Mein bester letzter Sommer

Buchseite und Rezensionen zu 'Mein bester letzter Sommer' von Anne Freytag
4
4 von 5 (3 Bewertungen)

Wann du die große Liebe triffst, kannst du dir nicht aussuchen

Tessa hat immer gewartet – auf den perfekten Moment, den perfekten Jungen, den perfekten Kuss. Weil sie dachte, dass sie noch Zeit hat. Doch dann erfährt das 17-jährige Mädchen, dass es bald sterben muss. Tessa ist fassungslos, wütend, verzweifelt – bis sie Oskar trifft. Einen Jungen, der hinter ihre Fassade zu blicken vermag, der keine Angst vor ihrem Geheimnis hat, der ihr immer zur Seite steht. Er überrascht sie mit einem großartigen Plan. Und schafft es so, Tessa einen perfekten Sommer zu schenken. Einen Sommer, in dem Zeit keine Rolle spielt und Gefühle alles sind …


Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:368
Verlag: Heyne Verlag
EAN:9783453270121

Rezensionen zu "Mein bester letzter Sommer"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Sep 2017 

    Hat was von »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«.

    »Mein bester letzter Sommer« ist ein Roman, der meines Erachtens schon seit seiner Erscheinung so gehyped worden ist, wahrscheinlich ähnlich wie »Das Schicksal ist ein mieser Verräter«. Und genauso wie in John Greens Geschichte geht es hier um zwei Jugendliche, die nur begrenzt lange Zeit miteinander verbringen können. Einer von den zweien stirbt nämlich schon bald. In diesem Buch ist es Tessa. Und ich finde, das lässt die Protagonistin uns Leser auch ständig wissen: so oft und teilweise makaber, dass es mir persönlich zu viel war. Das ist der Grund, weshalb Tessa mir anfangs eher unsympathisch war: sie spricht mir zu häufig völlig emotionslos über ihren Tod, übers Sterben im Allgemeinen und macht schlechte Scherze darüber. Galgenhumor würde man das nennen. - Ist nicht ganz das, worauf ich stehe.

    Bis ca. Seite 100 hat man auch nicht gewusst, was eigentlich mit Tessa los ist. Dass irgendwas mit ihrem Herzen nicht stimmt und sie deswegen wohl bald das Zeitliche segnen wird, stand da, nichts aber von einer genauen Diagnose, unter der man sich mehr vorstellen hätte können. Erst dann hat man erfahren, dass ihr Herz seit ihrer Geburt "ein Loch" hat und ihre Lungenschlagader fehlt, aber den genauen Grund, warum sie denn gerade jetzt sterben soll/wird, hat man bis zum Schluss nicht herauslesen können.

    ~ Ich liebe alles an ihm, aber am meisten liebe ich, wie lebendig ich mit ihm bin. Und wie oft er mich vergessen lässt, dass ich es nicht mehr lange sein werde. ~
    (S. 271)

    Oskar, der perfekte Oskar

    Und dann, in der wahrlich ungünstigsten Zeit ihres Lebens, taucht plötzlich dieser Junge auf, Oskar.
    Allein dieses erste einander Erblicken und Ansehen wird schon so unwirklich magisch beschrieben, dass ich mir bereits da gedacht habe, dass die weiteren Situationen mit Oskar nur ähnlich kitschig ablaufen können. Großteils war dem dann auch so ...
    In Tessas Augen ist Oskar ein Gott, ein übermenschliches Wesen. Sie glorifiziert ihn vom Scheitel bis zur Sohle. Deshalb, und weil ihr ja auch bewusst ist, dass ihre Tage hier auf Erden gezählt sind, ist sie wahrscheinlich auch so nachdenklich, verkrampft und eifersüchtig. Auf diese Weise verkompliziert sie leider alles. Man fragt sich manchmal wirklich, warum Oskar sich das mit ihr "antut".

    Meine Rezension liest sich bisher wahrscheinlich eher wenig begeistert. Zur Verteidigung der Geschichte muss man aber auch betonen, dass »Mein bester letzter Sommer« als Jugendbuch ab 14 Jahren ausgewiesen ist und ich finde, genau so wirkt es auch: Ein bisschen zu romantisch und zu perfekt um wahr zu sein. Jugendliche, die verliebt sind (in Tessas Fall sogar zum ersten Mal!), haben eben manchmal diesen Blick auf den Stand der Dinge, denke ich. Ich glaube, das hat Anne Freytag ganz gut eingefangen.

    ~ Ich dachte, ich gehe als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube, ich habe es verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt. ~
    (S. 350)

    Aber außerdem enthält diese Geschichte eine wunderschöne Botschaft. Je mehr Zeit die beiden gemeinsam auf ihrem Roadtrip durch Italien verstreichen lassen (und es ist wirklich nicht viel Zeit), desto mehr kann man auch die Veränderung in Tessa beobachten. Ihr Tod naht und sie versteht immer mehr die Bedeutung des Lebens und versucht das auch in ihr noch vorhandenes Leben zu integrieren. Das fand ich wirklich schön: dass Tessa letztlich verstanden hat, worum es geht und sie das glücklich gemacht hat.
    Die letzten Seiten fand ich sehr berührend, sie haben mich schlussendlich doch noch mit der Geschichte versöhnt und mich etwas traurig zurückgelassen.

    Wer über meine Kritikpunkte hinwegsehen will und kann, sollte sich dieses Buch gönnen. Die letzten Seiten und die schöne Botschaft darin (Worum es im Leben wirklich geht!) sind die Lektüre auf jeden Fall wert.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 03. Dez 2016 

    Zeit ist das Kostbarste, was wir haben...

    Tessa ist eine hübsche, begabte Siebzehnjährige, der alles im Leben immer zuflog. Eine Einserschülerin in der Schule, eine talentierte Klavierschülerin, ein Stipendium in Oxford. Das Leben wäre perfekt - wenn Tessa nicht sterben müsste. Vor einigen Wochen hat sie erfahren, dass es keine Aussicht auf Heilung mehr gibt, und seither verkriecht sich Tessa in ihr Zimmer, wenn sie nicht gerade wieder zu einer Untersuchung muss.

    "Ich habe immer gewartet - wie es sich jezt herausstellt zu lange. Auf die Liebe, auf das Leben (...) Ich wollte den perfekten Augenblick, und vielleicht ist es an der Zeit einzusehen, dass ich ihn verpasst habe (...) Mein gesamtes Leben bestand aus dem ersten Gang, weil ich irgendwie dachte, dass ich für den zweiten noch genug Zeit habe."

    Auf dem Weg zum Arzt begegnen Tessas Blicke in der Bahn eines Tages denen eines Jungen in ihrem Alter. Das Mächen fühlt sich unglaublich hingezogen zu dem Fremden, doch es ist voll in der Bahn, und ihnen bleiben nur ihre Blicke und ihr Lächeln, die sie nicht mehr voneinander lösen können - bis Tessa aussteigen muss. Wieder etwas, das der Siebzehnjährigen nicht vergönnt zu sein scheint. Aber dann steht eben dieser Junge einige Tage darauf plötzlich vor ihr, unerwartet, für beide ein Schock - und doch ist da gleich wieder die Faszination füreinander, das Hingezogensein zueinander, das Versinken in den Augen des anderen.

    "Das Leben wird nicht definiert von den Momenten, in denen du atmest, sondern von denen, die dir den Atem rauben."

    Oskar heißt der Junge aus der Bahn, der Tessa immer wieder aufs Neue den Atem raubt - und sie ihm. Doch darf eine Liebe unter diesen Vorzeichen sein? Eine Liebe, die keine Zukunft hat? Oskar kämpft um diese Liebe, und auch als er erfährt, dass ihm und Tessa nur noch einige Wochen bleiben, bleibt er bei ihr. Er kann ihr nicht mehr Zeit schenken, aber Momente, die alles bedeuten können. Oskar geht mit Tessa auf eine Reise - ihre letzte in ihrem letzten Sommer. Ihre Eltern lassen sie schließlich gehen, denn es ist ihr Leben, und davon bleibt nicht mehr viel. Italien heißt das Ziel der Reise, und Oskar und Tessa leben dort ihren Traum.

    "Noch vor ein paar Wochen habe ich nur an die Zeit gedacht, die ich nicht bekommen werde. An die vielen Jahre, die ich verdient hätte, und an all die Träume, die sich nie erfüllen werden. Ich habe immer noch zu wenig Zeit, aber ich bin froh, ihr noch eine Bedeutung geben zu können. Ich bin froh, dass es noch nicht zu spät ist. Was auch passiert, morgen beginnt ein neues Leben. Ein neuer Abschnitt. Und es wird mein letzter sein."

    Eine Liebesgeschichte ohne Happy End? Geht das überhaupt? Ja, das geht, wie Anne Freytag hier beweist. All die Gefühle einer jungen Liebe sind da, vielleicht noch intensiver als bei anderen Paaren, die von einer Begrenztheit der Zeit nichts ahnen. Die Neugierde aufeinander, die Gefühlsexplosionen, die Unsicherheit, das Entdecken des anderen - all dies liegt da zwischen den beiden Buchdeckeln. Die Bedeutung des Augenblicks jedoch ist hier eine andere, eine intensivere als in anderen Liebesgeschichten.

    "Wir alle haben zwei Leben. Das zweite beginnt, wenn wir realisieren, dass wir nur eines haben."

    Erzählt wird größtenteils aus der Perspektive Tessas, im letzten Drittel jedoch immer wieder auch aus der von Oskar. Dieser Schachzug hat mir gut gefallen, denn natürlich ist Tessa diejenige, deren Lebenserwartung begrenzt ist - aber die Menschen, die sie lieben, sind ebenso von dem vernichtenden Urteil der Ärzte betroffen. Welch eine nahezu unmenschliche Aufgabe Oskar da übernommen hat, mit Tessa zu verreisen und ihre Liebe zu leben, bis der Tod dem ein Ende setzt, wird deutlich in den Abschnitten, die einen Einblick in Oskars Gefühlswelt gewähren. Sehr berührend, ebenso wie Tessas Erzählung.

    "Wir schweben in einer Seifenblase, von der wir genau wissen, dass sie schon sehr bald platzen wird. Aber noch ist sie da. Noch umgibt sie uns wie eine schützende Haut. Im Hier und Jetzt bin ich glücklich. Unbschreiblich glücklich. Und ich kann nicht aufhören zu lächeln."

    Tessa wirkte auf mich nicht auf Anhieb sympathisch, und auch wenn ich ihr Schicksal bedauerlich fand, gab es für mich persönlich in der ersten Hälfte des Buches doch ein Zuviel an Wut und Selbstmitleid, auch wenn mir klar ist, dass diese Empfindungen bei der Aussicht, nur noch einige Wochen zu leben, nachvollziehbar sind. Die Entwicklung, die Oskar und sie im Verlaufe ihres Roadtrips durchliefen, hat mir dagegen sehr gut gefallen - und wieder einmal aufgezeigt, dass auch oder vielleicht gerade bei einer zeitlich begrenzten Lebensdauer das JA zum Leben großartig ausfallen kann.

    "Ich dachte, ich gehe als unbeschriebenes Blatt, aber das werde ich nicht. Oskar hat Spuren hinterlassen. Seine Gefühle in meinem Herzen, seine Stimme in meinem Kopf und seine Hände auf meiner Haut. Ich glaube, ich habe es verstanden. Liebe ist genug. Und ich wurde geliebt."

    Die Lieder, die die beiden auf ihrer Reise durch Italien gehört haben, gibt es als Playlist am Ende des Buches noch einmal zusammengestellt - und manche davon habe ich mir auch angehört, was für mich eine schöne Ergänzung beim Lesen war, da die Songs die jeweiligen Stimmungslagen sehr gut widerspiegelten.

    Eine süßtraurige Liebesgeschichte, ein ganz besonderer Roadtrip, ein Jugendbuch, das Lächeln und Tränen einen gleichwertigen Platz einräumt. Mich hat das Buch berührt.

    © Parden

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 11. Apr 2016 

    Eine Achterbahn der Gefühle

    Inhalt:
    Tessa ist 17 Jahre alt und hatte viele Pläne. Studieren in Oxford, einen Jungen kennen lernen und Heiraten, vielleicht irgendwann mal Kinder. Doch dann erfährt sie das sie sterben muss und ist nur noch wütend. Ausgerechnet dann trifft sie Oskar. Der Junge, der Eine, der die Liebe ihres Lebens sein könnte. Der Junge der ihr zeigt was Leben ist auch wenn man sterben muss....

    Meine Meinung:
    Ich weiß gar nicht was an diesen Geschichten so toll ist in denen es um den Tod geht. Doch ich lese sie gerne und da bin ich auch nicht die Einzige.

    Mein bester letzter Sommer erzählt vom Tod, doch viel wichtiger ist in diesem Buch das Leben. Die Autorin setzt sich gut mit der Tatsache auseinander das man im Moment leben soll. Nichts aufschieben, das Leben genießen. Und auch das es nicht nur von Vorteil ist, wenn man weiß das man bald stirbt. Dieses Buch ist ein sehr Lebensbejahendes Buch und kann viel beibringen.

    Der Schreibstil ist leicht und flüssig. Ich bin durch die Geschichte geflogen und habe viele verschiedene Gefühle durchlebt. Es ist auf jeden Fall ein Buch zu dem man sich Taschentücher besorgen sollte, denn es gibt mehr wie eine wirklich herzzerreißende Szene die mir sehr Nahe ging.
    Das Buch ist für Jugendliche und kann doch auch Erwachsenen noch einiges zeigen.

    Die Figuren sind nicht so zahlreich.
    Die Hauptfigur ist Tessa. Sie erzählt den überwiegenden Teil der Geschichte aus ihrer Sicht und man hat nie das Gefühl, das diese unrealistisch ist. Man erlebt mit ihr eine Achterbahn der Gefühle. Die Wut auf das Leben und ihre Eltern, Enttäuschung, Liebe und Trauer. Sie wandelt regelmäßig von zu Tode betrübt zu Himmelhochjauchzend. Das kann man ihr auch gar nicht verdenken. Sie macht eine recht positive Entwicklung durch im Laufe der Geschichte.
    Oskar ist derjenige der bei Tessa positive Gefühle auslöst. Er nimmt sie wie sie ist, ist verliebt und kommt erst gegen Ende zu Wort. Da erfährt man dann auch mehr von seinen Gefühlen. Diese Wechsel am Ende ist sehr schön, weil es einem die Figuren noch näher bringt.
    Es gibt noch Nebenfiguren, wie die Eltern und auch die Schwester von Tessa. Die in Teilen wichtig sind, aber mehr zu Beginn als zum Ende hin.

    Am Ende hatte ich viele Lesestunden in denen ich gefesselt war von Tessas Geschichte und eine Achterbahn der Gefühle erleben durfte.