Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte: Roman' von Michael Hugentobler
3
3 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte: Roman"

Das fabelhafte Debüt von Michael Hugentobler


Als Hans Roth wurde er 1849 in einem Bergdorf geboren, als Louis de Montesanto – Weltreisender, Bestsellerautor und Hochstapler – stirbt er 1921 in London. 13-jährig flieht er in die Welt: Mit einer Schauspielerin wohnte er in Paris, in London wurde er zum Butler, mit einem Gouverneur schiffte er sich nach Perth ein. Er verliebte sich bei den Aborigines, jagte Warane, heiratete in Sydney und zog mit einem Wanderzirkus durchs Land. Zurück in London dichtete er seinem erstaunlichen Leben noch so einiges hinzu. Michael Hugentobler erzählt das Leben eines wagemutigen Exzentrikers, der stets darauf bedacht war, frei und unabhängig zu bleiben in der großen weiten Welt. Eine Entdeckung, ein Lesevergnügen!

Format:Kindle Edition
Seiten:192
EAN:

Rezensionen zu "Louis oder Der Ritt auf der Schildkröte: Roman"

  1. Münchhausen lässt grüßen

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 05. Apr 2018 

    Wer sich auf dieses Buch unvorbereitet einlässt, könnte aufgrund von Titel und Cover auf die Idee kommen, es mit einem leichten, unterhaltsamen Abenteuerroman zu tun zu haben. Das greift aber viel zu kurz. „Louis“ fordert seinen Leser heraus, sowohl den Handlungsplot zu verfolgen, der nicht chronologisch, sondern in kurzen, unzusammenhängenden Sequenzen aus dem Leben des Protagonisten erzählt wird, als auch oft zwischen Wahrheit und Fiktion zu unterscheiden.

    Der Einstieg ist sehr gut gelungen: Louis de Montesanto, Entdecker und Weltenbummler seines Zeichens, steht vor großem Publikum, um über seine Erlebnisse bei den wilden Aborigines in Australien zu berichten. Da wird auf einmal gerufen: „Sie heißen gar nicht Louis de Montesanto. Ihr Name ist Hans Roth…“. Der Redner flieht, Gelächter überall. Der Protagonist – etwa ein Hochstapler?

    Tatsächlich wurde Hans Roth 1849 in einem Schweizer Bergdorf geboren. Sein Vater war ein Säufer, der früh verstarb, die Mutter eine kalte Frau, die ihren Sohn von Beginn an wegen Äußerlichkeiten ablehnte und ihn im Alter von nur 13 Jahren endgültig verließ. Hans hatte eine harte Kindheit. Von den anderen Dorfbewohnern verspottet, will er früh sein Glück in der Fremde suchen. Er bleibt einige Monate beim Pfarrer, schlägt sich dann als Gelegenheitsarbeiter durch. Er kommt nach Paris, London, Fremantle, Perth. Dabei trifft er immer wieder auf Personen, die sich seiner annehmen und ihn auch in seiner Entwicklung weiterbringen.

    In Paris kommt er mit einer Schauspielerin zusammen, unter deren Einfluss er seinen Namen in Louis de Montesanto ändert. Später lernt er den Weltenbummler Bob Fraser kennen, der von seinen Erlebnissen berichtet und damit unseren Protagonisten mächtig beeindruckt: „Ist das denn wahr?“, fragte Louis.
    „Alles ist wahr, solange es angemessen ist.“, antwortete Fraser.

    Louis lebt seinen Traum von der weiten Welt. Eher zufällig „entdeckt“ er einen Eingeborenenstamm im Australischen Busch. Dort bleibt er über Jahre, lebt mit einer Frau zusammen und bekommt eine Tochter. Doch auch sie wird er wieder verlassen. Über diese Jahre wird er später ein Buch veröffentlichen und großes Publikum anziehen. Aus irgendeinem Grund kann er aber nicht sesshaft werden. Er kann auch keine dauerhaften Beziehungen eingehen oder sich verlieben. Louis ist ein schwieriger, unsteter Charakter, der Tiere quält und Menschen enttäuscht.

    Dadurch wird er dem Leser zu keinem Zeitpunkt sympathisch. Dazu trägt auch der Schreibstil bei: Hugentobler berichtet in kurzen, prägnanten Sätzen, immer von außen, man kann Louis oder seine Handlungen einfach nicht verstehen.
    Das Konzept dieses Buches ist zweifellos außergewöhnlich, man muss sich den Inhalt zusammenpuzzeln. Interessant auf alle Fälle das Leben und die Abenteuer in der Australischen Wildnis.

    Ich persönlich hatte meine Schwierigkeiten, die gelesenen Passagen zu verorten und zusammenzuknüpfen. Erst in der zweiten Buchhälfte wurden die Zusammenhänge deutlicher. Dadurch empfand ich die Lektüre dann weniger anstrengend, der Protagonist blieb mir aber seltsam fremd.
    Am Ende schließt sich der Kreis. Aus den anfänglichen Sequenzen des Romans ergibt sich eine ganze Geschichte. Der Autor spielt mit Wahrheit und Fiktion, führt den Leser auf falsche Fährten. Das ist auch etwas, das dieses Buch besonders macht.

    Der Ritt auf der Schildkröte. Gab es das nicht schon einmal? Aber da war doch jemand auf der Kanonenkugel geritten? Auch jener war ein Freigeist und konnte gut Geschichten erzählen...
    So schlage ich das Buch zu und auf einmal macht das Cover doch noch einen Sinn!