Marie und Pierre Curie: Leben in Extremen

Rezensionen zu "Marie und Pierre Curie: Leben in Extremen"

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    (5 von 5 *)
     - 15. Nov 2018 

    Leben in Extremen

    Worum es geht
    Im Mai 1894 lernt der französische Physiker Pierre Curie die polnische Studentin Maria Sklodowska kennen und heiratet sie ein Jahr später.
    Im Rahmen ihrer Doktorarbeit beginnt Marie Curie 1897 mit der Erforschung der kurz zuvor entdeckten Radioaktivität. In einem höchst unzureichenden Labor leistet sie Pionierarbeit, und erhält dafür im Jahr 1903 gemeinsam mit ihrem Mann und Henri Becquerel den Nobelpreis für Physik.
    Als Pierre Curie 1906 bei einem Verkehrsunfall in Paris ums Leben kommt, setzt Marie ihre Arbeit trotz großer gesundheitlicher Probleme unbeirrt fort, und kümmert sich allein um ihre Töchter Irene und Eve. 1911 bekommt sie zum zweiten Mal den Nobelpreis zugesprochen, diesmal für Chemie.
    Großes leistet sie auch während des 1. Weltkrieges, als sie mobile Röntgenstationen für den Fronteinsatz entwickelt, und Hilfskräfte für deren Bedienung ausbildet. Marie Curie ist mit ihrer älteren Tochter aber auch selbst im Einsatz. Die beiden Frauen nehmen viele Strapazen auf sich und erleben die Grausamkeit des Krieges hautnah.
    Marie Curie ist als geniale Wissenschaftlerin längst weltweit anerkannt, als sie 1934 im Alter von 67 Jahren an perniziöser Anämie stirbt.

    Die Autorin
    Brigitte Röthlein, geboren 1949 in Neuburg a. d. Donau, ist Diplomphysikerin und promovierte Sozialwissenschaftlerin. Sie war Redakteurin beim P.M.-Magazin und Chefredakteurin von "Damals". Heute lebt sie als freie Wissenschaftsautorin für Print, Fernsehen und Rundfunk in München. Sie hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, darunter "Schrödingers Katze - Einführung in die Quantenphysik".

    Wie es mir gefallen hat
    Der Name Marie Curie ist für mich seit eh und je mit einer genialen Wissenschaftlerin und Forscherin verbunden. Die Autorin hat mir in dieser beeindruckenden Biografie aber auch ihren früh verstorbenen Ehemann näher gebracht. Sie würdigt die Arbeit Pierre Curies in eigenen Kapiteln und zeigt auf, welche Leistungen die Brüder Curie vor allem auf dem Gebiet der Piezoelektrizität erbrachten. Pierre Curie war seiner Zeit auf seinen Forschungsgebieten bereits weit voraus, als er sich gemeinsam mit seiner Frau völlig dem Phänomen der Radioaktivität verschrieb.
    Brigitte Röthlein beschreibt den schwierigen Beginn ihrer Forschungsarbeiten sehr eindrucksvoll. Die Strahlenbelastung im Labor muss unvorstellbar hoch gewesen sein, wobei mich der sorglose Umgang immer wieder erstaunt. Sicher wusste man nichts Genaues über die Gefährlichkeit der Strahlung, aber Pierre Curie hatte in Selbstversuchen bereits Hautschädigungen festgestellt, während Marie stets über eitrige und entzündete Fingerkuppen klagte. Aber auch andere Forscher hielten nichts von Vorsichtsmaßnahmen, und trugen Phiolen mit radioaktiven Proben in ihren Jackentaschen mit sich herum.
    Für mich grenzt es nahezu an ein Wunder, dass dem Ehepaar Curie zwei gesunde Töchter geboren wurden. Die jüngere Eve, die zeitlebens kaum mit Radioaktivität in Berührung kam, wurde sogar 102 Jahre alt.
    Brigitte Röthlein berichtet in ihrer bemerkenswerten Doppelbiografie sehr detailliert und kenntnisreich vom Privatleben der Curies, ihren finanziellen Problemen, ihrer Scheu vor der Öffentlichkeit und der Presse, denen sie sich mit zunehmender Bekanntheit stellen mussten. Von der belastenden Affaire, die Marie Curie einige Jahre nach dem Tod ihres Mannes mit dem verheirateten Physiker Paul Langevin einging, hatte ich noch gar nichts gehört. Dass die geniale Forscherin dafür nur negative Schlagzeilen erntete, lässt sich aus dem Zeitgeist heraus ja noch verstehen. Sehr befremdlich fand ich hingegen, dass sie allein aufgrund ihres Geschlechts in einer von Männern dominierten Welt auch auf ihrem Fachgebiet etliche Nachteile in Kauf nehmen musste. So wurde der zweifachen Nobelpreisträgerin z. B. die Aufnahme in die französische Akademie der Wissenschaften verwehrt.
    Brigitte Röthlein ist es hoch anzurechnen, dass sie ihren Lesern die große Wissenschaftlerin nahebringt, ohne interessierte Laien mit Fachwissen zu überfordern. Es sind weder physikalische noch chemische Kenntnisse nötig, um Marie Curies unglaubliche Leistungen würdigen zu können.
    Sehr beeindruckend fand ich Madame Curies Einsatz während des 1. Weltkrieges, da sie weder Mühen noch Gefahren scheute, um den Verwundeten mit ihrem mobilen Röntgengerät Hilfe zu leisten. Besonders empfindlich dürfte die Forscherin ohnehin nicht gewesen sein, hatte sie doch ein Leben lang mit schweren gesundheitlichen Problemen zu kämpfen, ohne sich davon wesentlich beeindrucken zu lassen.
    Der im Buch integrierte Bildteil hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Auf den Jugendfotos hätte ich Marie Curie überhaupt nicht erkannt, und das pummelige junge Mädchen nie mit der älteren, tragisch wirkenden Erscheinung der späteren Jahre in Verbindung gebracht.
    Mir hat diese, bereits im Jahre 2008 veröffentlichte Biografie sehr gut gefallen. Die Autorin vermittelt in einer klaren, leicht verständlichen Sprache einen interessanten Einblick in das Leben und die Arbeit des außergewöhnlichen Forscherehepaares. Jeder naturwissenschaftlich interessierte Leser wird sicher sehr beeindruckt sein von diesem "Leben in Extremen".

    © Sylli