Landeierforschung: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Landeierforschung: Roman' von Karin Spieker
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3 von 5 (2 Bewertungen)

Die 40-jährige Anne gerät eher zufällig mit ihrem unkonventionellen Cousin Mike in das 300-Seelen-Nest Eisheim. Dort lernt sie nicht nur, dass es auf dem Land mehr zu entdecken gibt als Kühe und Schützenfeste, sie entdeckt auch, dass sie sich auf dem Rücken eines Pferdes erstaunlich gut fühlt. Außerdem trifft sie den attraktiven Reitlehrer Ben, der zwar ihre schlechtesten Eigenschaften zum Vorschein bringt, aber komischerweise trotzdem genau das zu sein scheint, was Anne braucht.

Format:Taschenbuch
Seiten:312
EAN:9783492501521

Rezensionen zu "Landeierforschung: Roman"

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 06. Jul 2018 

    Unser Dorf ist schön genug

    Eigentlich sollte Anne abgeklärt genug sein um sich nicht ständig von ihrem Ex-Ehemann Oliver provozieren zu lassen. Aber wenn man immer noch gemeinsam in einer Firma arbeitet, gibt es halt auch reichlich Reibungspunkte. So lässt sich Anne dazu hinreißen, den exotischen Urlaubstrip ihres Ex Mannes mit seiner neuen Freundin mit einer Rundreise durch die deutsche Provinz zu toppen. 5 Dörfer in zwei Wochen, ausgesucht nur nach einem romantischen Namen und möglichst abgelegen. Sie hätte bei der Firmenfeier wirklich nicht so viel Gin Tonic trinken sollen!
    Begleiten soll sie ihr Cousin Mike, mit dem sie in einer praktischen Kumpel WG lebt. Selbst ihr erwachsener Sohn Max schüttelt sich mit Grausen, als er von ihren Plänen hört. Aber Anne kommt aus der Nummer nicht mehr raus und so macht sie sich auf den Weg.
    Natürlich kommt es anders als man denkt. Die „Landeierforschung“ in der tiefsten Provinz bietet so manche Überraschung und neue Erkenntnis. So schlimm ist es doch gar nicht, es gibt überall knorrige Typen und – welche Überraschung – auch noch attraktive Männer und Frauen, die echte Freundinnen werden können.
    Die turbulente, recht komische Sommerkomödie entfaltet ihren Charme, sie ist flüssig zu lesen, Anne hat bald meine Sympathie auf ihrer Seite, auch wenn ich ihre anfängliche Zickigkeit und ihre Naivität etwas überzogen fand. Aber das rückt das Landleben dann bald zurecht. Eine lockere und flüssige Sprache, ein lustiger, ideenreicher Plot runden den herzigen Roman ab. Natürlich dürfen diverse Klischees nicht fehlen, aber ich fand, die Autorin hat sie mit einem Augenzwinkern eingesetzt und dadurch passen sie in die Geschichte. Der Figurenreigen passt ebenfalls dazu, ob Gutsbesitzer mit blitzenden Augen oder Schützenbruder, dessen Selbsteinschätzung kuriose Blüten treibt – den Vogel schießt aber ein Pärchen ab, der eine der Dorffriseur, der andere der Dorfmetzger – die Annes Leben ganz schön aufmischen.
    Eine witzige, flotte Sommerlektüre, genau richtig für Strandbad oder Balkon.

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 12. Jun 2018 

    Provinztours

    Manchmal redet sich die 40jährige Werbetexterin Anne um Kopf und Kragen, besonders wenn sie sich mal wieder über ihren Ex-Mann Oliver aufregen muss. Mit diesem arbeitet sie leider immer noch in der selben Firma. Und so hat Anne, die Städterin, plötzlich über eine Woche Landurlaub vor der Brust. Das kann ja nichts werden. Gegend, Landluft, Langeweile. Dass ihr Lieblingscousin Mike, der auch ihr einziger Cousin ist, sie begleitet, ist nur ein schwacher Trost. Fünf Kaffs sollen bereist werden, wahrscheinlich ist eins öder als das andere. Schon im ersten kleinen Ort ist das Glück zumindest Mike schon mal hold. Er lernt die resolute Nicki kennen, die genau sein Typ sein könnte.

    Stadtmenschen auf dem Land, dort, wo es zwar anders ist, aber vielleicht doch nicht ganz so schrecklich wie befürchtet. Ein feuchtfröhlicher Besuch auf dem örtlichen Schützenfest, bringt wenigstens die Erkenntnis, dass man auch in ländlichen Gebieten ordentlich feiern kann. Schneller als gedacht haben Anne und Mike ein paar liebenswerte Dorfbewohner kennengelernt, so dass sie es fast schon bedauern, weiterreisen zu wollen. Doch jedes Dorf hat seine Vorzüge und interessante Menschen wohnen manchmal in der kleinsten Hütte. Sowohl Anne als auch Mike erkennen, dass nicht alles in ihrem Leben perfekt ist und dass nicht alles auf dem Land zum fürchten ist.

    Vielleicht fällt es zunächst etwas schwer sich auf das Püppchen Anne und den Berufsjugendlichen Mike einzulassen, vielleicht mag der Trip aufs Land in kleinen Teilen etwas nichtssagend wirken, doch je länger die beiden unterwegs sind und auf dieser kurzen Reise beginnen über sich selbst nachzudenken und einiges zu verändern, desto mehr freundet man sich mit ihnen an. Gerne liest man welche neuen Eigenschaften sie an sie selbst entdecken. Wenn man selbst vom Land kann man bestens nachvollziehen, dass die Menschen da und dort nicht so unterschiedlich sind und jeder Lebensort seine Qualitäten haben kann. Schließlich ist von jedem Dorf eine Stadt nicht weit entfernt und aus jeder Stadt führt ein Weg aufs Land, so dass man eigentlich auf nichts verzichten muss. Manchmal kann es ein Glück sein, sich Veränderungen gegenüber offen zu zeigen.

    3,5 Sterne