Meine Schwester, die Serienmörderin: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Meine Schwester, die Serienmörderin: Roman' von Oyinkan Braithwaite
4.5
4.5 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Meine Schwester, die Serienmörderin: Roman"

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön -- und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen. Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist -- und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt. Dieser euphorisch gefeierte Roman ist so beiläufig feministisch wie abgründig, er ist "fiebrig heiß" (Paula Hawkins) und verdammt cool zugleich.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:240
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351050740

Rezensionen zu "Meine Schwester, die Serienmörderin: Roman"

  1. Familienbande...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 21. Jul 2020 

    Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön -- und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen. Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist -- und wen sie hier eigentlich vor wem beschützt.

    Der Einstieg in den Roman ist fulminant und humorvoll - der Leser springt mitten hinein in eine bluttriefende Szene, denn Ayoola, die jüngere Schwester der Familie, hat (mal wieder) einen Liebhaber umgebracht. Für das Aufräumen ist Korede zuständig, die ältere Schwester, die aufgrund ihrer Tätigkeit als Krankenschwester genau weiß, wie man sämtliche Spuren beseitigt - auch Blut.

    Diesem spritzigen Einstieg können die nachfolgenden und allesamt kurzen Kapitel nicht standhalten. Bedeutsam ruhiger gerät die Erzählung fortan, stets beschränkt auf die Perspektive von Korede. Durch Zeitsprünge und Ortswechsel erfährt der Leser allmählich etwas mehr über das Leben und die Vergangenheit der wohlhabenden Schwestern, die gemeinsam mit ihrer Mutter in einem großen Haus in Lagos, Nigeria, leben und von einem Dienstmädchen versorgt werden.

    Während Ayoola sich auf ihre Schönheit beschränkt und die Tage mit Mode, Sozialforen und Männerbekanntschaften verbringt, arbeitet Korede als Krankenschwester in einem Krankenhaus. Dort arbeitet auch der hübsche Arzt Tade, in den Korede heimlich verliebt ist. Doch bevor sich da etwas anbahnen könnte, trifft Tade auf Ayoola, und schon ist es um ihn geschehen. Eine unerträgliche Situation für Korede, die es nie schafft, aus dem Schatten ihres Mauerblümchendaseins herauszutreten.

    Freunde haben beide Mädchen nicht - der einzige, dem Korede etwas anvertraut, liegt in einem der Krankenzimmer seit Monaten im Koma. Immer wieder schüttet sie dem teilnahmslos Daliegenden ihr Herz aus, was jedoch nie jammernd oder mitleidheischend erscheint, sondern einfach ein Ventil für Korede darstellt, die sonst nicht weiß wohin mit ihren Gedanken und Gefühlen. Dumm nur, dass dieser Patient eines Tages ganz wider Erwarten aufwacht...

    »Ein Granatenbuch: scharf, explosiv, wahnsinnig komisch« steht im Klappentext - und nein, das trifft es für mich definitiv nicht. Ob es tatsächlich ein Thriller ist, sei auch einmal dahingestellt. Etwas Spannung entsteht dadurch, dass lange unklar ist, wie Korede mit den widrigen Faktoren umgeht, ob sie sich wie bisher immer für ihre Schwester Ayoola entscheidet oder ob sie sich endlich frei macht von den sie hemmenden Familienbanden. Ansonsten ließ die Spannung für mein Empfinden zu wünschen übrig.

    Ein wenig Gesellschaftskritik (Nigeria) sowie ein erfrischender feministischer Ansatz (durch die starken Frauenfiguren) blitzen hier durch, wobei ich gerne noch mehr über die Verhältnisse in Nigeria erfahren hätte als das wenige, das hier zwischen den Zeilen vermittelt wird (Macht der Männer, Korruption der Polizei). Auch die Charaktere bieten nicht die erhoffte Tiefe - über die Motive, die Ayoola zum ständigen Abmurksen ihrer Liebschaften bewegen, ist hier z.B. nichts zu erfahren. Selbst der Humor blitzt hier nur ab und zu durch, da hätte ich deutlich mehr erwartet.

    Das Ende dann - passte irgendwie, mir aber nicht... Mehr kann ich hier nicht verraten ohne Spoilergefahr, aber ich hätte mir einfach etwas anderes gewünscht.

    Alles in allem hielt der Roman nicht ganz, was ich mir von ihm aufgrund des derzeitigen Hypes versprochen hatte. Er ist erfrischend anders, war aber weniger spritzig, tiefgründig und humorvoll als ich erwartet habe.

    © Parden

  1. Scharfkantig

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 01. Mai 2020 

    Korede hat einen guten Job als Krankenschwester. Sie ist gebildet, intelligent, mit sehr wachem Verstand. Fleißig und akkurat. Ein bisschen verliebt ist sie in Tade, den attraktiven Arzt auf ihrer Station. Ihre geheimen Sorgen und Wünsche erzählt sie Muhtar, einem Patienten der im Wachkoma liegt. Koredes Leben könnte so einfach sein. Wenn da nicht ihre Schwester wäre, Ayoola. Die süße sexy Ayoola, die alle um den Finger wickelt. Und die Männer ermordet, die es gewagt haben mit ihr eine Beziehung einzugehen.
    Oyinkan Braithwaite ist ein neue, erfrischend andere Stimme im Krimigeschehen. Die nigerianische Autorin schreibt weit entfernt vom Mainstream und bei genauerem Hinsehen auch viel mehr als nur einen Kriminalroman. Nahezu beiläufig, emotional distanziert lässt sie Korede erzählen, von der männlichen Vorherrschaft, von patriarchalen Strukturen, von väterlicher Gewalt. Es ist nicht leicht in Nigeria für eine gebildete Frau in diesem maskulinem Universum zu bestehen. Und Korede erzählt von ihrer ungesunden Beziehung zu ihrer Schwester. Schon von Kindheit an war es Korede, die sich um Ayoola kümmern musste, die Verantwortung übernahm, hinter ihr aufräumte.
    „Ich bin immer auf ihrer Seite. Es ist nur so, dass…sie hat viele Seiten. Nicht alle davon sind so hübsch wie die, die du siehst.“, versucht Korede sich zu erklären. Doch je mehr sie versucht, vor Ayola zu warnen, umso weniger schenkt man(n) ihr Glauben, legt es ihr als Eifersucht oder Bösartigkeit aus. Es ist Koredes Geradlinigkeit, ihr schwarzer Humor, ihre scharfen Kanten, an denen man sich reibt. Scharfkantig ist sie, wie ein süßsaures Drop, an man sich die Zunge aufreißt und trotzdem mehr davon will.

  1. Zwei Schwestern in einem Boot

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Apr 2020 

    KURZREZENSION

    [zitat]Ayoola ruft mich mit diesen Worten herbei: Korede, ich habe ihn umgebracht.

    Ich hatte gehofft, diese Worte nie wieder zu hören.[/zitat]

    So beginnt dieser großartige Roman, der in einer gutbürgerlichen Familie in Lagos/Nigeria spielt. Ayoola und Korede sind Zwillingsschwestern. Ayoola ist wunderschön, die Männer liegen ihr reihenweise zu Füßen. Korede arbeitet als Krankenschwester im Krankenhaus und ist heimlich in den Arzt Tade verliebt.

    Ayoola scheint zu wahren Gefühlen nicht fähig. Die Schwestern eint eine schwere Kindheit unter der Regentschaft eines despotischen Vaters, der mittlerweile verstorben ist. Die Mutter steht stets auf der Seite der Schönen, so dass auch Korede dazu erzogen wurde, ihre Schwester zu beschützen.

    Ayoola entledigt sich ihrer Liebhaber mit einem tödlichen Messer. Anschließend ruft sie Korede, die bei der Beseitigung der Leiche hilft und die Blutspuren akribisch beseitigt. Sie sitzen also in einem Boot.

    Spannung kommt auf, alsder Arzt Tade Koredes Schwester zu sehen bekommt und sich - natürlich - in sie verliebt. Korede leidet jetzt doppelt: einerseits um ihre eigenen Hoffnungen, andererseits hat sie Angst um Tade...

    Das Buch ist in sehr kurze Kapitel eingeteilt und absolut fesselnd geschrieben, ohne unnötigen Schnickschnack. Das Ende wird zuweilen kritisiert. Ich fand es sehr glaubwürdig und passend.

    Ein Highlight dieses Jahres, das nicht umsonst für den Bookerpreis nominiert wurde. Ich hatte es von der Onleihe geliehen, werde es aber früher oder später in der attraktiven Blumenbar-Ausgabe besitzen müssen :D

    Unbedingt lesen!!!

  1. Mit schwarzem Humor punkten!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Apr 2020 

    Kurzmeinung: Funny.

    Mit ihrem Romandebüt „Meine Schwester, die Serienmörderin“ hat Oyinkan Braithwaite, eine nigerianisch-britische Autorin, gleich Erfolg. Im Jahr 2019 stand sie mit ihrem Roman auf der Shortlist des Women’s Prize for Fiction, war für den Booker Prize gelonglisted (übertrieben) und gewinnt den LA Times Award for Best Crime Thriller. Nun, wenn man eine solche Schwester hat wie Ayoola, dann muss man „es“ sich eben von der Seele schreiben (*grins*).

    Wir sind in Lagos und begleiten zwei Schwestern eines Stücks ihres Wegs. Korede, die ältere Schwester fühlt sich für ihre jüngere verantwortlich, die, wie der Titel es verspricht, eine Serienmörderin ist und für die wir nicht viel Sympathie aufbringen.

    Die Autorin lässt Korede in Icherzählung ihre Geschichte vorbringen, die so kurz ist, dass sie trotz des etwas monotonen Stils keineswegs an Spannung und Kurzweil verliert. Da die geneigte Leserin oft keine Klappentexte liest und sich lediglich von Cover, Titel, Verlag und Empfehlung leiten lässt, war sie vom Inhalt überrascht. Keineswegs erhalten wir einen echten Innenblick in das Seelenleben einer Mörderin, obwohl, wenn man genau hinschaut, zwischen den Zeilen durchaus etwas Ernst aufscheint und Aufschluss über die Motive gibt und vielleicht einen kleinen Zipfel Seele.

    Hauptsächlich aber lebt der Roman davon, dass die Leserschaft nicht weiß, wo die Reise hingehen wird. Es steht eine Entscheidung ins Haus. Ganz klar. Aber wie wird sie ausfallen? Das Schicksal der Serienmörderin liegt ganz in der Hand von Korede und dem Zufall.

    Mit dem kurzweiligen Roman „Meine Schwester, die Serienmörderin“ sind wir im Genre des Schwarzen Humors gelandet, ganz britisch eigentlich, und amüsieren uns köstlich. Den Humor der Autorin erlebt man nicht nur durch den Handlungsverlauf, er leuchtet auch in Sätzen wie diesem auf: „Wie ich herausgefunden habe, bekommt man eine Sache am besten aus dem Kopf, indem man sich staffelweise Fernsehserien anschaut.“ Solche Seitenhiebchen, nebenbei verteilt, auf den Alltag des modernen Menschen sind einfach nur ergötzlich.

    Der Ton ist frisch und das Ende hat den Roman nicht verdorben, wie die geneigte Leserin fürchtete. Das Ende ist anders als erhofft, anders als befürchtet und gibt dem Roman einen letzten kleinen Drall.

    Fazit: Sehr unterhaltsames Debüt. Macht Spaß. Very britisch.

    Kategorie: Schwarzer Humor. Kriminalroman
    Aufbauverlag, 2020