Mein Leben

Rezensionen zu "Mein Leben"

  1. Lesetipp

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 21. Nov 2019 

    Einerseits ist es spannend, einen Überblick über die Literatur und die Schriftsteller der Vor- und Nachkriegszeit zu bekommen und zu erfahren, wie leidenschaftlich sein Interesse an der Literatur und seine Liebe zur Musik war.
    Andererseits war es für mich, die in literarischen Dingen nicht so bewandert ist und nicht derart viele Autoren und Schriftsteller kennt, manchmal langatmig und langweilig, so detailliert über diese Personen oder deren Werke zu lesen.

    Das Kapitel über das Warschauer Getto ist sehr ergreifend und informativ.

    Interessant und amüsant finde ich auch seine hie und da eingestreuten Charakterisierungen von Schriftstellern.

    MRR schreibt m. E. sehr nüchtern-sachlich. Ich kann den Grund, meine ich, durchaus nachvollziehen. Wer derart Schlimmes erlebt hat (Warschauer Ghetto) und in dieser Zeit aufgewachsen ist (Zitat: „Man hatte mir einst in einem preußischen Gymnasium beigebracht, dass es sich zieme, dem Weibischen und Weichlichen, dem Elegischen mannhaft Widerstand zu leisten. Sollte aber das Weibische, das Sentimentale gar schon im Anzuge sein, dann habe man sich unbedingt und sofort auf die Pflicht zu besinnen“, Seite 507), muss Gefühle unter Verschluss halten. Trotzdem hätte mir ein bisschen mehr Emotionalität an der ein oder anderen Stelle besser gefallen.

    Man erfährt sehr wenig bis nichts über sein Privatleben. Ich hätte gerne mehr erfahren über seine Beziehungen zu seiner Frau und zu seinem Sohn. Diese Beziehungen, sein Familienleben, gehören doch zweifellos auch in ein Buch hinein, das sich „Mein Leben“ nennt!

    Das allerletzte, sehr kurze Kapitel versöhnt mich dann etwas. Da gestattet MRR dem Leser einen kurzen aber berührenden Blick auf seine Familie - die lesende Tosia und Portraits von von ihm verehrten Schriftstellern, sowie seinem Sohn und seiner Enkelin - und auf seine Beziehung zu Tosia.

    Dass er sein Werk mit einem Zitat beendet, das er seiner Beziehung zu Tosia widmet, ist ergreifend.

    Obwohl es Kritikpunkte gibt, kann ich das Buch unter’m Strich absolut empfehlen. Es ist informativ, es bereichert und streckenweise ist es auch berührend.