Küstenmorde

Buchseite und Rezensionen zu 'Küstenmorde' von Nina Ohlandt
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Herbst auf der Nordseeinsel Amrum. In einer stürmischen Nacht stirbt ein alter Mann, kopfüber aufgehängt am Quermarkenfeuer, dem kleinen Inselleuchtturm. Auch seine Frau wird brutal ermordet aufgefunden. Die Ermittlungen übernimmt Hauptkommissar John Benthien von der Flensburger Kripo. Benthien hat in seiner Dienstzeit schon viele grausame Fälle bearbeitet, doch dieser übertrifft alle. Wer steckt hinter dem Doppelmord? War es ein Racheakt?

Der Kommissar und sein Team tappen im Dunkeln - bis sie auf zwei Ereignisse stoßen, die weit in der Vergangenheit liegen...

Autor:
Format:Taschenbuch
Seiten:512
EAN:9783404169504

Rezensionen zu "Küstenmorde"

  1. bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 01. Feb 2017 

    Das Grauen in der Urlaubsidylle...

    Amrum - Sonne, Watt und Meer, Urlaub und unbeschwerte Tage, Strandwanderung und Wind in den Dünen. Was sonst verbindet man schon mit der herrlichen Urlaubsinsel? Nun, Nina Ohlandt macht die schöne Insel zum Schauplatz zweier grausamer Morde. Am Quermarkenfeuer, dem kleinen Leuchtturm auf Amrum, stirbt ein Mann in einer stürmischen Nacht, kopfüber aufgehängt und vom Wind immer wieder mit dem Kopf gegen das Eisen geschlagen. Kurz darauf wird auch seine Frau tot aufgefunden, nackt an den Boden ihres Schlafzimmers genagelt und mit einem Hammer erschlagen.

    John Benthien von der Flensburger Kripo beginnt zu ermitteln. Mit seinem Team mietet er sich in einem kleinen Ferienhaus auf der Insel ein und begibt sich auf Spurensuche. Was anfangs anmutet wie ein hilfoses Stochern im Heuhaufen, offenbart zunehmend Grauenvolles, je tiefer die Ermittler in der Vergangenheit forschen. Beliebt war das Ehepaar bei den Amrumern nicht gewesen - doch die Abgründe, die sich im Laufe der Ermittlungen auftun, hätte wohl niemand vermutet. Als an der dänischen Küste eine weitere Leiche aufgefunden wird, die offensichtlich mit den Amrumer Morden in Zusammenhang steht, ist die Verwirrung komplett.

    Eines gleich vorweg: dieser Krimi lässt sich Zeit. Anfangs hatte ich etwas Mühe, mich auf dieses langsame Tempo einzulassen, bis ich mir sagte, dass es zum Lebenstempo auf Amrum und an der Nordsee einfach nur passt. Von Hektik keine Spur, und da sich durch den Bezug der Ferienwohnung die Ermittlungen mit den privaten Anteilen zwangsläufig vermengen, erhält der Hörer auch ausreichend Einblicke z.B. in die Verpflegung und Vorlieben der Kommissare und lernt die verschiedenen Charaktere allmählich etwas kennen. Thomas Piper spricht den Text gediegen und trägt mit norddeutschem Einschlag zum langsamen Tempo der Erzählung noch einmal deutlich bei. Zwischen den einzelnen Kapiteln untermalt ein musikalischer Einschub aus Akkordeon und Meeresrauschen noch die oftmals vorherrschende düster-melancholische Stimmung.

    Während es anfangs nur Fragezeichen hinsichtlich des Täters und des Motivs zu geben scheint, tauchen letztlich immer mehr Verdächtige auf, was die Ermittlungen breit auffächern und das Ganze phasenweise etwas unübersichtlich erscheinen lässt. Zusammen mit dem langsamen Tempo war mir das manchmal etwas zu viel des Guten, auch wenn es natürlich zur Verwirrung beitrug. Vor allem im ersten Drittel schienen die 16 Stunden und 59 Minuten des Hörbuchs so kein Ende nehmen zu wollen.

    Letztendlich war das Hörbuch für mich aber durchaus unterhaltsam, die Spannung zog die Erzählung in meinen Augen vor allem aus dem Ausloten menschlicher Abgründe. Ruhig und unbeirrt kann man den Ermittlungen folgen - und zwischendurch das Inselflair genießen, das Nina Ohlandt hier so bildhaft schildert, dass man fast glaubt, den Sand selbst zwischen den Zehen zu spüren, das Meer zu riechen, dem Möwengeschrei über den auf den Strand auflaufenden Wellen zu lauschen.

    Insgesamt für mich ein gelungener Reihenauftakt um John Benthien von der Flensburger Kripo, der mich neugierig werden lässt auf die weiteren Folgen um den Ermittler.

    © Parden

  1. bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 22. Jun 2016 

    Wie der Vater

    Kommissar John (Joooon) Benthiens Vater hat es manchmal faustdick hinter den Ohren. Er umgibt sich einfach gerne mit interessanten Frauen, binden will er sich allerdings nicht, das sollte dann lieber mal sein Sohn tun, meint er. Er, der Alte, schäkert gerne und hat manchmal Mühe, die Avancen der Damen, die er selbst angefüttert hat, wieder zu bremsen. Zur Ablenkung kann er seinem Sohn auch mal in die Arbeit hineinreden. John hat gerade auf Amrum zu tun. In einem Örtchen der beschaulichen Insel sind doch tatsächlich zwei Menschen umgebracht worden. Beim den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar, das bei den Inselbewohnern nicht besonders beliebt war.

    Arbeiten, wo andere Urlaub machen, da müsste John und seinem Team der Job doch leicht fallen. Aber ganz so einfach ist es nicht. Wie so viele Dinge beginnt die Lösung dieses ersten Falles mit mühevoller Kleinarbeit. So muss das mit Krempel vollgestopfte Haus der Verstorbenen gründlich durchsucht werden. Jeder, der auch nur vielleicht etwas mit den Opfern zu tun gehabt haben könnte, wird eingehend befragt. Und es gibt mehr zu Befragende als man zunächst meinen könnte, denn einige der Urlauber haben mehr mit den Opfern zu tun als sie zugeben möchten. Nach und nach führen die Spuren zurück in die Vergangenheit.

    Langsam und gründlich wie die Ermittlungen so wirkt dieser erste Fall um Kommissar John Benthien. Doch dieses langsame Tempo zu Beginn verzeiht man schnell, wenn man so langsam erahnen kann, dass die Geschichte doch verwickelter ist und somit jede Wendung ihre Berechtigung haben könnte. Einige abrupte Szenenwechseln animieren doch schnell noch mal zurück zu blättern, ob man nicht etwas überlesen hat. Dennoch liest sich dieser ruhige stimmig-norddeutsche Krimi sehr angenehm. Und Kommissar John Benthien und sein Team gewinnen die Sympathien des Lesers.

    3,5 Sterne