Kleine Stadt der großen Träume: Roman

Buchseite und Rezensionen zu 'Kleine Stadt der großen Träume: Roman' von Fredrik Backman
5
5 von 5 (2 Bewertungen)

Eine kleine Stadt. Ein großer Traum. Der tief bewegende Roman des einfühlsamen Erzählers aus Schweden, der mit seinen Büchern die »New York Times«- und die »Spiegel«-Bestsellerlisten erobert hat. Wer glaubt noch an Björnstadt? Es liegt viel zu weit hinter den dunklen Wäldern im Norden. Doch die Menschen hier halten zusammen. Und sie teilen eine Leidenschaft, die sie wieder mit Stolz erfüllen könnte. Die den Rest der Welt an Björnstadt erinnern könnte. Vielleicht sogar Arbeitsplätze bringen, eine Zukunft. Deshalb liegen alle Träume und Hoffnungen nun auf den Schultern ein paar junger Björnstädter. Noch ahnt keiner in der Stadt, dass sich ihre Gemeinschaft über Nacht für immer verändern wird.

Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:512
EAN:9783810530431

Rezensionen zu "Kleine Stadt der großen Träume: Roman"

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 02. Mai 2019 

    Bewegender Roman über eine vergessene Stadt

    „Kleine Stadt der großen Träume" ist der erste Teil einer Serie von Fredrik Backman, dem Erfolgsautor von „Ein Mann namens Ove“. Im schwedischen Original heißt das Buch "Björnstad", was definitiv weniger kitschig als die deutsche Übersetzung ist. Aber das tut dem Buch keinen Abbruch.

    In Björnstadt ist nicht mehr viel los. Die fiktive Kleinstadt, irgendwo in den tiefen Wäldern Mittel- oder Nordschwedens gelegen, ist dem Untergang geweiht. Die Menschen ziehen weg. Die Fabriken verschwinden. Der Winter hat die Stadt über viele Monate hinweg eisig im Griff.

    Björn ist das schwedische Wort für "Bär". Und das sind die Menschen aus Björnstadt: Bären. Sie kämpfen und geben nicht auf. Vor vielen Jahren ist das Hockeyteam ihrer Stadt Zweiter im ganzen Land geworden. Peter Andersson war ein Teil dieses Teams. Jetzt ist er als Sportchef des Hockeyclubs zurückgekehrt. Und das Juniorenteam ist gerade auf dem besten Weg, ein neues Wunder zu schreiben. Sie stehen im Halbfinale. Noch zwei Spiele bis zu einer rosigen Zukunft. Bis Björnstad wieder registriert wird, bis die Kommune das geplante Hockey-Gymnasium in der Kleinstadt baut, bis man wieder selbstbewusst sagen kann, dass man aus Björnstadt kommt.
    Nur noch zwei Spiele.
    Alles und jeder fiebert darauf hin. Die Zukunft der Stadt liegt in den Händen des Teams aus Jugendlichen und Halbstarken, aus Träumern und Hoffenden, aus Kämpfern und Angebern.
    Und dann geschieht, was nicht geschehen darf. Einer der Stars aus dem Team wird zum Täter, ein junges Mädchen zum Opfer.
    Die Zukunft der Stadt steht auf dem Spiel. Da wägt jeder ab, was es zu prioritieren gilt und wo Schuld zu suchen ist...

    Der Erzähler widmet sich den Bewohnern der Kleinstadt mit viel Empathie. Auch die unsympathischen, egoistischen, kaltherzigen lässt er zu Wort kommen. Das macht es dem Leser nicht immer einfach. Denn auch wenn man diese Menschen nach wie vor nicht mag, zeigt es doch, dass jedes Handeln menschlich ist und jeder irgendwelche Beweggründe hat für das, was er tut und denkt. Es wird einem nicht so einfach gemacht, eine Figur simpel und undifferenziert in die gute oder böse Ecke zu stellen.

    Nicht nur bei den Figuren ist es so: Der Roman zeigt die faszinierenden und tollen Seiten des Eishockey auf – und die zerstörerischen. Björnstad erscheint als miefiges Kaff – das dennoch (zumindest in Teilen) viel Herz hat. Dass die Eltern ihre Eishockey spielenden Kinder mit Leib und Seele unterstützen, wird als wundervolle Geste dargestellt – und als blinder Egoismus.
    So kommt ein differenzierter und vielschichtiger Roman heraus, der oft sehr ernst, immer wieder traurig, aber oft auch komisch ist. Es ist ein Roman über Eishockey, der weit mehr erzählt als nur eine Eishockey-Geschichte. Er handelt von kleinen Städten in strukturschwachen Gegenden. Von Jugend und Pubertät und all den Kämpfen, Hoffnungen, Träumen und Rückschlägen, die man als Jugendlicher in dieser Zeit durchlebt. Von Erziehung, Freundschaft, Verantwortung und Schuld. Er ist eine Geschichte über das Schweigen und den Wert von Kommunikation. Letztendlich ist er damit ein Roman über die Gesellschaft und über die Art und Weise, wie wir zusammenleben (wollen).

    Ein besonderes Buch, das wir daher ganz besonders empfehlen!

    Die ganze Rezension kannst du auch auf https://elchkuss.de/bjoernstad-roman-ueber-eine-vergessene-stadt/ nachlesen.

  1. bewertet:
    5
    (5 von 5 *)
     - 13. Nov 2017 

    Emotional und unerwartet tiefgründig

    Dies war mein erstes Buch des Autors. Aber nach dem, was ich zuvor über seine Bücher gehört hatte, und nach dem, was der Klappentext suggeriert, habe ich eine heitere, aufbauende Geschichte erwartet, in der kleine Außenseiter zu ganz großen Helden werden. Ein Wohlfühlbuch, das man mit einem Lächeln zuklappt und vielleicht seiner Mutter zum nächsten Geburtstag schenkt.

    Bekommen habe ich stattdessen eine dramatische, aufwühlende Geschichte, in der sich in einer kleinen Stadt ganz große Abgründe auftun. Die Menschen von Björnstadt projizieren all ihre Hoffnungen und Leidenschaft auf die Junioren-Eishockeymannschaft, und das grenzt nicht nur an Fanatismus, das hat schon lange das Land des gesunden Menschenverstandes verlassen.

    Der Sport bewirkt viel Gutes im Leben der Kinder, denn er gibt ihnen Ziele, ein Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit, Träume und Zukunftsperspektiven. Aber der Leser lernt auch die Schattenseiten kennen:

    Eltern nehmen in Kauf, dass ihre Kinder beim Training verletzt und gedemütigt werden. Sponsoren sehen diese sogar nur als Produkte, die ihnen Geld bringen sollen. Und den Jugendlichen selber wird suggeriert, dass das Eishockey sie zu Helden macht, denen eine Sonderbehandlung zusteht und die sich alles erlauben können. Jedenfalls den Jungen, denn von den Mädchen wird zwar erwartet, dass sie Eishockey lieben, aber bitte nur in der Rolle des anhimmelnden Fans – das jedoch nicht zu sehr, sonst sind sie [ hier denke man sich bitte ein negativ besetztes Wort für ein Mädchen, das angeblich "leicht zu haben" ist ].

    Backman zeichnet mit subtilen und einfühlsamen Worten das Psychogramm einer Stadt, in der Eishockey nicht so wichtig ist – 'es ist einfach nur alles'. Da kreischen Mütter beim Spiel "Bist du schwul, oder was?!" Da führen Väter genau Buch über die Erfolge des Sohnes, können sich aber nicht überwinden, ihm mal anerkennend die Hand auf die Schulter zu legen. Und da passieren Dinge, wo ich das Buch erst einmal zur Seite legen musste, bis Blutdruck und Herzschlag wieder auf ein vertretbares Level gesunken waren.

    Hier wird so unglaublich viel angesprochen, Positives und Negatives.

    Nicht nur der Fanatismus, die absurd übersteigerte Leistungskultur, die Mauer des Schweigens, wenn etwas diese Leistungskultur bedroht... Ganz nebenbei geht es um Vorurteile und soziale Ausgrenzung, um moralische Prinzipien und deren Korruption – aber auch um Loyalität und Freundschaft und die Tatsache, dass beides seine Grenzen hat und haben muss.

    Obwohl das Buch nicht das war, was ich erwartet hatte: es ist ein großartiges Buch mit einer bewegenden Geschichte, und es ist wirklich gekonnt und einzigartig geschrieben. Die Geschehnisse sind mal herzerwärmend, mal schockierend, mal tragisch, mal lustig, aber was auch immer sie vermitteln: man muss mitfühlen, mitfiebern, mitleiden, mitlachen und kann sich nicht einfach berieseln lassen.

    Es ist ein Buch voller schwerer, ernsthafter Themen, aber der Schreibstil hat trotzdem immer eine gewisse Leichtigkeit, viel Wortwitz und einen feinen Humor. Der Autor hat ein wunderbares Gespür für das Zwischenmenschliche, und so wirken all seine Charaktere wie direkt aus dem Leben gegriffen. Man kann und muss nicht jeden davon mögen – aber wenigstens verstehen. Fredrik Backman ist kein Autor, der einem Pauschalurteile ermöglicht, und das ist auch gut so.

    Zusammenfassung und Fazit:

    Das Buch war nicht einmal annähernd das, was ich erwartet hatte: statt einer lustigen Geschichte über jugendliche Außenseiter, die ihre Kleinstadt ganz groß rausbringen, bekam ich eine Geschichte, die die volle Bandbreite der Emotionen abdeckt, inklusive der schlechten. Manchmal wollte ich das Buch gegen die Wand pfeffern oder aus dem Fenster schmeißen, bin aber froh, es nicht getan zu haben.

    Hier geht es nicht nur um Eishockey, aber Eishockey ist das, wofür diese kleine Stadt lebt und kämpft und betrügt und verrät... Die Menschen zeigen sich von ihrer besten und ihrer schlechtesten Seite, und schließlich passiert etwas, das sowohl das Gute als auch das Schlechte auf die Spitze treibt.

    Es gibt wunderbare Szenen, wo einem das Herz aufgeht, aber es werden ebenso ernste, traurige, schwierige Dinge angesprochen, die der Autor mit ruhiger Sorgfalt und tiefer Einsicht in das Gefühlsleben seiner Charaktere vor dem Leser ausbreitet. Dennoch liest sich das Buch unterhaltsam, oft sogar witzig – aber manchmal eben auch das genaue Gegenteil. Lohnen tut es sich aber in meinen Augen durchweg.