Madame Piaf und das Lied der Liebe

Rezensionen zu "Madame Piaf und das Lied der Liebe"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 15. Jun 2019 

    Ein Leben voller Leidenschaft

    Inhalt & Handlung:
    Die Geschichte startet mit der Entdeckung 1937 Edith Piafs durch den Songwriter Raymond Asso in Paris und beschreibt ihren Aufstieg aus schwierigen Verhältnissen zur „Grande Dame der Musik“. Es kommt zum Zusammentreffen mit dem jungen und unbekannten Chansonnier Ivo Livi, dessen musikalische Fähigkeiten sie anfangs mit Skepsis gegenübersteht. Trotz aller Vorbehalte nimmt sie ihn musikalisch unter ihre Fittiche und baut ihn als Sänger auf, so wird aus Ivo Livi schließlich der gefeierte Yves Montand. Aus der musikalischen Zusammenarbeit wird schon bald mehr und so erhält diese Erzählung noch zusätzliche Impulse durch die Liebe, die sich zwischen den beiden entwickelt. So wird eine Liebesgeschichte erzählt, die sich in die Nachkriegsjahre erstreckt, und in denen Edith Piaf zusätzlich der Kollaboration bezichtigt wird, welche Auftrittsverbote nach sich zieht.

    Schreibstil:
    Michelle Marly verwendet in diesem Buch eine sehr schöne, fast schon bildhafte Sprache, der einzigartigen Stimme von Edith Piaf und ihrer unverwechselbaren Musik wird hier auch literarisch Tribut gezollt. Beim Lesen erkennt man, wie gut Marly die Figur der Piaf recherchiert hat, sie zeichnet ein sehr authentisches und kompaktes Bild dieser Ausnahmekünstlerin.

    Charaktere:
    Die Figur der schillernden Künstlerin wird durch dieses Buch um einige Facetten reicher. Auf der einen Seite, die so zierliche, fast schon zerbrechliche Künstlerin, die von ihrer Alkoholsucht gezeichnet ist, auf der anderen Seite – geprägt durch viele Entbehrungen in ihrer Kindheit und als Heranwachsende – Ihre ständige Suche nach Lob und Anerkennung. Man erkennt den verletzlichen, manchmal sogar sehr unglücklichen, aber immer warmherzigen und leidenschaftlichen Menschen hinter der glamourösen Schale eines exzentrischen Weltstars, der die Menschen, die ihm nahe stehen, unterstützt und für diese alles zu geben bereit ist.

    Cover:
    Ein wunderschönes Cover, das die Nachkriegszeit auch optisch hervorragend einfängt aber auch symbolhaft Piafs ständige Suche nach Glück und Anerkennung darstellt und ihre Einsamkeit inmitten der Weltstadt Paris.

    Autorin:
    Hinter dem Pseudonym „Michelle Marly“ steckt die deutsche Bestseller-Autorin Micaela Jary. Als Tochter des Komponisten Michael Jary wuchs sie in Paris auf, das Künstlerische war ihr quasi in die Wiege gelegt, durch ihn entdeckt sie auch ihre Liebe zu französischen Chansons. Heute lebt Michelle Marly mit ihrem Mann in Berlin und München.

    Meinung:
    Ging ich zu Lesebeginn von einer Biographie der großartigen und doch so zerbrechlichen Frau aus, so zeigte es sich schon nach kurzer Zeit, dass es sich hierbei eher um eine Mischung aus Biographie und Roman handelte. Man bekam einen Eindruck davon, welchen immensen Teil die Musik im Leben der Piaf spielte – man konnte die ständige musikalische Rivalität zwischen Edith Piaf und Yves Montand nahezu spüren. Aber genauso wie das Herz der Piaf für die Musik schlug, war sie auch ihr ganzes Leben lang auf der Suche nach Lob und Anerkennung und vor allem nach Liebe.

    Persönliche Kritikpunkte:
    Was mich beim Lesen ein wenig irritierte, war die Vielzahl von Personen, man musste sich zum Teil sehr konzentrieren, um die einzelnen Figuren auseinanderhalten zu können. Die Erzählung selbst beinhaltete zum Teil einige Längen, wodurch das Lesen ein wenig ins Stocken geriet. Ein wenig mehr Spannung hätte der Geschichte gut getan

    Fazit:
    Keine vollständige Biographie der großartigen Künstlerin, man bekommt allerdings trotz des verhältnismäßig kurzen Abschnittes ihres Lebens, der hier geschildert wird, einen guten Eindruck ihrer starken Persönlichkeit und blickt ein wenig hinter die Fassade dieses begabten Weltstars.

  1. 4
    (4 von 5 *)
     - 24. Mär 2019 

    Er für mich, ich für ihn, ein Leben lang – la vie en rose.

    „La vie en rose“, „Milord“, „Non, je ne regrette rien“ – um nur die Bekanntesten zu nennen: Wer kennt sie nicht, die „Hits“ dieser kleinen, großen französischen Chansonnette?
    In ihrer 448-seitigen Romanbiographie „Madame Piaf und das Lied der Liebe“, im März 2019 als Aufbau-Taschenbuch erschienen, nimmt Michelle Marly das Leben dieses französischen Weltstars unter die Lupe. Im Zentrum des Romans stehen die Jahre 1944 bis 1947.
    Nachdem Paris von der deutschen Besatzung befreit wurde, beginnen die „Aufräumarbeiten“. Und auch Édith Piaf gerät im Zuge dessen unter den Verdacht der Kollaboration mit den deutschen Besatzern. Während das Damoklesschwert eines Auftrittsverbots über ihr hängt, lernt sie den jungen Yves Montand kennen und lieben. In den ersten Nachkriegsjahren nimmt sie ihn unter ihre Fittiche und protegiert ihn. Zeitgleich reift in ihr die Idee zu einem Chanson, das bis heute ganz Frankreich fasziniert: La vie en rose.
    Der Roman ist aufgeteilt in einen Prolog, der das Jahr 1937 schildert, gefolgt von drei Teilen, in denen Édiths Zeit mit Yves Montand im Zentrum steht – bis es einem Auseinanderleben kommt. Der erzählende Teil des Romans schließt endlich mit dem Beginn des Siegeszuges von „La vie en rose“. In einem Nachwort erfahren interessierte Leser/innen Wissenswertes über das Leben von Édith Piaf und Yves Montand sowie die Arbeit der Autorin.
    Authentisch und keineswegs beschönigend schildert Marly sowohl das von Versorgungsengpässen gebeutelte Frankreich des letztens Kriegsjahres und der beginnenden Nachkriegszeit als auch das Leben des französischen Künstlerkreises in dieser Zeit, der versucht, sich jenseits der allgemeinen Armut ein neues Leben aufzubauen. Ein wenig schlecht kommt meines Erachtens hier Édith Piaf weg, die eher versucht, den Unwegsamkeiten des Lebens aus dem Wege zu gehen, statt sich ihnen zu stellen: Ihr Leben bildet sozusagen einen Mikrokosmos im großes Weltgeschehen. Immer wiederkehrende, kursiv gedruckte Rückblenden bieten einen Einblick in Piafs Leben jenseits des hier erzählten Zeitraums.
    Auch die anderen Charaktere sind zwar genau beschrieben, bleiben jedoch etwas farblos, was ich ein wenig schade finde. Édith Piaf dominiert eindeutig das Geschehen, von Yves Montand indes hätte ich mir mehr „Präsenz“ erhofft, spielt er doch eher eine passive Rolle.
    Marlys Sprache ist leicht und schnörkellos, sodass sich das Buch flott lesen lässt. Stellenweise werde Orte und Personen recht ausführlich geschildert, dennoch ist es der Autorin leider nicht gelungen, mich vollends in den Bann zu ziehen und in die vergangene Zeit eintauchen zu lassen: Mir persönlich fehlt es einfach zu sehr an „Tiefe“. Zudem wäre es mir lieb gewesen, ein bisschen mehr über das Verhältnis von Fiktion zur Realität zu erfahren. Hier bleibt alles zu schwammig. Für Leserinnen und Leser, die einfach nur eine schöne Liebesgeschichte lesen wollen, dürfte dieses allerdings kein Defizit darstellen.
    Cover und Layout des Buches reihen sich sehr gut ein in die Buchserie „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“, innerhalb der auch dieser Roman erschienen ist. Das Cover lässt die Vierzigerjahre wieder aufleben, Zitate der Piaf im Inneren und eine großzügige Aufteilung lassen das Buch zu einem harmonischen Ganzen werden.
    Ich selber habe „Madame Piaf und das Lied der Liebe“ in einem Zug durchgelesen und auch einiges Wissenswerte über die Piaf und Yves Montand, mit denen ich mich vorher noch nie detaillierter beschäftigt habe, erfahren, jedoch ist es Michelle Marly, wie oben schon erwähnt, leider nicht gelungen, mich vollkommen in die Welt der beiden zu entführen. Aufgrund der soliden schriftstellerischen Arbeit und guten Lesbarkeit des Buches gibt es von mir dreieinhalb von fünf Sternen.