Land in Sicht: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Land in Sicht: Roman' von Ilona Hartmann
4
4 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Land in Sicht: Roman"

Das Glück schmeckt nach Äpfeln und Schokolade


Lotta hasst Veränderungen. Blöd nur, dass das Leben darauf keine Rücksicht nimmt. Als ihre Oma stirbt, ist sie plötzlich Hausbesitzerin. Auf dem Land. Gemeinsam mit ihrer ungeliebten Schwester. Von nun an kämpft Lotta mit Kühen im Garten, mit den Dorfbewohnern und mit Handwerkern, die gern mal die falsche Wand einreißen. Und dann ist da auch noch der geheimnisvolle Graf im Nachbarhaus, der ihre Gefühle ganz schön durcheinanderbringt …


Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:160
Verlag: Blumenbar
EAN:9783351050764

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Rezensionen zu "Land in Sicht: Roman"

  1. Donauschiffahrt...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Nov 2020 

    Jana hat ihren Vater nie kennengelernt. Alles, was sie über ihn weiß, ist, dass er als Kapitän auf der MS Mozart arbeitet, einem eher wenig glamourösen Kreuzfahrtschiff auf der Donau. Also bucht sie sich kurzerhand eine Woche dort ein. Ob sie sich ihm zu erkennen geben wird, weiß sie noch nicht. Mit knapp hundert Gästen im Seniorenalter und der trinkfesten Bordbesatzung beginnt die Fahrt von Passau nach Wien. Mit großer Sensibilität erzählt Ilona Hartmann die Geschichte einer jungen Frau auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Ein Roman voller Situationskomik und ungewöhnlicher Begegnungen, aber auch der Beginn einer zärtlichen, emotionalen Annäherung zwischen Vater und Tochter, die gerade erst lernen, was es heißt, einander Familie zu sein.

    Sicher sehen die Urlaubspläne von Mittzwanzigern im Allgemeinen anders aus. Jana hat jedoch beschlossen, eine einwöchige Donauschifffahrt zu buchen, inmitten einer riesigen Horde grauhaariger Rentner. Der Grund dafür ist ihr Vater - ein Mensch, den sie noch nie gesehen hat, von dem sie aber in Erfahrung bringen konnte, dass er Kapitän auf der MS Mozart ist, die innerhalb von acht Tagen von Passau nach Wien die Donau hinabfährt.

    In locker-sarkastischem Ton berichtet Jana dem Leser von ihren teilweise doch recht skurrilen Begegnungen auf dem Schiff. Vor allem aber nimmt der Leser am Innenleben der Ich-Erzählerin teil, an ihren Gedanken und Gefühlen, die oftmals von großer Unsicherheit geprägt sind. Soll sie ihren Vater ansprechen oder nicht? Will sie sich nur einen kurzen Eindruck verschaffen oder ihn doch näher kennenlernen? Was hätte sie davon, diesen für sie fremden Menschen plötzlich in ihr Leben zu lassen?

    Jana trudelt durch die Tage und Nächte an Bord, nimmt an Landgängen teil und studiert ihre Mitreisenden sowie ihren Vater. Die Empfindungen und Entscheidungen der jungen Frau sind teilweise nachvollziehbar, doch löste die gesamte Lektüre bei mir wenig aus. Insgesamt blieb mir die Erzählung wohl doch zu sehr an der Oberfläche, waren die Personen für mich nicht wirklich greifbar. Der immer wieder aufblitzende schwarze Humor glich aus, dass der kurze Roman nach meinem Empfinden unterm Emotions-Radar blieb.

    Alles in allem habe ich das Debüt von Ilona Hartmann nicht ungern gelesen, doch einen bleibenden Eindruck hat es bei mir leider nicht hinterlassen...

    © Parden

  1. Ein frischer Ton

    bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 10. Nov 2020 

    Ilona Hartmann, 1990 in einem Dorf in der Nähe von Stuttgart geboren, lebt heute in Berlin und arbeitet als freie Autorin und Texterin ( z.B für Zeit online, der Freitag und Die Heute -show). „ Land in Sicht“ ist ihr Debutroman .
    Die Protagonistin Jana, Mitte Zwanzig, kommt vom Land , lebt nun aber in Berlin. Ihr Studium hat sie abgebrochen , verdient etwas Geld mit Photos, die sie verkauft . „ Die ersten Jahre im eigenen Leben fühlten sich an, wie freihändig auf dem Fahrrad bergab fahren. Nachts. Ohne Gucken. Es hätte Spaß machen können, aber ich hatte die ganze Zeit Angst um meine Vorderzähne.“
    Sie ist ohne Vater aufgewachsen, was sie aber bisher nicht belastet hat. Bis sie eines Nachts in einer Kneipe mit einem Mann ins Gespräch kommt, der ihr erzählt, er habe seinen Vater erst mit achtzehn Jahren kennengelernt. Und da habe sich bei ihm eine Wunde geschlossen.
    Danach fallen Jana plötzlich überall Väter auf und sie fragt sich, ob ihr nicht doch etwas fehlt.
    Die Vatersuche erweist sich als nicht allzu schwierig. Im Telephonbuch ihrer Mutter findet sie seinen vollständigen Namen und im Internet stößt sie auf ein Photo von ihm: Ein Mann, inmitten einer Reisegruppe, „ Milan, unser 1. Kapitän der MS Mozart“.
    Die MS Mozart ist ein leicht heruntergekommenes Schiff, das auf der Donau von Passau nach Wien fährt.
    Kurzerhand bucht Jana unter falschem Namen eine Kabine auf diesem Flusskreuzfahrtschiff und findet sich Wochen später inmitten reiselustiger Rentner als einzige Passsagierin unter Fünfzig. „ ...habe ich auf einen Schlag fast einhundert neue Großeltern, die mich anlächeln. Geld oder Süßigkeiten wurden mir leider noch nicht angeboten.“
    Was folgt sind nun einige witzige und skurrile Episoden an Bord und eine Begegnung mit dem Vater. Die verläuft reichlich unspektakulär. Es gibt keine rührseligen Szenen, keine großen Emotionen, sondern ein beinahe nüchternes Zusammentreffen. Aber gerade das macht die Geschichte so glaubhaft.
    Was das Buch zu einem wahren Lesevergnügen macht ist der schnoddrige Ton der jungen Autorin. Sie schreibt witzig und pointenreich, oft ironisch und voller Situationskomik. Dabei findet sie immer wieder originelle Sprachbilder.
    Deshalb nun noch einige Zitate:
    „Wer sich für eine Flusskreuzfahrt entscheidet, wählt, aus welchen Gründen auch immer: den Pragmatismus. Es ist die ideale Art zu Reisen für Menschen, die noch ein bisschen was von der Welt sehen wollen, aber bitte nicht zu viel. ...Alles, was hier passiert, passt auf zwei Bierdeckel.“
    „..., in unserem Leben war er ( der Vater ) nicht mehr als eine Fußnote, er stand im Kleingedruckten, während meine Mutter den Haupttext belegte.“
    „Mindestens die Hälfte der Eltern in meinem Umfeld trennten sich bis zum Abitur, meistens zogen die Väter aus. Sie wurden zu einer regelmäßig überwiesenen Summe auf dem Konto, zu einem Weihnachten in zwei Wohnungen oder zu einem „ Kein Anschluss unter dieser Nummer.“
    „Blut ist dicker als Wasser, oder geht zumindest schwerer wieder raus.“
    Die Hauptfigur weist einige Parallelen zur Autorin auf, allerdings hat diese ihren Vater ein Jahr vor der Schiffsreise kennengelernt.
    „ Land in Sicht“ ist ein höchst unterhaltsamer, aber auch sensibler Roman, ehrlich und unsentimental. Ich freue mich jetzt schon auf weitere Bücher der Autorin.