Menschenfischer: Kriminalroman

Rezensionen zu "Menschenfischer: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 27. Apr 2016 

    Lichterkinder...

    Trotz der aufsehenerregenden Geschehnisse im vorherigen Band (Totenmaske) ist die Bestatterin Zoe Lenz in Birkheim geblieben, einem verschlafenen Dorf im Hunsrück, das vor etwa einem Jahr durch einen Dreifachmord plötzlich in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerissen worden war. Doch die inzwischen wieder eingekehrte Ruhe währt nicht lange. Im Wald werden bei Forstarbeiten die verwesenden Leichen von zwei Mädchen gefunden. Dank ihrer Kunstfertigkeit bei der Herstellung von Totenmasken wird Zoe zu dem Fall hinzugezogen, denn sie soll den Mädchen ihr Gesicht wiedergeben, damit es möglich wird, sie zu identifizieren. Doch obwohl rasch feststeht, dass die Mädchen ermordet wurden, scheint die Polizei kein allzu großes Interesse an der Auflösung des Falls an den Tag zu legen.

    Als die Leichen der beiden Mädchen aus dem Begräbnisinstitut von Zoe gestohlen werden, dazu auch noch ihre Praktikantin Alina spurlos verschwindet, erwacht erneut Zoes Ermittlerinstinkt. Ihr Freund Leon, der als Kriminalbeamter in Mainz arbeitet, hört ihr bei ihren Erkenntnissen und Theorien nur mit halbem Ohr zu, da er selbst in wichtigen Ermittlungen steckt. Doch Zoe wäre nicht Zoe, wenn sie das von ihren Nachforschungen abhalten würde...

    Ihr Vorhaben war unvernünftig, irrational und möglicherweise gefährlich, doch im Moment erschien ihr jede Aktion besser, als verschreckt den Kopf in den Sand zu stecken. Einen Plan gab es nicht. Dazu gab es keine Grundlage. Die gesamte Situation, in der sie sich befanden, entzog sich ohnehin jeglichem gesunden Menschenverstand (...) Aber Zoe musste sich nun einfach Klarheit verschaffen.

    Die Anknüpfung zum ersten Band sowie die Weiterführung und Vertiefung einzelner Handlungsstränge daraus ist Helene Henke in meinen Augen sehr gut gelungen. Zwar war ich zwischenzeitlich irritiert darüber, dass dem verwickelten Geschehen hier ein ähnliches Thema zugrunde liegt wie in dem vorherigen Band, doch beim Weiterlesen wurde deutlich weshalb - und im Grunde bekamen dadurch die Geschehnisse um den Dreifachmord im vergangenen Jahr noch einmal einen subtiler durchleuchteten Hintergrund. Wirklich geschickt konstruiert. Daraus ergibt sich aber schon zwangsläufig, dass die Bände unbedingt in der richtigen Reihenfolge gelesen werden sollten, da dies nicht nur zum besseren Verständnis beiträgt, sondern weil in 'Menschenfischer' auch viel von dem Fall davor die Rede ist (Spoiler).

    Fischer, Fischer, wie tief ist das Wasser? - Zehn Meter tief... - Wie kommen wir hinüber?

    Helene Henke entführt den Leser tief in den Hunsrücker Wald und damit in menschliche Abgründe, die so gar nicht zu der so heilen Welt dieser Gegend passen wollen. Dabei arbeitet sie mit der Vorstellungskraft des Lesers: oftmals formuliert sie die Schrecken nicht im Detail aus, sondern deutet sie nur an. Dies reicht allerdings auch aus, um Abscheu und Grauen vor den Perversionen hervorzurufen, denen der Leser hier begegnet.

    Es war schön, den bereits bekannten Charakteren wiederzubegegnen. Doch während in 'Totenmaske' noch die Personen und ihre Beziehungen zueinander im Vordergrund standen, ebenso wie einige detailliert beleuchtete Aspekte des Bestatterwesens, liegt in diesem Band der Fokus auf der Geschichte selbst. Die Mischung empfand ich insgesamt aber als gelungen.
    Das Verhalten der Charaktere, hier vor allem Zoe und Leon, war für mich nicht an jedem Punkt nachvollziehbar, was aber keinen Abzug in der Sympathienote gibt. Einzig die Alleingänge (jaja, ich weiß, alles im Sinne der Dramaturgie) nervten mich zuweilen.

    Alles in allem eine gelungene Fortsetzung der Reihe um die jüngste Bestatterin Deutschlands, und gerne lese ich weiter, wenn es eine neue Folge gibt. Ich freue mich auf ein Wiederlesen mit Zoe!

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 25. Feb 2015 

    Kleine Schwächen hat der Roman noch

    Zoe war mir schon durch den ersten Band "Totenmaske" sympathisch geworden und daher wollte ich natürlich auch wissen, wie es mit ihr weiter gehen würde. "Menschenfischer" hat mich an manchen Stellen dann aber nicht ganz so überzeugt, wie sein Vorgänger. Das lag vor allem an bestimmten Wendungen der Handlung und auch an bestimmten Figurenkonstellationen, die ich persönlich so nicht nachvollziehen konnte.
    Die Idee hinter dem Roman und auch die Verknüpfung mit dem Vorgänger, fand ich dagegen gelungen. Vor allem auch wie die Aspekte von Zoes Arbeit als Bestatterin sich ganz natürlich in die eigentliche Handlung gefügt haben. Das konnte mich überzeugen und ich habe gerade Zoes Arbeit sehr gerne verfolgt. Außerdem merkt man das die Autorin sich mit der Thematik von "Menschenfischer" eingehend auseinander gesetzt hat. Gerade hier gibt es einige Szenen die sehr heftig sind, aber gerade darüber erst die Tragweite sichtbar wird. Für mich persönlich war vor allem die Figur der Alina interessant und vielschichtig aufgebaut. Außerdem wurden bestimmte Aspekte die Zoes Mutter betreffen sehr gekonnt integriert, wodurch man nicht das Gefühl eines Bruches mit der Handlung des Vorgängers hatte.

    Im Grunde ging es meiner Meinung nach auch weniger um die Lösung des Falles, sondern eher darum, die Menschen die mit dem Fall zu tun haben und ihre Geschichte näher zu beleuchten. Denn erst durch die Verknüpfungen, die daraus entstehen konnte sich das Ganze so und nicht anders entwickeln. Dabei kommen zum Teil sehr tragische Dinge ans Licht und beim Lesen musste ich manchmal kurz schlucken. Auch deshalb weil klar ist, das die beschriebenen schrecklichen Taten auch in der Wirklichkeit passieren. Mit diesem Wissen im Hintergrund, lesen sich einige Stellen ganz anders.
    Zudem macht auch Zoe eine Entwicklung durch, die zum Teil an den Fall geknüpft ist. Leon bleibt irgendwie eher blass und ich kann mich auch an die Szenen mit ihm etwas weniger gut erinnern.
    Wer ständige atemlose Spannung erwartet, ist meiner Meinung nach eventuell auch nicht immer zufrieden. Ich finde aber das sich die Dynamik der Geschichte an ganz anderen Punkten auftut und man so trotzdem wissen möchte was passiert ist. Ich finde es ist eher eine subtile Spannung, die auch dadurch entsteht, das immer wieder interessante Informationen dazu kommen und man überlegt welche Wendung noch möglich wäre. Dabei steht eher die Suche im Vordergrund, aber auch eventuelle andere Opfer und nicht so sehr der Täter. Auch wenn er natürlich trotzdem eine Rolle spielt.

    Für mich ist "Menschenfischer" an bestimmten Punkten abgeschlossen, vor allem was den eigentlichen Fall betrifft. An anderen Stellen wurden aber neue Fragen aufgeworfen und trotz meiner Kritik, möchte ich gerne erfahren wie die Autorin diese Lösen wird. Ich würde also freuen, noch mehr über Zoe lesen zu können. Trotz mancher Dinge die mich nicht überzeugen konnten, ist sie persönlich mir als Figur ans Herz gewachsen. Außerdem freue ich auch über jeden Krimi der sich mit Bestattern beschäftigt, denn das ist einfach ein Lieblingsthema von mir.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 16. Feb 2015 

    Viel Spannung, ein wenig Fachwissen und ein interessanter Plot

    Inhalt:
    Zoe Lenz ist Deutschlands jüngste Bestatterin und zudem kann sie Totenmasken herstellen. Als in dem nahe gelegenen Wald zwei Mädchenleichen gefunden werden soll sie diese herstellen um die Identität zu klären. Mit dem Fund der Leichen verschwindet ihre Praktikantin Alina. Zoe ist in Sorge...

    Meine Meinung:
    Menschenfischer ist das zweite Buch von Helene Henke. Das erste und seine Ereignisse wird auch oft erwähnt, auch wenn ich denke das es für den Verlauf der Geschichte nur bedingt nötig ist. So sollte man vielleicht Totenmaske zuerst lesen, denn mir wurde zu viel aus Band 1 erzählt, als das ich diesen nun noch nachträglich lesen möchte. Ansonsten sind es aber eigenständige Geschichten, die zwar schon einen Zusammenhang haben, aber bei denen man Band 2 auch zuerst lesen kann.

    Dadurch das es in den ersten Seiten eher um schon Geschehenes sprich den Mordfall aus dem ersten buch ging fand ich es etwas fad. Es war ein kompletter Rückblick. Wohl um zu zeigen wie sehr Zoe die Geschichte noch belastet, oder eher die Folgen daraus. Erst etwa ab Seite 50 fängt es an wirklich interessant zu werden und die Ereignisse die für den jetzigen Fall wichtig sind beginnt. Von da an ist das Buch sehr fesselnd und interessant. Ich denke hin und wieder sollte man keinen zu empfindlichen Magen haben, wenn natürliche Sterbeprozesse doch recht genau beschrieben werden. Wirklich an Fahrt nimmt das Buch dann im letzten drittel auf. Da überschlagen sich die Ereignisse und man kann gar nicht mehr aufhören zu lesen.

    Die Figuren mögen denjenigen bekannt sein die den ersten Band kennen. Ich kenne ihn nicht und lernte jede Figur neu kennen. Hier war dann die Ausführlichkeit der Autorin ein Vorteil, denn ich habe gerade Zoe sehr gut kennen lernen können.
    Als jüngste Bestatterin Deutschlands ist sie immer unter Beobachtung, was sie aber nicht stört. Sie macht ihre Arbeit ruhig und Gewissenhaft und mit Gefühl. So gehen ihr Sachen Nahe, die andere eventuell kalt lassen würden. Dieses Gefühl macht Zoe für mich viel mehr aus, als die Tatsache das sie die jüngste Bestatterin ist, das ist Beiwerk, was ich selber unerheblich finde. Die Totenmasken macht sie als Entspannung und alleine die Vorstellung finde ich sehr interessant.
    Leon ist der Mann an ihrer Seite, oder auch nicht, schließlich wohnt er etwas weiter weg. Er liebt sie und will sie vor all den Gefahren seines Jobs schützen, sorgt aber auf der anderen Seite dafür das sie teil hat an der Identifizierung der Leichen. Ihre Meinungen über den Fall gehen auseinander und das trübt die Beziehung.
    Alina ist die Praktikantin von Zoe. In ihrem Alter macht sie die Arbeit gewissenhaft auch wenn die Leute drumherum sie nicht leiden können. Nach Ende der Geschichte denke ich mir warum das so ist, aber einen klaren Grund gibt es nicht. Alina ist teilweise etwas merkwürdig und sehr sprunghaft. Die Unzuverlässigkeit ist anstrengend für Zoe, doch nimmt diese sie immer wieder in Schutz.

    Mein Fazit: Jemand der den ersten Band kennt wird sich eventuell zu Beginn gelangweilt fühlen. Für mich hat sich der Vorgänger erledigt, weil ich das Gefühl habe zu viel zu kennen. Es geht aber um Menschenfischer und das Buch weist viel Spannung, ein bisschen Fachwissen und einen interessantem Plot auf.