Liebes Kind: Thriller

Buchseite und Rezensionen zu 'Liebes Kind: Thriller' von Romy Hausmann
4.75
4.8 von 5 (4 Bewertungen)

Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört. In ihrem emotional schockierenden und zugleich tief berührenden Thriller entrollt Romy Hausmann Stück für Stück das Panorama eines Grauens, das jegliche menschliche Vorstellungskraft übersteigt.

Format:Broschiert
Seiten:432
EAN:9783423262293

Rezensionen zu "Liebes Kind: Thriller"

  1. Verwirrend, spannend, anders - ein Lesesog!

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 08. Mär 2020 

    Eine fensterlose Hütte im Wald. Lenas Leben und das ihrer zwei Kinder folgt strengen Regeln: Mahlzeiten, Toilettengänge, Lernzeiten werden minutiös eingehalten. Sauerstoff bekommen sie über einen »Zirkulationsapparat«. Der Vater versorgt seine Familie mit Lebensmitteln, er beschützt sie vor den Gefahren der Welt da draußen, er kümmert sich darum, dass seine Kinder immer eine Mutter haben. Doch eines Tages gelingt ihnen die Flucht – und nun geht der Albtraum erst richtig los. Denn vieles deutet darauf hin, dass der Entführer sich zurückholen will, was ihm gehört.

    Obiger Klappentext schildert die Situation von Lena und ihren Kindern in der Gefangenschaft sehr gut. Hiervon erfährt der Leser jedoch nur durch Rückblenden, der Thriller erzählt von dem 'danach'. Von der Situation, in der eine von einem Auto angefahrene junge Frau mit zwei Kindern in einer Klinik eingeliefert wird, von dem Verdacht, dass es sich bei der Frau um die vor Jahren entführte Studentin Lena handeln könnte, von der leisen Hoffnung von Lenas Eltern, endlich ihre Tochter wieder in den Armen halten zu können - und Enkelkinder noch gleich dazu.

    Doch die ganze Zeit über ist da ein Missklang, unüberhörbar, und die Verwirrung des Lesers lässt bis kurz vor Ende des Buches nicht nach. Geschickt lässt die Autorin immer wieder kleine Stücke des Puzzles ans Licht, die dann doch nicht so recht passen wollen. Da ist die Fantasie des Lesers gefragt, er sucht ständig nach Erklärungen und doch tauchen mit jeder kleinen Antwort wieder neue Fragezeichen auf. Schließlich kann man sich alles mögliche vorstellen, jeder scheint verdächtig und Übles im Schilde zu führen - und das Ende ist dann zwar überraschend aber fast schon ernüchternd.

    Romy Hausmann schildert die Geschehnisse und Rückblenden aus drei verschiedenen Perspektiven (Lena, Lenas Tochter, Lenas Vater), was das Puzzle, das der Leser hier zusammensetzen muss, dreidimensional gestaltet. Dadurch wird das Bild einerseits voller und intensiver, gerade auch was die emotionale Seite anbelangt, aber andererseits auch verwirrender, weil man immer nur eine Seite sieht, während die anderen in der Zeit verborgen bleiben.

    Die Spannung zieht sich allein schon aufgrund der anhaltenden Verwirrung des Lesers durch den gesamten Thriller, subtil oft, nicht wirklich fassbar, aber doch unleugbar anwesend. Gegen Ende zieht die Spannung dann noch einmal massiv an - gelungen! Auch wenn ich nicht alle Verhaltensweisen und Entscheidungen einzelner Charaktere verstehen oder gutheißen konnte, wurde zumindest sehr deutlich, dass angesichts der Gewalt und des Verlusts im Leben der Beteiligten nicht immer nur das Beste im Einzelnen hervorgerufen wurde...

    Alles in allem ein sehr gelungener Thriller. Verwirrend, spannend, anders - ein Lesesog!

    © Parden

  1. Entführt

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 06. Mär 2020 

    Vor Jahren verschwand die Studentin Lena. Sie wurde nie gefunden und ihrer Eltern wünschen sich nichts sehnlicher als zu erfahren, was mit ihrer Tochter geschehen ist. Dann wird eine bei einem Unfall verletzte junge Frau mit ihren zwei Kindern im Krankenhaus eingeliefert. Ihre Beschreibung passt auf Lena. Die Eltern Karin und Matthias wissen nicht, wie sie reagieren sollen. Können sie wirklich Hoffnung schöpfen? Die junge Frau ist schwer verletzt und die Kinder sind so verstört, dass ihre Angaben zunächst nicht so richtig eingeordnet werden können.

    Am Schlimmsten ist es, wenn man nicht weiß, was passiert ist und wo ein geliebter Mensch geblieben ist. Kann ihre Tochter Lena nach mehreren Jahren wirklich wieder auftauchen? Kann sich die größte Sehnsucht erfüllen? Und die beiden Kinder? Haben sie sogar Enkel? Was haben sie mitgemacht? Sie erfahren von dem Leben in der Hütte, von einem Mann, der alles kontrolliert, der den Tag bis ins Kleinste durchgetaktet hat. Die Enkelin Hannah ist wie ein wandelndes Lexikon, die allerdings der Welt abgewandt scheint. Der jüngere Jonathan ist emotionaler und auch labiler als seine Schwester. Die Erzählungen der Kinder und der jungen Frau zeichnen ein beinahe unglaubliches Bild.

    Eine Entführte, die vermeintlich wieder auftaucht und das auch noch mit zwei Kindern. Beim Lesen dieses Buches, das wunderbar subtil mit dem spielt, was preisgegeben wird, beginnt man jeden zu verdächtigen etwas Übles im Schilde zu führen. Wer hat welche Motive? Was ist tatsächlich geschehen? Wer ist das liebe Kind? Gleichzeitig versucht man sich hineinzuführen in eine junge Frau, die entführt und eingesperrt wurde. Zum Glück ist das kaum möglich, weil man die Erfahrung nicht hat, aber man bekommt doch einen Eindruck von dem Grauen. Und man kommt auf die wildesten Ideen, was wirklich geschehen sein könnte. Da ist schließlich die eigene Phantasie überbordender als die überraschende Auflösung der Autorin. Doch mit dem Geschick wie Romy Hausmann damit spielt, welche Anregungen sie ihrem Publikum gibt, ist dieses Erstlingswerk ausgesprochen lesenswert.

  1. Wenn du glaubst es wird nicht mehr schlimmer...

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 03. Apr 2019 

    Der Klappentext des Buches klang so grausig, dass ich dachte: "Das muss ich unbedingt lesen um zu merken, dass die Handlung niemals so heftig sein kann wie beschrieben." Doch was ich geboten bekam, war so viel grausamer als erwartet...

    In der Geschichte geht es um Lena, die mit ihren Kindern in einer Hütte im Wald eingesperrt ist. Ihr Entführer ist der Vater der Kinder. Er beschützt sie vor dem Bösen, weshalb die Hütte von der Außenwelt komplett abgeschirmt ist. Kein Licht, kein Geräusch und ähnliches dringen von außen herein. Doch dann gelingt Lena die Flucht und erst da merkt sie, dass sie dem Abgrund nicht mehr fern ist. War es nicht doch besser eingesperrt zu sein?

    Gleich vorweg muss ich jeden warnen dieses Buch vor dem Zubettgehen lesen zu wollen, denn zum Einen werdet ihr weiterlesen wollen und so nicht zum schlafen kommen und selbst wenn ihr es versucht, wird euch das Buch verfolgen im Schlaf. Mich hat es jedenfalls so sehr geflasht, dass ich zu Recht behaupte, dass es sich hier um einen echten Pageturner handelt.

    Die Handlung wird uns aus mehreren Perspektiven geschildert. Mal erleben wir die Geschichte aus der Sicht der kleinen Hannah, die das Draußen gar nicht kennt, mal aus der Sicht von Lena und mal aus der Sicht von Matthias, den Vater von Lena, der seine Tochter seit fast vierzehn Jahren vergeblich sucht.

    Besonders bedrückend empfand ich die Schilderungen von Hannah. Immer wieder habe ich mich gefragt warum sie alles so rational und nüchtern betrachtet, was völlig unnormal für ein Kind ist. Sie scheint regelrecht zufrieden mit dem Leben in Gefangenschaft, aber wer mag es ihr verübeln, schließlich kennt sie die reale Welt ja nicht. Erst im späteren Verlauf der Handlung wird klar, dass sie Aspenger hat, was viel von ihrem Verhalten verständlicher gemacht hat.

    Am meisten Licht ins Dunkel haben die Abschnitte rund um Lena gebracht, da sie uns an ihrem Martyrium der Gefangenschaft und der Gewalt teilhaben lässt. Oft fragt man sich, warum sie so auf Distanz den Kindern gegenüber ist, was sich aber immer mehr aufklärt je mehr man liest. Ihren Verfolgungswahn und ihre Panik konnte ich nur zu gut nachvollziehen nach allem was sie erleben musste. Ich mag mir gar nicht vorstellen wollen wie es ist, wenn einen Presse und Co belästigen und man gar keine Gelegenheit hat das erlebte Drama zu verarbeiten.

    Matthias als leidender Vater war auch sehr authentisch dargestellt. Ich konnte sehr gut nachvollziehen, dass er endlich Gewissheit wollte, um mit dem Ereignis abschließen zu können.

    Ansonsten bleibt mir nichts anderes zu sagen als dass es der Autorin gelungen ist von der ersten bis zur letzten Seite die Spannung sehr weit oben zu halten, so dass man einfach mit dem Lesen nicht mehr aufhören kann. Ich habe sehr schön mitgerätselt, wer der Täter sein könnte und bin der Schriftstellerin leider immer wieder auf dem Leim gegangen, was zeigt wie gut sie falsche Fährten legen kann.

    Der Schluss der Geschichte war so brachial, dass ich beim Lesen der Auslösung laut aufgestöhnt habe, weil ich es einfach nicht glauben konnte.

    Fazit: Wer in der Lage ist in die Abgründe der menschlichen Seele zu blicken, der darf sich diesen spannenden Thriller nicht entgehen lassen. Ich kann nur eine klare Leseempfehlung aussprechen. Gänsehaut garantiert!

  1. Unvorstellbar

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 07. Mär 2019 

    "Er macht den Tag und die Nacht". Er sagt: "Die Toilettenbenutzung ist für sieben Uhr morgens vorgesehen, zwölf Uhr dreißig, siebzehn und zwanzig Uhr!" Alles ist extrem streng geregelt. Beim Lesen dieser Anordnungen sträuben sich bei mir bereits die Nackenhaare und ich bekomme eine Gänsehaut. Und es kommt noch schlimmer.

    Als eine junge Frau nach einem Verkehrsunfall mit ihrer kleinen Tochter in die Klinik eingeliefert wird, gehen alle von einem normalen Verkehrsunfall aus. Jedoch wird schnell klar, dass ist es auf keinen Fall. Die junge Frau, die keinerlei Ausweispapiere bei sich hat, ähnelt der jungen Studentin Lena Berg welche vor Jahren spurlos nach einer Party in München verschwand. Als deren Eltern emotional aufgewühlt zur Identifizierung kommen, stellen sie schnell fest, das die junge Frau nicht ihre Tochter ist. Aber das kleine Mädchen, was bei ihr war, sieht genauso aus wie Lena.

    In Rückblenden, interessant erzählt von Hannah dem kleinen Mädchen und der jungen Frau, erfahren wir von einem Leben abseits der Gesellschaft, allein im Wald. Dort leben sie als Familie, zusammen mit Jonathan dem kleinen Bruder von Lena. Sie sind eingesperrt und werden vom Vater mit allem notwendigen versorgt. Aber sie sind eingesperrt und unterliegen strengsten Regelungen durch den Vater, die bei Nichtbeachtung zu erheblichen Strafen führen.

    Die Autorin zeichnet mit ihrem Thriller ein Szenario auf, dass man sich eigentlich kaum vorstellen kann. Und doch hört man immer wieder in den Nachrichten von Fällen in denen genauso etwas passiert. Ihr gelingt es den Schrecken der Protagonisten und ihre Gedanken sehr detailreich darzustellen, so dass man deren Handlungen durchaus nachvollziehen kann.

    Für mich war das ein überzeugendes Thrillerdebüt von Romy Hausmann. Ich bin jetzt schon gespannt auf die folgenden Bücher. Dieses Buch hat mich absolut überzeugt und ich gebe eine unbedingte Leseempfehlung aus und verdiente fünf Lesesterne.