine wütende Kämpferin. Wut war eindeutig das bessere Gefühl. Mit Wut im Bauch fühlte sie sich nicht so ausgeliefert. Wut gab ihr die Möglichkeit zu handeln. Heulen lähmte nur, machte aus ihr ein Opfer. Und das war das Letzte, was sie sein wollte." (S. 145)

    Und doch war Fiona von klein auf ein Opfer. Als sie sieben Jahre alt war, wurde ihr Vater Ben vor ihren Augen verhaftet. Mit ihrem Schulranzen prügelte sie auf die Polizisten ein, weil nicht sein konnte, was nicht sein durfte. Und doch wurde ihr Vater verurteilt. Wegen Mordes.
    Kurz darauf starb auch noch ihre Mutter, und Fiona wuchs fortan bei Onkel und Tante auf, als Tochter dessen, der Schande über die alteingesessene udn gutsituierte Münchner Familie gebracht hatte. Und so wurde auch der Schulbesuch zum Spießrutenlauf - 'Mörderkind', so war der Name, mit dem sie von ihren Mitschülern gerufen wurde.

    Ihre Wut bekam Fiona als Jugendliche nur in den Griff, wenn sie sich anderweitig auspowerte. Sport. Ritzen. Sex. Und auch als junge Frau ist der Wutpegel nach wie vor schnell hoch. Denn immer noch fühlt sie sich vor allem als eines: als das ungeliebte Kind eines Mörders.

    Als Ben nach seiner Entlassung vor einem Jahr vor ihrer Tür stand, knallte Fiona ihrem Vater auch prompt die Tür vor der Nase zu. Doch nun steht unvermittelt ein Rettungsassistent in ihrer Küche, um ihr mitzuteilen, dass ihr Vater verstorben ist. Und überbringt ihr seine letzten Worte:

    "Ich soll Ihnen sagen, dass er Sie immer geliebt hat, dass ihm leidtut, was geschehen ist, und dass er kein Mörder ist." (S. 26)

    Fiona reagiert gewohnt kratzbürstig und wirft den Rettungsassistenten aus der Wohnung, doch das Gedankenkarussell setzt sich in Gang. Und schließlich beginnt sie die Überlegung zuzulassen, was wäre, wenn die letzten Worte ihres Vaters keine Lüge wären...

    In dem neuesten Kriminalroman von Inge Löhnig steht nicht wie gewohnt Kommissar Tino Dühnfort im Mittelpunkt der Ermittlungen, sondern Fiona Jakoby, die allmählich beginnt, nach der Wahrheit zu forschen, nach dem, was vor 19 Jahren wirklich geschah. Dabei wechselt die Erzählung geschickt zwischen zwei Zeitebenen und erzählt so abwechselnd die Geschehnisse um die Nachforschungen im Jahre 2014 und die Ereignisse im Jahre 1995.
    Die Geschichte einer wirklich bösartigen Intrige kommt so zutage, einer Rachegeschichte, die drei Generationen einer Familie zerstört hat. Aber nicht nur die Opfer der Intrige werden hier beleuchtet, sondern auch die Person, die diese Rache verübt hat. So wird auch aufgezeigt, welch zerstörerische Folgen die Intrige auch für diese Figur im Laufe der 19 Jahre hatte.

    Phasenweise eher ein Psychodrama denn ein Kriminalroman, verläuft der Spannungsbogen meist wenig dramatisch, doch unterschwellig brodelt es immer. Sprachlich gewandt, liest sich der Roman gewohnt flüssig, und die Seiten fliegen oft nur so dahin.
    Eine ausgefeilte und schlüssige Geschichte um eine perfide Rache, glaubwürdige Charaktere und eine spannende Suche nach der Wahrheit machen diesen Roman zu einem Lesevergnügen. Empfehlenswert!

    © Parden