Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi

Buchseite und Rezensionen zu 'Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi' von Gil Ribeiro
4.25
4.3 von 5 (4 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi"

»Lasst uns die Besten austauschen« – so stand es in der Broschüre der europäischen Polizeibehörde Europol. Auf Wunsch seines Chefs hat sich Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg, für das Austauschprogramm beworben – und so landet er für ein Jahr bei der Polícia Judiciária an der Algarve. Doch schon bald gibt der merkwürdig gekleidete Lost seinen portugiesischen Kollegen aus dem Küstenstädtchen Fuseta Rätsel auf: Warum spricht er schon nach drei Wochen Sprachkurs fließend Portugiesisch – und versteht dennoch keinen ihrer Witze? Warum starrt er die Menschen so komisch an – und ist dennoch von so rührendaltmodischer Höflichkeit? Auf der schwierigen Suche nach dem Mörder eines Privatdetektivs, der mit seinem Boot auf einer vorgelagerten Atlantikinsel gestrandet ist, kommt das portugiesisch-deutsche Ermittlertrio um Sub-Inspektorin Graciana Rosado, ihren Kollegen Carlos Esteves und Leander Lost nicht nur den schmutzigen Geschäften eines Unternehmens auf die Spur, das die Wasserversorgung an der Algarve übernommen hat. Die vermeintlichen Defizite und Inselbegabungen des deutschen Kommissars entpuppen sich dabei immer mehr als kriminalistischer Gewinn. Und Leander Lost erfährt im Laufe der Ermittlungen zum ersten Mal in seinem Leben, was es heißt, Teil eines Teams zu sein. Zumal Soraia, die hübsche und lebenskluge Schwester von Sub-Inspektorin Rosado, ein ausgeprägtes Interesse an ihm entwickelt ...

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:400
EAN:9783462048872

Rezensionen zu "Lost in Fuseta: Ein Portugal-Krimi"

  1. Es ist ein wunderbarer

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Jan 2021 

    Es ist ein wunderbarer Spätsommer in Fuseta. In dem kleinen Ort in der portugiesischen Algarve scheint die Zeit etwas langsamer zu gehen. Der deutsche Polizeibeamte Leander Lost soll dort für ein Jahr aufgrund eines europäischen Austauschprojekts seinen Dienst antreten. Doch just am Tag seiner Ankunft wird in einem Boot die Leiche eines Privatdetektivs gefunden. Sub-Inspektorin Graciana Rosado und ihr Kollege Carlos Esteves nehmen Leander Losts Unterstützung gerne in Anspruch. Aber sie haben nicht mit dessen Merkwürdigkeiten gerechnet.

    Lost in Fuseta von Gil Ribeiro ist der Auftakt einer Krimiserie rund um Leander Lost. Es ist nicht nur, dass hier deutsches Beamtentum auf die südländische Lebensart trifft. Leander Lost ist Asperger-Autist. Er ist hochintelligent, hat ein fotografisches Gedächtnis und strikte Gewohnheiten. Lost fällt allein schon dadurch auf, dass er stets, auch bei den sommerlichsten Temperaturen, einen schwarzen Anzug, ein weißes Hemd, eine schwarze Krawatte trägt. Seine Inselbegabung macht Lost zu einem großartigen Ermittler. Sein großes Defizit: er erkennt keine Ironie, kann mit non-verbaler Kommunikation nichts anfangen und: er kann nicht lügen.

    Nur sehr langsam können sich sein neues portugiesisches Team mit dem Neuling und seinen Besonderheiten anfreunden. Doch nach einigen Anlaufschwierigkeiten wissen Graciana und Carlos (dieser mit einigen Vorbehalten) Leander Losts Fähigkeiten zu schätzen.
    Der Fokus in diesem Krimi liegt vor allem auf der Kulisse und dem besonderen Ermittler.

    „Mit einem Schlag war Leander Lost klar, dass hier die Zeit stehen geblieben war. Kein großes Kaufhaus, kein riesiger Supermarkt, keine Werbetafeln, keine riesigen Straßen, nichts dergleichen. Wenn er den Puls Fusetas hätte hören können, er wäre ruhig und regelmäßig gewesen.“

    Gil Ribeiro hegt große Sympathien für sein Personal und die regionalen Gewohnheiten. Land, Leute und Kulinarik kommen in diesem Krimi nicht zu knapp. Ja genau, da war auch noch ein Kriminalfall: es geht um schmutzige Geschäfte, Korruption und Wasser. Mit etwas Geduld bekommt die Leserin aber eine schlüssige, wenn auch nicht ganz überraschende Lösung serviert.

    Und ein bisschen wünscht man sich, wie Lost einfach in dem Fischerdorf Fuseta, in einem kleinen Häuschen und mit fröhlichem Familienanschluss „verloren zu gehen“. Urlaubsfeeling inklusive.

  1. Rezension zu "Lost in Fuseta" von Gil Ribeiro

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 13. Feb 2019 

    Die Handlung dieses Krimis ist in der Algarve angesiedelt, wenn man die schönen Beschreibungen der Gegend liest, packt einen das Fernweh und man möchte die Taschen packen. Das Ermittlerteam sind interessant und sympathisch gezeichnete Charaktere, die eindeutig Lust auf mehr machen und dazu wartet das Ermittlerteam noch mit einer Einzigartigkeit auf. Der namensgebende Lost, Leander Lost, im Rahmen eines Austauschprogramms aus Deutschland/Hamburg kommend, nun für ein Jahr in der Algarve gelandet, wirkt am Anfang etwas eigenartig, starr in der Mimik und im Auftreten und unempfänglich für menschliche Gefühle in Mimik, Gestik und Sprache. Ich finde es eine interessante Idee, in einem Ermittlerteam der Polizei einen Menschen mit Asperger-Syndrom unterzubringen, die warmherzige Zeichnung des Leander Lost und die Einblicke in seine Gefühlswelt, die dieser Roman bietet, empfinde ich als einen Höhepunkt in diesem Buch und im Sinne der Information mehr als nur gelungen, sondern einfach nur wunderschön. Nun sei natürlich dahingestellt was eine Person mit Asperger-Syndrom in der Polizei verloren hat, die unempfänglich für menschliche Gefühle in Mimik, Gestik und Sprache ist und einen Job macht, in dem es eben auch auf das Erkennen dieser ankommt. Nun ja aber da meldet sich wahrscheinlich meine deutsche Seite. :)
    Auch die anderen Hauptpersonen des Krimis sind sehr menschlich/sympathisch/empathisch gezeichnete Charaktere, die eindeutig Lust auf eine Krimireihe machen. Es ist ein ruhiger Krimi, der da vor den Augen und im Hirn abläuft, die Handlung des Krimis und die Zeichnung der Personen laufen in einem langsamen Tempo gemeinsam/nebeneinander vor sich hin. Wer actionreiche Krimi/Thriller mag und nur diese lesen will, sollte nicht zugreifen, er könnte enttäuscht werden. Mir hat dieser Krimi sehr gefallen. Die Vergleiche der deutschen Pedanterie mit der ruhigen und gechillten Lebensart in Portugal sind schön zu lesen, der Humor dieses Krimis/des Autors kommt auch in einer wunderbaren Art zum Tragen, die immer wieder kehrenden Verweise auf große Autoren und Zitate aus deren Werken fand ich absolut treffend und den Leser auch anregend und nachdenklich machend. Ich kann nur sagen, nicht schlecht und mir hat dieses Buch sehr gefallen.

  1. Deutsch-portugiesische Ermittlungen

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 26. Mär 2017 

    Lost – der Name ist Programm. Als Leander Lost aus Hamburg am Flughafen von Faro von seinen Kollegen der Polícia Judiciária empfangen wird, fühlt er sich wirklich ziemlich verloren. Im Rahmen eines Austauschprogramms von Europol soll er ein Jahr in dem kleinen Städtchen Fuseta an der Algarve verbringen, während ein portugiesischer Kollege in Hamburg Erfahrungen sammeln soll. Sub-Inspektorin Graciana Rosado und ihr Kollege Carlos Esteves finden Leander Lost von der ersten Minute an merkwürdig. Nach nur wenigen Wochen Sprachkurs spricht er fast perfekt ihre Sprache, versteht aber weder Ironie noch Witze. Dies führt zu recht amüsanten Dialogen. Was sie zunächst für eine typisch deutsche Eigenheit halten, erweist sich als Asperger-Syndrom. Leander Lost besitzt ein fotografisches Gedächtnis und kann zwei Seiten eines Telefonbuchs in einer Minute auswendig lernen. Allerdings kann er die Mimik der Menschen nicht entschlüsseln, versteht keine Zwischentöne und kann vor allem nicht lügen. Damit stößt Lost seine Mitmenschen regelmäßig vor den Kopf und denunziert sogar ungewollt seine neuen Kollegen. Doch Graciana Rosado hat ein großes Herz und viel Menschenverstand. Sie erkennt Losts Schwächen, aber auch seine Stärken. Und sie hat eine Schwester, Soraia, die sich sehr für den seltsamen Deutschen erwärmen kann.
    Schon wenige Stunden nach Leander Losts Ankunft wird ein Privatdetektiv tot in seinem Boot aufgefunden und bald stellt sich heraus, dass es sich um Mord handelt. Als Rosado, Esteves und Lost das Büro des Detektivs untersuchen wollen, werden sie angegriffen und das Büro in Brand gesetzt. Die Spuren führen zu einer Firma, die die Wasserversorgung in der Region übernommen und offenbar so einiges zu verbergen hat. Und bald zeigt sich, dass das Trio auch in den eigenen Reihen ermitteln muss.
    Neben der Krimihandlung erfährt man auf anschauliche und unterhaltsame Weise viel über die Algarve und ihre Bewohner, ihre Herzlichkeit und ihre Traditionen. Aber auch der Außenseiter Lost mit seinen merkwürdigen Verhaltensweisen wird dem Leser zunehmend verständlicher und sympathischer. Die Aufdeckung des Verbrechens gerät dabei fast schon zu Nebensache, was der Unterhaltsamkeit aber keineswegs abträglich ist.
    Kein hochspannender Thriller, aber ein lesenswerter, unterhaltsamer Krimi mit interessanten Charakteren.

  1. Ein tolles Debüt

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 21. Mär 2017 

    Auszug Verlagstext: »Lasst uns die Besten austauschen« – so stand es in der Broschüre der europäischen Polizeibehörde Europol. Auf Wunsch seines Chefs hat sich Leander Lost, Kriminalkommissar aus Hamburg, für das Austauschprogramm beworben – und so landet er für ein Jahr bei der Polícia Judiciária an der Algarve. Doch schon bald gibt der merkwürdig gekleidete Lost seinen portugiesischen Kollegen aus dem Küstenstädtchen Fuseta Rätsel auf: Warum spricht er schon nach drei Wochen Sprachkurs fließend Portugiesisch – und versteht dennoch keinen ihrer Witze? Warum starrt er die Menschen so komisch an – und ist dennoch von so rührend altmodischer Höflichkeit?

    Auf der schwierigen Suche nach dem Mörder eines Privatdetektivs, der mit seinem Boot auf einer vorgelagerten Atlantikinsel gestrandet ist, kommt das portugiesisch-deutsche Ermittlertrio um Sub-Inspektorin Graciana Rosado, ihren Kollegen Carlos Esteves und Leander Lost nicht nur den schmutzigen Geschäften eines Unternehmens auf die Spur, das die Wasserversorgung an der Algarve übernommen hat.

    Wieder ein Krimi, der in einer schönen mediterranen Landschaft angesiedelt ist, wieder aus der Feder eines deutschen Autors. Wer jetzt denkt, das kennt man schon, der irrt sich!

    Dieser Krimi macht von der ersten Seite an Laune, nicht nur durch den deutschen Kommissar Leander Lost, der so ganz anders ist, als man erwarten könnte. Seine Besonderheit – eine Form des Asperger Syndroms verstört seine portugiesischen Kollegen genauso, wie seine deutsche Korrektheit. Das Aufeinanderprallen zweier Kulturen ist witzig und kenntnisreich geschrieben. Nie werden einfach nur Vorurteile zitiert, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ergänzen sich einfach.
    Witzige Dialoge und vor allem eine liebevolle Charakterisierung der Protagonisten haben mir an diesem Krimi sofort gefallen. Man spürt, dass der Autor nicht nur die Gegend kennt, die er beschreibt, er schätzt auch die Menschen und ihren Lebensstil. Das gibt eine Authentizität, die dieses Buch hervorhebt.

    Die Handlung ist wirklich spannend und brennend aktuell, Wirtschaftsinteressen, Korruption auf dem Rücken der Einwohner und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen sind die Hintergründe des Buches und es hat mich gefesselt der Spurensuche des ungleichen Teams zu folgen. Ich konnte den Roman – einmal angefangen – nicht mehr aus der Hand legen.

    Das Buch ist der Auftakt einer neuen Reihe, das Debüt ist jedenfalls hervorragend gelungen und lässt mich ungeduldig auf die Fortsetzung warten.