Mauersegler (detebe)

Rezensionen zu "Mauersegler (detebe)"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Mai 2019 

    Herrlich skurril trotz ernster Fragestellung

    "Residenz - als ob das Alter eine Form von Adel mit sich brächte." (S. 22)

    Da schenkt mir meine Schwester zum 40. Geburtstag ein Buch und ich lasse es fast vier Jahre vor sich hin vegetieren. Unglaublich, oder? Darf ich mich trotzdem weiterhin Nerd nennen? Wenn ich mir die Menge an Büchern angucke, die ich seitdem gelesen habe, so muss ich mir diese Frage selber eindeutig mit "Ja" beantworten ha ha ha.

    Aber vielleicht verzeiht mir Christoph Poschenrieder, wenn er wüsste, dass ich "Mauersegler" an etwa einem Tag gelesen habe :-)

    In besagtem Roman gründen fünf in die Jahre gekommene Herren, die sich schon seit Kindertagen kennen (ein Jurist, ein Lebensmitteltechniker, ein Computernerd, ein Schauspielintendant sowie der Ich-Erzähler, der als Journalist gearbeitet hat) eine sehr spezielle WG. Sie wollen im wahrsten Sinne des Wortes zusammen alt werden und selbstbestimmt sterben. Helfen soll ihnen dabei ein von dem Computernerd Ernst entwickeltes Programm namens "Todesengel".

    Nach einiger Suche finden die fünf Freunde schließlich eine Villa am See.

    "Ich habe in vielen Häusern an vielen Orten gelebt. Das ist jetzt das letzte, [...]. Das letzte vor dem Holzhäuschen, in dem man die Arme nicht ausstrecken kann." (S. 37)

    So leben sie mit allen Annehmlichkeiten, aber auch mit den Schwierigkeiten des Alters, bis - ja, bis der "Todesengel" ins Spiel kommt.

    Die Frage des selbstbestimmten Sterbens sprich aktiver Sterbehilfe ist ja in den letzten Jahren immer mal wieder aufgekommen und diskutiert worden, aber europaweit konnte man sich nicht auf einen einheitlichen Konsens einigen.

    Den Großteil des skurril-witzigen Romans nehmen jedoch Erzählungen über das Älterwerden im Allgemeinen, die Schwierigkeiten des Zusammenlebens von fünf unterschiedlichen Individuen sowie philosophische Gedanken ein:

    "Das ganze Denken ist doch nichts als eine unübersichtliche Installation fallender Dominosteine. Aber wer stößt den ersten Stein um? Und was kommt nach dem letzten?" (S. 180)

    Christoph Poschenrieder hat mit "Mauersegler" (der selbstverständlich im Roman auch mehrere kleinere Auftritte hat) einen herrlich augenzwinkernden Roman mit durchaus ernster Fragestellung geschrieben und ich habe ständig lachen müssen. Verdiente 5*