Millie geht zur Schule

Buchseite und Rezensionen zu 'Millie geht zur Schule' von Dagmar Chidolue
2
2 von 5 (1 Bewertungen)

140 Min.
Audio CD
Endlich: Millie darf zur Schule gehen! Wurde aber auch Zeit, schließlich kann sie sogar schon Zahlen lesen. Aber das Wichtigste für echte Schulkinder sind die Zahnlücken, sagt Mama! Mindestens eine muss man haben, wenn man in die Schule kommt. Gerade noch rechtzeitig hat Millie dann tatsächlich einen Zahn verloren! Klar, dass so am ersten Schultag gar nichts mehr schief gehen kann - bis auf die Sache mit der Schultüte ohne Süßigkeiten ...

Format:Audio CD
Seiten:0
Verlag: Igel Records
EAN:9783731311188

Rezensionen zu "Millie geht zur Schule"

  1. bewertet:
    2
    (2 von 5 *)
     - 29. Jun 2019 

    Für Schulanfänger nicht empfehlenswert!

    Endlich: Millie darf zur Schule gehen! Wurde aber auch Zeit, schließlich kann sie sogar schon Zahlen lesen. Ist ja auch pickepackeleicht: Die Dreien sehen nämlich aus wie Mäuseohren und die Zweien wie Eiernudeln! Aber das Wichtigste für echte Schulkinder sind die Zahnlücken, sagt Mama. Mindestens eine muss man haben, wenn man in die Schule kommt. Gerade noch rechtzeitig verliert Millie dann tatsächlich einen Zahn! Klar, dass so am ersten Schultag gar nichts mehr schiefgehen kann – bis auf die Sache mit der Schultüte ohne Süßigkeiten...

    Ich habe durchaus schon Bücher gelesen, die sich an Schulanfänger wenden oder an die Kinder, die es bald werden. Als solches würde ich dieses Buch auch verstehen, aber ich habe hier ehrlich gesagt so einige Male mit den Ohren geschlackert.

    Was würde ich von solch einem Buch erwarten? Einen Hauptcharakter im entsprechenden Alter, das Kind aufgeregt vor der Schule und dem, was auf es zukommen mag, die ersten Erlebnisse, Unsicherheiten, ein allmähliches Hineinkommen in die neuen Abläufe. Dabei würde ich erwarten, dass die Geschichten Mut machen, die Eltern unterstützend zur Seite stehen und das Kind allmählich reifer wird. Ich würde erwarten, dass der Spaß betont wird und dass Wert gelegt wird auf einen adäquaten und netten Umgang miteinander.

    Was aber bekommt man hier? Ja, mit Millie bekommt man ein sechsjähriges und durchaus aufgewecktes Mädchen, das gerne quatscht und sich darauf freut, mit einer Kindergartenfreundin bald in die Schule zu gehen. Ich fand es auch nicht schlimm, dass es Millie schwerfiel, bei der Begrüßungsrede der Direktorin still zu sitzen - allerdings hätte hier doch wohl eine Ermahnung ausreichen sollen, damit Millie versteht, dass sie sich nun ruhiger verhalten soll. Stattdessen quatscht sie ständig mit ihrer Freundin, lässt deren Schultüte platzen und grüßt ihre hinten sitzende Mutter laut quer durch die Halle.

    Ich fand es zwar etwas befremdlich, dass Millie sich - auch in anderen Situationen - zuweilen schwer tat, sich angemessen zu verhalten, aber gut, solche Kinder gibt es schließlich auch. Was ich dagegen richtig schlimm fand, war das oftmals nicht akzeptable Vokabular, das sich hier immer wieder findet. Millie will anderen Kindern in bestimmten Situationen eine reinhauen, fragt ihren Vater, ob er 'blöd' sei, schätzt die Lehrerin wegen ihrer Kuhaugen ('Muhmuh-Lehrerin'), sieht, wie ihr Vater fast auf die Schnauze fliegt, ist betrübt als ihre Mutter kotzen muss usw. Was bitte haben solche Begriffe in einem Kinderbuch zu suchen?

    Was ich auch schlimm fand, waren die Erlebnisse, die Millies erste Schultage prägten. Schon in der zweiten Woche verstellt ihr z.B. ein Viertklässler jeden Tag den Zugang durch die Schulpforte. Millie will nicht weinen, weil er sie einfach nicht durchlässt, sondern läuft statt dessen über die Straße in ihren alten Kindergarten und geht dementsprechend erst später in ihre Klasse. Die Lehrerin ist natürlich nicht begeistert, aber Millie erzählt ihr nicht was los war, erzählt auch den Eltern später nichts. Als sich das einige Tage lang wiederholt, ist die Lehererin entsprechend sauer, schreibt auch etwas ins 'Muttiheft' (was für ein Begriff!) und erwartet die Unterschrift der Eltern.

    Millie beschließt daraufhin - wieder einmal - zu lügen und behauptet am nächsten Tag, sie hätte schulfrei. Millie plant schon die nächsten Tage - einmal will sie die Schulzeit in ihrem alten Kindergarten absitzen und behaupten, sie hätte frei, einmal bei einer Nachbarin und dann erstmal Wochenende... Durch Zufall fällt das Lügengebäude in sich zusammen, und erst da erzählt Millie ihrer Mutter, was eigentlich los ist. Nachdem sich das Problem kapitellang zuspitzen konnte, wird es erst recht spät durch Millies Vater gelöst - viel zu beängstigend für Kinder in dem Alter.

    Was auch keinen Mut macht, ist die Tatsache, dass Millie durch ihr ständiges Zuspätkommen immer etwas von der Stunde verpasst und sie sich deshalb mit den Hausaufgaben schwer tut. Das Topflappenhäkeln (Erstklässler in der zweiten Woche, ist klar...) gelingt Millie auch irgendwie so gar nicht, und sie ist einfach nur frustriert. Erst als ihre Mutter irgendwann zufällig merkt was los ist und mit ihr übt, geht es plötzlich besser - aber auch da ist bis zur Lösung schon viel Zeit vergangen, und das ungute Gefühl für die Situation zieht sich durch. Überhaupt wird schon vor dem ersten Schultag von verschiedenen Erwachsenen betont, dass jetzt 'der Ernst des Lebens' beginne. Sollten Kinder nicht erst einmal mit freudiger Zuversicht in die Schule gehen?!

    Anna Carlsson liest den Text (2 Stunden und 17 Minuten) angenehm betont und kindgerecht. Eine freundliche Stimme zu einem durchaus nicht immer freundlichen und netten Buch...

    Für mich ist dieses Buch für Schulanfänger eindeutig nach hinten losgegangen. Weshalb es dazu auch viele positive Stimmen gibt, erklärt sich mir ehrlich gesagt nicht... Von mir gibt es hier definitiv keine Empfehlung!

    © Parden