In Liebe, Layla: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'In Liebe, Layla: Roman' von Annie Barrows
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Sommer 1938: Layla Beck, Senatorentochter aus Washington, wird nach einer geplatzten Verlobung von ihrem Vater enterbt und in das verschlafene Örtchen Macedonia in West Virginia geschickt, wo sie als Stadtschreiberin fungieren soll. Layla tobt vor Wut, in ihren Augen kann sie dort nur völlig verrückt werden vor Langeweile. Und so erreicht sie die Stadt mit nur einem Ziel: so schnell wie möglich wieder von dort zu verschwinden. Die Geschichte des kleinen Ortes scheint für dieses Vorhaben auch bestens geeignet zu sein, denn sie ist äußerst kurz und ereignislos. Doch als Layla ihr Zimmer im Haus der Romeyns bezogen hat und die Bewohner näher kennenlernt, wird ihr schnell bewusst, dass das Leben dort einige Überraschungen für sie bereithält. Auch hinter der Fassade der altehrwürdigen Strumpfwarenfabrik scheint mehr zu stecken, als man ihr anfangs sagen will. Und am Ende wird Layla nicht nur die Geschichte der Stadt, sondern auch die von manchen Bewohnern kräftig durcheinanderwirbeln und völlig neu schreiben.

Format:Broschiert
Seiten:608
Verlag: btb Verlag
EAN:9783442713769

Rezensionen zu "In Liebe, Layla: Roman"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 24. Dez 2017 

    Die Stadtschreiberin

    In der Wirtschaftskrise 1938 ist Senator Beck alles andere als einverstanden mit dem Verhalten seiner Tochter. Das verwöhnte Gör hat sich erdreistet, den Antrag eines reichen Langweilers abzulehnen. Nun soll sie das wahre Leben der arbeitenden Menschen kennenlernen. Gegen eine staatliche Unterstützung muss Layla für die kleine Stadt Macedonia in West Virginia zu deren 150jährigen Jubiläum eine Geschichte der Stadt verfassen. Sie wird also in dieses abgelegene Nest verfrachtet, muss dort in ein möbliertes Zimmer bei der Familie Romeyn einziehen und wundert sich, dass diese verschrobene aber sehr sympathische Familie nicht zu den ersten der Stadt zählt.

    In ihrem zweiten Roman nach „Deine Juliet“ bleibt die Autorin dem Briefe schreiben treu, wenn auch in abgeschwächter Form. Diesmal entführt sie in ein kleines amerikanisches Städtchen, in der es mehr zu beschreiben gibt als nur die Geschichte der Stadt. Eine Geschichte, die im Gedächtnis der Stadt schöner ist als in der Wirklichkeit, die sich Layla darstellt. Viel interessanter ist für die junge Frau allerdings die Familie, bei der sie einziehen durfte. Jottie scheint die Mutter der Nation zu sein, obwohl sie erst Mitte dreißig ist. Sie kümmert sich liebevoll um Bird und Willa, die Töchter ihres geschiedenen Bruders. Damit nicht genug, sie kümmert sich um alle, die ihr vor die Füße kommen. Dabei merkt sei allerdings schon so langsam, dass sie selbst zu kurz kommt.

    Wieder ist es der Autorin gelungen, eine herzerwärmende Story zu erzählen. Layla, die man durchaus als verwöhntes reiches Blag bezeichnen kann, lernt einiges fürs Leben. Willa, der man wünscht, sie möge ihren Weg machen, überschreitet die Schwelle zum Erwachsen werden, was sich als durchaus schwierig und schmerzvoll erweist. Und auch Jottie muss sich einigen Wahrheiten stellen, die ihr Leben stark verändern. Sympathische und weniger sympathische Menschen geben sich die Klinke in die Hand. Kunstvoll dargelegt sind die Wege des Schicksals, die Familiengeheimnisse, die Stadtgeschichte. Mit leichter Hand wird von dramatischen aber auch humorigen Ereignissen berichtet. Vielleicht erreicht dieser Band nicht ganz die Klasse des ersten Buches, aber dennoch bietet er sowohl einen wunderbaren Einblick in das Kleinstadtleben und einen Blick hinter die Kulissen des Familienlebens des Romeyns.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 07. Mai 2016 

    Anfang und Ende wunderbar, die Mitte zieht sich.

    Layla Beck, verwöhnte Senatorentochter, weigert sich den Heiratsantrag eines Favoriten ihres Vaters anzunehmen. Sie lehnt die Hochzeit mit dem „Bündel Dollar“ wie ein Onkel ihn tituliert ab. Darauf wirft sie ihr Vater aus dem Haus und streicht jede finanzielle Unterstützung. Ihr Onkel Ben verschafft ihr einen von der Fürsorge bezahlten Job, sie soll die Chronik der Kleinstadt Macedonia schreiben, die der Stadtrat zum 150 jährigen Gründungsjubiläum plant.
    Widerwillig reist Layla nach West-Virginia, als Untermieterin zur Familie Romney, die einst als Fabrikanten zu den ersten Familien zählten. Aber das ist lange vorbei, Jottie – ein spätes Mädchen – zieht an Mutter statt die beiden Töchter des Bruders groß und die paar Dollar Miete sind ein willkommenes Zubrot. Layla, misstrauisch beäugt, beginnt mit ihrer Arbeit und nach der Jubiläumsfeier werden einige Geschichten der Stadt neu erzählt.
    Annie Barrows verleiht gleich 3 Frauen Stimme. Da ist Layla, die mit ihren ironischen Briefen nach Hause von den Ereignissen berichtet, da ist Jottie, die für mich eigentlich wichtigste Stimme und Willa, eine Tochter von Bruder Felix, die mit ihren 12 Jahren kein Kind, aber auch noch nicht erwachsen ist und neugierig und eifersüchtig jedem nachspioniert. Felix, der vergötterte Bruder und Vater ist ein – nett ausgedrückt – Filou. Er ist charmant, bricht Frauenherzen reihenweise, lügt und geht mehr als unsauberen Geschäften nach. Er ist ein Spieler und gewiefter Manipulator. Dass Layla sich sofort verliebt und dem Charme Charme Felix verfällt und blind und taub auf alle Anzeichen und Warnungen reagiert, ist fast unausweichlich.
    „Liebe Layla“ soll sicher mit dem deutschen Titel an der Erfolg der Autorin Annie Barrows anknüpfen, der vor einigen Jahren mit „Deine Juliet“ ein Überraschungserfolg gelang. In manchen Teilen erreicht sie auch wieder den Witz und Esprit des ersten Buches, auch wenn hier nur eine Handvoll Briefe Ironie versprühen dürfen. Der Hauptteil liegt in der Familientragödie der Romneys, die wir aus der Sicht von Jottie und der pubertären Willa erfahren, die voller Eifersucht auf die zunehmende Vertraut- und Verliebtheit von Layla und ihrem Vater blickt.
    Dazwischen geht das Kleinstadtleben seinen gemächlichen, in der Hitze des Sommers schläfrigen Gang und auch diese Schläfrigkeit überfällt auch bald den Leser, denn der Mittelteil des Buches zieht sich zäh dahin. Der Grundton des Romans ist sympathisch, die Zeit der Depression Amerikas am Beispiel der Stadt Macedonia, wird lebendig und entsteht farbig vor Augen. Dazu trägt auch eine Auswahl skurriler Nebenfiguren bei. Die ehrenwerte Mrs. Buckley etwa, die Willa immer zum Schwarzbrenner schickt, oder der überaus eitle Mr. Parker Davies, der sich der geballten Weiblichkeit geschlagen geben muss. Im Endergebnis war der Roman abaer zu lang, im Mittelteil kreiste er zwei-dreihundert Seiten immer um das gleiche Thema, damit verlor sich der Schwung, den der temperamentvolle Beginn versprach. Gegen Ende hin, nimmt das Buch wieder etwas Fahrt auf und ich konnte den Roman dann doch wieder versöhnt aus der Hand legen.
    Die schöne, ideenreiche Ausstattung des Buchs hat eine besondere Erwähnung verdient.