Max, Mischa und die Tet-Offensive

Buchseite und Rezensionen zu 'Max, Mischa und die Tet-Offensive' von Johan Harstad
4.5
4.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Max, Mischa und die Tet-Offensive"

Gebundenes Buch
Max Hansen wächst in Norwegen auf. Genauer: im Stavanger der 80er Jahre, wo die Väter für Monate auf Ölplattformen verschwinden, während die Kinder im Märchenwald Vietnamkrieg spielen. Ein Idyll - bis Max' Familie in die USA emigriert.
Während der Vater nun von Long Island aus um die ganze Welt fliegt und so selten zu Hause ist, dass die Ehe der Eltern daran zu zerbrechen droht, rücken Max und seine ebenso einsame Mutter näher zusammen. Bis Mordecai kommt, der zunächst Max' bester Freund und später ein bekannter Schauspieler wird. Er macht ihn auch mit Mischa bekannt, einer sieben Jahre älteren bildenden Künstlerin. Max und Mischa verlieben sich ineinander. Sie ist es auch, die Max anstiftet, sich auf die Suche nach seinem geheimnisvollen Onkel zu machen, einem Vietnam-Kriegsveteranen, mit dem sein Vater vor langer Zeit gebrochen hat. Sie finden ihn im Apthorp-Building in Manhattan und ziehen schon bald bei ihm ein. Die unkonventionelle WG, in der man einander mit Großmut und Verständnis begegnet, wird zum Epizentrum des Lebens von Max, Mischa, Mordecai und Onkel Owen. Für einen Moment scheint es, als hätte Max ein Zuhause gefunden...
"Max, Mischa und die Tet-Offensive" ist ein weltumspannender Roman darüber, dass Heimat vor allem in uns ist und Familie eine Frage der Interpretation. Vor allem aber erzählt Johan Harstad eine Geschichte über Haltung, Aufrichtigkeit, Freundschaft und Mädchen, die der Schauspielerin Shelley Duvall ähneln - und wie sehr man sie lieben kann.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1248
EAN:9783498030339

Rezensionen zu "Max, Mischa und die Tet-Offensive"

  1. 500 Seiten mehr als veröffentlicht

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 04. Aug 2020 

    Was ein Mammutbuch - und das bezieht sich nicht nur auf die Seitenzahl. Es ist fast unmöglich, diesem Buch in einer Rezension auch nur annähernd gerecht zu werden. Daher werde ich einen etwas anderen Zugang versuchen:

    Letzten Oktober hatte ich das Vergnügen, Johan Harstad selber in "meiner" Buchhandlung zu erleben und konnte nun das, was er damals über das Buch sagte, selber nachvollziehen. Es ist vor allem ein Roman über Verlust - der Verlust von Heimat, Zuhause, Liebe, Beziehungen, Job, Famile, Freundschaften, Gesundheit, Leben, Lebenslust, Bezugspunkte... Und es gibt keine Person in dem Roman, die nicht etwas verliert. Und das überzeugt am meisten an dem Buch. Alle Personen wirken echt, alles könnte genau so passiert sein und immer wieder wird ein (Lebens)gefühl beschrieben, bei dem jemand sagen wird: Das kenne ich, da finde ich mich wieder! Die Tet-Offensive spielt zwar auch inhaltlich eine Rolle, es gibt aber auch einen starken formalen Bezug: Erzählt ist der Roman wie die Tet-Offensive ablief, es werden Dutzende von Geschichten gleichzeitig erzählt.

    Johan Harstad hat außerdem gesagt, dass alle Personen in seinem Buch einsam
    sind (das bestätigt sich beim Lesen) - ihm das aber selbst während des Schreibens nicht aufgefallen sei. Und dann kam der Lacher des Abends: "Mein" Buchhändler fragte den Autor, warum es ihm denn z.B. wichtig war zu erzählen, dass eine Flasche Bier geklaut wurde. Antwort (mit leichter Entrüstung): Alles in dem Roman ist wichtig! Johann Harstad hat über 500 Seiten gekürzt, was dann noch übrig blieb, muss wichtig sein!

    Die Bilder Mischas, die der Autor so intenstiv beschreibt, sind übrigens eine reine Erfindung von ihm. Erst Jahre nach Erscheinen des Romans hat ein Maler die Beschreibungen in echte Bilder umgesetzt (in der deutschen Ausgabe sieht man einige der "Ausstellungsplakate" innen im Einband).

    Das Buch mag manchem zu lange, zu detailliert vorkommen. Unabhängig, dass Johan Harstad selber dem widersprechen würde, gewinnt das Buch gerade dadurch, alle Details dienen der Geschichte. Es gelingt nicht vielen Autoren, episch so breit zu erzählen ohne zu langweilen, Johan Harstad kann das!

  1. Ein Kunstwerk

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 14. Jul 2020 

    Himmel, was ein Wälzer denkt man, wenn man dieses Buch sieht, wenn man es liest und wenn man es beendet. Es ist eindrucksvoll in jeder Hinsicht, es ist aber auch wirklich umfangreich.

    Johan Harstad hat hier ein Kunstwerk erschaffen. In einer Sprache, die einen vor Ehrfurcht erschauern lässt, originell, geistreich, humorvoll, erzählt er eigentlich die Liebesgeschichte von Max und Mischa. Gleichzeitig spannt er einen Bogen von den 60er Jahren bis heute und zeichnet ein Portrait des Lebens in Amerika. Der Vietnamkrieg wirft Schatten bis in die Gegenwart. Max Onkel Owen hat sich damals freiwillig gemeldet und nicht über Konsequenzen nachgedacht.

    Und dann geht es noch um Kunst und Künstler. Max ist Regisseur, Mischa Malerin, Owen Musiker. Es ist nicht leicht, damit sein Leben zu bestreiten. Will man das überhaupt? Gäbe es nicht einfachere Methoden, sein Geld zu verdienen? Beruf oder Berufung, was treibt Künstler um?

    Auf geniale Art und Weise blickt der Autor in unterschiedlichste Künstlerseelen und lässt uns teilhaben. Man kann tatsächlich in diese Gedankenwelt eintauchen und wenn man das Buch letztendlich durchstanden hat, dann empfindet man eine Art Verlust. Man hat geraume Zeit in einer Parallelwelt gelebt, die man jetzt verlässt.

    So etwas ist selten und zeichnet grandiose Bücher aus. Dieses Buch ist ohne Frage grandios, allerdings ist es auch wirklich, wirklich lang. Bisweilen darf man hier einem seitenlangen Metapherncontest beiwohnen, was natürlich beeindruckend und auch witzig ist, auf Dauer aber auch anstrengend. Mit nervtötender Konsequenz liefert der Autor den Background eines Kellners, Fahrstuhlführers oder Taxifahrers, nur weil er es kann und weil er es darf in diesem wirklich fetten Ausnahmebuch. Eine Spur Gnade mit dem Leser wäre bei aller Genialität doch wünschenswert gewesen.

    Ich habe länger darüber nachgedacht, ob man so einem Buch einen Stern für Weitschweifigkeit abziehen sollte. In diesem Fall ist es vielleicht wirklich angebracht.