Literaturgeschichten

Buchseite und Rezensionen zu 'Literaturgeschichten' von Thomas Stiegler
5
5 von 5 (1 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Literaturgeschichten"

Format:Taschenbuch
Seiten:132
Verlag:
EAN:9783950480047

Rezensionen zu "Literaturgeschichten"

  1. Literatur to go

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 23. Okt 2020 

    Manchmal lobe ich mir ja doch das ein oder andere Social Network. So habe ich über das Netzwerk mit dem Vogel den österreichischen Autor Thomas Stiegler „kennengelernt“, der es sich zur „Aufgabe“ gemacht hat, den Menschen Kunst, Literatur, Musik etc. „wieder“ nahezubringen. Dies macht er über eine eigens entwickelte App und auf einem Blog im World Wide Web.

    Hier aber soll es nun um seinen neuen Band „Literaturgeschichten – Kulturgeschichten aus der Welt der Literatur“ gehen; ein Buch, dass sich eine Kollegin seit Jahren in ähnlicher Weise von mir erhofft *g*. Denn letzten Endes sind die Geschichten und Gedanken, die Thomas Stiegler niedergeschrieben hat, nichts Anderes als Rezensionen – Rezensionen, die jedoch weit über das übliche Schema hinausgehen; allein schon wegen ihrer Länge *g*. Jede selbstverfasste Rezension gibt ja ein Stück weit von sich selbst preis; Thomas´ gehen weit darüber hinaus. Sie erzählen von einer ehemaligen Freundin, die ein Buch „Über einen blöden Vogel“ (S. 14) geschenkt bekommt (Die Möwe Jonathan), von Gedanken über längst vergangene Sommer (Klingsors letzter Sommer) bis hin zu einer „Neudefinition“ des Wortes „Langeweile“, die bei Thomas zu „Lange Weile“ wird und dadurch eine ganz andere, tiefergehende Bedeutung bekommt (Bunte Steine) – übrigens ein Text, der mich nachhaltig getroffen hat und definitiv zu den Highlights dieser Sammlung gehört!

    Die Texte treffen die Leser*innen, die es zulassen, die sich mitreißen lassen von Thomas´ Geschichten, mitten ins Herz, gehen von dort ins Großhirn und nisten sich dort ein – um zu bleiben, um immer wieder hervorgeholt zu werden („Ach, da war doch mal was Tolles!“). Ja, ihr dürft ruhig sagen „Jetzt gehen dem König mal wieder die Begeisterungspferde durch.“ – aber damit kann und muss ich leben *g*.

    Vieles von dem was Thomas liest bzw. gelesen hat, gehört zu den Klassikern – von Hesse über Storm und Hölderlin bis hin zu Thomas Mann und Guy de Maupassant. Aber auch „moderne“ Literatur wie „Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbary oder der nicht ganz unumstrittene Peter Handke bekommen hier eine „Plattform“ bzw. Würdigung ihres Werks (oder Teile daraus).

    Was mich am meisten an den Geschichten berührt hat, sind die klaren und unmissverständlichen Worte, in denen Thomas seine Gedanken niedergeschrieben hat. Sie zeugen viel von der Sprachgewandtheit des Autors, von der vielen Beschäftigung mit (literarischer) Sprache und die Leser*innen kommen nicht umhin, sich diesen Gedanken „anzuschließen“ á la „Wie wäre das bei mir?“ „Ist mir ähnliches nicht auch schon mal passiert?“. Seine Gedanken sind ein Plädoyer für den Erhalt „unsere[r] Träume und unsere[r] Sehnsucht. Denn im Kern sind sie das, was unser Leben ausmacht und zeigen uns die Spur, die uns zum Menschsein führt, zur Menschlichkeit, auch in unserer Zeit. (S. 120/121)

    Abschließen möchte ich diese Rezension mit zwei, nein – drei Dingen: zum einen geht mein Dank an Thomas für seine Geschichten, die mich darin bestärken, meine Zufriedenheit in der Literatur und den großen Denkern zu suchen und zu finden. Das zweite: ich widme diese Rezension meiner Kollegin, die (fast) alle meine Rezensionen und entsprechenden Bücher zum Lesen bekommt und drittens möchte ich abschließen mit einem Gedicht von Hermann Hesse, welches für mich zu diesem Buch wie der Deckel auf den einsamen Topf passt:

    Bücher
    Alle Bücher dieser Welt
    Bringen dir kein Glück,
    Doch sie weisen dich geheim
    In dich selbst zurück.

    Dort ist alles, was du brauchst,
    Sonne, Stern und Mond,
    Denn das Licht, danach du frugst,
    In dir selber wohnt.

    Weisheit, die du lang gesucht
    In den Bücherein,
    Leuchtet jetzt aus jedem Blatt –
    Denn nun ist sie dein.

    April 1918

    5* und – na klar: absolute Leseempfehlung!
    ©kingofmusic