Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit

Buchseite und Rezensionen zu 'Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit' von Ken Follett
3.5
3.5 von 5 (2 Bewertungen)

Inhaltsangabe zu "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit"

England im Jahr 997. Im Morgengrauen wartet der junge Bootsbauer Edgar auf seine Geliebte. Deshalb ist er der Erste, der die Gefahr am Horizont entdeckt: Drachenboote. Jeder weiß: Die Wikinger bringen Tod und Verderben über Land und Leute. Edgar versucht alles, um die Bürger von Combe zu warnen. Doch er kommt zu spät. Die Stadt wird beinahe völlig zerstört. Viele Menschen sterben, auch Edgars Familie bleibt nicht verschont. Die Werft der Bootsbauer brennt nieder. Edgar bleibt nur ein Ausweg: ein verlassener Bauernhof in einem Weiler fern der Küste. Während Edgar ums Überleben kämpft, streiten andere um Reichtum und Macht in England. Unter ihnen: der gleichermaßen ehrgeizige wie skrupellose Bischof Wynstan, der idealistische Mönch Aldred und Ragna, die Tochter eines normannischen Grafen ... Edgar, Ragna, Wynstan, Aldred - ihre Schicksale sind untrennbar miteinander und mit ihrer Zeit verbunden. Ihr Land, das England der Angelsachsen, ist eine Gesellschaft voller Gewalt. Eine Gesellschaft, in der selbst der König es schwer hat, Recht und Gerechtigkeit durchzusetzen. Gemeinsam mit Edgar, Ragna, Wynstan und Aldred erleben wir den Übergang von dunklen Zeiten ins englische Mittelalter - und den Aufstieg eines unbedeutenden Weilers zum Ort Kingsbridge, den wir seit "Die Säulen der Erde" kennen und lieben.

Autor:
Format:Gebundene Ausgabe
Seiten:1024
Verlag: Lbbe
EAN:9783785727003

Rezensionen zu "Kingsbridge - Der Morgen einer neuen Zeit"

  1. Ein handfester Schinken

    bewertet:
    4
    (4 von 5 *)
     - 28. Nov 2020 

    England im Jahre 997: Nach einem Überfall der Wikinger auf die Stadt Combe steht der junge Edgar mit seiner Familie vor dem Nichts. Der Vater, ein begnadeter Handwerker und Bootsbauer tot, das Haus, die Werkstatt, Material und Vorräte zerstört. Auch Edgars Geliebte, mit der er gerade ein eigenes Leben aufbauen wollte, hat den Überfall nicht überlebt. Im abgeschieden Weiler Drengs Ferry erhält die Familie einen heruntergekommenen Hof zur Pacht.

    Während die einfachen Menschen mit harter Arbeit gegen Not und Hunger ankämpfen, leben die weltlichen und geistlichen Würdenträger sehr gut von ihren Untergegebenen. Die Brüder Wynstan, Wilwulf und Wigelm bilden ein Triumvirat an Macht und Dekadenz. Es entbrennt ein heftiger Kampf um Herrschaft und Reichtum. Dem skrupellosen Vorgehen setzen sich Ragna, die normannische Adelige und Ehefrau Wilwulfs, der idealistische Mönch Aldred und der immer stets aufs Gute bedachte Edgar mit aller Kraft entgegen.

    Ken Follett konnte schon vor einiger Zeit mit seiner historischen Trilogie beginnend mit „Die Säulen der Erde“ große Erfolge feiern. „Kingsbridge - der Morgen einer neuen Zeit“ ist nun eine Art Prequel zu diesem Epos. Auch wenn Ken Follett uns in die längst vergangenen Zeiten des dunklen Mittelalters führt und dabei weder blutige Details noch sexuelle Ausschweifungen ausspart, scheint es mir doch, dass er so manchen gegenwärtigen Seitenhieb nicht verkneifen kann.

    „England ist eine reiche alte Dame mit einer Kiste voller Geld und niemandem, der es bewacht. Natürlich weckt das Begehrlichkeiten.“

    Follett zeigt auch hier sein ganzes Können (und das seiner Schreibwerkstatt). Vorwerfen darf man dem britischen Schriftsteller, dass er seinen Figuren keine Grautöne gönnt. Edgar ist fast zu gut, um wahr zu sein, und Bischof Wynstan in seiner Perfidität ein Bösewicht, wie er im Buche steht. Mit Ragna, der mittelalterlichen Feministin, und dem eindeutig homosexuellen Mönch Aldred spielt er auch die Diversitykarte aus. Bin ich ihm deswegen böse?

    Nein, denn: Kingsbridge ist ein opulenter, süffiger historischer Roman. Ein „herzhafter Schinken“, den man gerne verschlingt, handfest, langanhaltend. Follett erzählt bildgewaltig vom ewigen Streben nach Macht und Glück, stellt Geschick und Schicksal einander gegenüber und geht dabei ans Eingemachte.

    Schon wieder eine kulinarische Metapher? Ja, denn die Lektüre von Kingsbridge macht einfach satt an langen Herbstabenden.

  1. Es hätte so schön werden können...

    bewertet:
    3
    (3 von 5 *)
     - 27. Okt 2020 

    Eine Geschichte zur Entstehung von Kingsbridge, ein düsteres Cover und ein fesselnder Klappentext haben mich dazu bewogen nach Jahren mal wieder in Folletts Welt einzutauchen.

    In der Geschichte geht es um zwei Brüder- Trios, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Edgar und seine Brüder Erman und Eadbald nach einem Wikingerüberfall völlig mittellos sind und komplett von vorn beginnen müssen, streiten sich die Brüder Wynstan, Wigelm und Wilwulf mit anderen Mächtigen um Geld, Vorherrschaft und Einfluss. Ihre Intrigen bereiten dabei vielen Menschen Kummer, so auch der Normannen- Tochter Ragna oder dem Mönch Aldred. Wie wird das Schicksal dieser Menschen seinen Lauf nehmen?

    Zunächst einmal muss ich die Gestaltung loben, denn die holzschnittartigen Zeichnungen vor jedem größeren Abschnitt haben mir sehr gut gefallen.

    Auch der Einstieg in die Geschichte fiel ungemein leicht und war direkt spannend. Follett nimmt sich Zeit die einzelnen Figuren dem Leser vorzustellen. Dabei wird sehr schnell klar, wer zu den Guten und wer zu den Bösen gehört.

    In meinen Augen zeigt Follett sehr gut auf wie rau die damalige Zeit war und dass der Recht bekommt, der am meisten Macht hat.

    Meine liebste Figur war ganz klar Aldred mit seiner Güte. Er hat den großen Wunsch aus seiner Heimat ein Zentrum für Glaube und Wissen zu erschaffen, was ihm viel abverlangt und dennoch beißt er sich durch.

    Edgar, den späteren Baumeister, fand ich auch nicht übel, da er immer an das Gute im Menschen glaubt. Leider war er mir zu idealisiert dargestellt, denn er kann einfach alles und ist in allem perfekt. Ihm gelingt alles, was ich als wenig realistisch empfunden habe.

    Bei Ragna hatte ich zu Beginn das Gefühl, dass sie Potenzial zum Liebling hat. Leider entwickelt sie sich im Verlauf der Geschichte nicht so wie ich es mir gewünscht habe. Klar ist sie oft stark und versucht sich zu widersetzen. Am Ende jedoch greift sie zu denselben Mitteln wie ihre Gegner, was mich schwer enttäuscht hat.

    Im mächtigen Brüder Trio, den drei W, manifestierte sich das Böse, denn schlimmer als Wynstan, Wigelm und Wilwulf agiert kaum jemand im Buch und jedem ist beim Lesen klar, dass es diese zu hassen gilt.

    Während ich die ersten drei Viertel des Romans noch recht gern gelesen habe, übertreibt der Autor es zum Ende hin komplett. Hier besticht die Geschichte vor allem durch übertriebene Grausamkeit voller Gewalt und Vergewaltigungen. Das war in meinen Augen absolut unnötig, denn die Figuren haben ja eh bereits massiv gelitten. Zudem wiederholten sich zum Ende hin die Wünsche der Bösen, wo ich als aufmerksamer Leser dachte: Ich habe es beim ersten Mal verstanden und muss die Mordgedanken nicht fünf Mal lesen.

    War die Anzahl der Figuren zu Beginn noch überschaubar, so wirft Follett im Laufe der Zeit immer mehr Personen ins Geschehen, die teilweise gar nicht nötig sind. Zudem gibt es leider kein Personenregister, so dass viele Nebenfiguren schnell wieder in Vergessenheit geraten.

    Auch etwas ungeschickt empfand ich das Auftauchen homosexueller Protagonisten, da dies sehr plump geschildert wurde, teilweise noch dazu sehr unglaubwürdig erschien. Es wirkte auf mich eher so als wenn das Thema mit in die Geschichte geflossen ist, weil das gerade in Mode ist und nicht weil es dem Autor wichtig war, was ich unheimlich schade finde.

    Das Ende war übertrieben schwarz weiß gezeichnet, die Guten obsiegen und die Bösen verlieren. Auch hier mangelte es an Glaubwürdigkeit.

    Der Roman hat sich kurzweilig lesen lassen, kommt aber in keinster Weise an die Vorgänger heran. Bei dem Ende bleibe ich leider etwas enttäuscht

    Fazit: Starker Anfang mit eher schwachem Ende. Das konnte Ken Follett schon mal deutlich besser.