Miss Bensons Reise: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Miss Bensons Reise: Roman' von Rachel Joyce
4.8
4.8 von 5 (5 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Miss Bensons Reise: Roman"

Margery Benson hat einen großen Traum: den goldenen Käfer in Neukaledonien zu finden, den ihr Vater ihr einst in einem Naturkundebuch gezeigt hat. Doch dieser Traum ist über die Jahre hin genauso verdorrt wie Margery selbst. Bis an einem grauen Londoner Morgen mit einem Schlag alles anders wird. Kurz darauf findet sich Margery auf einem Dampfer nach Australien wieder, an ihrer Seite die junge Enid Pretty. Die plapperhafte Sexbombe ist nicht gerade das, was sich Margery als seriöse Begleitung auf ihrer Expedition vorgestellt hat. Doch auch Enid hat ein Geheimnis und hegt einen Traum. Zusammen begeben sich die beiden ungleichen Frauen in ein Abenteuer, das die kühnsten Erwartungen übertrifft. Eine hinreißende Geschichte über Freundschaft und Freiheit: Wie wir den Mut finden, an Träume zu glauben und einander zu helfen, sie zu verwirklichen.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:480
Verlag: FISCHER Krger
EAN:9783810522337

Rezensionen zu "Miss Bensons Reise: Roman"

  1. Wundervoll warmherziger Roman

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 29. Mär 2021 

    Mit ihrem neuesten Buch „Miss Bensons Reise“ ist der englischen Bestseller-Autorin Rachel Joyce erneut ein kurzweiliger, wundervoll warmherziger und berührender Roman mit viel Tiefgang gelungen.
    Es ist eine ungewöhnliche, sehr einfühlsam und humorvoll erzählte Geschichte über Anderssein, Zusammenhalt, Freundschaft und Freiheit, über Wagnisse, Sehnsüchte und den Mut seine Träume zu leben.
    In ihrer vergnüglichen und unterhaltsamen Geschichte nimmt uns die Autorin mit auf einen abenteuerlichen Roadtrip bis ans andere Ende der Welt und auf eine äußerst ereignisreiche Expedition zur Entdeckung eines geheimnisvollen goldenen Käfers auf Neukaledonien mitten im Pazifik.
    Angesiedelt ist die Handlung hauptsächlich in den 1950er Jahren. Mit ihrem charakteristischen Schreibstil, der sehr stimmungsvoll und feinfühlig ist und eine herrliche Leichtigkeit vermittelt, gelingt es der Autorin hervorragend, eine unnachahmliche und für ihre Bücher so typische Atmosphäre entstehen zu lassen und uns sehr schnell in ihren Bann zu ziehen. Es bereitet sehr viel Spaß die Protagonistinnen Margery und Enid auf ihrer spannenden Reise zu begleiten und mitzuerleben, wie die Erlebnisse die beiden so unterschiedlichen Frauen zusammenschweißen, das Beste aus ihnen herausholen und aus ihrer Zweckgemeinschaft allmählich eine wundervolle Freundschaft erwächst. Beide haben sehr nachvollziehbare Gründe, ihr bisheriges Leben in England hinter sich zu lassen, um ihren großen Traum zu verwirklichen.
    Die Geschichte lebt vor allem von den beiden skurrilen, aber äußerst liebenswerten Protagonistinnen Margery und Enid – zwei sehr außergewöhnliche Frauenfiguren, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Die Charakterisierung ihrer vielschichtigen Persönlichkeiten mit all ihren Geheimnissen, Ecken und Kanten ist äußerst gelungen, so dass man sich im Laufe der Handlung immer besser in das Innenleben der hineinversetzen und ihr Verhalten gut nachvollziehen kann. Mit der etwas schrulligen, unscheinbaren, alleinstehenden Margery Benson lernen wir ältliche, einsame Dame kennen, die schon so einige Entbehrungen und Schicksalsschläge hinter sich hat. Sie ist eine sehr liebenswerte und empathische Frau, die man schnell in sein Herz schließt. Sehr gut getroffen und facettenreich ausgearbeitet ist auch ihre dauerquasselnde, aufgetakelte Reisebegleiterin Enid. Sie wirkt anfangs zwar unsympathisch, oberflächlich und extrem nervtötend, doch je mehr man über ihre Vorgeschichte erfährt, ihre Widersprüche versteht und ihre Stärken erkennt, desto besser hat sie mir gefallen.
    Auch wenn die Geschichte lange Zeit recht vorhersehbar und nicht frei von klischeehaften Entwicklungen ist, versteht es Joyce, uns mit einigen Twists zu fesseln und zum Ende hin mit einem äußerst unerwarteten Finale völlig zu überraschen.

    FAZIT
    Eine berührende, humorvoll und einfühlsam erzählte Geschichte zum Schmunzeln und Innehalten, und ein wundervoll skurriler Roadtrip ans andere Ende der Welt!
    Ein unterhaltsames „Wohlfühlbuch“ mit sehr liebenswerten Charakteren und ein sehr vergnügliches Lesevergnügen!

  1. Emanzipation und Freundschaft

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 28. Feb 2021 

    Das Buch "Miss Bensons Reise" von Rachel Joyce ist eine absolut spannende und auch wunderbar unterhaltende und auch eine herrlich skurrile Reise zweier Frauen nach Neukaledonien auf der Suche nach dem Goldenen Käfer. Die Geschichte wirkt deutlich á la "Lebe deine Träume" und gleichzeitig ist dieses Buch auch eine Geschichte über eine Emanzipation und ebenfalls ist es eine Geschichte über die Kraft der Freundschaft.

    Das Buch bietet eine gewisse Beschreibung der Lebensverhältnisse der 50er Jahre in England und übt auch eine Kritik an dem Mief dieser Zeit. Ebenfalls beschreibt das Buch etwas das Leben auf Neukaledonien, einer melanesischen Insel im Pazifik und die Sicht der Europäer auf diese Insel und deren Bewohner. Und ebenso bietet das Buch viele Einblicke in das Leben und Treiben der Entomologen (Entomologie=Insektenkunde) und hier besonders einen Blick auf die Koleopterologie, der Lehre von den Käfern.

    Gleichzeitig wirkt die Geschichte auch irgendwie deutlich älter und ich fühlte mich öfters bei der Lektüre an die Abenteuerbücher aus meiner Kindheit erinnert und sehe plötzlich vor meinem geistigen Auge neben diesen Frauen einen Phileas Fogg und/oder einen Armand Lavarède auftauchen und/ die Kostümierung der Protagonisten ändert sich plötzlich ebenso ab. Die Reise der beiden Frauen empfand ich als ein richtig gut unterhaltendes Buch und nach den etwas schwereren Vorgängern als einen deutlichen und spürbaren Gegensatz, der mir richtig sehr gefallen hat und den ich definitiv empfehlen kann.

    "Miss Bensons Reise" ist irgendwie ein richtig niedliches Buch, es liest sich richtig schnell weg und Margery und besonders Enid wachsen einem beim Lesen ans Herz und nach dem Ende war ich etwas traurig. Denn diese beiden Figuren, die scheue und zurückgezogene Margery und die schillernde und laute Enid haben etwas. Ihre langsame Annäherung und den Gewinn, den beide daraus ziehen,. sind immens stimulierend. Beide Figuren gehen einem beim Lesen recht nahe. Die Gründe, die die beiden Frauen zu dem gemacht haben, was sie "heute" sind, berühren tief.

    Dieses Buch könnte vielleicht manch einem scheuen und vom Leben enttäuschten Menschen helfen und deshalb wünsche ich diesem Buch wirklich viele Leser. Der Bekanntheitsgrad der Autorin Rachel Joyce wird aber dazu sicher beitragen und einige wohlwollende Rezensionen werden sicher ebenso ihre Fans finden.

    Das Interview am Ende fand ich etwas gewöhnungsbedürftig. Ein gewisses phantastisches Element kommt hier zum Tragen. Ich bin mir noch nicht sicher, ob das für mich passend war. aber etwas Lächeln konnte ich allemal. Nun gut.

    Alles in allem hat mir dieses Buch sehr gefallen! Wer eine etwas spritzige Unterhaltung sucht, ist hier vollkommen richtig!

  1. Scheitern als Chance

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 25. Jan 2021 

    Wie schon in »Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry« begibt sich auch hier eine zunächst wenig heldenhafte Figur auf eine außergewöhnliche Reise, die ihr Leben verändert.
    Die etwas schrullige Hauswirtschaftslehrerin Margery Benson verbringt ihren Alltag mit dem Unterrichten von Schülerinnen, die sich nicht für ihr Fach und schon gar nicht für sie interessieren. Auch in ihrem Privatleben gibt es wenig Abwechslung und kaum soziale Kontakte. Als sich aber eines Tages die Schülerinnen über sie lustig machen, packt sie die Wut. Sie schmeißt alles hin und beschließt, ihren großen, schon fast vergessenen Traum zu verwirklichen. Ihr Vater hatte ihr, als sie klein war, in einem Naturkundebuch den goldenen Käfer gezeigt, den es nur in Neukaledonien geben soll. Diesen Käfer will Margery Benson nun finden und sie macht sich auf zu einer Expedition ans andere Ende der Welt, ohne jegliche Reise- oder Expeditionserfahrung. Als Reisebegleitung muss sie mit der aufreizenden und ständig plappernden Enid Pretty Vorlieb nehmen, da alle anderen Bewerber nicht in Frage kommen und Margery ja schließlich eine Assistentin braucht. Schon auf der Schiffreise nach Australien gehen die beiden sich gehörig auf die Nerven, streiten sich, versöhnen sich aber auch wieder. In Neukaledonien angekommen lernt die eine von der anderen und zwischen den beiden sehr ungleichen Frauen entwickelt sich eine wunderbare Freundschaft. Immer dann, wenn die andere den Mut verliert oder nicht mehr weiter weiß, ergreift die andere die Initiative und überrascht damit wohl nicht nur den Leser, sondern offenbar auch sich selbst.
    Auch wenn man oft genug schmunzeln und sogar herzhaft lachen kann, gibt es auch reichlich nachdenkliche oder traurige Momente in ,,Miss Bensons Reise.“ Am Ende packt einen das wunderbare Gefühl, dass man seine auf Eis gelegten Träume schleunigst hervorholen und in die Tat umsetzen sollte.

  1. Wenn Zweie eine Reise tun

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 08. Jan 2021 

    Mit fast 47 Jahren kommt sich Margery Benson, die zwei Weltkriege miterlebt hat, schon etwas alt vor. Seit zwanzig Jahren unterrichtet sie mehr schlecht als recht Kochen und Hauswirtschaft. Und wieder einmal spotten die Mädchen über ihre ältliche Lehrerin, Diesmal allerdings bringen sie das Fass zum Überlaufen. Margery flieht aus der Schule, nicht ohne ein paar Schuhe mitgehen zu lassen. Jetzt will sie ihren Traum leben und im Herbst 1950 schifft sie sich auf der Orion ein, die nach Brisbane fährt. Mit von der Partie ist Margerys neue Assistentin, die exaltierte Enid Pretty. Gemeinsam wollen sie den bisher nicht nachgewiesenen goldenen Käfer von Neukaledonien suchen.

    Auch wenn der zweite Weltkrieg seit fünf Jahren vorüber ist, sind seine Auswirkungen noch deutlich zu spüren. Die Männer sind gezeichnet und die Frauen kaum weniger. Es ist schon sehr ungewöhnlich, dass eine Frau, die schon beinahe eine alte Jungfer ist, auf die Idee kommt, zu einer Insel im Südpazifik zu reisen, um einen Käfer zu suchen. Ebenfalls ungewöhnlich ist auch ihre Reisebegleiterin. Enids laute und zupackende Art ist zunächst keine Empfehlung. Doch in Ermangelung anderer Möglichkeiten raufen die beiden Frauen sich zusammen und freunden sich schließlich an. Dabei muss besonders Margery über sich hinauswachsen, die mit Abenteuern wie auf Berge klettern oder Auto fahren nie gerechnet hatte.

    Zwei Frauen - eine Schicksalsgemeinschaft. Mit warmherzigen und humorvollen Worten schildert die Autorin die Erlebnisse von Margery und Enid. Manchmal sieht man aufgeschreckte Hühner oder Streithühnchen vor sich, häufig aber auch freundlich neugierige Wesen, die sich gegenseitig bestaunen. Tapfer und wacker behaupten sich die Reisegefährtinnen in einer fremden und manchmal befremdlichen Welt, ohne dabei gleich jedes Geheimnis preiszugeben. Und so reißen sie den Leser in den Strom ihrer Geschichte, um ihn durchgewirbelt wieder loszulassen. Vielleicht wird einem nicht jede Krümmung des Handlungsstroms gefallen, aber dennoch überzeugen diese beiden Erforscherinnen einer ihnen unbekannten Welt. Ihr Mut und ihr Enthusiasmus macht Freude. Nie aufgeben scheint die richtige Devise. Und der goldene Käfer? Tja, das muss der geneigte Leser selbst herausfinden.

  1. Liest sich von selbst

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Dez 2020 

    Mein erstes Buch von Rachel Joyce hat mir gezeigt, dass nicht jeder Hype unberechtigt ist und dass man durchaus mit Stereotypen arbeiten kann, wenn man es kann. Rachel Joyce ist eine Meisterin.

    Hier lernt man Margery Benson kennen, 47 Jahre alt, Lehrerin, groß, korpulent, unbeholfen, mit lilanem Kleid und vernünftigem Schuhwerk, eine alte Jungfer aus dem Bilderbuch, die aufgerüttelt wird und plötzlich mehr vom Leben will. Sie trifft auf Enid Pretty, die blondgefärbte Quasselstrippe mit Rechtschreibproblem und Pompon-Sandalen, das perfekte Gegenklischee.

    Und während man dazu ansetzt, mit den Augen zu rollen darf man dann lesen: „…ihre lackierten Nägel sahen aus wie Bonbons mit flüssigem Kern.“ oder „Sie trug ein Kleid mit vielen weißen Rüschen. Margery hatte den Eindruck, sich mit einer Hochzeitstorte zu unterhalten.“

    Das ist reizend und entzückend und so wunderbar selbstironisch, dass man diesem Buch einfach alles verzeiht, was man sonst als Plattitüde gebrandmarkt hätte.

    Man begleitet Margery und Enid auf ihrer abenteuerliche Reise nach Neukaledonien, wo es so hübsch chaotisch ist, dass man sofort hinfahren möchte.

    Dieses Buch liest sich von selbst. Ja, es ist vieles sehr überzogen, schwarz- weiß gemalt, absolut unrealistisch und trotzdem so wundervoll erzählt, dass ich mich weigere, dieses Buch mit Logik und Vernunft zu beurteilen.

    Es ist eigentlich ein abenteuerliches Märchen, das warmherzig von ein paar Einzelgängern erzählt, die mit Mut und Witz zu sich selbst finden, eine Ode an den Mut, Neues zu wagen und sein Glück zu suchen, auch wenn es unerreichbar zu sein scheint.

    Ich habe überlegt, ob ich einen Stern abziehe für ein bisschen zu viel dies und das, hier und da, aber ich tue es nicht! Nein. Fakt ist, mir hat schon lange kein Buch mehr so viel Spaß bereitet.