Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs

Rezensionen zu "Madame le Commissaire und der Tod des Polizeichefs"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 05. Jun 2017 

    Sturz in den Tod

    Das ist der dritte Band aus der Isabelle Bonnet Serie. Ich habe noch keinen der früheren Bände gelesen, habe das auch überhaupt nicht als Manko empfunden. Das Buch ist völlig unabhängig von den Vorgängern zu lesen.
    Isabelle, die hochdekorierte Polizistin aus Paris, die sich nach einem diffizilen und gefährlichen Auftrag als einfache Kommissarin in ihre Heimatstadt in der Provence versetzen ließ, nimmt langsam Abstand und finde allmählich zum ruhigen Lebensgefühl zurück. Sie überprüft alte ungelöste Kriminalfälle, manche bringt sie sogar zur Aufklärung. Allerdings gibt es da immer wieder Spezialaufträge aus Paris. So soll sie den Selbstmord des Polizeichefs prüfen. Sie macht sich natürlich keine Freunde unter den Polizeikollegen mit ihren Fragen und ihren besonderen Befugnissen. Gut, dass ihr etwas konfuser, aber blitzgescheiter Assistent Apollinaire zu ihr steht.
    Isabelle findet den Selbstmord viel zu glatt und diverse Winzigkeiten, die niemand beachtet, ergeben im Zusammenhang ein ganz anderes Bild. Dass Isabelle damit nicht nur dem Nachfolger auf die Füße tritt, versteht sich von selbst. Südfrankreich ist schon längst in Kartelle aufgeteilt, die Russen für das Sexgeschäft, die korsischen Banden für die Drogen.
    Der Krimi ist wirklich spannend, der Handlungsort Provence passt ausgezeichnet und gibt einen stimmungsvollen Hintergrund ab in der genau richtigen Dosierung. Isabelle als Ermittlerin ist eine faszinierende Person, charmant und gutaussehend, aber auch hart und zielgerichtet. Ihr Privatleben ist noch etwas chaotisch, ist immer eine unterhaltende Nebenhandlung, nimmt aber nicht zu viel Raum ein. Die Krimihandlung bleibt immer im Vordergrund. Obwohl ich schon bald einen Verdacht hatte, der sich letztendlich auch bestätigte, hat die Spannung nie nachgelassen. Dafür gibt es einfach zu viele geschickte Wendungen und Haken. Das ist ausgesprochen flüssig und unterhaltsam erzählt, die Cote d’ Azur mit ihren Nobelorten wird genau so lebendig, wie die provenzalische Kleinstadt, mit dem etwas verschlafenen Charme. Ein idealer Urlaubskrimi, der Lust auf weitere Bände macht.

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Sep 2016 

    Geheime Mission

    Madame le Commissaire Isabelle Bonnet könnte ihr Leben auf ihrem ruhigen Posten in Fragolin eigentlich genießen. Meist soll sie versuchen ältere Fälle aufzuklären, um Täter doch noch ihrer Strafe zuzuführen. Doch nun hat sich der Polizeichef Bastien offensichtlich selbst getötet. Er hatte gerade eine Krebsdiagnose bekommen und wollte sich von der Krankheit nicht besiegen lassen. Wie immer, wenn ein hochrangiger Beamter umkommt, ist eine Untersuchung der Umstände durchzuführen. Isabelle Bonnet rechnet nicht mit besonderen Ergebnissen, alles scheint schlüssig und ihre Abneigung gegen Bastien beruhte auf Gegenseitigkeit. Ihren Auftrag nimmt sie allerdings ernst und bei ihren Befragungen stößt sie erstaunlicherweise auf Ungereimtheiten.

    Eine Stelle, die für die Kommissarin eingerichtet wurde, nachdem sie bei einem Einsatz fast umgekommen wäre. Ein ruhiges Plätzchen in Südfrankreich, bestes Wetter, ein Dienstplan, den sie sich selbst schreibt, was kann sich Bonnet mehr wünschen. Auch wenn die traumatischen Ereignisse zwar an Bedeutung verloren haben, aber immer noch nicht völlig überwunden sind, der Spürsinn Isabelle Bonnets ist ungebrochen. Hat sie einmal eine Fährte aufgenommen, lässt sie nicht mehr locker. Kleinste Hinweise und auch das Bild im Ganzen dreht und wendet sie in Gedanken und so findet sie die kleinen Fehler, die beinahe im allgemeinen Gewimmel der Arbeit unterzugehen drohen. Hat Bastien, der doch sehr lebensbejahend war, sich tatsächlich umgebracht? Und bei dem wieder aufgerollten Überfall auf ein Juweliergeschäft, warum ist die Beute nie aufgetaucht. Gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Apollinaire begibt sich Isabelle Bonnet auf die Suche nach der Wahrheit.

    In ruhigen Worten beschreibt Pierre Martin das Leben und Arbeiten von Madame le Commissaire. Gut kann man sich ihre Wanderungen und Fahrten durch ihr Einsatzgebiet vorstellen. Blauer Himmel, Sonnenschein, ein Croissant, ein Kaffee, wer wünschte sich nicht, so arbeiten zu dürfen. Liest man allerdings von den Verletzungen, die Isabelle Bonnet im Dienst erlitten hat, hält sich der Neid doch sehr in Grenzen. Wenn sie vielleicht auch einiges ihrer Fähigkeiten eingebüßt hat, ihre Pfiffigkeit und Gewitztheit hat sie nicht verloren. Trotz der eher ruhigen Art des Erzählens gelingt es dem Autor, seine Leser zu fesseln und sie mit zwei klugen Handlungssträngen auf Trab zu halten. Man hat Zeit genug, sich über den Verlauf der Ermittlungen Gedanken zu machen und rätselt gerne mit, nur um schließlich doch überrascht zu werden. Madame le Commissaire überzeugt mit ihrer sympathischen und authentischen Art.