Lost in Fuseta

Buchseite und Rezensionen zu 'Lost in Fuseta' von Gil Ribeiro
4.35
4.4 von 5 (3 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Lost in Fuseta"

Ein Portugal-Krimi
Broschiertes Buch
"Mit Leander Lost hat der Autor eine faszinierende Ermittlerfigur erschaffen." Hamburger Abendblatt.
Nach dem fulminanten Start seiner Krimireihe um Leander Lost, den so ungewöhnlichen wie liebenswerten Hamburger Kommissar in Diensten der portugiesischen Policia Judiciária, führt uns Gil Ribeiro mit "Lost in Fuseta - Spur der Schatten" in einen äußerst spannenden Fall, dessen Hintergründe um die koloniale Vergangenheit Portugals kreisen.
"Ich habe das Gefühl, ich bin jetzt angekommen", hatte Leander Lost schwer verletzt, aber glücklich zu seinen neuen portugiesischen Kollegen gesagt, nachdem sie in ihrem ersten gemeinsamen Fall den schmutzigen Geschäften eines Wasserversorgers an der Algarve auf die Schliche gekommen waren - und nachdem Lost endlich verstanden hatte, wie man einen gelungenen Witz macht. So stürzt sich der schlaksige Deutsche und Asperger-Autist gemeinsam mit den Sub-Inspektoren Graciana Rosado und Carlos Esteves in die Ermittlungen um eine verschwundene Kollegin - zumal er fasziniert ist von der Tochter der Verschwundenen, die ähnlich eigenwillig auf die Welt zu blicken scheint wie er ...
Erneut erzählt Gil Ribeiro mit Dialogwitz und einer solchen Herzenswärme von Leander Lost und seinen Kollegen - man möchte am liebsten sofort an die Algarve reisen, um diese fantastischen Leute kennenzulernen und mitzuermitteln.

Autor:
Format:Broschiert
Seiten:400
EAN:9783462051247

Rezensionen zu "Lost in Fuseta"

  1. In seinem zweiten Fall

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Feb 2021 

    In seinem zweiten Fall bekommen es Leander Lost, Graciana Rosado und Carlos Esteves mit dem dreckigen Erbe des portugisischen Kolonialismus zu tun. Auslöser ist das Verschwinden einer Kollegin, eine groß angelegte Suchaktion in Fuseta verläuft allerdings ergebnislos. Allerdings wird ihr Auto in einem Parkhaus einer etwas weiter entfernt gelegenen Stadt gefunden, zudem Blutspuren, die ihr zugeordnet werden können, später wird dann auch andernorts die Leiche entdeckt. Mit Hilfe von Losts eidetischem Gedächtnis kann der Name eines dringend verdächtigen Halters eines Autos, der sich zur Zeit des Mordes im Parkaus befand, ausgemacht werden. doch die Festnahme endet in einem Fiasko, denn es erweist sich, dass der wahre Täter sich offensichtlich durch einen Identitätsdiebstahl geschützt hat. Die drei Ermittler rätseln, wer hinter dieser raffiniert durchgeführten Aktion steckt, finden aber zunächst keine Anhaltspunkte und auch kein Motiv für den Mord an der Kollegin. Erst spät gelingt ihnen einen Durchbruch, und sie kommen auf die Spur eines geplanten Attentas auf eine angolanische Aktivistin, die gegen den dortigen korrupten Machthaber kämpft. In einem Wettlauf gegen die Zeit, gelingt es ihnen, weitere Opfer zu verhindern.

    Erneut spielt neben dem Kriminalfall Losts Asperger-Syndrom eine wichtige Rolle, da es einerseits zu mehreren homorvollen Einlagen führt, aber auch erneut die Tragweite für die davon betroffenen vermittelt. Ironie, Wortspiele sind mit Logik nicht zu erfassen, was stets zu Missverständnissen führen kann. Deutlich wird ebenfalls, welchen Aufwand Lost betreiben muss, um nicht aufzufallen. Allerdings wird er in der Sonne des portugisiechen Südens von Gracianas Familie herzlich aufgefangen, was ihm das Leben doch deutlich erleichtert.

  1. Krimi mit Extras

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 08. Jan 2021 

    „Ich hab das Gefühl, ich bin jetzt angekommen.“

    Damit endete Leander Losts erste Ermittlungen in Fuseta in der portugiesischen Algarve. Der deutsche Kriminalbeamte Leander Lost befindet sich aufgrund eines internationalen Austauchabkommens in Portugal. Für den Asperger-Autisten ist jeder Tag ein hartes Stück Arbeit sich in der Welt neurotypischer Menschen zurechtzufinden und sich in seinem Team zu integrieren. Dabei haben sich die portugiesischen Ermittler, allen voran Sub-Inspektorin Graciana Rosado und ihr Kollege Carlos Esteves, als gastfreundliche und kollegiale Freunde herausgestellt.

    In „Spur der Schatten“, dem zweiten Fall für Leander Lost, verschwindet nun die stets zuverlässige Polizistin Teresa Fiadeiro. Bei der Rekonstruktion ihrer letzten Wege, erhärtet sich der Verdacht, dass Teresa Opfer einer Entführung wurde. Kurz darauf findet man ihre Leiche. Es dauert sehr lange, bis sich verwertbare Hinweise auf Motiv und Täter ergeben, die dann schließlich in einer hochpolitischen Angelegenheit endet, die weit in die portugiesische Vergangenheit führt.

    Es liegt nicht an der Inkompetenz der Ermittler, dass der Kriminalroman aus der Feder von Gil Ribeiro, einem unter Pseudonym schreibenden deutschen Schriftstellers, erst im letzten Drittel Fahrt aufnimmt. Es liegt vor allem an den vielen kleinen, privaten Momenten der Beteiligten. Gil Ribeiro nimmt sich viel Zeit, die schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen zu beleuchten. Er lässt uns Anteilnehmen an den alltäglichen beruflichen und familiären Begebenheiten, schaut auf das Land, die Leute, ihre Gewohnheiten.

    Das Buch lebt vor allem von der bemerkenswerten Person des Leander Lost. Senhor Lost, auch Senhor Léxico genannt, weil er ein enormes Wissen mit sich trägt, ist Asperger-Autist, und Eidetiker. Er erkennt keine Ironie, kann nicht lügen und kommt mit nonverbaler Kommunikation nicht zu recht. Lost hat sich ein „Kompendium sinnloser Sätze“ zugelegt, mit dem er nun bei jedem Gespräch brillieren kann.

    „Leander hatte herausgefunden, dass die Trägheit der menschlichen Kommunikation nicht nur durch missverständliche Äußerungen verursacht wurde, deren Aufklärung Zeit kostete und das Gespräch unnötig umständlich gestaltete, sondern durch den schlichten Umstand, dass es oftmals gar nicht primär um den Austausch von Informationen ging.“

    Die Serie um Leander Lost ist kein schneller Thriller. Die Krimihandlung, die zunächst als vernachlässigbar erscheint, entpuppt sich als politische Verschwörung. Der Fokus liegt auf Lost, seiner Inselbegabung und den daraus resultierenden Entwicklungen. Darauf eingestellt hat diese Serie nicht nur Urlaubsflair (und das ist in Zeiten wie diesen schon etwas Feines), sondern ist eben ein gut durchdachter Krimi mit einigen Extras.

    „Ich hab das Gefühl, ich bin jetzt angekommen.“

  1. Gelungene Fortsetzung

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 14. Mai 2018 

    Leander Lost ist jetzt ein halbes Jahr in Fuseta. Im Austauschprogramm von Europol hat er seinen Hamburger Arbeitsplatz mit einem Kollegen der portugiesischen Kleinstadt getauscht. Er fühlt sich angenommen, trotz der Schwierigkeiten in der Kommunikation durch sein Asperger Syndrom. Aber seine Inselfähigkeiten haben schon mehrfach bei der Lösung komplizierter Sachverhalte geholfen und das Verhältnis mit den Kollegen ist besser, als es in Hamburg je war. Außerdem gibt es da noch Soraia, die Schwester von Subinspektorin Graziana Rosada.

    Als eine zuverlässige Kollegin nicht zum Schichtwechsel erscheint, wir Subinspektorin Rosada stutzig. Auch in der Wohnung gibt es keine Spur der Kollegin, lediglich ihr Handy liegt dort. Obwohl es noch keine Lösegeldforderung gibt, weist vieles auf eine Entführung hin. Gleichzeitig soll die Dienststelle für die Sicherheit einer Angolanerin sorgen, die für ihre NGO eine Rede vor dem Parlament halten möchte. Als die Tochter der Entführten anreist, ist Lost positiv überrascht, sie haben eine sehr ähnliche Sicht auf die Welt. Bald scheinen die beiden Aufgaben sich zu überschneiden und die Zeit läuft…

    Schon vom ersten Band war ich begeistert und es ist schwer mit einem Nachfolger meine hohen Erwartungen zu erfüllen. Gil Ribeiro ist das gut gelungen. Ich habe mich sofort wieder nach Portugal versetzt gefühlt und Leander Lost ist als Anti-Held die ideale Besetzung für diese außergewöhnlichen Krimis.

    Mir gefiel der Plot, der temporeich ist, aber trotzdem immer auch Zeit für eine kleine mediterrane Pausen hat. Wenn die Familie Rosada zusammensitzt und Leander sich behaglich und beschützt fühlt. Wenn es um portugiesische Spezialitäten geht, die zu den diversen Mahlzeiten gereicht werden. Kollege Carlos Estevez trifft man sehr selten ohne einen Vorrat kleiner Köstlichkeiten an. Der Fall führt bald in die nicht immer ruhmreiche Geschichte Portugals als Kolonialmacht und die Kollegen der Policia Judicaiaria sind gefordert.

    Aber am besten gefällt mir, wie der Asperger Leander Lost dargestellt ist, seine Probleme mit der nonverbaler Kommunikation ergeben immer wieder urkomische Szenen, ohne dass sie auf Kosten dieser Einschränkung gemacht werden. Im Gegenteil: wenn sich Lost auch als Mensch mit Mängeln sieht, wird den Kollegen immer mehr klar, dass das auch Stärken sein können. Seit Lost in einem Antiquariat den Ratgeber „Kompendium sinnloser Sätze“ eines völlig unterschätzten Autors namens Dan B. Tucker gefunden hat, kann er auch jede Situation mit einer Phrase retten. Das „meinen Sie“ oder „was sie nicht sagen“ kommt nun schon sehr flüssig von den Lippen.

    Kurz gesagt: Für mich eine absolut gelungene Fortsetzung und ein echter Wohlfühlkrimi, in dem auch Spannung und Tempo sehr hoch bleiben und bei dem mir auch das Hintergrundthema sehr gefallen hat.