Lenz: Kriminalroman

Buchseite und Rezensionen zu 'Lenz: Kriminalroman' von Michael Theurillat
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

»Michael Theurillat beherrscht die hohe Kunst des Kriminalromans wie kaum ein Zweiter.« Berner Zeitung


Lenz ist ein großartiger universeller Kriminalroman über das drängendste Thema unserer Zeit: den Terrorismus. Kommissar Eschenbach gerät zwischen die Fronten und kämpft für die Wahrheit in einer Welt aus dubiosen Hintermännern, falschen Fährten und hochgefährlichen Verdächtigungen.


Als Kommissar Eschenbach aus seiner Auszeit zurückkehrt, ist die Welt eine andere. Tochter Kathrin ist bei ihm ausgezogen, seine Vertretung - die kühle, distanzierte Ivy Köhler - bleibt im Dezernat und sagt ihm den Kampf an. Der größte Schock ist jedoch, dass sein alter Freund und Kollege Ewald Lenz verschwunden ist - und unter Terrorverdacht steht. Lenz soll mit seinem enormen Insiderwissen und seinen technischen Fähigkeiten die Seiten gewechselt haben. Ivy Köhler hat ihn geradezu zum Abschuss freigegeben. Da wird ein Toter in Zürich gefunden, Walter Habicht, 62, soll aus Einsamkeit Selbstmord begangen haben. Doch der Kommissar glaubt nicht daran und beginnt sich mit dem Toten fast obsessiv zu beschäftigen, ist er doch im selben Alter wie er. Als Eschenbach ein rares Goldstück aus der Wohnung des Toten ihn Ivy Köhlers Schreibtisch findet, stellt er sich gegen das Dezernat und ermittelt auf eigene Faust.

Format:Kindle Edition
Seiten:272
EAN:

Rezensionen zu "Lenz: Kriminalroman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 19. Jan 2019 

    Fake News. Alternative Fakten. Terrorismus.

    Kommissar Eschenbach hat sich eine Auszeit gegönnt. Doch als er in den Zürcher Polizeidienst zurückkehrt, ist alles ganz anders als früher. Bald hat er das Gefühl, dass er von wichtigen Informationen abgeschnitten wird. Kein Wunder, denn sein Freund Ewald Lenz, ehemals Leiter des Polizeiarchivs, wird als Terrorist verdächtigt.
    Es ist ein sehr geschickt konstruierter Kriminalroman, den Michael Theurillat vorgelegt hat. Es ist mittlerweile der sechste Band, in dem Kommissar Eschenbach ermittelt. Das spielt aber für Quereinsteiger in diese Reihe keine Rolle. Theurillat schildert diesen Fall in zwei Erzählsträngen und verschiedeneren Zeitebenen. Wie gut kennt Lenz seine Freunde? Ewald Lenz ist eine Einzelgänger. Für den gesundheitlich stark angeschlagenen Walter Habicht, einem Studienkollege, den Lenz seit mehr als 40 Jahren kennt, erfüllt er einen Freundschaftsdienst und gerät unversehens unter Terrorverdacht.
    Dieser literarisch ansprechende Kriminalroman ist keine durchschnittliche Massenware, kein Reißer. Subtil, mit Schweizer Gründlichkeit, ja nahezu beschaulich erzählt Theurillat. Aber deswegen ist die Handlung nicht weniger spannend und bedrohlich. Der Autor betont zwar in seinem Nachwort, dass es sich bei seinem Werk um reine Fiktion handelt. Aber was er erzählt, könnte genausgut wirklich so passiert sein. „Manchmal ist die Realität noch verrückter als meine Fantasie.“, erklärt er. Dem kann, muss man zustimmen. Theurillat geht mit der Mittelmäßigkeit, dem Mainstream zu Gericht, mit der digitalen Generation, die beeinflussbar geworden ist durch gezielte Falschinformationen, alternativen Fakten in (Sozialen) Medien, die denkfaul geworden ist, die sich bestätigt fühlt, deren Ängste künstlich geschürt wird, die den Wahrheitsgehalt von Informationen nicht mehr hinterfragt, weil sie sich nur mehr in der Blase bewegt, die ihr recht gibt. Es ist ein brandaktuelles Thema, großartig umgesetzt.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 09. Nov 2018 

    Ausgezeichnet

    Nach einer mehrmonatigen Auszeit kehrt Eschenbach in seine Zürcher Dienststelle zurück. Aber es ist etwas anders geworden während seiner Abwesenheit, seine Stellvertreterin Ivy Köhler ist mehr als unterkühlt und scheint nicht gern den Platz zu räumen.
    Ein alter, schwerkranker Mensch, der mehrere Tage tot in der Wohnung lag, bevor er gefunden wurde, gibt Eschenbach ein Rätsel auf. Selbst wenn die Todesursache natürlich war, die Wohnung gibt ihm Rätsel auf. Sie ist unpersönlich, es gibt nichts, was auf den Menschen hinweist, keine Fotos, ein vollkommen leerer Kalender, es sieht sogar aus, als ob die Wohnung noch neue Böden bekommen hätte. Aber Eschenbach kommt nicht weiter, als er eine genauere Untersuchung anordnet, geht das Wohnhaus in Flammen auf. Seine Neugierde ist geweckt, vor allem als er versucht den Lebensweg des Toten, Walter Habicht, zu recherchieren. Überall stößt er auf Schweigen und gesperrte Akten.
    Ewald Lenz, langjähriger Freund und Kollege Eschenbachs, ist verschwunden, aber auch über ihn muss er Dinge erfahren, die er noch nicht wusste. Aber er ist auf sich allein gestellt, Köhler schneidet ihn allmählich vom Informationsfluss ab, denn Lenz steht unter einen unglaublichen Verdacht.
    Mein erster Kriminalroman um Eschenbach (es gibt nichts Näheres von ihm zu erfahren), aber ich hatte überhaupt keine Einstiegsschwierigkeiten. Es ist ein eher stiller Krimi, der mich an ein Kammerspiel erinnerte. Es sind im Grunde auch nur 3-4 Hauptpersonen um die sich alles dreht und deren Lebenswege sich seit Jahrzehnten kreuzten. Die Suche führt Eschenbach in Bereich der geopolitischen Ränke, es geht um Macht und Vorherrschaft, um Ressourcen und Politik. Die ganze Thematik wird sehr kenntnisreich erzählt und auch ohne Aktionismus baut sich ein Spannungsbogen auf, der zwar nicht sehr steil ist, aber bis zur letzten Seite anhält.
    Besonders die Person Ewald Lenz hat mich fasziniert, aber auch die anderen Mitwirkenden sind sehr anschaulich charakterisiert. Mir gefiel auch der Stil, besonders gut auch, dass die kleinen Schweizer Sprachbesonderheiten in manchen Benennungen nicht wegfielen. Ich mag Krimis mit einer niveauvollen Sprache. Da bin ich auf meine Kosten gekommen.
    Das Cover ist raffiniert. Der leuchtendrote Hintergrund, darauf ein weißes Kreuz, dessen untere Hälfte dunkel ist, das assoziiere ich sofort mit der Schweizer Landesfahne.